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Karlsruhe Ohne Direktvergabe kein Karlsruher Modell mehr? "Gruppe von Behörden" sichert Zukunft des ÖPNV

Das Karlsruher Modell gibt es bereits seit über einem Vierteljahrhundert. Nun wurde eine "Gruppe von Behörden" gegründet, um die Verkehrsleistung per Direktvergabe an die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) sowie die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) auf den Weg zu bringen. Ziel ist es, das Karlsruher Modell weiterzuentwickeln und vor allem zu sichern.

Seit Beginn der 1990er-Jahre können Fahrgäste ohne Umsteigen die Karlsruher Innenstadt oder Ziele im Umland erreichen. Rund 170 Millionen Passagiere fahren dank des Karlsruher Modells mit der Bahn in und um die Fächerstadt. Nun wurde eine "Gruppe von Behörden" gegründet. Dadurch soll die Möglichkeit entstehen, die Verkehrsleistung an die AVG und die VBK direkt zu vergeben, die bereits seit 1992 das ÖPNV-Angebot in und um Karlsruhe anbieten. Das heißt, dass der Auftrag für den Betrieb der Bahnen ohne einen internationalen Wettbewerb vergeben wird.

Bahn Typ Flexity
Karlsruher Bahn vom Typ Flexity. | Bild: AVG

Dieser Zusammenschluss ist die Grundlage für die beiden Verkehrsunternehmen, den Betrieb weiterzuführen. "Es gibt einen neuen EU-Rechtsrahmen und der schreibt vor, die Vergabe im Wettbewerb auszuschreiben", so Uwe Lahl vom Verkehrsministerium des Landes. "Das hätte in letzter Konsequenz für das Karlsruher Modell das Aus bedeutet. Denn der, der das Karlsruher Modell heute fährt - also die AVG - hätte diesen Wettbewerb gewinnen müssen." Und das ist - so der Gedanke hinter einem Wettbewerb - nunmal nicht gewährleistet. Mit der Unterschrift unter die Kooperation kommt jetzt also die Sicherheit, diese internationale Ausschreibung zu umgehen.  

Enge Zusammenarbeit zwischen Stadt und Land(-kreis)

Zu dieser Gruppe zählen neben der Stadt Karlsruhe auch das Land Baden-Württemberg, die Landkreise Karlsruhe sowie Germersheim, die Stadt Heilbronn und der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd (ZSPNV). Frank Mentrup zu diesem wegweisenden Schritt:" Wir wollen das erfolgreiche Karlsruher Modell sichern und zukunftsfähig weiterentwickeln", so der Oberbürgermeister im Rahmen einer Pressekonferenz.

Oberbürgermeister Frank Mentrup
Oberbürgermeister Frank Mentrup. | Bild: Ingo Rothermund

Bereits vor rund zwei Jahren wurde ein neues Konzept vorgestellt, wie es nach 2022 weitergehen soll, wenn die aktuellen Verträge auslaufen. Die Verkehrsleistung soll dann ab Dezember 2022 für 22,5 Jahre direkt an die VBK vergeben werden. Die Direktvergabe für die AVG, die ihre Verkehre am Oberrhein in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz erbringt, soll einen Vertrag bis ins Jahr 2035 erhalten. 

"Wichtiger Schritt für den Erhalt des Karlsruher Modells"

Christoph Schnaudigel, Landrat des Landkreises Karlsruhes, zeigt sich begeistert: "Dieses Nahverkehrssystem hat in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich zur positiven wirtschaftlichen und demographischen Entwicklung der Region beigetragen. Der heutige Vertragsabschluss ist ein wichtiger Schritt für den Erhalt des Karlsruher Modells."

So sieht es auch der Ministerialdirektor des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg: "Wir bringen das Modell in eine neue Zeit", sagt Uwe Lahl. Mentrup ergänzt:" Mit diesem Schritt werden auch die rund 2.000 Arbeitsplätze bei AVG und VBK gesichert, ebenso wie auch die Zukunft des Karlsruher Bahnverkehrs."

Der Vorsitzende der Geschäftsführung von AVG und VBK, Alexander Pischon, begrüßt die Entscheidung der Aufgabenträger: "Das ist wichtiger Meilenstein zur Sicherung unseres Nahverkehrsmodells." Und wie geht es nun weiter? "Nun gilt es, das komplexe Direktvergabe-Verfahren in den kommenden Monaten zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen", so Pischon. 

Alexander Pischon, Geschäftsführer AVG
Alexander Pischon, Geschäftsführer der AVG. | Bild: ka-news

Noch etwa ein Jahr wollen AVG und VBK eventuelle Widersprüche abwarten. Dann werden zwei Gutachten erstellt, je eines von der Stadt und eines vom Land. So soll auch ohne Wettbewerb ein Wettbewerb simuliert werden. Schließlich geht es auch um die Ticketpreise, denn die sollen selbst ohne Mitbewerber fair und gerecht sein. 

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  •   Nerolino
    (36 Beiträge)

    02.08.2019 11:23 Uhr
    Oh nein!
    Ist dann womöglich der überregionale Verkehr zum Beispiel nach Heilbronn oder Freudenstadt auch von dem Monopol betroffen? Mit der Straßenbahn weite Strecken in die Region zu fahren ist nicht gerade prickelnd. Und bevor jetzt wieder jemand schreibt, dass das keine Straßenbahnen sind. Ja, ich weiß das, aber durch die rechtliche Änderung in Grötzingen von Straßenbahn zu Triebwagen werden die Dinger nicht bequemer.
    Da lobe ich mir die neuen GoAhead Züge. Ich hatte gehofft, dass bald solche richtigen Züge von Heilbronn / Freudenstad nach Karlsruhe fahren.
    Ja gut, ein paar Straßenbahnen dürfen dann auch von Eppingen/Bretten/Rastatt in die Karlsruher Innenstadt fahren.
    Ironie ein - Es wollen ja alle aus dem Umland an den Karlsruher Marktplatz fahren. – Ironie aus
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  •   Rundbau-Gespenst
    (11257 Beiträge)

    02.08.2019 11:45 Uhr
    wo sollte Goahead so schnell
    neue Triebwagen herbekommen?

    Die kommen ja mit den aktuell übernommenen Strecken zunächst mal nicht zu Potte!
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  •   mikado46
    (172 Beiträge)

    02.08.2019 11:14 Uhr
    Da sieht man wieder.....
    ....die schönen Sonntagsreden zum europäischen Geist, sind keinen kalten Furz wert.
    Europa ja. Aber nur solange die Gesetze nicht eigene Interessen durchkreuzen.
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  •   likeka
    (471 Beiträge)

    02.08.2019 16:02 Uhr
    Ähm?
    Diese Form der "Inhouse-Vergabe" ist ja in den europäschen Reglen explizit festgeschrieben.
    Man handelt nach europäischem Recht (wie sollte das auch anders gehen?).
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  •   stoersender
    (1309 Beiträge)

    01.08.2019 16:12 Uhr
    Erfolgreich?
    Die Zeiten sind aber schon lange vorbei. Aufwachen, Herr Dr. Mentrup!
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  •   Holzbierebub
    (270 Beiträge)

    01.08.2019 15:52 Uhr
    Satte Sesselfurzer.....
    bis Sommer wollte die AVG genügend Fahrer haben, massenweise Flüchtlinge rekrutieren. Ist still geworden um die vollmundig angekündigten Pläne.
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  •   likeka
    (471 Beiträge)

    01.08.2019 17:52 Uhr
    Verträge
    Verträge werden nunmal von "Sesselfurzen" gemacht. Dass dabei massenweise Arbeitsplätze gesichert wurden ist Ihnen aber wohl keine ERwähnung wert.
    AVG hat zur Zeit genug Personal, die Ausfälle waren bei den VBK. Es war von wenigen Geflüchteten die Rede, ich meine 20 im Bereich Karlsrueh/Mannheim und nicht von "massenweise".
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  •   lynx1984
    (3145 Beiträge)

    01.08.2019 13:04 Uhr
    Mit anderen Worten...
    das Monopol ohne Wettbewerb oder gar Ausschreibung abgesichert und freie Marktwirtschaft ausgehebelt.
    Freie Bahn also für Missmanagement, ausgefallene Züge und steigende Preise. Die AVG und KVV brauchen keine Konsequenz mehr hierfür zu fürchten. Egal wie gute Wettbewerber es noch außerhalb gibt.

    Man bedenke, dass das sog. "Karlsuher Modell" auf technischem Fortschritt (u.a. Zweisystemwagen) beruht sowie der Missleistung des Monopolanbieters Deutsche Bahn zum damaligen Zeitpunkt.
    Man kann es kaum glauben, dass ausgerechnet das Karlsruher Modell nun vertragstechnisch gegen weiteren technischen Fortschritt in einem Quasimonopol abgesichert werden soll.
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  •   likeka
    (471 Beiträge)

    01.08.2019 17:59 Uhr
    Daseinsvorsorge
    Die Stadtwerke haben auch ein Monopol auf Leitungswasser und das ist sehr gut so!
    Es gibt eben Dinge, da sollte nicht der maximale Profit an erster Stelle stehen, sondern das Wohl möglichst vieler Menschen und Nachhaltigkeit.
    Die Stadt und die Region bringen einen Service für die Menschen und zwar unmittelbar!
    Wenn was nicht läuft, können Sie Politiker verantwortlich machen, die direkten Zugriff auf die Unternehmen haben. Vor unserer Haustür. Zum Wohle der Bürger dieser Region.
    Ich will das Städtische Klinikum auch nicht in Privater Hand sehen. Es gibt einfach Dinge, die sollte eine Gesellschaft als Gesellschaft leisten.

    Wie gut das mit dem Wettbewerb auf der Schiene funktioniert können Stuttgart-Pendler Ihnen momentan nur allzu gut erzählen :D
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  •   Chris23
    (295 Beiträge)

    02.08.2019 21:22 Uhr
    Sehe ich ähnlich, aber ...
    ... dann sollte es nicht an ein Gewinnorientiertes Unternehmen gehen.

    Ich finde es tendentiell gut, wenn Infrastruktur aufgaben staatlich und für die allgemeinheit und nicht für dem Profit bereit gestellt werden. Hier bekommen aber zwei unternehmen eine Monopolstellung + Subventionen sobald sie an einer stelle drohen keinen gewinn zu machen. Sei es durch einen Ausbau, oder abdeckung ausserhalb der Stoßzeiten.
    Dieses Modell ist ohne gesichertes Monopol schon naja, aber so haben sie nichtmal die Wahl nach mitbewerbern zu schauen die vllt eine kleinere Gewinnspanne akzeptieren oder ideen haben wie man Leute auch ausserhalb der Stoßzeiten ausreichend in die Bahn zu bekommen.
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