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Karlsruhe OB Heinz Fenrich: "Das Parteibuch zählt weniger als Charakterstärke"

Am Donnerstagabend wird Heinz Fenrich offiziell verabschiedet. Im Gespräch mit ka-news redet er darüber, was ihm aus den 14 Jahren als Oberbürgermeister von Karlsruhe besonders im Gedächtnis geblieben ist, warum auch die Gegner der Kombilösung das Großprojekt seiner Ansicht nach noch zu schätzen wissen werden, und wieso man ihn künftig öfter auf dem Golfplatz antreffen wird.

Herr Fenrich, ganz spontan: Was geht ihnen als erstes durch den Kopf, wenn Sie an die vergangenen 14 Jahre zurückdenken?

Die Vereidigung zu Beginn meiner ersten Amtszeit und die Wiederwahl im ersten Wahlgang 2006, als mir die Menschen weiterhin ihr Vertrauen geschenkt haben - beides Momente, die ich so schnell nicht vergessen werde.

In den vergangenen Wochen haben Sie schon zahlreiche Abschiede und letzte Male hinter sich gebracht. Wie schwer wird es Ihnen fallen, ab dem 1. März tatsächlich ganz loszulassen?

Natürlich gehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich war sehr gerne Oberbürgermeister meiner Heimatstadt Karlsruhe. Zum einen habe ich aber lange genug Zeit gehabt, mich auf den Abschied vorzubereiten. Und zum anderen konnte ich in meiner Amtszeit viel bewegen und anstoßen zum Wohle der Stadt. Karlsruhe ist bestens aufgestellt. Ich gehe deshalb durchaus ausgeglichen und zufrieden - und außerdem in dem Gefühl, dass mein Nachfolger, ebenso wie ich, das Beste für die Stadt suchen wird.

Was wird Ihnen in Ihrem neuen Leben als Oberbürgermeister a. D. am meisten fehlen - und worauf freuen Sie sich am meisten?

Ich werde sicherlich an die Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung zurückdenken, mit denen ich täglich zusammengearbeitet habe. Ich freue mich aber auch auf meine neue Freiheit: Nicht mehr abhängig sein von einem straffen Terminkorsett, sondern Herr über die eigene Zeit zu werden, mehr mit der Familie, den Enkelkindern und Freunden unternehmen zu können.

Sie haben sich vergangene Woche mit den Worten "Tschüss, Ciao und auf Wiedersehen - wo auch immer" aus dem Gemeinderat verabschiedet. Wo werden die Karlsruher Sie denn wiedersehen können? Was werden Sie jetzt machen?

Ich möchte erst einmal Abstand gewinnen, zur Ruhe kommen und dann nachdenken, wo ich meine Schwerpunkte in Zukunft setzen will. Man wird mich sicherlich hier und dort in der Stadt sehen - beim Spazierengehen, auf meinem neuen Pedelec oder auch auf dem Golfplatz. Ich habe mir vorgenommen, mein Handicap zu verbessern.

14 Jahre sind eine lange Zeit. Was ist Ihnen davon außer Vereidigung und Wiederwahl besonders im Gedächtnis haften geblieben?

Das Ergebnis des Bürgerentscheids 2002 über die Kombilösung. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass sich die Bürgerschaft so eindeutig für die Umsetzung des Jahrhundertprojekts ausgesprochen hat. Die bewegendsten Momente waren für mich die Gedenkveranstaltung nach den Terroranschlägen des 11. September 2001, als 3.000 Menschen auf dem Marktplatz zu einer Schweigeminute zusammen gekommen waren, und der Gottesdienst für die Opfer der Geiselnahme 2012 in der Stadtkirche. Das Gefühl, dass die Menschen in unserer Stadt angesichts dieser furchtbaren Ereignisse zusammengerückt waren, mitfühlten und mittrauerten hat mich sehr angerührt.

Eines - wenn nicht das sogar das umstrittenste - Projekt Ihrer Amtszeit war eben die Kombilösung. Wenn Sie das Rad noch einmal zurückdrehen könnten: Würden Sie das Projekt noch einmal genau so angehen?

Uneingeschränkt: Ja. Die Kombilösung ist das Schlüsselprojekt für die Zukunft unserer Stadt. Spätestens 2019, wenn die Bahnen unter der Kaiserstraße fahren, die Menschen in einer echten Fußgängerzone flanieren und verweilen können, und die Kriegsstraße zu einem begrünten Boulevard geworden ist, spätestens dann werden auch die ehemaligen Kritiker die Kombilösung nicht mehr missen wollen. Dann wird dieses Projekt viele Väter und Mütter haben.

Sie haben schon während Ihrer Amtszeiten immer über diese hinaus gedacht und geplant - Stichwort Masterplan 2015. Wie glauben Sie, wird sich die Fächerstadt in den nächsten 20 Jahren entwickeln?

Ich bin überzeugt, dass Karlsruhe eine blendende Zukunft vor sich hat. Gerade die Beteiligungsprojekte haben gezeigt, dass das Interesse und die Bereitschaft der Bürgerschaft groß sind, sich in die Entwicklung ihrer Stadt mit Ideen und Vorschlägen einzubringen. Das sind ermutigende Zeichen und Voraussetzungen dafür, die Stadt voran zu bringen.

Parteipolitik spielt auf kommunaler Ebene normalerweise weniger stark eine Rolle wie auf Landes- oder Bundesebene. Schmerzt es dennoch, das Amt nach über vier Jahrzehnten und drei CDU-Oberbürgermeistern nun an einen Sozialdemokraten abzugeben?

Oberbürgermeisterwahlen sind - mehr als andere Wahlen - Persönlichkeitswahlen. Das Parteibuch zählt dabei weniger als Werte wie Charakterstärke, Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit. Als Stadtoberhaupt vertritt man die Anliegen aller Bürgerinnen und Bürger, arbeitet immer für einen Ausgleich zwischen widerstreitenden Interessen und den größtmöglichen Konsens, auch über Parteigrenzen hinweg. Insofern hat der Oberbürgermeister immer das Beste für die Stadt und die Menschen im Blick - jedenfalls habe ich das so gehalten. Und wie ich meinen Nachfolger kennengelernt habe, gilt das ebenso auch für ihn.

Was werden denn die größten Herausforderungen sein, die Frank Mentrup in den kommenden acht Jahren zu bewältigen haben wird?

Ich bin kein Hellseher.

Anders als Sie kommt Frank Mentrup nicht aus der Stadtpolitik, war in Karlsruhe weder Stadtrat noch Bürgermeister. Haben Sie einen Tipp, den Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg geben möchten?

Ich werde meinem Nachfolger schon aus Prinzip keine guten Ratschläge geben - erst recht nicht öffentlich.

Fragen: Felix Neubüser

Heinz Fenrich wird am Donnerstagabend im Rahmen eines Festakts in der Karlsruher Stadthalle verabschiedet. Sein Nachfolger, Frank Mentrup, wird am Freitag um 15.30 Uhr im Rahmen einer Gemeinderatssitzung offiziell in das Oberbürgermeisteramt eingeführt und verpflichtet. ka-news wird von beiden Terminen berichten.

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  •   Caipichris
    (698 Beiträge)

    28.02.2013 10:05 Uhr
    Charakter???Fenrich???
    Was der mit dem Karlsruher Kandidaten seiner Partei getrieben hat war eine riesen Sauerei! Erst hat der den KSC mit an die Wand gefahren(Stadionfrage!)),dann hat er seine persönliche Abneigung über das Wohl der eigenen Partei gestellt!Wenigstens kann Sozi Mentrup jetzt die Suppe auslöffeln die Ihm Fenrich eingebrockt hat!
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  •   80er
    (5977 Beiträge)

    28.02.2013 13:36 Uhr
    Die Wahlniederlage bei der....
    ....OB-Wahl hat der CDU-Kandidat seiner Partei beschert und nicht der scheidende OB. Ebenso die Stadionsfrage. Die hat das Präsidium verursacht, weil sie kein klares Konzept vorgelegt hat und im übrigen von sich aus einen neuen Statndort präsentiert hat.
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  •   Bruno
    (391 Beiträge)

    28.02.2013 17:14 Uhr
    Und
    genau wegen solchen Typen wie Dir wird es nie Ruhe in der CDU geben. Du hast es immer noch nicht kapiert, dass nicht nur Wellenreuther verloren hat, sondern die ganze CDU. Unter Anderem wegen Deinem lieben Gott Fenrich. Aber schön auf Facebook-Seiten von Grabenkämpfe überwinden schwadronieren und hier wieder mal deutlich zeigen, dass Euch doch gar nichts dran liegt endlich GEMEINSAM die Niederlage aufzuarbeiten. Die angeblichen Verlierer haben es jetzt wochenlang versucht. Von denen die ja angeblich gewonnen hätten kommt nichts. Der Stachel muss immer noch sehr tief sitzen, dass Frau Mergen nicht ins Rennen geschickt wurde.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    28.02.2013 19:15 Uhr
    Also
    deine Zaunlatten sind auch irgendwie verschoben, oder?

    Mannmannmann...
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  •   80er
    (5977 Beiträge)

    28.02.2013 18:21 Uhr
    Welcher Stachel....
    ....tiefer sitzt erkannt man ja an der Wortwahl. So viel ist sicher: bei mir sitzt über kein Stachel. Klar hat die gesamte CDU verloren, aber eben deswegen, weil der Kandidat sein Wort nicht gehalten hat. Und die Niederlage müssen diejenigen aufarbeiten, die sie verursacht haben. Eines ist auch sicher: an Herrn Fenrich lag es nicht, dass die CDU in den nächsten 16 Jahren nicht den OB in Karlsruhe stellt.
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  •   Bruno
    (391 Beiträge)

    28.02.2013 17:15 Uhr
    Mein
    Post ging an den Super-CDUler 80er !
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  •   silberahorn
    (10740 Beiträge)

    28.02.2013 14:34 Uhr
    ...
    ... also Frau Gerlinde Hämmerle (damals Regierungspräsidium)?

    Das Gedicht das sie für Herrn Fenrich geschrieben hat und das gestern in den BNN stand war der Knaller. grinsen

    ... oder RP unter Rudolf Kühner ab 2005?
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  •   haku
    (4180 Beiträge)

    28.02.2013 12:56 Uhr
    Und was hat der Karlsruher Kandidat getrieben?
    Erst hat der den KSC mit an die Wand gefahren(Stadionfrage!)),dann hat er seine persönlichen Ambitionen über das Wohl der eigenen Partei gestellt!
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  •   lynx1984
    (3388 Beiträge)

    28.02.2013 09:02 Uhr
    Selbstherrlichkeit
    äußert sich auch dadurch, dass man nicht einfach so mit einer kleinen Festrede gehen kann, nein es Bedarfs einer großen Festveranstaltung, zu der der gemeine Pôbel nur beschränkt zugelassen wird, eines Ölgemäldes (Foto tut es ja nicht) und schließlich natürlich einer Biografie. Das alles am besten noch auf UNSERE KOSTEN. Total sinnlos das ganze! Bitte Herr Mentrup leiten sie die Rechnungen an Herrn Fenrichs Privatadresse weiter, ersatzweise an die CDU Sippe. Diese Vorteilsnahme zeigt doch wie selbstverständlich unsere Gelder mittlerweile zum Fenster sinnfrei rausgeblasen werden.

    Beste Grüße
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  •   80er
    (5977 Beiträge)

    28.02.2013 13:34 Uhr
    Die Boigraphie....
    ....wurde nicht von ihm in Auftrag gegeben, ebensowenig von der Stadt und auch nicht von der CDU. Es war eine Idee eines Einzelnen, nämlich dem Herausgeber, der das finanzielle Risiko allein trägt. Das Porträt ist uralte Tradition in dieser Stadt. Von jedem OB wurden bisher Porträits angefertig. Auch hier: nicxht im Auftrag des OB.
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