Karlsruhe Opfer in Karlsruhe: Initiative berät in drei Jahren über 200 Menschen

Egal ob Gewalttat, Überfall oder Wohnungseinbruch: Wo es Täter gibt, gibt es vor allem auch Opfer. Doch wohin, wenn man als Geschädigter mit einer so ungewöhnlichen Situation alleine nicht zurecht kommt? In der Karlsruher Opfer- und Trauma-Ambulanz Karlsruhe/Baden (OTA) wird bereits seit drei Jahren Hilfe geboten.

Eine Frau, die als Teamleiterin mit beiden Beinen fest im Leben steht, wird an ihrem Arbeitsplatz von einem Räuber überfallen. Sie reagiert nach Meinung der Polizei und ihrer Kollegen vorbildlich, indem sie dem Täter die fast leere Kasse zeigt und dieser nach wenigen Minuten wieder verschwindet. Ein vermeintlich harmloser Fall ohne Sachschäden, der so immer wieder in Deutschland passiert.

Doch was viele nicht ahnen: Die spätere Reaktion der Frau und auch vieler weiterer Opfer fällt anders aus. Schlaflosigkeit und Angstzustände quälen sie - es entsteht ein psychischer Schaden. Und was häufig noch hinzu kommt: der Chef oder auch andere Personen nehmen die Situation nicht ernst.

Die Behandlungsinitiative Opferschutz wurde vor rund drei Jahren gegründet.
Die Behandlungsinitiative Opferschutz wurde im November 2014 gegründet. | Bild: Julia Wessinger

Beratung von über 230 Menschen in drei Jahren

Das Beispiel ist eines von über 230 Fällen in den vergangenen drei Jahren, in welchen sich Opfer von Gewalttaten, sexuellen Übergriffen, Einbrüchen oder auch Überfällen nach ihren Erlebnissen seit der Gründung im Jahr 2014 an die OTA wandten. Im vergangenen Jahr waren es nach Angaben des Vereins Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW), der Träger der Ambulanz, insgesamt 91 Personen - 2017 suchten bisher 74 Menschen aus dem Stadt- und Landkreis Karlsruhe oder auch aus der Region Unterstützung.

Und die Thematik sei längst nicht einseitig: Auch wenn laut BIOS-BW zwischen 2014 und 2017 158 Frauen und damit mehr als zwei Drittel aller Hilfesuchenden die Ambulanz aufgesucht haben, sei der Anteil der Männer kontinuierlich gewachsen. Insgesamt 76 Männer und damit etwa ein Drittel kamen demnach im selben Zeitraum in die OTA.

Im Vordergrund stehe dabei vor allem der Anteil der Betroffenen, die durch sexuelle Übergriffe und Gewalttaten zu Opfern wurden, erklärt Gustav Wirtz, ärztlicher Leiter der RPK-Klinik Langensteinbach, am Dienstag bei einem Pressegespräch. Die meisten Menschen finden den Weg zur OTA über die Polizei. Dort werden sowohl Opfer von Straftaten als auch Zeugen auf das Angebot hingewiesen.

 

Mögliche Hemmschwelle muss nicht überwunden werden

Doch was genau versteckt sich hinter dem Opferschutz? Die Initiative, im Rahmen welcher Opfer lediglich beraten und nicht therapiert werden, existiert seit rund drei Jahren und ist ein Zusammenschluss von Richtern, Staatsanwälten, Rechtsanwälten, Psychologen und anderen interessierten Personen. Das Besondere daran: Der Verein ist an keine Psychiatrie oder auch psychiatrische Klinik gebunden.

"Eine mögliche Hemmschwelle muss dadurch von den Opfern nicht überwunden werden," so Wirtz am Dienstag. Durch ein gewöhnliches Umfeld, das jetzt in den neuen Räumen am Haydnplatz in der Beethovenstraßen geboten ist, sei es einfacher sich zu Beratungsgesprächen zu überwinden.

Erster Vorsitzender von BIOS-BW Klaus Böhm, Diplom-Psychologin Marianne Mahr und Gustav Wirtz, ärztlicher Leiter der RPK-Knlinik Langensteinbach (von links).
Erster Vorsitzender von BIOS-BW Klaus Böhm, Diplom-Psychologin Marianne Mahr und Gustav Wirtz, ärztlicher Leiter der RPK-Knlinik Langensteinbach (von links) informieren über die Initiative. | Bild: Julia Wessinger

Erster Termin direkt in den Tagen nach dem Erlebnis

Ein weiteres besonderes Merkmal: Die Betreuung der Opfer durch die Mitglieder findet direkt in den ersten Tagen nach den prägenden Erlebnissen statt. "Innerhalb einer Woche sollte der erste Termin vereinbart werden," so der erste Vorsitzende von BIOS-BW Klaus Böhm. In den meisten Fällen, in welchen die Opfer keine chronischen Erkrankungen haben, folgen dann lediglich noch zwei bis drei weitere Beratungsgespräche. Langzeittherapien müssen von anderen Einrichtungen geleistet werden, betont Böhm am Dienstag.

Und außerdem: "Kein Opfer einer Straftat muss etwas bezahlen," versichert der erste Vorsitzende. Das bedeutet konkret: Auch wenn die Behandlungen der Trauma-Ambulanz nur teilweise durch Krankenkassen finanziert werden, müssen Opfer nicht selbst zum Geldbeutel greifen: Mit Unterstützung durch Spendengelder und Zuschüssen der Stadt und dem Landkreis Karlsruhe sowie des Landes trägt BIOS-BW anfallende Kosten.

Darüber sprechen ist der erste Schritt: Das Psychologenteam der Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) steht von 8 bis 16 Uhr telefonisch unter 0721/470 439 35 und in den Räumen in der Stephanienstraße 28b sowie der Beethovenstraße 11 zur Verfügung. Mehr Informationen gibt es im Internet: www.bios-bw.de

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