Karlsruhe Prozessauftakt um Kindesmissbrauch: Angeklagter will aussagen, Öffentlichkeit teilweise ausgeschlossen

Es ist ein Fall, der Anfang des Jahres Aufsehen erregt hat, als vor einigen Monaten in Freiburg die Mutter und der Stiefvater eines heute 9-jährigen Jungen festgenommen werden, die ihren Sohn im Internet verkauft haben. Kurz danach wird in Karlsruhe ein 44 Jahre alter Mann aus Schleswig-Holstein festgenommen. Er wollte den Jungen missbrauchen und anschließend töten. Nun steht er vor Gericht, am Montag war Prozessauftakt.

Um kurz nach 9 Uhr an diesem Montagmorgen betritt der Angeklagte aus Schleswig-Holstein den Schwurgerichtssaal am Karlsruher Landgericht. Er hält sich einen Ordner vor das Gesicht, will zunächst nicht erkannt werden. Erst als die Kameras ausgeschaltet sind, zeigt er sein Gesicht. Der 44-jährige Daniel V. blickt aus leeren Augen in den Gerichtssaal, während seine Verteidigerin Andrea Combé einen ersten Antrag vorlegt.

Angeklagter wird aussagen

Sie verlangt, die Öffentlichkeit von dem Prozess, bei dem es um Sichbereiterklärens zum sexuellen Missbrauch von Kindern, um Sichbereiterklären zum Mord sowie dem Besitz kinder- und jugendpornografischer Schriften und Videos geht, auszuschließen. "Mein Mandant wird sich mündlich einlassen und eine Erörterung würde seine Persönlichkeitsrechte verletzten", führt die Verteidigerin aus. Schließlich würde sich die Beweisaufnahme auch auf das Sexualleben des Angeklagten beziehen.

Gerichtssaal
(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Die Staatsanwältin Wera Lingemann tritt dem Ausschluss entgegen: "Durch die schwere der Straftat gibt es ein hohes Interesse der Öffentlichkeit, und da ist zwischen dem Interesse und den Persönlichkeitsrechten abzuwägen!" Der Vorsitzende Richter, Peter Stier, unterbricht die Verhandlung, nun wird über den Antrag der Verteidigung beraten. Der Angeklagte aus Norddeutschland, der seit dem 3. Oktober in Untersuchungshaft sitzt, schaut teilnahmslos zu Boden. 

Angeklagter ist emotionslos

Das Gericht kam dem Antrag nach, die Öffentlichkeit - zumindest teilweise - von der Verhandlung auszuschließen. "Die Öffentlichkeit wird für die Dauer der Vernehmung und des psychiatrischen Gutachtens ausgeschlossen", erklärt Richter Stier. Ansonsten wird der Antrag der Verteidigung, bis auf diese Ausnahmen, zurückgewiesen. "Das Interesse der Öffentlichkeit überwiegt jedoch!" 

Landgericht
Bild: Clara Wolf

Kurz nach 10 Uhr verliest Staatsanwältin Wera Lingemann die Anklageschrift. "Der pädophil und sadistisch veranlagte Angeklagte stand über das 'Darknet' in Kontakt mit dem Stiefvater des Jungen. Im Chat fragte er Christian L., ob er den damals 8 Jahre alten Jungen missbrauchen und anschließend töten dürfe", so die Staatsanwältin. "Es sollte eine besonders grausame Tötung sein und ihn sexuell befriedigen!" Während ihrer Ausführungen bleibt Daniel V. ruhig, schaut starr und mit leicht gesenktem Blick in den Saal. 

Verdeckter Ermittler im Einsatz

Wera Lingemann verliest in der Anklageschrift auch, wie Daniel V. sich die Vergewaltigung des kleinen Jungen vorstellt: möglichst schmerzhaft. Das schreibt er im Darknet alles dem Stiefvater, doch der saß zu dem Zeitpunkt bereits im Gefängnis - das wusste V. allerdings nicht. All diese Angaben machte er daher einem verdeckten Ermittler, der sich als Christian L. ausgibt. Sie vereinbaren ein Treffen für den 3. Oktober in Karlsruhe, dort soll Daniel V. den Jungen in einer Gartenhütte unweit des Hauptbahnhofs vergewaltigen können. Dann wird der 44-Jährige festgenommen. 

Gerichtssaal
(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Da der 44 Jahre alte Angeklagte bereits einschlägig vorbestraft ist, stuft die Staatsanwaltschaft Daniel V. als "gefährlich" ein. "Daher hat das Gericht Sicherungsverwahrung anzuordnen und den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren zu verurteilen", schließt Staatsanwältin Lingemann ab. Für den Prozess sind insgesamt drei Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird dann für Ende Juni erwartet. Seit dem 11. Juni müssen sich auch die Mutter des Jungen sowie der Lebensgefährte Christian L. in Freiburg vor Gericht verantworten. 

Mehr zum Thema: 

Wehrloses Kind missbraucht: Paar im Fall Staufen vor Gericht

Staufen: Verurteilter Soldat geht in Revision

Missbrauchsprozess in Freiburg: Hauptbeschuldigter gesteht

Kinderschänder-Ring zerschlagen: Mann reist für Missbrauch nach Karlsruhe

Kinderschänder in Freiburg und Karlsruhe: Rechtsaufsicht prüft Jugendamt

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (0)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.