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Kalsruhe Oliver Kahn im Interview: Wo warst Du, als es dem KSC dreckig ging?

Er gilt als eine der Torwartlegenden im deutschen Fußball. Für viele Fans des Karlsruher SC ist Oliver Kahn die Legende schlechthin. In einem Interview für die aktuelle Ausgabe des Karlsruher Magazins "Auf, Ihr Helden!" spricht der ehemalige KSC-Torhüter über sein Idol, die Europapokal-Jahre in den 90ern und über die Präsidentschaftswahl des KSC im Herbst 2009. ka-news veröffentlicht Ausschnitte des Interviews mit dem Karlsruher Helden.

Herr Kahn, in Ihrer Jugend war der "ewige" Torhüter Rudi Wim­mer ein Idol, später wurde er in der A-Jugend Ihr Trainer. War er auch für Sie ein besonderer Fußballer?
Er war die Torwart-Ikone schlechthin, eine Legende wie Dino Zoff. Ruhig, nicht spektakulär und mit einer enormen Erfahrung. Ich habe damals beim Training zugeschaut, als Bernd Fuhr verpflichtet wurde. Es war sehr interessant für mich zu sehen, daß Wimmer kaum einen Ball mit einer Parade hielt. Immer stand er richtig, um Schüsse entweder wegzuboxen oder auch nur einfach mit dem Fuß abzuwehren. Seine Antizipation war unglaublich. Aber mein Vorbild damals war Toni Schumacher.

Großen Schwung entfachten anfangs der Neunziger die Europapokaljahre des KSC.
In dieser Zeit hätte der KSC die Möglichkeit gehabt Strukturen zu schaffen, die es dem Verein ermöglicht hätten, sich sportlich und wirtschaftlich langfristig zu etablieren. Die im professionellen Fußballgeschäft weit verbreitete Angewohnheit freie finanzielle Mittel aus Transfererlösen sofort wieder in Spieler und Gehälter zu investieren führt häufig über kurz oder lang zu finanzieller Instabilität. Anstatt den Verein zunächst zu konsolidieren, haben die Verantwortlichen wohl gedacht, man gehöre schon zu den Spitzenclubs der Bundesliga. Mit der Entlassung von Winfried Schäfer wurde es dann sicherlich nicht einfacher.

Sehen Sie Parallelen zu heute?
Die heutige Situation ist letztlich dadurch gekennzeichnet, dass der Verein es als Erfolg vermeldet wenn ihm im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens der DFL die Lizenz erteilt wurde und man den Klassenerhalt in der 2. Liga bewerkstelligt. Sportlicher Erfolg setzt eine gewisse wirtschaftliche Leistungsfähigkeit vo­raus. Diese wieder zu schaffen wird die Aufgabe der Verantwort­lichen sein. Sollte dies gelingen, dann könnte der KSC wieder positiver in die Zukunft blicken.

Wir haben Fotos dabei von der Mitgliederversammlung im Herbst 2009, als Paul Metzger zum Präsidenten gewählt wurde. Waren Sie im Nachhinein überrascht über die Feindse­ligkeit, die Ihnen gegenüber zum Ausdruck gebracht wurde?
Zunächst einmal muss ich gestehen, dass ich mir während der Mitgliederversammlung überhaupt nicht darüber bewusst war, dass nur Fragen gestellt werden dürfen! Und es war deshalb auch verständlich, dass einige Leute nicht begeistert reagierten. Andererseits war von einer bestimmten Gruppe gewiss auch ein wenig Vorsatz dabei. Aber ich schließe aus einer Gruppe von vielleicht 100 Personen nicht auf alle oder den Gesamtverein. Und werde dies auch künftig nicht tun. Daher konnte ich diese Sache für mich auch verhältnismäßig rasch abhaken. …

Wir erinnern uns, dass auch Vorwür­fe im Sinne von "Wo warst Du, als es uns dreckig ging!?" kamen.
Ja, wo war ich? Ich habe selbst Fußball ge­spielt!

Eine mögliche Gegenfrage Ihrerseits hätte lauten können, "Wo war ich denn, als der KSC nach oben kam?!"
Das hat mich dann doch überrascht, daß die Menschen so schnell vergessen hatten. Zumal ich mich über den KSC auch wäh­rend meiner Zeit in München nicht im Ansatz negativ geäußert hatte. Aber wie gesagt, es war wirklich nur eine Minderheit, die derart polterte.

Die Fragen stellten Matthias Dreisigacker und Christian Pfefferle von "Auf, Ihr Helden!". Die aktuelle Ausgabe bietet neben dem Interview mit Oliver Kahn Beiträge zu Manfred Amerell, Makhtar Thioune oder den legendären Freundschaftsspielen des KSC gegen brasilianische Spitzenmannschaften wie Santos FC oder den Botafogo in den 50er und 60er Jahren.

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Kommentare (43)
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  •   DonHasi
    (1011 Beiträge)

    31.05.2012 08:34 Uhr
    Torwarttrainer
    Für ein Mitglied wie ihn, hätte er dem Verein den größten Gefallen getan, wenn er uns so manchen Torwarttrainer erspart hätte und das ganze selbst in die Hand genommen hätte.
    Dann wäre ein Markus Miller nach seiner schweren Verletzung vielleicht nie so untergegangen und ein Dirk Orlishausen wüsste, das man beim Freistoß nicht buchstäblich "hinterm"Tor steht und den Affen macht.
    Ob bei Jeff Kornetzky, Luis Robles, Kristian Nicht oder Thomas Unger noch was zu retten gewesen wäre, kann ich nicht beurteilen.
    Aber als Torwarttrainer hätte er beim KSC eine vernünftige Aufgabe, die dem Verein hilft.
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  • unbekannt
    (4144 Beiträge)

    31.05.2012 00:51 Uhr
    Olli ist und bleibt
    das Beste, das dieser Verein je geschaffen hat. Dass erzu Bayern ging war absolut richtig und das haetten auch die Neidhammel hier an seiner Stelle getan.
    Was haette er auch fuer diesen K(arlsruher) S (aftladen) C(haoshaufen auch tun koennen?
    Wenn hier Doppelmoral ersichtlich ist, dann nur bei einigen Kommentaren, die leider, wie so oft, eine deutsche Charkatereigenschaft verdeutlichen: NEID !!!
    Olli lass dir von diesen Losern nicht ans Bein pinkeln.
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  •   BR71
    (250 Beiträge)

    30.05.2012 15:46 Uhr
    Schon interessant...
    ...dass Herr Kahn auf der einen Seite (durchaus berechtigt) anmahnt, dass das eingenommene Geld in neue Spieler geflossen sei, er aber auf der anderen Seite sicherlich genau einer dieser Spieler gewesen ist, die ordentlich bezahlt werden wollten. Sicherlich ist das sein/ihr gutes Recht, eine gewisse Doppelmoral lässt sich meiner Meinung nach aber trotzdem rausdeuten...
    Und zum Thema wo warst du als wir...: ich erinnere mich bis zum heutigen Tage an kein einziges Interview, bei dem er sich löblich über seinen Ex-Verein geäußert hätte. Dann aber auf der MGV auf der Matte zu stehen um Papa das Händchen zu halten? Wenn er meint...
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  •   melotronix
    (3160 Beiträge)

    30.05.2012 11:41 Uhr
    aha interessant...
    Nun...das Geld auch das Gegenteil von Sanierung und Fortschritt bedeuten kann hat man gesehen...nachdem wir aus der ersten Liga abgestiegen waren...und Vereinsobere den KSC als Bayern der zweiten Liga bezeichnet haben...einen alternden, invaliden ehem. Nationalspieler aus Spanien verpflichteten für ein Schweinegeld. Soviel zu Geld und Moral.
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  •   80er
    (5724 Beiträge)

    30.05.2012 10:37 Uhr
    Wenn man mal....
    ....kapieren würde, dass Profifußballer Angestellte bei einem Arbeitgeber Fußballverein sind und nicht immer unbedingt auch Mitglied dieses Vereines sind, dann wird man feststellen, dass seine Loyalität zunächst einmal seinem Arbeitgeber gehören muss. Auch glaube ich, irgendwann mal gelesen zu haben (ich weiß aber jetzt nicht wann und wo), dass es den Bayern Profis verboten war, Vereinsmitglied in einem anderen Profiverein zu sein. Auch muss man mal klären, ob Oliver Kahn nicht heute noch in irgendeinem Dienbstverhältnis zum FC Bayern steht. Mir stellt sich auch die Frage, warum in alles in der Welt er denn "verpflichtet" sein soll, dem KSC in irgendeiner Art und Weise zu untzerstützen, nur weil es dem KSC schlecht geht. Wenn ich bei der Firma A meine Lehre absolviert habe und gehe danach zur Firma B, werde dort erfolgreich, welche Verpflichtung habe ich dann gegenüber Firma A wenn es ihr schlecht geht? Soweit ich weiß keine, wenn kein Arbeitsvertrag mehr besteht. oder irre ich mich?
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    30.05.2012 11:38 Uhr
    Man könnte
    höchstens eine Art moralische Verpflichtug zusammenkonstruieren, aber da es im Fussball keine Moral gibt ist auch das hinfällig.

    Wenn du dich mit deinem Lehrherren gut verstanden hast und mittlerweile Millionen machst kannst du ihm ja mit einem zinsfreien (neusprech) 'Wulff-Kredit' unter die Arme greifen um deine Dankbarkeit dafür auszudrücken, dass er dir die Grundlagen für deinen heutigen Erfolg vermittelt hat. grinsen
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  •   arbeitstier
    (1635 Beiträge)

    30.05.2012 11:25 Uhr
    So...
    ...sieht`s aus.Oli hat während seiner KSC-Zeit alles für uns gegeben,und ist logischerweise zu einem Verein gewechselt wo er Titel gewonnen hat.Mit diesem Wechsel hat er dem KSC immerhin noch `ne Stange Geld gebracht.Wer von euch würde das nicht machen?Wer sich gegen Erfolg (und damit natürlich auch mehr Geld)entscheidet hat was an der Schüssel.Aber natürlich hätten sich alle Moralapostel hier gegen einen Wechsel entschieden,und wären mit "ihrem" KSC lieber im Ligamittelfeld rumgedümpelt.Ihr müsst euch echt mal selbst zuhören...Als Sportler will man Erfolg,alles andere ist krank...
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  •   Faecherstadt_Guerilla
    (4092 Beiträge)

    30.05.2012 11:02 Uhr
    Anscheinend ja.
    zwinkern
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  •   Faecherstadt_Guerilla
    (4092 Beiträge)

    30.05.2012 10:07 Uhr
    Fußballsommerloch
    Es ist schon da, bevor die EM losgegangen ist. traurig

    Auf solche Zombie-Interviews kann ich getrost verzichten!

    Zum Glück gibt es ja noch die ein oder andere Radsportveranstaltung und ein paar gute Rock-Konzerte während der Sommerpause, bevor es mit unserem KSC endlich so richtig losgeht.
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  •   master-of-comment
    (3842 Beiträge)

    30.05.2012 09:34 Uhr
    Die Titelfrage müsste doch eigentlich lauten:
    Wo bist Du jetzt, wo es dem KSC dreckig geht?

    Mit schlauen Interviews ist uns nicht geholfen, mein Guter! Wie wär´s denn, wenn Du mal vom "Fernseh-Expertensessel" an die Front wechselst und ab Juli den Job vom Kreuzer übernimmst?

    Von den alten Torwart-Meriten wirst Du nicht ewig leben können. Auch Dein Idol Toni hat inzwischen erkannt, dass man irgendwann wieder Verantwortung übernehmen muss. Also trau Dich!
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