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Karlsruhe Personalnotstand bei der AVG: Jetzt spricht Geschäftsführer Alexander Pischon

Wer sich auf die AVG verlässt, ist verlassen. Das scheint derzeit die Meinung vieler Karlsruher Pendler zu sein. Seit Jahren kämpft die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) mit großem Personalmangel und daraus resultierenden Fahrtausfällen. ka-news hat AVG-Geschäftsführer Alexander Pischon zu dem Problem befragt.

Die AVG musste in den vergangenen Jahren ordentlich Kritik einstecken. Nicht selten werden Pendler an den Bahnsteigen mit Zugausfällen überrascht - die Folge eines Personalmangel-Problems, mit dem die Verkehrsgesellschaft nun schon lange kämpft. Erst am 15. Juni kam es auf einem halben Dutzend Stadtbahnlinien aus diesem Grund zu Ausfällen. Doch warum fehlen überhaupt so viele Fahrer? 

Baustellen, Krankheit, genereller Fachkräftemangel

Baustellen gehören zum Karlsruher Stadtbild mittlerweile dazu - und genau das ist eine der Ursachen für die Fahrtausfälle bei der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft. Das behauptet zumindest Alexander Pischon, Geschäftsführer der AVG, im Gespräch mit ka-news: "Durch die wechselnden Baustellen entstehen für uns teils sehr kurzfristige Dienstpläne." Da seien Betriebsstörungen vorprogrammiert. 

Haltestelle Anzeige Fahrtausfall
(Symbolbild) | Bild: Florian Kaute

Hinzu kommen krankheitsbedingte Personalausfälle. So litt der ÖPNV erst im März dieses Jahres unter einer Grippewelle, die viele Fahrer der AVG erwischte. Das aber wohl größte Problem des Verkehrsunternehmens ist und bleibt das generelle Personaldefizit. 400 Triebfahrzeugführer benötigt die AVG laut Pischon, um einen reibungslosen Betriebsablauf zu gewährleisten. "Rund 30 davon fehlen derzeit", gibt er offen zu. 

AVG setzt auf Förderung von Azubis

Eine Entspannung der Lage erhofft sich Pischon nun unter anderem durch die offizielle Inbetriebnahme des 16. Einsatzstandorts der AVG in Germersheim am Mittwoch. Fahrer aus der Region können hier seit Juni ihren Dienst beginnen und beenden - "ein attraktives Angebot", findet der AVG-Geschäftsführer. Er erhofft sich dadurch mehr Lokführer aus der Südpfalz anwerben zu können.

Auch Imagekampagnen sollen die Schäden ausbügeln, die der Personalmangel im Ruf des Unternehmens hinterlassen hat. Werbeaktionen, aber auch die Förderung der Auszubildenden der AVG stehen dabei im Vordergrund. Letzteres ist besonders für Alexander Pischon ein wichtiges Thema: Nach seiner Aussage sei der Beruf des Triebfahrzeugführers neben dem der Hebamme der gefragteste in Deutschland.

Symbolbilder Bahn in Karlsruhe
Bild: Thomas Riedel

96 belegte Ausbildungsplätze

"In den vergangenen Jahren haben wir bereits 130 neue Triebfahrzeugführer eingestellt", erklärt er gegenüber ka-news. Weitere 96 Ausbildungsplätze seien bis Frühjahr 2019 belegt. "Wir bilden über unseren Bedarf hinaus aus - mit dem Ziel, Lokführer auch für andere Unternehmen zur Verfügung stellen zu können."

Pro Monat habe die Verkehrsgesellschaft etwa 30 Interessenten, von denen letztlich aber nur etwa zwei bis drei als ausgebildete Triebfahrzeugführer hervorgehen. "Entweder orientieren sie sich während der Ausbildung um oder schaffen die Prüfung nicht", erklärt Pischon die geringe Zahl der Absolventen.

Unterbestand bleibt bestehen

Trotz der aussichtsreichen Ausbildungssituation spricht der AVG-Geschäftsführer aktuell von einem Unterbestand in seinem Unternehmen. Liegt das eventuell an der Abwanderung der Mitarbeiter zu anderen Verkehrsbetrieben? Diesen Vorwurf weist Pischon entschieden zurück. Ausgebildete Fahrer erhalten bei der AVG seit Jahren gleichbleibend ein Gehalt von rund 3.000 Euro brutto - nach Aussage Pischons sei das die gleiche Summe wie etwa bei der Deutschen Bahn.

Symbolbilder Bahn in Karlsruhe
Bild: Thomas Riedel

Am Geld kann es daher eher nicht liegen. Die zwei Kündigungen, mit denen das Unternehmen pro Quartal rechnet, seien hauptsächlich auf persönliche Gründe oder auf den Ruhestand zurückzuführen. Es zeigt sich: Wann mit einer dauerhaften Entspannung der Problematik des Personalmangels gerechnet werden kann, ist auch laut Alexander Pischon derzeit noch nicht absehbar.

Dieser Artikel wurde nachträglich bearbeitet.

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  •   MeisterProper
    (31 Beiträge)

    04.08.2018 12:40 Uhr
    Wieder nur hohle Phrasen ...
    Ich verstehe nicht, warum man nicht zum Beispiel den Fahrplan an das anpasst, was man auch leisten kann (eine vorsichtige Schätzung muss doch darauf hinauslaufen, dass bis zu tausend [sogar mehr] Fahrten im Jahr ausfallen?). Ich habe lieber 2 oder 3 Bahnen die Stunde die verlässlich fahren als 5 oder 6, von denen 2 nicht kommen (und bis auf eine andere Bahn alle weiteren fahren, wenn sie gerade Lust haben).

    Im Netz haben sich AVG/KVV inzwischen darauf zurückgezogen, Kunden nur kurzfristig zu informieren und dann z.B. die Informationen sowohl auf Twitter als auch bei den "Verkehrsmeldungen" auf den eigenen Webseiten möglichst schnell wieder zu löschen, damit auch bloß keiner merkt und nachvollziehen kann, wieviele Fahrten eigentlich ausfallen. Seit Monaten, und zunehmend schlimmer.

    Irgendetwas sinnvolles zur Problemlösung beitragen, das auch etwas bringt, anstatt alles immer auf das Fehlen von geschultem Personal zu schieben.
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  •   allagud
    (36 Beiträge)

    04.08.2018 10:46 Uhr
    mit dem Personalproblem
    wird immer wieder die eigene Inkompetenz überspielt.
    Ich fahre seit Ludwig mit der AVG Bimmelbahn und konnte den Niedergang
    mitverfolgen. Das Personalproblem ist nur eines der vielen Probleme.
    Der Fisch stinkt vom Kopf her. Ludwig war noch oft vor Ort um sich ein Bild
    über die Probleme zu machen und sie zu beheben.
    Mit diesem sesselfurzenden Dreigestirn kann es nicht aufwärts gehen.
    Da gibt es nur noch mehr Probleme und bei der kleinsten Störung im Fahrbetrieb
    bricht sofort eine Katastrophe aus.
    Konnte ich gerade wieder bei dem Oberleitungsschaden in Rüppurr live mit erleben.
    Ich geh mal davon aus die drei Kappen kommen nicht mit der KVV/AVG zur Arbeit.
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  •   myopinions
    (965 Beiträge)

    04.08.2018 09:48 Uhr
    ....................es könnte ja aber
    auch mit einer dem Gott "Mammon" geopferten ordentlichen Personalpolitik zusammenhängen.
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  •   IchKA
    (727 Beiträge)

    03.08.2018 18:33 Uhr
    So ein Schmarren Herr Pischon
    "Sei der Beruf des Triebfahrzeugführers neben dem der Hebamme der gefragteste in Deutschland."
    Das ist doch theoretisches Gerede und mag als Berufsidee herhalten aber nicht als Berufsrealität.
    Für diese mentale Belastung der Lokführer in der heutigen Verkehrssituation, Schicht-, Nacht und Wochenenddiensten ist das letztlich ein Nettolohn für den niemand einen Familie ernähren kann. Es wäre spannend zu wissen mit wie viel Sie pro Monat nach Hause gehen.
    Bei den Hebammen das gleiche Problem: Ein viel zu geringer Lohn für die meist freiberuflich arbeitenden und idealistisch denkenden Frauen, die haufenweise ihrem Beruf den Rücken kehren müssen, weil sie die exorbitanten Versicherungsbeiträge nicht erwirtschaften können. Mittlerweile ist das Wehklagen groß, weil immer mehr Hebammen umschulen und sie jetzt vorne und hinten fehlen. Pflegeberufe ähnlich, warum fehlen ca. 20.000 Pflegeplätze? Weil kaum jemand das machen will für diesen Hungerlohn und die Verantwortung.
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  •   BMWFahrer
    (215 Beiträge)

    03.08.2018 21:26 Uhr
    Da haben Sie die Formulierung falsch verstanden
    Aus Arbeitgebersicht der gefragteste Beruf. Sprich, der Beruf mit dem größten Mangel an Arbeitskräften.
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  •   Realist22
    (247 Beiträge)

    03.08.2018 17:17 Uhr
    Als erstes
    Sollte man die Kassengestelle aus der Chefetage entfernen. Die Herren stellen seit Jahren täglich erneut unter Beweis, dass sie Fehlbesetzungen sind.
    Danach sollte man sich die Arbeitsbedingungen vorknüpfen. Die hier genannten Gehälter erreicht so mancher Facharbeiter nicht, also sind die 3000 Euro brutto für eine Ausbildung, die neun Monate dauert und dazu noch mit einem Hauptschulabschluss absolviert werden kann (in der heutigen Zeit ist das ja fast schon etwas "positives") völlig im Rahmen, tendenziell sogar zu hoch, aber irgendwie muss man ja Anreize schaffen.
    Wenn sich für dieses Geld keine Fahrer finden, dann hakt es an anderen Stellen.
    Asylbewerber (sofern sie nach Ewigkeiten dann mal eine Arbeitserlaubnis haben) wären in diesem Bereich vielleicht wirklich eine vielversprechende Option.
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  •   BMWFahrer
    (215 Beiträge)

    04.08.2018 08:48 Uhr
    Die Arbeitsbedingungen scheinen ja gar nicht schlecht zu sein,
    wenn pro Quartal nur 2 Kündigungen erfolgen. Das wäre eine jährliche Fluktuation von 2 Prozent.

    An der Führung im Unternehmen scheint es aber deutlich zu hapern. Es fällt jedem Außenstehenden auf, dass die Krankheitswellen besonders an Feiertagen, sonnigen Wochenenden und Fußball-Ereignissen in die Höhe schnellt. Auch am Auftreten vieler Fahrer sieht man, dass es wohl keine Betriebskontrollen gibt - gerade am Wochenende ist man gerne mit Sandalen und Hawaiihemd unterwegs und die halbe Familie im Führerhäuschen dabei.
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  •   andip
    (9772 Beiträge)

    06.08.2018 09:17 Uhr
    Ja und?
    "- gerade am Wochenende ist man gerne mit Sandalen und Hawaiihemd unterwegs"
    Gibt es irgendwelche Vorschriften, in welcher Kleidung man eine Bahn zu fahren hat?
    Fährt man irgendwie schlechter mit Sandalen und Hawaiihemd?
    Wenn man nichts anderes zum Aufregen hat...
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  •   Realist22
    (247 Beiträge)

    04.08.2018 22:41 Uhr
    Ich kann
    Nur von meinen jährlichen vier Wochen berichten, aber der lockere Umgang am Arbeitsplatz (Kleidung, Smartphone während der Fahrt) ist mir auch schon aufgefallen.
    2 Kündigungen pro Quartal ist für diese Größe wirklich erstaunlich gering, das verstärkt die Inkompetenz der Führung aber noch einmal deutlich.
    Bei Blaumachen ist es natürlich schwer (habe das neulich selbst erst in meinem Bereich "durchmachen" müssen, allerdings in der Schweiz aber hier wird es ähnlich sein ) das rechtssicher nachzuweisen, ohne in Persönlichkeitsrechte einzugreifen. Trotzdem wäre zumindest ein Versuch, dieses Verhalten zu sanktionieren, wünschenswert. Leider würde der Betrieb damit vom Regen in die Traufe kommen, lieber unmotivierte als keine Fahrer.
    Wie sieht es hier eigentlich mit Schadensersatz aus, einerseits von den Kunden, andererseits von Gemeinden, die ja eine ordentliche Summe bezahlen?
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  •   Rheinbrueckendemonstrant
    (225 Beiträge)

    03.08.2018 16:54 Uhr
    Kein Wunder...
    "Ausgebildete Fahrer erhalten bei der AVG seit Jahren gleichbleibend ein Gehalt von rund 3.000 Euro brutto"

    In anderen Bereichen gibt es jährliche Lohnsteigerungen zwischen 2 und 8%....

    (Natürlich hat er das sicher anders gemeint, auch dass die Baustellen schuld an Fahrtausfällen sind...)
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