13  

Karlsruhe Problemzone Werderplatz: Wie Karlsruhe Drogen- und Alkoholkonsum in den Griff bekommen will

Der Werderplatz in der Südstadt: sozialer Brennpunkt, Treffpunkt für Drogen- und Alkoholkonsumenten, Platz mit Konfliktpotenzial. Kein einfaches Pflaster und für viele ein "Schandfleck" mitten in der Stadt. Doch die Situation soll nun entschärft werden. Im Gemeinderat wird nun beraten, ob ein Drogenkonsumraum sowie ein alkoholakzeptierender Aufenthaltsraum eingerichtet wird.

Bereits im Herbst 2016 wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um die teilweise angespannte Situation am Werderplatz zu entschärfen. Deren Aufgabe: Maßnahmen auszuarbeiten, um den Problemen Abhilfe zu schaffen. Die Empfehlung der "AG Werderplatz": die Einrichtung eines Drogenkonsumraums in Kombination mit einem Kontaktladen. Ein weiterer Vorschlag: Einen alkoholakzeptierenden Aufenthalts- und Beratungsraum zu etablieren. Diese beiden Vorschläge werden nun im Karlsruher Gemeinderat diskutiert und stehen zum Beschluss (ka-news wird berichten).

Die beiden Maßnahmen seien laut Stadt eine Ergänzung zu den bereits bestehenden Einrichtungen in der Fächerstadt. "Niedrigschwellige Hilfen dienen der Sofort- und Überlebenshilfe. Sie erreichen die Menschen vor Ort und dienen auch der Entlastung des öffentlichen Raumes", schreibt die Stadtverwaltung in ihrer Beschlussvorlage an den Gemeinderat. Heißt: Der Werderplatz soll wieder "sauberer" werden. Das Gefühl der Sicherheit für Anwohner wieder steigen. Auch für Suchtkranke soll sich die Situation verbessern. "Ein Drogenkonsumeraum bietet Drogenabhängigen die Möglichkeit, mitgebrachte Substanzen unter Einhaltung bestimmter Regeln unter hygienischen Bedingungen einzunehmen", so die Stadt weiter. 

Drogenkonsum
(Symbolbild) | Bild: pixabay.de/rebcenter-moscow

Ergänzung zum bestehenden Kontaktladen

In Karlsruhe gibt es bereits eine Anlaufstelle für Drogenkonsumenten: das "get IN" in der Kriegsstraße, der von der Arbeiterwohlfahrt Karlsruhe (AWO) betrieben wird. Hier können suchtkranke Menschen kostenlose Hilfe und Beratung bekommen, günstig essen und vor allem alte, gebrauchte Spritzen gegen neue tauschen. Das Angebot wurde in den vergangenen Jahren gut angenommen, die Zahl der getauschten Spritzen stieg kontinuierlich auf 37.124 im Jahr 2017. So werden Infektionen und Folgeerkrankungen vermieden. Das ist nur eines der Ziele des geplanten Drogenkonsumraumes am Werderplatz, der eine Erweiterung zum "get IN" werden soll.

Auch Überdosierungen oder Todesfälle durch Drogen sollen so verhindert werden.Von einem Drogenkonsumraum erhofft sich die Stadt eine gesundheitliche Stabilisierung der Suchtkranken. Wer beispielsweise Hilfe sucht, um aus der Drogenszene auszusteigen, soll hier ebenfalls eine Anlaufstelle finden. "In Kombination mit einem Kontaktladen werden auch hier Möglichkeiten des Aufenthaltes, der Unterstützung sowie Arbeitsgelegenheiten vorgehalten", schreibt die Stadt Karlsruhe weiter in der Beschlussvorlage für den Gemeinderat. 

Drogensucht
(Symbolbild) | Bild: fotolia/lovegtr35

Stadt sieht den Bedarf

Um sich ein besseres Bild zu machen, und um Erfahrungen auszutauschen, besuchte Bürgermeister Martin Lenz vor wenigen Wochen einen etablierten Drogenkonsumraum in Bochum. Denn für die Stadtverwaltung ist klar, dass in der Fächerstadt Bedarf für diese Art der Einrichtung besteht. "Schon lange werden nicht nur die Toilette am Werderplatz, sondern auch die umliegenden Grünanlagen und der Werderplatz selbst zum Drogenkonsum genutzt", weiß die Stadt. 

2017 lagen die Besuchszahlen bei knapp über 12.000 - der bereits bestehende Kontaktladen "get IN" wird gut angenommen. Jedoch konnte auch diese Anlaufstelle nicht verhindern, dass 2017 die Zahl der Drogentoten in der Fächerstadt erneut gestiegen ist.  Im Stadtkreis Karlsruhe kamen im vergangenen Jahr zehn Menschen durch eine Überdosis ums Leben. 2016 waren es neun, 2015 waren es vier Drogentote. Mögliche Ursachen: neue, hochpotente Wirkstoffe und sinkende Preise. "Auch diese Entwicklungen sprechen für einen Drogenkonsumraum", so die Stadt weiter in ihrer Beschlussvorlage die nun im Gemeinderat diskutiert werden soll. 

Die Kosten hat die Stadt Karlsruhe bereits im Blick: Etwa 197.000 sind pro Jahr für den Drogenkonsumraum erforderlich und sollen im Doppelhaushalt 2019/2020 eingestellt werden. Wo dieser Raum entstehen soll, steht derzeit noch nicht fest.

Der Werderplatz in der Südstadt gilt als Brennpunkt. Die Stadt sieht hier klaren Handlungsbedarf. | Bild: Thomas Riedel

Nicht nur Drogen, auch Alkohol sind Problem

Ähnlich verhält es sich mit dem alkoholakzeptierenden Aufenthaltsraum: "Das Angebot stellt einen Raum zur Verfügung, in dem selbst mitgebrachter, niedrigprozentiger Alkohol konsumiert werden kann und Menschen sich aufhalten und soziale Kontakte pflegen können", heißt es in der Beschlussvorlage der Stadt Karlsruhe. "Es muss attraktiver sein, als der dauerhafte Aufenthalt an öffentlichen Plätzen!" So will man seitens der Stadtverwaltung die teils angespannte Lage auf dem Werderplatz und anderen öffentlichen Plätzen entspannen. Alkoholkranke Menschen, die Hilfe suchen, finden hier außerdem eine Anlaufstelle. 

Der Raum ist ebenfalls eine Ergänzung der Straßensozialarbeit des Diakonischen Werks (DWK) und soll in der Schützenstraße 2 angesiedelt werden. Auch der Alkohol Akzeptierende Aufenthaltsraum ("A hoch 3") kann noch dieses Jahr eröffnet werden, wenn sich der Gemeinderat in seiner Sitzung für die Einrichtung ausspricht. Auch diese Idee ist aus der Arbeit der "AG Werderplatz" entstanden. 

"A hoch 3" in der Schützenstraße

Die Eröffnung des "A hoch 3" wäre laut Stadt eine "sinnvolle Verknüpfung mit einem zeitlich begrenztem Alkoholkonsumverbot auf dem Werderplatz." Inwiefern sich das Projekt auf den Platz in der Südstadt auswirkt, kann noch nicht abgeschätzt werden. "Deshalb soll das Angebot auf drei Jahre befristet und immer wieder bewertet werden!" 

Für das Jahr 2018 stehen 110.000 Euro zur Verfügung, für die Jahre danach rechnet die Stadt Karlsruhe mit jährlichen Kosten von über 151.000 Euro. Auch diese Gelder werden im Rahmen der Genehmigung des Doppelhaushalts bereitgestellt. 

Mehr zum Thema:

Situation am Werderplatz: Drogenkonsumraum auch für Karlsruhe?

Drogenkonsumraum in Karlsruhe: Sozialminister Jucha unterstützt Vorschlag

Ergebnisse der Bürgerbeteiligung: Wie geht es weiter am Werderplatz?

Drogenraum und Alkohol-Verbot: Stadt will am Werderplatz eingreifen

Problemzone Werderplatz: Wie kann man die Situation verbessern?

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (13)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   SMu
    (4 Beiträge)

    24.05.2018 13:41 Uhr
    Die harten Drogen sind bei Weitem nicht das einzige Problem!!
    Der Werderplatz wird immer nur mit dem Konsum von harten Drogen in Verbindung gebracht... natürlich ist das ein wichtiger Teil des großen, ganzen Problems am Werderplatz! Aber viele der täglichen Störer am Werderplatz sind den ganzen Tag nur am saufen, am streiten, am grölen, am schreien, am randalieren,.
    Dazu kommt, dass viele sich generell -auch ohne Streit - von morgens an so laut miteinander "kommunizieren", dass man regelmäßig die Fenster schließen muss (wenn man in direkter Umgebung wohnt) !!! On top kommt das ständige Gebell der dazu gehörenden Hunde! Ein weiterer Punkt ist das Kampieren auf dem Biergartengelände der Gaststätte Wolfbräu - und zwar täglich von 8 Uhr am Morgen bis zur Öffnung der Gaststätte am frühen Abend!! Nicht vergessen sollte man auch das abartige KSC-Gegröle und den täglichen Müll, der sehr oft einfach auf dem Boden oder im Brunnen entsorgt wird - dazu gehören auch die Kronkorken der unzählbaren Bierflaschen, die t
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kuba
    (1029 Beiträge)

    25.04.2018 14:00 Uhr
    Wir haben hier ganz viele Fachleute
    die zu allem und vor allen Dingen, wenn es um Ordnung in der Stadt geht, ihren Senf geben. Diese Besserwisser würden natürlich am liebsten mit dem Kärcher über den Werdenplatz gehen und alle einsperren. Wenn das so leicht ging, wäre das schon gemacht worden. Das Forum hier ersetzt den Stammtisch. Schade, da könnten diese Leute doch besser ihren Alkoholkonsumraum nutzen um ihre Weisheiten an den Mann zu bringen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   malerdoerfler
    (5895 Beiträge)

    25.04.2018 00:37 Uhr
    Wenn man sich immer tolerant
    und weltoffen zeigt und sich vermeintlich keiner an irgendwelche Regeln halten muss - dann hat man die Sache irgendwann einfach nicht mehr im Griff.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Robert1959
    (1962 Beiträge)

    24.04.2018 15:30 Uhr
    Ein Versuch ist es wert!
    Ich bin mir aber nicht sicher, ob es angenommen wird, schließlich kommen die Konsumenten aus verschiedener Ecke und der Werderplatz ist auch ein Treffpunkt. Verlagerungen sind schon da, lösen aber das Problem nicht. Dazu kommt noch ein kulturelles Problem. Der Russe ist voll stolz, wenn er betrunken ist, während der Deutsche es als Schwäche sieht! Aber solange sie friedlich sind stört es mich nicht!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    24.04.2018 13:59 Uhr
    Im Herbst 2016
    wurde eine 'Arbeitsgruppe' eingerichtet die im April 2018 Vorschläge präsentiert die nun im GR zwei Jahre diskutiert werden können. Braucht man wohl nichts dazu zu sagen...

    Bevor da was passiert stehen das neue) Stadion und die U-Strab zur ersten Sanierung an.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Winston_Smith
    (637 Beiträge)

    24.04.2018 15:22 Uhr
    Musst ich auch gleich dran denken
    Ausserdem: 16.400 / Monat für den Drogenraum. Da dürfte wohl das meiste für 1-2 Stellen verdienter Bunter für draufgehen. Ähnlich wird es sich wohl beim Alkraum verhalten - der kostet dann bloss 12.600 / Monat.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Robert1959
    (1962 Beiträge)

    24.04.2018 15:32 Uhr
    Man muß wohl auch Freibier anbieten!
    Damit die Räume ausgelastet sind!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   auchmalsenfdazu
    (3165 Beiträge)

    24.04.2018 13:13 Uhr
    ....
    "Drogenkonsumraum"..... wenn man das liest denkt man doch: Halt mal, den gibts doch schon, der läuft doch bereits in Karlsruhe unter dem Begriff "Rathaus".
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   auchmalsenfdazu
    (3165 Beiträge)

    24.04.2018 13:14 Uhr
    ..
    zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kika
    (56 Beiträge)

    24.04.2018 12:44 Uhr
    Trinker- und Drogenstube
    Keiner wollte Beschwerden und Klagen hören und wer es wagte, war intolerant und sollte am besten umziehen. Heute ist die Lage auf dem Werderplatz zu einem großen Problem geworden, daß den Verantwortlichen für die Sicherheit in der Stadt über den Kopf wachsen lässt. Trinkerhallen und Drogenräume? Das Problem wird an andere Orte verlagert. Das Ziel sollte sein Lösungsvorschläge den Menschen anzubieten, wie sie von der Sucht weg kommen. Das sollte Aufgabe der Diakonie.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 (2 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.