62  

Karlsruhe Neue Baustelle 2018: Wasserwerkbrücke wird ohne Ersatz saniert

Die geplante Sperrung der Wasserwerkbrücke im Zuge von Sanierungsarbeiten sorgt seit Jahresbeginn für Proteste aus der Bevölkerung. Sie soll 15 Monate gesperrt werden - damit entfällt eine direkte Verbindung zum Naherholungsgebiet Oberwald. Die Kult-Fraktion forderte am Dienstag im Gemeinderat erneut eine Ersatzbrücke für die Zeit der Sanierungsarbeiten.

"Mit dem Bau einer provisorischen Fußgängerbrücke für die Zeit der Erneuerungsarbeiten der Wasserwerkbrücke, soll den Bewohnern der Südstadt auch während der Baumaßnahmen der direkte Zugang zum Oberwald ermöglicht werden", so lautet die Argumentation der Kult-Fraktion in ihrem Antrag an die Stadtverwaltung.

Kult fordert Ersatzbrücke

Die Wasserwerkbrücke liegt in der Karlsruher Südstadt, überquert die Wasserwerkstraße, den Rangierbahnhof und den Langenbruchweg und führt auch über die Südtangente - kurzum: sie verbindet die Südstadt mit dem Oberwald. Sie wurde 1895 fertiggestellt und hat damit schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Seit fast zwanzig Jahren (1998) ist sie, aufgrund eines beschädigten Trägers, bereits für Kraftfahrzeuge gesperrt. Im Sommer 2018 soll sie für rund 5,5 Millionen Euro saniert werden.

Insgesamt soll sie 18 Monate lang saniert und dafür voll gesperrt werden - die Bewohner der Südstadt würden so lange vom direkten Zugang zum Oberwald getrennt werden, argumentiert die Kult-Fraktion in ihrem Antrag, das würde sich unmittelbar auf die Lebensqualität auswirken. Nach Ansicht der Kult würde es die Haushaltslage der Stadt erlauben, den Besuchern durch ein Provisorium durchgehend einen ungehinderten Zugang in den Oberwald zu ermöglichen.

Stadt und Gemeinderat sagt Nein

Die Stadt sieht das anders: Eine provisorische Brücke für die Dauer der Erneuerungsarbeiten der Wasserwerkbrücke ist bereits 2006 im Bauausschusses und erneut im Rahmen der Haushaltsberatungen zum Doppelhaushalt 2017/18 abgelehnt worden. Damals stellte die Kult ebenfalls einen Antrag mit der Einstellung zusätzlicher Mittel.

2006 wurden mehrere Varianten untersucht: Ein schienengleicher Bahnübergang, ein Brückenbau in Parallellage, ein Bus-Pendelverkehr und verschiedene Varianten einer provisorischen Brücke für Fußgänger und Radfahrer östlich und westlich der bestehenden Brücke. Man entschied sich für einen Bus-Pendelverkehr - eine provisorische Brücke war zu teuer. Die Projektvorstellung für die Baumaßnahme im Bauausschuss (8. April 2016) und Hauptausschuss (12. April 2016) beinhaltete dementsprechend einen Bus-Pendelverkehr.

Eine provisorische Brücke mit einer Befahrbarkeit für Kinderwagen und Rollstuhlfahrer, wie es die Kult-Fraktion in ihrem Antrag forderte, würde laut Stadtverwaltung eine Länge von etwa 210 Metern erfordern. Die Kosten für eine solche Konstruktion würde sich einschließlich Planung auf mindestens 800.000 Euro belaufen. Unter Berücksichtigung der aktuellen Preisentwicklung könnten die Kosten noch deutlich höher liegen, so die Stadtverwaltung in ihrer Stellungnahme.

Vergabeverfahren läuft bereits

"Inzwischen ist die Ausschreibung der Baumaßnahme veröffentlicht, mit dem Ziel, den Auftrag vorbehaltlich der Zustimmung des Bauausschusses im November 2017 und des Gemeinderats im Dezember 2017 noch Ende diesen Jahres zu erteilen", so die Stadtverwaltung.

Der Baubeginn soll wie geplant im Sommer 2018 erfolgen. Weiterhin sind die für die im Herbst 2018 geplanten Abbruch- und Neubauarbeiten notwendigen Gleissperrpausen bereits 2016 beantragt worden. Die Planung und Errichtung einer provisorische Brücke würde die Bauarbeiten erheblich verzögern: Eine Aufhebung zum jetzigen Zeitpunkt würde den geplanten Baubeginn nach Einschätzungen der Stadt um mindestens ein weiteres Jahr verschieben.

Hinzu kommt eine mangelnde Verkehrssicherheit der Brücke: "Eine Aufrechterhaltung des Fuß- und Radverkehrs auf der bestehenden Wasserwerkbrücke über 2018 hinaus ist auf Grund der fortgeschrittenen Schädigung jedoch nicht mehr ohne Weiteres vertretbar", so die Stadtverwaltung. Die Stadtverwaltung lehnte den Kult-Antrag und eine provisorische Brücke am Dienstag in der Gemeinderatssitzung ab - ebenso wie die Mehrheit der Stadträte.

Stadt legt Ersatzkonzept vor

Aber auch ohne Brücke sollen die Bürger nicht vom Naherholungsgebiet Oberwald getrennt werden: Die Stadt verweist auf das Ersatzkonzept für Fußgänger und Radfahrer: Während der 15-monatigen Sanierung erhält die Südstadt ein schienengebundenes ÖPNV-Angebot für die Nutzung der Bahnen zwischen den Haltestellen Tivoli und Dammerstock.

"Im Zuge der aktuellen Planung konnte mit den Verkehrsbetrieben eine Alternative zum angedachten Bus-Pendelverkehr gefunden werden, die für die betroffenen Fußgänger der Südstadt ein deutlich besseres Angebot bietet, als es mit einem Bus-Pendelverkehr möglich wäre", so die Stadt.

ÖPNV-Konzept während Sanierung Wasserwerkbrücke
Bild: Stadt Karlsruhe

Mit den Linien S1 und S11 steht Fußgängern, die in den Oberwald wollen, eine direkte Verbindung mit enger Taktung und kurzer Fahrzeit zwischen den beiden Haltestellen zur Verfügung. An der Haltestelle Dammerstock sei der Zugang in den Oberwald direkt möglich. Darüber hinaus erschließe sich über die Haltestelle Dammerstock und den Fußweg über die Nürnberger Straße auch die Alb als zusätzliche Alternative zur Naherholung. Für das geplante ÖPNV-Angebot sind rund 230.000 Euro veranschlagt.

Umleitung für Radfahrer

Der Radverkehr soll nach den Planungen der Stadt eine Umleitung über die Fautenbruchstraße, Ettlinger Straße, Schwarzwaldkreuz, Langenbruchweg und Narrenbrücke erhalten. In der Fautenbruchstraße sollen beidseitig Schutzstreifen markiert werden, um die Verkehrssicherheit für die Radfahrer zu gewährleisten.

Zudem wird in der Ettlinger Straße zwischen Fautenbruchstraße und Schwarzwaldkreuz ein zusätzlicher Gehweg angelegt, so dass für die Radfahrerumleitung dann der bestehende Gehweg in diesem Bereich problemlos in beiden Richtungen genutzt werden kann. Radfahrer die aus der Südstadt kommen, ergibt sich damit ab dem Tivoli eine zusätzliche Wegstrecke bis zum Eingang Oberwald an der Narrenbrücke.

Die Umleitung für Radfahrer während der Sperrung der Wasserwerksbrücke.

Die ausführlichen Unterlagen zur Gemeinderatssitzung gibt es unter http://web3.karlsruhe.de/Gemeinderat/ris/bi/to0040.php?__ksinr=4668

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (62)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (1122 Beiträge)

    27.11.2017 21:43 Uhr
    Jetzt beschwört doch nicht gleich den Untergang des Abendlandes herauf.
    Die Brücke muss gemacht werden und zwar so billig wie möglich.

    Dass es in Karlsruhe halt immer ein bisschen länger dauert gehört hier mit zur Lebensart.

    Als flexibel bleiben und die monatlichen Oberwaldausflüge mit Begehungen von Dammerstock und Weiherfeld kombinieren.

    Gut fürs Herz, gut für die Figur, gut für die Verdauung. Und spart Strom zu Hause.

    Was will man mehr?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   art5gg
    (537 Beiträge)

    27.11.2017 17:39 Uhr
    Wieso wird die Brücke nach dem Abbau überhaupt erneuert?
    Es gibt doch genügend Ausweichmöglichkeiten, die Leute sollen gefälligst den ÖPNV nutzen!
    Am Wasserwerk gibts doch eine Bahnlinie, warum wird immer der Individualverkehr bevorzugt?
    Und wenn ich sehe, wieviele Fahrräder nur von einer Person besetzt sind!
    Genauso die Rollatoren und die Kinderwagen - die Leute sollen Fahrgemeinschaften bilden!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   pippo
    (73 Beiträge)

    27.11.2017 13:13 Uhr
    Trotzdem echt doof...
    Wenn man sich das Abstimmungsergebnis zur diesem Thema anschaut, dann läßt sich feststellen, dass so kaum einer der lieben Stadträte und Stadträtinnen in dem betreffenden Bezirk wohnt und weil er oder sie vielleicht noch nie über diesen Weg in den Oberwald gegangen sind. Ich kann jedem empfehlen einmal - besonders zur Rush-Hour - entlang der Fautenbruchstraße mit dem Rad oder zu Fuß den großen Umweg in den Oberwald zu nehmen. Der Verkehr ist durch das tolle Baustellenmanagement (wenn es dann das wirklich gibt?) selbst gemacht. Die Südanbindung der Kernstadt ist schon seit je her ein Hauptproblem, das mit den typischen mediocren "Karlsruher" Lösungen (zweispurige Brücklein mit Ampeln gespickt) nie besser geworden. Die Zustände auf allen Überquerungen der Südtangente sind zur Hauptverkehrszeit katastrophal.
    Man hatte übrigens keine Hemmungen 800.000€ für das K-Punkt Gebäude am Ettlinger Tor auszugeben. Wie sinnvoll war das denn?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kampion
    (1293 Beiträge)

    28.11.2017 10:38 Uhr
    und vor kurzem
    schlappe 900.000€ für einen kleinen Innenhof im Vierordtbad verbraten!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gelbsocke
    (3959 Beiträge)

    27.11.2017 17:00 Uhr
    Ja. stimmt!
    Die "Herrschaften" die dies so entschieden haben sollten mal mindestens einen Monat lang zur Rush-hour dort entlang Radeln oder Marschieren müssen.
    Denn um diese Uhrzeiten , ebenso am WE bei Sonnenschein, ist dies sowohl Naherholungsgebiet als auch Arbeitsweg.
    Aber wenns nicht am eigenen Pelz brennt, brauchts auch keine Feuerwehr.

    Bürgerorientiert, Stadtfreundlich - Fehlanzeige!

    Da kommt man glatt auf den Gedanken das deren einzige Bezüge zur Stadt und Einwohnern die Monatsbezüge sind traurig
    Woher bloß die Politik(er)-verdrossenheit bzw der Zulauf zu gewissen Parteien kommt?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    27.11.2017 21:10 Uhr
    Ein Umweg
    von 1,5 Kilometern sind für einen Radfahrer 3-5 Minuten, lächerlich. Da steh ich in der rush hour mit dem Auto an einer einzigen Ampel wesentlich länger wenns dumm läuft. Ganz ohne Baustelle oder Umweg.
    Also heult leiser, wie der schmidmi letztens sagte (dass ich den mal zitiere hätt ich auch nicht gedacht. grinsen)
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   borealis
    (366 Beiträge)

    28.11.2017 17:39 Uhr
    Aber
    Sie sitzen im Auto, höchstwahrscheinlich mit Sitzheizung und Heizung, Radio und einem Dach überm Kopf. Drei bis fünf Minuten zusätzlich auf einem Fahrrad sind bei minus Temperaturen oder strömender Regen nicht so komfortabel. zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    29.11.2017 01:45 Uhr
    Stimmt,
    aber ich habs Fenster offen, dass der Rauch abzieht und es zieht und regnet rein.
    Mein Beitrag zur Solidarität mit den unwettergebeutelten Radfahrern. grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (1122 Beiträge)

    28.11.2017 20:37 Uhr
    Klar,
    hier regnet es oder hat wechselweise -15 C fünfzehn Monate am Stück.

    Ich verstehe ja, dass es ein paar Monate lang unbequemer wird.

    Aber das Gejammere auf höchstem Niveau kann man beim besten Willen nicht ernst nehmen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   borealis
    (366 Beiträge)

    28.11.2017 22:30 Uhr
    Gejammere?
    Brauche ich nur Autofahrer und ihre Parkplatz/Stau/Blitzer Dramen zuzuhören.... :-D
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 7 (7 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.