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Karlsruhe Neue Karlsruher Bahntrasse: Tram 2 stellt Knielingen auf den Kopf

Der Karlsruher Stadtteil Knielingen ist gewachsen - dies wird vor allem an den Neubaugebieten im Norden deutlich. Um diese direkt an die Stadt anzubinden, planen die Karlsruher Verkehrsbetriebe (VBK) die Verlängerung der Tramlinie 2 bis in die Egon-Eiermann-Allee. Am Mittwoch lud das Unternehmen deshalb Bürger zum Info-Abend in das dortige "Brauhaus 2.0". Sie kamen zahlreich und sparten auch nicht mit kritischen Fragen.

Gute öffentliche Verkehrsverbindungen auch für Neubaugebiete, kurze Wege zu den Haltestellen und Verlagerung vom PKW auf die Schiene - so formuliert die VBK ihre Ziele. "Die Bahn muss zu den Menschen kommen und nicht umgekehrt. Das ist unsere Prämisse", sagt Reinhard Bickelhaupt von den Verkehrsbetrieben im Rahmen des Info-Abends.

Hintergrund ist das Wachstum im Norden Knielingens: "Die Umwandlung des ehemaligen Armeegeländes zum Wohngebiet ist mittlerweile vollständig. Eine Verlängerung der Tram 2 bis hierhin war von Anfang an mit eingeplant gewesen", so Christian Höglmeier von der VBK. Bisher gebe es noch keine Direktverbindung in die Stadt, diese Situation sei "nicht optimal". Deshalb könnte es bald schon einen "Busvorlaufbetrieb" geben, bevor die neue Tram fertig ist.

Neue Trasse soll 1,5 Kilometer lang werden

Konkret geht es um anderthalb Kilometer neue Trasse, komplett zweigleisig und als "besonderer Bahnkörper" im eigenen Grasbett, also ohne die Strecke etwa mit Autos teilen zu müssen. Laut Bickelhaupt ist diese Art Trasse in Wohngebieten mittlerweile Standard.

Die Strecke verläuft zunächst vom bisherigen Endpunkt in der Siemens-Allee über die Sudetenstraße, bis in die Egon-Eiermann-Allee. Neuer Endhaltepunkt ist dort dann "Knielingen-Nord" mit großer Wendeschleife. Weitere Haltestellen sind etwa "Egon-Eiermann-Allee" und "Pionierstraße" - allesamt barrierefrei. Geplant ist ein Zehn-Minuten-Takt.

Sudetenstraße: Bahngleise statt Baum-Allee

Die betroffenen Straßen bekommen durch die neue Tramstrecke teilweise ein ganz neues Gesicht, was nicht bei allen Anwohnern Gefallen finden dürfte. So wird die Sudetenstraße ihren Allee-Charakter durch das Fällen einer ganzen Baumreihe wohl verlieren.

Kritische Fragen bei der anschließenden Diskussionsrunde kreisten besonders um den Wegfall von Parkplätzen sowie den geplanten Kreisverkehr an der Kreuzung von Siemens-Allee und Sudetenstraße. Auch die Fahrbahnen dieser beiden Straßen schrumpfen künftig von zwei auf eine Spur, die Sudetenstraße soll zudem zur 30er-Zone werden. Diese Maßnahmen dienen der Verkehrsberuhigung, so die VBK.

Parkplatzproblematik und Kreisverkehr

"Die Fahrbahnbreite in Siemens-Allee und Sudetenstraße sind überdimensioniert", so Bickelhaupt. In letzterer sei die Umwandlung der Quer- in Längsparkplätze daher verkraftbar. "Der Kreisel wird nach unseren Erhebungen den Verkehr sogar etwas flüssiger machen", meint Wagner.

Einige Bürger bleiben hier sehr skeptisch, etwa mit Verweis auf Rückstau von der östlichen Rheinbrückenstraße im Berufsverkehr. Andere finden es "schön, dass die Raser auf der Siemens-Allee endlich mal ein bisschen eingeschränkt werden." Auch die Verlegung der Fahrradspur vom Gehweg auf die Straße findet Anklang.

Zur Parksituation in der Siemens-Allee verweisen die VBK sowie das Stadtplanungsamt mehrfach darauf, dass es hier keine ausgewiesenen Parkplätze gebe, nur werde eine von zwei Spuren bisher de facto als solche benutzt und von der Stadt Karlsruhe lediglich geduldet.

Ein weiterer Faktor sei hier das Phänomen von Stadtrandparkern, so Ulrich Wagner vom Stadtplanungsamt. Besorgten Anwohnern bietet Bickelhaupt die Überlegung an, auf den nach wie vor breit angelegten Gehwegen der Siemens-Allee gegebenenfalls ein paar mehr Parkplätze einzurichten.

Tram 2017 fertig?

Als nächstes wollen die VBK den Finanzierungsantrag bis Ende 2014 einreichen, den Antrag auf Planungsfeststellung dann Anfang 2015. Während einer vierwöchigen Offenlegung gibt es von Bürgerseite die Möglichkeit, Einwende zu äußern. "Erfahrungsgemäß dauert dieser ganze Prozess etwa ein bis anderthalb Jahre, nach meiner Prognose haben wir das Baurecht bis Mitte 2016 und können auch im gleichen Jahr damit anfangen - wenn die Finanzierung steht", so Bickelhaupt. Die Bauzeit selbst schätzt er wegen zahlreicher bereits abgeschlossener Vorbereitungen auf nur ein Jahr.
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  •   lynx1984
    (3144 Beiträge)

    25.10.2014 13:56 Uhr
    Fahrtdauer
    Prinzipiell finde ich es gut und sinnvoll, dass die Tram 2 in das Neubaugebiet verlängert wird. Ist ja auch nur logisch.
    Doof werden aber mit der längeren Strecke auch die Fahrtdauer. So wird die Tram 2 zum HBF ab dort rund 30 Minuten benötigen. Von dort mit dem Auto ist man in starken 10 Minuten am HBF. Jeder weiß was das bedeuten kann...

    Vielleicht sollte sich der KVV mal die bereits existierenden Gleise in Knielingen anschauen. Damit ließe sich sehr einfach eine Anbindung an HBF oder auch ein "schneller Ring" um Karlsruhe mit dem Knotenpunkt HBF ziehen. (Eggenstein-Knielingen-HBF-Durlach-Pfinztal) 20 Minuten Fahrtzeit wären locker realisierbar. Dazu gute Umstiegsmöglichkeiten und die Linie würde brunmmen!
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  • unbekannt
    (4 Beiträge)

    25.10.2014 15:26 Uhr
    Für solche konsturuktiven Ideen wurden Kommentarfunktionen erfunden
    Die Idee mit der Ringlinie ist eigentlich wirklich gut! Ich habe das kurz auf googlemaps nachgeprüft, so könnte man Bulach mit der Tram erreichen und von Neureut nicht ewig an den Hbf brauchen.

    Schwierig, aber interessant wäre es dann ab Kühler Krug einen Stich zum Westbahnhof Karlsruhe zu legen. Oder in Knielingen West.
    Außerdem wird Kirchfeld-Nort als Wohngebiet erschlossen, wäre schön, wenn die Tram vor dem Bedarf dort ist.
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  •   mueck
    (10738 Beiträge)

    25.10.2014 17:21 Uhr
    !
    Die Umweltverbände sind schon lange immer mal wieder an diesem Thema Bahnhalbring dran, aber bisher ohne großes Echo ...
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  •   Bahnnutzer100
    (213 Beiträge)

    25.10.2014 18:45 Uhr
    PRO-BAHN für Express-S-Bahnen
    Bei der jüngsten Diskussion des Verkehrsentwicklungsplanes für die Region hat PRO BAHN genau dies S-Bahn (Hardt - Neureut - Mühlburg - West -Hbf und weiter Richtung Osten vorgeschlagen. Aber die autofreundliche Mehrheit in diesem Gremium hat diesen Vorschlag nicht aufgegriffen. Vielleicht könnte einmal der Gemeinderat dieses Thema aufgreifen!
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  •   mueck
    (10738 Beiträge)

    25.10.2014 12:53 Uhr
    !
    Endlich geht es voran mit dieser Strecke!
    Eigentlich gehört sowas gebaut, BEVOR die Leute dahin ziehen und sich einen Zweitwagen vor die Tür stellen ...

    Eine Korrektur:
    Zitat von Zur Parksituation in der Siemens-Allee verweisen die VBK sowie das Stadtplanungsamt mehrfach darauf, dass es hier keine ausgewiesenen Parkplätze gebe, nur werde eine von zwei Spuren bisher de facto als solche benutzt und von der Stadt Karlsruhe lediglich geduldet.
    Weder die Erläuterungen zu Zeichen 340 (Leitlinie), noch § 12 StVO enthalten eine Regel, die das Parken dort verbieten würde, so dass man es "dulden" könnte. Es ist schlicht erlaubt, die rechte Spur zum Parken zu benutzen, wenn es durch kein Schild o.ä. (Pfeile auf der Fahrbahn) verboten ist.
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  • unbekannt
    (34 Beiträge)

    25.10.2014 16:16 Uhr
    straba
    e mehr Linien es gibt,desto mehr Autos fahren rum. kuckst du!
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  •   rheiniheini
    (1453 Beiträge)

    25.10.2014 21:16 Uhr
    ist doch logisch
    nach jeder Fahrt in der Strapazenbahn komm ich mir vor, als ob ich auf der Mülldeponie übernachtet hätte.
    Und die Typen, denen man dort begegnet (jedenfalls abends) gehören entweder in die Justizvollzugsanstalt oder in die geschlossene Abteilung.
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  •   rheiniheini
    (1453 Beiträge)

    25.10.2014 13:00 Uhr
    ohhh,der böse böse Zweitwagen
    wir haben drei Autos: Einen Kombi, einen Transporter und ein Cabrio.
    Na und?
    Sind wir im Kommunismus, wo der Staat vorschreiben kann, wieviele Autos jeder haben darf?
    Aber die Strapazenbahn ist ja das ökologische Allheilmittel, selbst wenn sie nur mit zwei Fahrgästen besetzt ist...
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  •   mueck
    (10738 Beiträge)

    25.10.2014 13:19 Uhr
    !
    Nein, wir sind nicht im Kommunismus, denn der Besitz von Drittfahrrädern wird nicht reglementiert!!!11elf zwinkern

    Ich habe nix von Reglemetierung gesagt, sondern nur gewünscht, dass die Alternative zum Dritt-/Zweit- oder gar Erstauto zuerst da ist, bevor aus dem Bedarf an Mobilität heraus das x. Auto vor die Tür gestellt werden "muss" ... Angebote rechtzeitig vor der Nachfrage schaffen statt hinterherzurennen und die Leute wieder mühsam vom schon angeschafften Zweitauto weglocken zu müssen ...
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  •   JuliusM
    (2003 Beiträge)

    25.10.2014 16:23 Uhr
    Wir
    haben unseren Zweitwagen verkauft. Es geht wirklich auch mit einem Wagen in der Familie. Ok früher dachte ich: Ohne Zweitwagen geht die Welt unter, aber heute merke ich, dass der Zweitwagen gar nicht so nötig war. Außerdem spare ich enorm viel Geld, denn die Steuer und Versicherung fällt nun nur noch für einen Wagen an. Vom ersparten Geld, gönnen wir uns was Schönes.

    Zum Thema Straba im Knielinger Neubaugebiet: Ich finde durch die Öffnung der Eggensteinerstr. haben die dort stehenden Häuser enorm an Wert und Wohnqualität verloren, so wird es auch sein, wenn die Bahn durch die Sudetenstr. donnert und quietscht. Außerdem sehen die neuen Häuser dort nicht schön aus. Lauter Betonkästen und kaum Grün drumherum. Wenn die Amis wüssten wie ihr Kasernengelände verschandelt wurde. Naja wenigstens die Kirche wurde nicht abgerissen - die blieb im Dorf.

    Und zum Thema ÖPNV: eine Busverbindung würde absolut ausreichen.
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