Halle/Karlsruhe OB Mentrup: "Der Anschlag ist auch ein Terrorakt unmittelbar gegen uns, wir sind Halle"

Oberbürgermeister Frank Mentrup drückte am Mittwoch sein tiefes Mitgefühl nach dem Attentat in der Karlsruher Partnerstadt aus. "Jetzt hat ein solcher Anschlag in unserer Partnerstadt stattgefunden, die vielen von uns mit ihrer Geschichte, ihrem Stadtbild und ihren Menschen so vertraut und so nah ist, wir eine Familie darstellen, Halle ist auch Karlsruhe, Karlsruhe ist auch Halle - über alle Entfernungen hinweg. Und deshalb ist der Anschlag auch ein Terrorakt unmittelbar gegen uns, gegen jeden Einzelnen von uns, wir sind Halle, das spüren wir gerade jetzt ganz intensiv."

Er habe mit großer Erschütterung und Fassungslosigkeit von dem Attentat erfahren. Auch im Namen der Partnerstadt Karlsruhe und ihrer Bürger übermittle er "unsere aufrichtige Anteilnahme und unser tiefstes Mitgefühl angesichts dieses Aktes antisemitischer und rassistischer Gewalt. In Gedanken sind wir bei den Opfern und allen, die ihnen nahe stehen", so das Stadtoberhaupt in einer entsprechenden Pressemeldung.

Karlsruhe ist "entsetzt über menschenverachtenden Anschlag"

Mit großer Enttäuschung und Fassungslosigkeit habe Mentrup von dem Attentat erfahren: "Jetzt hat ein solcher Anschlag in unserer Partnerstadt stattgefunden, die vielen von uns mit ihrer Geschichte, ihrem Stadtbild und ihren Menschen so vertraut und so nah ist, wir eine Familie darstellen, Halle ist auch Karlsruhe, Karlsruhe ist auch Halle - über alle Entfernungen hinweg. Und deshalb ist der Anschlag auch ein Terrorakt unmittelbar gegen uns, gegen jeden Einzelnen von uns, wir sind Halle, das spüren wir gerade jetzt ganz intensiv."

Karlsruhe sei "entsetzt über diesen menschenverachtenden Anschlag" und verurteile das brutale Verbrechen auf das Schärfste. Die Tat sei "nicht nur ein Angriff auf das Leben unschuldiger Menschen, sondern auch ein Angriff auf uns alle – auf unsere Grundwerte und Lebensvorstellungen, die eine demokratische, pluralistische und offene Gesellschaft auszeichnen."

Landesparteitag der SPD Baden-Württemberg
Frank Mentrup (Archivbild) | Bild: Sebastian Gollnow/Archiv

Mentrup weiter: "Wir wollen und werden uns daher weiter mit aller Macht antisemitischen und rassistischen Strömungen entgegenstellen. Sie zielen auf eine Spaltung unserer Gesellschaft ab. Es ist gerade eine wichtige Grundlage unserer Gesellschaft, dass alle Menschen ohne Ansehen von Religion, Nationalität oder Geschlecht die gleichen Rechte und den gleichen Wert haben. Eine Aushöhlung dieser Menschenrechte werden wir nicht zulassen."

Mentrup bat Wiegand, die Karlsruher Anteilnahme und Unterstützung an die Jüdische Kultusgemeinde Halle und das Umfeld des betroffenen Ladengeschäfts weiterzugeben, ebenso wie das tiefempfundene Mitgefühl an die Verletzten und an die Angehörigen der Opfer.

Mahnwache in Karlsruhe
Bild: Barros

Seine Anteilnahme drückte Mentrup ebenso dem Vorsitzenden der Jüdischen Kulturgemeinde Karlsruhe, Petr Kupershmidt, aus. In dem Schreiben heißt es unter anderem: "Wir werden eine Ausgrenzung von Religionen oder Nationalitäten nicht akzeptieren. Seien Sie versichert, dass wir diesen grausamen Akt der Gewalt zutiefst verurteilen. Seien Sie gleichzeitig versichert, dass wir an Ihrer Seite stehen. Seite an Seite werden wir uns jedwedem Terror, jedwedem Extremismus und jedwedem Angriff auf unsere gemeinsamen freiheitlich-demokratischen Grundwerte entgegenstellen."

Mahnwache vor jüdischer Kultusgemeinde in Karlsruhe

Ein Kondolenzbuch für alle, die Anteil nehmen wollen, liegt am Freitag, 11. Oktober, ab 9 Uhr im Unteren Foyer des Rathauses am Marktplatz aus.

Aufgrund des Attentats rufen die Religionsgemeinschaften Karlsruhe zur Mahnwache auf. Am Donnerstagabend um 18 Uhr vor der jüdischen Kultusgemeinde in der Knielinger Allee 11. "Wir sind entsetzt und fassungslos, dass jüdische Bürger unseres Landes um ihr Leben fürchten müssen", so die Religionsgemeinschaften Karlsruhe.

Mahnwache der jüdischen Gemeinde
Mahnwache in Karlsruhe für die Opfer des Anschlags. | Bild: Barros

Tatverdächtiger kommt nach Karlsruhe

Laut der ARD-Tagesschau wird der Tatverdächtige Stephan B. noch am heutigen Donnerstag einem Richter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe vorgeführt - vorausgesetzt sein Gesundheitszustand spricht nicht dagegen. In der Regel passiert der Transport erst per Hubschrauber und dann per Autokolonne und immer unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen. 

Attentäter aus Halle in Karlsruhe
Bild: ka-news

Justizministerin Christine Lambrecht und Generalbundesanwalt Peter Frank haben die Taten von Halle als Terror eingestuft. Bei einer gemeinsamen Stellungnahme in Karlsruhe sprach Lambrecht von einem "rechtsextremistischen Terroranschlag" eines Einzeltäters.

Halle als rechtsextremistisches Terror-Attentat eingestuft

Der Schütze habe aus antisemitischen und rechtsextremistischen Gründen gehandelt. Im Auto des mutmaßlichen Täters wurden nach Franks Angaben insgesamt vier Kilo Sprengstoff in zahlreichen Sprengvorrichtungen sichergestellt. Stephan B. werde zweifacher Mord und versuchter Mord in neun Fällen vorgeworfen.

Stephan B. wird des Vorhabens beschuldigt, am gestrigen Dienstag ein Blutbad in der Synagoge anrichten zu wollen. Der Versuch des Mannes scheiterte, woraufhin er vor der Synagoge eine Frau und in einem Döner-Imbiss einen jungen Mann erschoss.

Döner-Imbiss
Absperrband der Polizei hängt vor dem Dönerladen in Halle. | Bild: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht hat den Rechtsextremismus als eine der aktuell größten Bedrohungen bezeichnet, denen der Rechtsstaat mit allen Mitteln gegenübertreten müsse. Rechtsextremismus trete in Deutschland immer gewalttätiger und aggressiver auf, sagte Lambrecht in Karlsruhe. Der Nährboden beginne oft zunächst mit Worten, denen dann Taten folgen.

Es gehöre zur Staatsräson, dass Juden in Deutschland sicher leben könnten. Lambrecht kündigte an, Vorschläge zu machen, wie Internetplattformen verpflichtet werden könnten, rechtsextreme Äußerungen zu verhindern. Die  Migrationsbeauftragte Annette Widmann-Mauz (CDU) fordert ein Sonderkabinett gegen Rassismu s. 

Merkel schockiert und bedrückt von dem Verbrechen in Halle

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich für den Einsatz sämtlicher rechtsstaatlicher Mittel gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus ausgesprochen. "Da gibt es keinerlei Toleranz", sagte die Regierungschefin beim Gewerkschaftstag der IG Metall in Nürnberg. Sie sei wie Millionen Menschen "schockiert und bedrückt" von dem Verbrechen in Halle, erklärte die Kanzlerin. Sie trauere mit den Familien und Freunden der Ermordeten. "Wir sind nur sehr knapp einem schrecklichen Angriff auf die Menschen in der Synagoge entgangen. Es hätte noch sehr viel mehr Opfer geben können."

Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Hunderte Bürgermeister haben der Opfer des Anschlags auf ein jüdisches Gotteshaus in Halle gedacht. "Was wir jetzt erlebt haben mit dem Anschlag auf die Synagoge in Halle, das muss uns alle aufrühren, es ist sehr ernst", sagte Kretschmann am Donnerstag bei der Mitgliederversammlung des baden-württembergischen Gemeindetags in Ehingen (Alb-Donau-Kreis). Er warnte zugleich vor einer Verrohung der Sprache in der Politik.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei der Dialekttagung des Staatsministeriums | Bild: Staatsministerium Baden-Württemberg

 

Gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten verneigten sich die anwesenden rund 700 Bürgermeister von Städten und Gemeinden symbolisch vor den Anschlagsopfern. "Antisemitismus hat in unser Gesellschaft keinen Platz; das ist auf das Härteste zu kritisieren" sagte Gemeindetagspräsident Roger Kehle. "Wir gedenken der Verstorbenen und der Angehörigen, und wir verbinden damit den innigen Wunsch, dass das, was einmal gewesen ist in unserer Bevölkerung, nie wieder geschehen möge."

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