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Karlsruhe ÖPNV-Tickets im Städtevergleich: So schneiden Karlsruher Fahrkarten-Preise ab

Mit dem kommenden Fahrbahnwechsel wird der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) seine Ticket-Preise im Schnitt um 2,37 Prozent erhöhen. Damit ist der Verkehrsverbund nicht alleine: In vergleichbaren Städten werden jedes Jahr aufs Neue Tarife angepasst. ka-news hat einen Überblick der ÖPNV in vier verschiedenen Städten.

Im Dezember passt der KVV seine Tarife an. Ärgerlich für die meisten Kunden - sie müssen sich deshalb auf höhere Preise einstellen. Doch warum das Ganze? Begründet werden die Anpassungen beim KVV mit "gestiegenen Personalkosten durch die Tarifabschlüsse im öffentlichen Dienst" und durch "Investitionen in die Bahn-Infrastruktur".

Wie Nicolas Lutterbach, Pressesprecher des KVV im Gespräch mit ka-news erklärt, bedeutet das konkret: Vor allem Investitionen in Infrastrukturen sind für die Zukunft nötig und spiegeln sich entsprechend in den Fahrpreisen wider. So werden beispielsweise einige Bahnsteige in großen Baumaßnahmen auf ihre Barrierefreiheit modernisiert oder andere lediglich instand gehalten, so Lutterbach.

Vier Verkehrsverbunde im Städtevergleich

Doch gibt es solche Gründe nur in Karlsruhe? Wie steht der KVV im Vergleich zu anderen Städten da? Die Antwort: Tarifanpassungen sind nichts ungewöhnliches - auch bei anderen vergleichbaren Verkehrsverbünden wie beispielsweise dem Augsburger Verkehrs- und Tarifverbund (AVV), dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) oder auch dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), steigen die Fahrpreise in regelmäßigen Abständen.

 

So haben die vier verglichenen Verbunde in den letzten fünf Jahren jeweils in unterschiedlichen Jahren mit bis zu drei Prozent ihre Tarife angepasst. Die Ausnahme: Mit dem AVV hat lediglich einer der vier Verbunde in einem Jahr keine Tarifanpassung vorgenommen. Ebenfalls auffällig: Beim RMV ist die kommende Tarifanpassung für das Jahr 2018 mit 1,5 Prozent die niedrigste Tariferhöhung seit der Gründung des Verbundes im Jahr 1995.

Immer wieder: gestiegene Personal- und Betriebskosten

Doch warum variieren solche Anpassungen jährlich und mit welchen Gründen verteidigen die Verantwortlichen ihre Anpassungen? Begründungen sind häufig ähnlich wie in Karlsruhe - so heißt es beispielsweise beim VRN: "Gründe für die Tarifanpassungen in den letzten Jahren sind stets die Steigerung der Personal- und Betriebskosten bei den Verkehrsunternehmen im VRN." Hinzu kämen verstärkt "Investitionen in Fahrzeuge und den Ausbau der Infrastruktur regional aber auch überregional".

Auch der AVV argumentiert ähnlich: "In den beiden Tarifanpassungen Anfang 2016 und Mitte 2017 waren hier die gestiegenen Personalkosten (Tariferhöhungen) der wesentliche Faktor."

Warum können diese Verbunde verglichen werden?

Doch warum werden gerade diese vier Verbunde zum Städtevergleich herangezogen? Vergleichbar sind diese vor allem durch ihren Flächen-Umfang, ihre Einwohnerzahl und ihre Fahrzeug-Ausstattung. Die Fächerstadt hat insgesamt knapp 310.000 Einwohner auf über 173 Quadratkilometern. Im KVV-Gebiet fahren auf insgesamt fast 600 Streckenkilometern 19 Straßen- und Stadtbahnlinien. Das bedeutet laut KVV-Verbundbericht 2016, dass insgesamt 220 KVV-Busse auf den Straßen - und 110 Straßenbahnen (auf 75,3 Kilometern) sowie 201 Stadtbahnen (auf über 500 Kilometern) auf den Gleisen des KVV fahren.

Und die Ticket-Preise? Der KVV rechnet seine Tickets über ein Waben-System ab und verlangt momentan für eine Einzelfahrt im kompletten Stadtgebiet mit zwei Waben und einer Gültigkeitsdauer von bis zu 90 Minuten 2,50 Euro. Eine Wabe kostet lediglich zwei Euro. Dabei gelten die Tickets in eine Fahrt in Richtung des Ziels - eine Fahrtunterbrechungen ist dabei erlaubt.

AVV bietet Vorteile mit "Miniticket"

Zum Vergleich: Die bayrische Stadt Augsburg mit über 290.000 Einwohnern und fast 150 Quadratkilometern Fläche. Der AVV, der für den öffentlichen Personennahverkehr der Großstadt sowie für mehrere umliegende Landkreise zuständig ist, hat nach eigener Aussage derzeit 220 Regionalbusse im Einsatz, welche den Partnern im AVV-Regionalbusverkehr gehören. Außerdem erstrecken sich laut AVV-Verbundbericht 2015/16 auf insgesamt 45 Kilometern 211 Straßenbahn-Haltestellen für fünf verschiedene Linien.

"Laut Zahlenspiegel der Stadtwerke Augsburg 2015 kommen noch 77 Stadtbusse und 86 Straßenbahnen der Augsburger Verkehrsgesellschaft mbH (AVG) dazu," erklärt eine Sprecherin des AVV gegenüber ka-news weiter. Einzeltickets gibt es in verschiedenen Preisstufen - je nach dem wie viele Tarifzonen durchfahren werden. Der momentane Ticketpreis für eine Zone: 1,45 Euro. Vorteile bietet beim AVV vor allem das sogenannte "Miniticket": Es ist in speziellen Übergangszonen gültig und kostet 1,70 Euro.

 

Wiesbaden setzt Schwerpunkt auf Busse

Ähnlich ist das Ticket-Angebot auch beim RMV: Im Zuständigkeitsgebiet der Stadt Wiesbaden, die sich auf über 200 Quadratkilometern mit rund 290.000 Einwohner erstreckt, setzt der Verbund den Schwerpunkt nicht auf Straßenbahnen, sondern vielmehr auf Transport durch Busse und Flexibilität in Sachen Preis.

So kommen im gesamten Rhein-Main-Gebiet rund 3.300 Busse zum Einsatz - 250 davon in Wiesbaden. Der Preis für eine Einzelfahrkarte liegt beim RMV für das Stadtgebiet Wiesbaden momentan bei 2,80 Euro. Alternativ kann der Fahrgast auch ein Kurzstreckenticket für 1,70 Euro kaufen.

Quadratstadt ähnlich wie die Fächerstadt

Und auch die Stadt Mannheim kann mit den drei vorherigen Städten verglichen werden: Die Quadratstadt hat insgesamt über 300.000 Einwohner und fast 145 Quadratkilometer Fläche. Der VRN regelt und verwaltet für diese und weitere Bereiche die Tarife und Beförderungsbedingungen. Für den öffentlichen Personenverkehr in Mannheim ist das Verkehrsunternehmen Rhein-Neckar-Verkehr (RNV) mit insgesamt 187 Bahnen und 184 Bussen auf einer Gesamt-Linienlänge von zirka 750 Kilometern (davon knapp über 100 Kilometer Straßenbahnlinie im Stadtgebiet Mannheim) zuständig.

Auch der VRN richtet sich in Sachen Preise nach der Anzahl von Waben. Für eine Einzelfahrt im Stadtgebiet in den Preisstufen "0 oder City" zahlt der Fahrgast momentan 1,60 Euro. Für das komplette Mannheimer Stadtgebiet müssen 2,50 Euro - also genau so viel wie in Karlsruhe - auf den Tisch gelegt werden.

Kein Verbund gleicht dem anderen

Insgesamt lässt sich zusammenfassen, dass die vier verglichenen Städte in Bezug auf den ÖPNV jeweils ihre eigenen Vorteil bietet. So liegt der Preis beim KVV im Gegensatz zu den anderen Verbünden zwar etwas höher, er bedient allerdings auch eine relativ große und umfangreiche Fläche und Anzahl an Menschen. Nur Mannheim bietet eine längere Straßenbahn-Linienlänge - gleichzeitig glänzt die Quadratstadt mit ihrem Einzelfahrticket. Billiger ist nur der AVV, der allerdings auch weniger Linienkilometer befährt.

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  •   Malaika
    (131 Beiträge)

    04.11.2017 08:57 Uhr
    @Ozeiger:
    Auf Karlsruhe bezogen stimme ich Ihnen zu. Auch ich fahre vom Vorort in's Breuninger-Parkhaus mit dem Auto. Ist wahrscheinlich bequemer und weniger stressig und wenn ich noch meine Mädels zum Shoppen mitnehme, auch billiger. Zudem ist es kein Vergnügen, sich mit vollen Tüten in die überfüllten Bahnen zu quetschen und evtl. noch umzusteigen. Ganz zu schweigen von den Rucksäcken, die man des Öfteren ins Gesicht bekommt.
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  •   dipfele
    (4178 Beiträge)

    03.11.2017 19:47 Uhr
    Für Karlsruhe ist der Fahrpreis....
    ...absolut falsch, es sei denn die Fahrpreise wurden gesenkt....
    Im Karlsruher Stadtgebiet kostet die Einzelfahrt für Erwachsene 2,40. Eine Wabe ausserhalb Karlsruhe kostet 1,90, also z.B. von Weingarten nach Spöck.
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  •   Malaika
    (131 Beiträge)

    03.11.2017 12:00 Uhr
    Exorbitant
    finde ich den Preis von 4 Pfund für die Tram von Nähe Waverley bis zum Flughafen (ca. 15 km) nun nicht. Ob die Tram nötig war, darüber streiten sich die Edinburgher. Und als Armutszeugnis sehe ich die dortigen Busverbindungen auch nicht. Habe dort noch nie eine Verspätung oder einen Ausfall erlebt, selbst nicht während des Fringe im August. Eine 20minütige Wartezeit wie in Karlsruhe an Sonn- und Feiertagen, wenn ich von z. B. Daxlanden ins Zentrum will wäre dort eine Lachnummer.
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  •   Malaika
    (131 Beiträge)

    03.11.2017 06:37 Uhr
    Zum Vergleich:
    Edinburgh, 493 000 Ew, 262 qkm. Preis für ein Dayticket im August 17: 3,6 Pfund. Busse fahren im Minutentakt. Neue Straba unwesentlich teurer. Residents ab 60 Jahren fahren umsonst! Habe noch nie so disziplinierte Fahrgäste erlebt, die sofort Platz machen, wenn Mütter mit Kinderwagen oder gehandicapte Personen einsteigen. Auch das Einsteigen geht problemlos, keiner schiebt oder drängelt. Da lässt man das Auto dann gerne stehen. Zudem liegt täglich eine Zeitung aus, umsonst. Da könnte sich der KVV eine Scheibe abschneiden. Einziges Manko: Der Busfahrer wechselt nicht, also Fahrgeld immer abgezählt bereit halten.
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  •   KFZfreak
    (21 Beiträge)

    03.11.2017 08:21 Uhr
    3,6 Pfund für den ganzen Tag?
    Das sind ja gerade mal 4 Euro. Wenn ich mit dem Bus/Bahn zur Postgalerie fahren will, kostet mich das als Einzelticket 5,90€ und dauert dann auch noch lächerliche 1:24. Allerdings sind nur sieben Minuten Umsteigezeit vorhanden, also dauert die Verbindung tendenziell länger. Da braucht man sich nicht wundern, dass jeder so oft wie möglich das Auto nutzt.
    Ihr Beispiel dürfte auch die letzten KVV-Fetischisten verstummen lassen :D
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  •   Ozeiger
    (1459 Beiträge)

    04.11.2017 08:31 Uhr
    Für die
    fünf Euro für ein Einzelfahrticket hab ich schon den Sprit und anderthalb Stunden Parkhaus bezahlt (theoretischer Wert, da ich ja volle Stunden zahlen muss). Und bis ich zur Haltestelle gelaufen bin (manche wohnen weiter weg als ich) und dann eventuell bis zu fünf Minuten gewartet habe steht mein Auto schon im Parkhaus der Postgalerie wenn ich in die Bahn grade mal einsteige. Wer also mein Konsumverhalten hat (kurz in die Stadt um gezielt etwas zu erledigen) ist mit dem Auto auf jeden Fall besser bedient. Und wenn man von etwas ausserhalb kommt und womöglich noch umsteigen muss holt man mit der gesparten Zeit die höheren Spritkosten locker wieder rein.
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  •   KFZfreak
    (21 Beiträge)

    04.11.2017 17:17 Uhr
    Geht mir genauso
    Wer privat schon ein Kfz, egal welcher Art, besitzt, kann rein die Kraftstoffkosten und Parkgebühr betrachten. Und dann lohnt sich das Auto erst recht. Wenn ich mir vorstelle, ich müsste nach einem anstrengenden Shopping-Abend meine Tüten durch die Bahn und durch die Bahnhöfe tragen, da wird man ja bekloppt
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  •   Ozeiger
    (1459 Beiträge)

    04.11.2017 21:24 Uhr
    Ganz genauso
    ist es und nicht anders. Und man kann gemütlich Musik hören, sitzt gut und kann auch noch eine rauchen. Ich fahr abgesehen von ein paar längeren Kundenfahrten (sind aber selten) vielleicht 600 Kilometer im Monat, aber selbst wenns 100 wären hätt ich immer noch ein Auto und wenns die letzte Chaise wär.
    Und so oft wie möglich nehm ich das von meiner Frau, das ist umsonst. grinsen
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  •   Ozeiger
    (1459 Beiträge)

    04.11.2017 21:28 Uhr
    Vergessen:
    Ich brauch mein Auto auch für ein paar Touren in der Stadt die ich mit dem ÖPNV gar nicht machen könnte und mit dem Rad bräuchte ich so ein Lastenrad oder einen Hänger. Viel zu umständlich, zumal die Touren bei jedem Wetter gemacht werden müssen, das wär mir bei Regen, Schnee, Kälte und Dunkelheit grad zu blöd.
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  •   lenkdreiachser
    (358 Beiträge)

    03.11.2017 09:04 Uhr
    Edinburgh
    Ob man Edingburgh als Sternstunde des Nahverkehrs hinstellen sollte, sei einmal dahingestellt. Busse im Minutentakt sind für eine 493.000-EW-Stadt ja eher ein Armutszeugnis. Die braucht, es weil die es bislang gerade einmal einzige Tramlinie gibt, welche aufgrund einer Kostenexplosion nicht einmal vollständig fertig gestellt wurde. Tramtickets gelten wohl nicht im Bus und umgekehrt. Und für eine Fahrt zum Flughafen wird richtig abkassiert. Für eine einzige Haltestelle gibt es hier einen exorbitanten Preissprung, der einem fast die Tränen in die Augen treibt.
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