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Karlsruhe Ohne Rücksicht auf Verkehrsregeln? Warum das "Elterntaxi" für die eigenen und andere Kinder gefährlich ist

Das Schuljahr hat wieder begonnen und mit ihr die "Elterntaxis" vor den Schulen. Für die fahrenden Eltern ist es der vermeintlich sicherste Weg für ihre Sprösslinge, um zur Schule zu gelangen. Mit ihrem Verhalten gefährden sie allerdings nicht nur andere Kindern - sondern auch ihre eigenen.

Wie gefährlich ist der Schulweg wirklich? Im Jahr 2018 verunglückten im Raum Karlsruhe 32 Kinder auf dem Schulweg, zehn davon waren zu Fuß unterwegs. Auch wenn das auf den ersten Blick viel erscheint – im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl um rund ein Viertel zurück. Schulanfänger seien laut der Verkehrsstatistik des Polizeipräsidiums aufgrund ihrer mangelnden Erfahrung und geringen Körpergröße allerdings besonders gefährdet.

Zu Fuß zur Schule
Vor den Schulen haltende "Elterntaxis" können eine Gefahr für zu Fuß gehende Kinder darstellen. | Bild: Patrick Pleul

Kreuzungen, Baustellen und der allmorgendliche Berufsverkehr erschweren den Weg ins Klassenzimmer. Aus diesem Grund greifen viele Eltern auf das Auto zurück und setzen ihre Kinder morgens direkt vor dem Schuleingang ab. Das damit einhergehende Parken und Halten vor den Schulen ist jedoch nicht unproblematisch – und kann sogar eine Gefahrenquelle darstellen.

"Elterntaxis" stehen oft im Halteverbot

"Das Problem ist, dass die meisten Eltern versuchen, ihre Kinder so nahe wie möglich zum Eingang zu fahren", sagt Marion Kaiser, Pressesprecherin der Polizei Karlsruhe, im Gespräch mit ka-news.de. Dabei würden die Eltern oft wenig Rücksicht auf die Straßenverkehrsordnung nehmen. "Es wird vor Rettungswegen, entgegen der Fahrtrichtung oder auf dem Gehweg geparkt", so Kaiser weiter.

Elterntaxis
Vor der Schillerschule parken Eltern in zweiter Reihe. |

Dieses Verhalten stelle eine Gefahr für Kinder dar, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind. Denn: Sind die Gehwege zugeparkt, müssen die Schüler auf die Fahrbahn ausweichen. "Insbesondere für kleinere Kinder ist eine solche Situation gefährlich", erklärt Marion Kaiser. "Man sollte nicht vergessen, dass ein Kind hinter einem geparkten Auto für den Fahrer komplett aus dem Sichtfeld verschwinden kann!"

Verstärkte Polizeikontrollen vor Karlsruher Schulen

Damit in der morgendlichen Hektik alles geregelt abläuft, hat die Polizei verstärkt ein Auge auf den Bereich vor Karlsruher Schulen. Die Beamten achten während ihrer Kontrolle zum einen auf die Geschwindigkeit, denn vor vielen Schulen ist ein verkehrsberuhigter Bereich. Zum anderen steht die geeignete Sicherung der Kinder im Fahrzeug im Fokus.

Elternhaltestelle
Elternhaltestelle an der Schillerschule. (Symbolbild) | Bild: Lena Kube

Um heikle Verkehrssituationen zu vermeiden haben acht Schulen in Karlsruhe sogenannte "Elterntaxi-Haltestellen" eingerichtet. Dort können Eltern ihre Sprösslinge sicher aussteigen lassen. Direkt vor dem Schultor finden sich diese Haltebereiche allerdings nicht. Damit die Kinder das letzte Stück zur Schule eigenständig zurücklegen, sind sie meist in 100 bis 500 Meter Entfernung zu finden.

Karlsruher Schulen mit Elternhaltestellen:

Morgens mit dem Auto zu fahren ist verhältnismäßig unkompliziert und vor allem: Es spart Zeit. "Wenn beide Elternteile arbeiten, muss es morgens oft schnell gehen", sagt Manuela Wenglorz, Geschäftsführerin der Verkehrswacht Karlsruhe. "Und dann werden die Kinder eben kurzerhand zur Schule gefahren."

Empfehlung der Experten: Kinder sollen zu Fuß gehen

Polizei und Verkehrswacht sind sich einig: Am besten ist es, wenn Kinder den Schulweg zu Fuß bestreiten. Doch für Schulanfänger und Kinder, die die Schule wechseln, ist der Weg komplett neu. "Wir empfehlen, mit den Schulanfängern gemeinsam zur Schule zu laufen, den Kindern dabei die heiklen Stellen zu zeigen und zu erklären", so Manuela Wenglorz von der Verkehrswacht.

Manuela Wenglorz
Manuela Wenglorz ist Geschäftsführerin der Verkehrswacht im Stadt- und Landkreis Karlsruhe e.V.. | Bild: Uli Deck

Darüber hinaus sollte der Schulweg mit Bedacht gewählt werden. Am wichtigsten sei es, gemeinsam mit den Kindern eine sichere Route auszusuchen. Selbst, wenn damit ein Umweg in Kauf genommen werden muss. Denn: Im hektischen Stadtverkehr den Überblick zu behalten, das ist sogar für Erwachsene nicht immer leicht. Ab welchem Alter sind Schüler in der Lange, Gefahren im Straßenverkehr richtig einzuschätzen?

"Ein Kind ist immer noch ein Kind. Es sieht ein Eichhörnchen, einen Ball - und vergisst womöglich alles andere um sich herum", so Manuela Wenglorz im Gespräch mit ka-news.de. "Es gibt kein pauschales Alter, ab dem Kinder sich sicher alleine im öffentlichen Raum bewegen können."

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  •   Winston_Smith
    (612 Beiträge)

    15.09.2019 17:42 Uhr
    Es gibt gute Gründe, sein Kind sicher in die Schule zu bringen
    In Zeiten von Gruppen™ und Familien™ hilft aber wahrscheinlich nur noch eine Privatschule, die wie Pilze aus der Erde sprießen. Und ich wette, da gibts keine Diskussion um "Elterntaxis."
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  •   Freigeist1
    (758 Beiträge)

    15.09.2019 23:46 Uhr
    Fehler. Es ist nicht sicherer, seinem
    Kind die Chance auf Selbständigkeit im Verkehr (und Leben?) zu nehmen, ganz im Gegenteil. Meinst Du, die Verkehrswacht möchte den Kindern Schaden zufügen, oder was eigentlich? Seine eigenen diffusen Ängste auf die Kinder zu übertragen, das kann man machen, muß man aber echt nicht. Try it!
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  •   Winston_Smith
    (612 Beiträge)

    16.09.2019 08:26 Uhr
    "Eigene diffuse Ängste" - die typisch bunte Diffamierung bei angesprochenen Problemen
    Dann braucht man auch schon nicht darauf einzugehen, wie so manche GesinnungsgenossInnen den anderen zugemutete Probleme umgehen, wenns um sie selber geht. Und auch nicht darauf, ob vielleicht Eltern Kinder nicht allein wegen des Strassenverkehrs bringen, sondern um zu verhindern, dass sie schon auf dem Schulweg Dingen ausgesetzt sind, die es in vorbunten Zeiten so nicht gab.
    Immer schön aggro bleiben und weiter spalten. Und bestehende Probleme einfach leugnen.
    Die AfD wird's Leuten wie Ihnen danken. ☹️
    Glückwunsch.
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  •   Mondgesicht
    (2115 Beiträge)

    16.09.2019 09:20 Uhr
    Gefahren auf dem Schulweg
    Nun ja, ich bin mit Ihnen völlig einig, was die problematische Sicherheitslage in der Stadt insgesamt angeht. Ich selbst meide z.B. zwischenzeitlich den ÖPNV in den Abenstunden und würde mich da auch nicht auf den Europaplatz stellen.

    Aber die wenigsten dieser "Vorfälle" dürften sich morgens früh zwischen 7 und 8 Uhr auf den üblichen Schulwegen der kinder zu den Grundschulen abspielen. Und genau da sind ja diese Elterntaxis in Massen unterwegs. Das müsste in dieser Form nicht sein.
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  •   Winston_Smith
    (612 Beiträge)

    16.09.2019 09:58 Uhr
    Prinzipiell gebe ich Ihnen auch Recht
    Aber ob die Eltern der betroffenen Erstklässler in HD in nächster Zeit ihre Sprösslinge allein in die Schule schicken, bezweifle ich doch sehr.
    Und wo selbst auf Schulhöfen offene Diskriminierung und Gewalt stattfinden (entsprechende Links spare ich mir jetzt aus Zeitgründen), ist es leider nicht so unwahrscheinlich, dass sich diese Dinge auch auf den Schulweg ausdehnen.
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  •   Chris23
    (334 Beiträge)

    16.09.2019 11:33 Uhr
    Die gewalt auf dem Schulhöfen
    Hat aber deutlich abgenommen, seitdem sie ernst genommen wird. Früher wurde sie vermutlich nichtmal erfasst.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (11319 Beiträge)

    16.09.2019 17:43 Uhr
    früher kam es schon mal vor, dass das Opfer von Gewalt
    zum Sündenbock abgestempelt wurde...
    ...wenn ein kleinerer/jüngerer etwa von einer Gruppe Älterer während der Hofpause oder nach dem Unterricht verdroschen worden ist und dieser sich gewehrt und um sich getreten hat, bis er vom aufsichtführenden Lehrer oder dem Hausmeistergehilfen an den Koteletten oder am Ohr ins Lehrerzimmer gezogen worden ist, wo sich das aufgelöste Kerlchen nicht mehr anders zu helfen wußte, als den nächsten, dumm daherredenden Leerkörper mit seinen blutverschmierten Händen zu "verzieren".
    Damals wurde noch den Eltern des Kerlchens der Einfachheit wegen angeraten, einen Schulwechsel für den Sprössling zu erwägen.
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  •   Laetschebachschorsch
    (3151 Beiträge)

    14.09.2019 06:06 Uhr
    Wo für Verkehrsregeln - auch vor Schulen
    Die Stadt regelt den Verkehr, so z. B. auch vor Schulen und Kindergärten. Aber was nutzen diese Maßnahmen, wenn die Einhaltungen nicht durchgesetzt werden? Es sind verschwendete Steuergelder. Aber es hat noch eine andere Wirkung: an Regeln braucht man sich nicht halten. Doch wo sind da die Grenzen? Die setzt sich jeder selber. So funktioniert aber ein Zusammenleben in einer Gesellschaft nicht. Das gilt für alle und in allen Bereichen, für Kinder, die das noch lernen sollen, wie für Erwachsene, von denen die Kinder lernen.
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  •   malerdoerfler
    (5688 Beiträge)

    15.09.2019 00:46 Uhr
    Genau das
    ist das große Problem an dem unsere Gesellschaft momentan krankt
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  •   Suedweschter
    (378 Beiträge)

    14.09.2019 00:26 Uhr
    Natürlich blöd mit dem Laufen,
    wenn es eine "spezielle Schule" sein soll oder die Familie in einem abgelegenen Ort(steil) wohnt.
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