Karlsruhe Opfer sagt im Messerstecher-Prozess aus: "Ich dachte, er bringt mich um!"

Hat ein 36 Jahre alter Mann aus Kamerun im Februar mehrfach auf eine Servicekraft in Jöhlingen eingestochen? Diese Frage versucht das Landgericht Karlsruhe derzeit zu klären. Heute war erstmals die 48-jährige Frau vor Gericht, die von dem Mann damals angegriffen worden sein soll. Die Folgen der Tat trägt die Frau bis heute mit sich - und wohl auch für den Rest ihres Lebens.

Nach dem Prozessauftakt am vergangenen Donnerstag ging es heute im Strafverfahren gegen einen 36-jährigen Mann weiter. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann unter anderem gefährliche Körperverletzung vor, nachdem er eine 42 Jahre alte Kellnerin in Jöhlingen mit einem Messer attackiert haben soll.

Die Frau, die im Prozess auch als Nebenklägerin auftritt, stand am Freitagmorgen als erste Zeugin des zweiten Verhandlungstages vor Gericht. Die 48-jährige Frau leidet bis heute unter den Folgen der Tatnacht. In ihrer Anhörung schildert die Servicekraft aus der Gastronomie die Ereignisse vom Tattag, der bis in die Nacht wie ein gewöhnlicher Arbeitstag verlief.

Angriff lief in zwei Phasen ab

Als sie am späten Abend das Lokal abgeschlossen hatte, trat ihr der Angeklagte entgegen, so die 48-Jährige. Dabei habe es der Mann aber nicht auf die Handtasche der Frau, sondern auf sexuellen Kontakt abgesehen. Immer wieder habe er auf Englisch gefragt, ob er mit ihr schlafen könne, schildert die Frau das mehrere Minuten andauernde Gespräch mit dem Mann. Sie antwortete aber immer, dass es im Haus keine Übernachtungsmöglichkeit gebe. "Ich habe ihn absichtlich missverstanden", so die Frau gegenüber dem Gericht. An der geöffneten Tasche war der Mann weiter nicht interessiert. 

Erst dann sah das Opfer das Messer des Mannes, mit dem er sie wenige Augenblicke später attackiert haben soll. "Ab diesem Moment habe ich um mein Leben geschrien!" Dass diese Schreie niemand gehört haben will, ist für die Frau unerklärlich. In den folgenden Minuten kam es zu einem Gerangel, bei dem der Mann immer wieder von oben auf den Oberkörperbereich des Opfers eingestochen haben soll. "Ich dachte, er bringt mich um!" Der Angriff soll in ein paar wenigen Minuten in zwei Phasen abgelaufen sein.

Gerichtssaal
(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Pfefferspray hatte wenig Wirkung

Ein Pfefferspray, das die Frau zur Abwehr des Angreifers gesprüht hatte, konnte den Mann nicht in die Flucht schlagen. Daraufhin habe sie versucht, nach seiner Hand zu greifen, um die Messerstiche abzuwehren. Immer wieder habe der Mann daraufhin an den Haaren der Frau gezogen und versucht, sie auf den Boden zu ziehen. Nach einigen Augenblicken war es ihr gelungen, den Angreifer von der kleinen Treppe hinter der Gaststätte zu stoßen.

Im Nachhinein sei die Halskette, die die Frau getragen hatte, ihr großes Glück gewesen. Denn statt einer Arterie wurde die Kette durchtrennt. "Ich habe verzweifelt versucht, das Messer von mir weg zu drücken!" In der zweiten Angriffsphase habe der Angeklagte erneut versucht, die Frau auf die Knie zu reißen. "Ich hatte den Eindruck, dass, wenn ich ihm nicht zu Willen bin, ich aus seiner Sicht den Tod verdient hätte", schildert die Kellnerin ihre Erlebnisse der Tatnacht.

Seelische Schäden bleiben

Sie ist sich sicher, dass der Mann nur deshalb aufgehört habe, auf sie einzustechen, da sie oben auf der Treppe stand, so in einer besseren Ausgangsposition war und der Täter möglicherweise Angst vor Verletzungen hatte. Dieser ergriff mit der Handtasche die Flucht, wobei er sie nach eigener Aussage weiter anstarrte. "Ich bin überzeugt, dass er anders weiter auf mich eingestochen hätte", so die Frau. Das Messer der Attacke beschreibt die Frau als gezackt, ähnlich einem Brotmesser.

Nach eigenen Angaben hat die Frau bis heute mit den traumatischen Erlebnissen dieser Nacht zu kämpfen. Wenn noch Kollegen oder Stammgäste da sind, verlässt sie den Arbeitsplatz nicht alleine. Mit einer dicken Lederjacke und Schutzgegenständen in der Handtasche will sie sich vor Angriffen schützen. Neben den seelischen und den mittlerweile verheilten körperlichen Verletzungen, führte die Erklärung des Angeklagten, sie hätte für Geld mit ihm schlafen wollen und dann doch verweigert, zur Rufschädigung sowie beleidigende Kommentare in sozialen Medien. Noch zwei Verhandlungstage stehen aus, für Ende Juli wird dann das Urteil in dem Prozess erwartet.

ka-news Hintergrund: In den frühen Morgenstunden des 23. Februar soll sich ein 36 Jahre alter Mann aus Kamerun der 48-jährigen Frau genähert haben, die gerade dabei war, die Türe einer Gaststätte in Jöhlingen abzuschließen. Dabei soll er sein Opfer in englischer Sprache angesprochen und sich weiter genähert haben. Nach einer kurzen Konversation soll der Mann mit einem Messer unvermittelt auf die Frau eingestochen haben. Dabei wurde die Frau im Bereich des Oberkörpers verletzt. Schließlich habe er der Frau die Handtasche entrissen und war geflüchtet. Die Frau hatte es mehreren glücklichen Umständen zu verdanken, dass sie bei der Attacke nicht schwerer oder sogar tödlich verletzt wurde. Den tatverdächtigen Kameruner konnte die Polizei wenig später in der Nähe des Tatorts festnehmen. Ein Teil des Handtascheninhalts konnte die Polizei ebenfalls bei ihm finden.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (0)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.