211  

Karlsruhe Pegida-Demo in Karlsruhe: "Pforzheimer Berserker" rufen rechte Parolen

Bereitschaftspolizisten haben am Dienstag in Karlsruhe einen von Demonstranten besetzten Platz geräumt, auf dem sich am Abend zum sechsten Mal Anhänger der Pegida-Bewegung versammeln wollten. Wie am Mittwoch bekannt wurde, wollen sich die Pegida-Anhänger auch kommende Woche wieder in Karlsruhe versammeln.

Nach dreimaliger Aufforderung drängten die Polizisten mehr als 150 Menschen zur Seite, die mit ihrer Blockade die Pegida-Versammlung verhindern wollten. Auf Transparenten hieß es: "Nationalismus raus aus den Köpfen" und "Stop hate, kiss now" (hört auf zu hassen, fangt an zu küssen).

100 Pegida-Anhänger und 400 Gegendemonstranten

Die Gegendemonstranten kündigten an, sie wollten sich dem Pegida-Aufmarsch in den Weg stellen. Für diesen haben die Behörden diesmal eine längere Strecke zugelassen als in den vergangenen Wochen.

An der Blockade auf dem Stephanplatz hatten sich auch Schauspieler des Badischen Staatstheaters beteiligt. Nachdem die Polizei den Platz geräumt hatte, begann um 19 Uhr parallel die Pegida-Kundgebung und die der Gegenbewegung. Rund 100 Pegida-Anhäger standen mehr als 400 Gegendemonstranten in Sichtweite gegenüber. Die Polizei trennte beide Gruppen mit massiver Präsenz und zahlreichen Absperrgittern.

Linken-Stadträtin Sabine Zürn sagte auf der Kundgebung: "Rassismus und Pegida-Nazi-Demos haben in Karlsruhe keinen Platz. Wir machen weiter und kämpfen dagegen an!" Die Nokargida-Demonstranten störten die Pegida-Versammlung immer wieder mit lautstark mit Trillerpfeifen und Tröten.

"Pforzheimer Berserker" skandieren rechte Parolen

Gegen 20 Uhr setzte sich der Aufzug der Pegida-Anhänger - angeführt von Mitgliedern der "Pforzheimer Berserker" - lautstark in Bewegung. Die Gruppe aus dem rechten Spektrum sorgte bereits bei Krawallen von Hooligans und Rechtsextremen in Köln im Oktober 2014 für negative Schlagzeilen (HoGeSa). Die Gruppe aus Pforzheim - unter anderem erkennbar an Shirts und Fahnen - rief immer wieder: "Unsere Fahnen, unser Land - nationaler Widerstand." Slogans wie sie auch von klassischen Neonazi-Aufmärschen bekannt sind. Die Forderung von Pegida-Organisator Thomas Rettig zuvor, keine "NPD-Slogans" zu skandieren, wurde hierbei immer wieder ignoriert.

Zwischenzeitlich wurde der Marsch durch eine Sitzblockade von Gegendemonstranten an der Ecke Karl-/Amalienstraße gestoppt. Die Polizei räumte die Sitzblockade. Kurz bevor die Pegida-Anhänger wieder den Stephanplatz für ihre Abschlusskundgebung erreichten, kam es erneut zu einer Straßenblockade der Gegenbewegung. Diese wurde teilweise gewaltsam von der Polizei geräumt.

Gegen 21.35 Uhr wurde die Versammlung auf dem Stephanplatz von Pegida offiziell beendet. Zwischen 18 Uhr und 22 Uhr kam es wegen der Demonstrationen zu Zugausfällen und Verspätungen im Karlsruher Bahnverkehr.

OB Mentrup spricht von "rechtsextremem Provokations-Tourismus"

Die seit Ende Februar in Karlsruhe demonstrierenden Pegida-Anhänger wenden sich gegen die im vergangenen Jahr deutlich zugenommene Zuwanderung von Flüchtlingen und gegen eine angebliche Islamisierung Deutschlands. Ähnlich argumentieren rechtsgerichtete Hooligans, die für kommenden Sonntag eine Demonstration in Karlsruhe angekündigt haben.

Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup hatte am Freitag bei einer Pressekonferenz von "rechtsextremem Provokations-Tourismus" gesprochen. Er hoffe, dass "die Bewegung abflacht und nicht den gesamten Festivalsommer anhält". Ein Verbot sei juristisch derzeit nicht möglich.

Aktualisierung: Mittwoch, 8 Uhr:

Die Polizei spricht von rund 135 Teilnehmer an der Pegida-Kundgebung. Wie angemeldet, hatten sich bereits gegen 15.45 Uhr etwa 50 Gegendemonstranten auf dem Stephanplatz niedergelassen, um gegen die anstehende Pegida-Versammlung zu protestieren. Dieser Versammlung schlossen sich nach und nach bis zu 150 Gegendemonstranten an. Das geht aus einer Pressemitteilung der Beamten hervor.

Ein Polizist und ein Demonstrant verletzt

Nach Ende dieser Veranstaltung und mehreren Aufforderungen seitens der Polizei verließen die Demonstranten langsam den Platz, so dass die Pegida-Kundgebung planmäßig mit dem Aufbau beginnen konnte, heißt es in der Mitteilung der Polizei. Auf dem Stephanplatz begann gegen 18.45 Uhr der Zulauf der Pegida-Teilnehmer, deren Versammlung gegen 19.10 Uhr begann.

Nachdem sich der Aufzug der Pegida-Versammlung gegen 20 Uhr in Bewegung gesetzt hatte, blockierten an der Ecke Amalien- und Karlstraße bis zu 200 Menschen die geplante Aufzugsstrecke. Die Blockade konnte laut Pressemitteilung von der Polizei in der Folge soweit zur Seite gedrängt werden, dass der Aufzug, der zwischenzeitlich auf bis zu 190 Teilnehmer angewachsen war, auf der vorgesehenen Strecke zum Stephanplatz gelangen konnte. Dabei wurden ein Polizist und ein Demonstrant verletzt. Die genaueren Umstände werden ermittelt, so die Beamten weiter.

Ein Teilnehmer der Gegendemonstration wurde, nachdem er Polizeibeamte am Stephanplatz beleidigt hatte, zur Personalienfeststellung hinter die Gitter gebracht, erklärt die Polizei. Im Nachgang zu der vorübergehenden Festnahme kam es zu Steinwürfen gegen Polizeibeamte. Der Steinewerfer konnte kurze Zeit später festgenommen werden.

Für die Dauer des Aufzugs mussten die Straßen rund um die Aufzugsstrecke gesperrt werden. Nach der Abschlusskundgebung der Pegida-Veranstaltung, gegen 21.30 Uhr wurden die Teilnehmer mit einem Bus weggefahren. Unterdessen verließen auch die bis zu 350 Gegendemonstranten nach und nach den Bereich rund um den Stephanplatz.

Gegen 21.20 Uhr meldete eine Person einen Spontanaufzug mit rund 100 Teilnehmern zum Werderplatz an. Dort löste sich die Versammlung gegen 22.15 Uhr schließlich auf. Nach der sechsten Pegida-Versammlung zog Polizeieinsatzleiter Peter Roth eine insgesamt positive Bilanz. "Die konsequente Separierung der beiden Demonstrationslager ging auch diesmal auf", sagt der Polizeidirektor.

Aktualisierung, 11 Uhr:

Trotz massiver Proteste hat die rechtsgerichtete Pegida-Bewegung in Karlsruhe einen siebten Aufmarsch angekündigt, so heißt es vonseiten der dpa. Die Veranstalter verbreiteten am Mittwoch einen Aufruf im Internet, sich am 28. April im Stadtzentrum zu versammeln.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (211)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Rechtsausleger
    (1434 Beiträge)

    16.04.2015 09:18 Uhr
    Ich glaube,
    ich will mit Ihnen nicht weiter diskutieren. Sie neigen dazu, mit Ihren Kommentaren andere, die nicht Ihre Linie folgen, abzuwerten und zu beleidigen.

    Selbstverständlich sind die Zuwanderungspolitik und der Umgang mit der sich breit machenden islamischen Religiösität die zentralen Themen des heutigen Deutschlands, da sie unsere Gesellschaft nachhaltig verändern werden.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   JOBA
    (86 Beiträge)

    16.04.2015 09:35 Uhr
    Sie können doch nicht im Ernst
    etwas gegen islamische Religiösität haben. Salafisten sind eine Minderheit, der es natürlich gilt die Grundlage zu entziehen. Aber Sie sind auch eine Minderheit, der es genauso gilt die Grundlage zu entziehen. Rleigiösen Moslems liegt eine friedliches Leben genauso am Herzen wie religiösen Christen oder Juden. Und in jeder dieser Glaubensrichtungen gibt es extremistische Ausrichtungen, die nicht zu akzeptieren sind. Sie aber scheren alles über einen Kamm und versuchen die Menschen aufzuhetzen. Es ist eben erwiesen, dass Ihre Parolen vor allem bei Menschen mit geringerem IQ verfangen. Das ist eine Tatsache die sich einfach nicht leugnen läßt. Und zwar weltweit. Auch bei den Salafisten.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Arabella
    (176 Beiträge)

    18.04.2015 16:36 Uhr
    SIE
    haben sich offensichtlich noch nie mit dem Islam beschäftigt, weder den Koran noch die Ahadith gelesen, sonst würden Sie nicht so dumm daherreden. Lassen Sie sich mal von Michael Mannheimer, Hartmut Krauss oder Michael Stürzenberger belehren!!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Euro
    (59 Beiträge)

    18.04.2015 20:59 Uhr
    wer sich hier auf Michael Mannheimer
    beruft, den kann man wirklich nicht ernstnehmen.
    Wieso nicht gleich Horst Mahler, Hans-Dietrich Sander oder Günter Deckert?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   JOBA
    (86 Beiträge)

    18.04.2015 17:32 Uhr
    Nachdem
    ich das hier gelesen habe, bedauere ich, daß ich Ihnen 2 Bücher zum Lesen vorschlug. Lassen Sie es bitte. Sie werden den Inhalt nicht verstehen und ich werde keinen Ihrer Literaturvorschläge beherzigen. Ich würde mich über den Inhalt (habe gerade nur im Internet nachgeschaut) nur unnötig aufregen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   claaudi68
    (92 Beiträge)

    15.04.2015 16:03 Uhr
    Nicht alleine darstellen
    du stehst mit deiner Meinung nicht alleine diese Brut bilde sich ein das,sie das ultimative sind das aber auch bürger gibt die grundlegen anderen Meinungen sind ist inakzeptabel für Pegida und Freunde (das ist es halt auch net weit her im Kopf ne man heult halt mal mit den Wölfen.meist eigentlich nicht wirklich eine eigene Meinung
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Arabella
    (176 Beiträge)

    18.04.2015 16:49 Uhr
    WER
    heult hier mit den Wölfen? Und wer leistet Widerstand gegen den Mainstream, unter der Gefahr verleumdet, verletzt, diffamiert und sozial sowie beruflich zerschmettert zu werden?? Na, merken Sie was?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Euro
    (59 Beiträge)

    18.04.2015 21:00 Uhr
    die Rechtsextremen stilisieren sich gerne als Opfer
    das ist bekannt. Dabei sind SIE die Täter.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   exilkarlsruher1969
    (154 Beiträge)

    15.04.2015 17:01 Uhr
    @Rechtsausleger bezog sich auf beide Lager
    nicht nur auf Pegida. Keine Angst, die Wirkung lässt bald nach. Einfach mal zwei bis drei Stunden nichts nachlegen. Alles wird gut...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Celtic
    (198 Beiträge)

    15.04.2015 15:30 Uhr
    Keine rechten Parolen?
    Die bei den Pegida-Veranstaltungen immer wieder skandierte Parole "Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen" ist nichts anderes als ein umschriebenes "Deutschland den Deutschen, Ausländer raus".

    Und ob "maximaler" oder "nationaler" Widerstand in Verbindung mit "unsere Fahne, unser Land" gefordert wird, ist nebensächlich. Beides ist tiefbraun.

    Nazi-Hools wie diese "Berserker" sind ruhig und friedlich - und die Erde ist eine Scheibe. Ich weiß....
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 7 .... 21 22 (22 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.