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Karlsruhe Pfarrerin Lara Pflaumbaum über die Karlsruher Vesperkirche: "Ziel ist nicht eine Armenspeisung"

Noch bis 10. Februar verwandelt sich die Johanniskirche auf dem Karlsruher Werderplatz nun bereits zum sechsten Mal jeden Tag von 11 bis 16 Uhr in eine Vesperkirche. Rund 400 Gäste nutzen täglich dieses Angebot, das weit mehr ist als ein günstiges warmes Essen.

In der Kirche kommen Menschen aus der gesamten Stadt zusammen und verbringen Zeit miteinander, singen, spielen, feiern Gottesdienste. Wohnungslose genauso wie Gutsituierte, Junge wie Alte. Natürlich bietet die Vesperkirche auch Trost, Beratung und Hilfe, in dem sie den Menschen Brücken baut und Wege weist in die ganzjährig bestehenden Hilfsangebote.

ka-news sprach mit Pfarrerin Lara Pflaumbaum aus der Projektleitung der Vesperkirche über deren Sinn und Zweck, Entstehung und Motiv.

Pfarrerin Lara Pflaumbaum bei der Eröffnung der Vesperkirche
Pfarrerin Lara Pflaumbaum (links) bei der Eröffnung der Vesperkirche | Bild: Thomas Riedel

Wie und wann ist die Idee der Vesperkirche in Karlsruhe entstanden?

Nach einem Sonntagstreff - vor etwa acht Jahren - in unserem Gemeindesaal, der aus allen Nähten geplatzt ist (mit über 300 Menschen), wurde uns die Notwendigkeit deutlich, einer größeren und regelmäßigen Veranstaltung. Unterstützt wurden wir von dem neuen Direktor des Diakonischen Werkes, der bereits bei der Vesperkirche Pforzheim beteiligt war. Der Ältestenkreis der Gemeinde stimmte dann diesem Ansinnen zu und auch die Gesamtgemeinde Karlsruhe.

Bild: Thomas Riedel

Ist so ein Angebot heutzutage notwendig?

Notwendig? Im wörtlichen Sinne behebt sie unterschiedliche "Nöte". Ich würde sagen, es ist gut, dass es sie gibt. Als einen Treffpunkt für viele unterschiedliche Milieus und auch für Randgruppen, die zum Teil in so genannten "prekären" Situationen leben. Die Armut wird von der Vesperkirche wird als solche nicht aufgehoben. Wir sind einfach da und haben die Möglichkeit Bewusstsein zu verändern.

Wer sind die Gäste?

Menschen, die nicht so viel haben, Randgruppen aller Art, darunter einige ältere Menschen - vor allem Frauen - Gehörlose, Menschen, die zum Essen kommen, aus Firmen oder Schulen und auch Einzelpersonen, die bei anderen sitzen und mit ihnen in Kontakt treten.

Neben Essen und Trinken steht die Vesperkirche auch für kulturelle Angebote. War das immer schon geplant, oder hat sich das ergeben?

Ja, das war von Anfang an unser Plan. Außerdem haben wir uns da auch von den anderen Vesperkirchen inspirieren lassen (Pforzheim/Mannheim/Stuttgart). Ziel ist nicht eine "Armenspeisung", Essen und fertig, sondern miteinander den Tag zu gestalten und Menschen Angebote zugänglich zu machen, die ihnen sonst nicht zugänglich sind. Außerdem kommen dann auch Menschen in unsere Vesperkirche, die vielleicht sonst nicht den Weg dahin finden würden.

Wie viele ehrenamtliche Helfer haben Sie?

Rund 380 sag ich mal, genaue Zahl kann ich nicht nennen. Das sind nur die angemeldeten täglichen Mitarbeitenden und Praktikanten. Dazu kommen auch noch sämtliche Ärzte (für Tier und Mensch), die ganzen Kuchenbäckerinnen, die wir gar nicht zählen können, um nur einige aus der "Dunkelziffer" zu nennen.

Bild: Thomas Riedel

Die Vesperkirche geht bis Februar - was passiert den Rest des Jahres. Wohin können sich Menschen wenden, die Hilfe brauchen?

Grundsätzlich gibt es sehr viele Einrichtungen in Karlsruhe, in denen sich Menschen, die typische Vesperkirchenbesucher sind, treffen können. Bei Schwester Alfonsa zum Mittagessen, der TÜR, St. Franziskus, TAFF, Sozpädal, Ahoch3, GetIn um nur einige zu nennen.

Wir haben aber auch gemerkt, dass es wichtig ist direkt am Werderplatz in unserer Kirche werktags präsent zu sein. Deswegen gibt es schon seit drei Jahren das Café DIA in unserem Kirchenvorraum als Treffpunktmöglichkeit mit verschiedenen Angeboten, auch mit Weiterleitung zu professioneller Begleitung in den entsprechenden Situationen. Wir sind im Café sehr gut mit den anderen Einrichtungen vernetzt, wodurch Menschen bei uns gerne vorbeischauen, um Informationen zu erhalten- nebst selbstgebackenem Kuchen. Auch gibt es den Vesperkirchenchor und das Vesperkirchenorchester, Gruppen, die sich über das ganze Jahr treffen.

Aufs Jahr gerechnet, wie viele Tage/Wochen/Monate Arbeit nimmt dieses Projekt in Anspruch?

Richtig los geht es bei uns mit den Vorbereitungen zur nächsten Vesperkirche im September. Direkt nach der Vesperkirche räumen wir auf, werten aus und planen aber schon, was wir aus den bisherigen Erfahrungen gelernt haben.

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