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Karlsruhe Neue Bauordnung: Gibt es in Karlsruhe bald mehr grüne Dächer?

Geht es nach dem Landesministerium, sollen künftig alle Wohnungsbauer zu mehr Grün verpflichtet werden. Eine geplante Änderung der Landesbauordnung sieht vor, das Bauen in Baden-Württemberg stärker nach ökologischen und sozialen Kriterien zu regeln. Neben Rad-, Kinderwagen- und Rollatorabstellplätzen, soll vor allem mehr Grün auf die Stadtdächer kommen. Aber ist so ein Zwang überhaupt nötig? Wie sieht es derzeit in Sachen Dachbegrünung in Karlsruhe aus?

Die Gesetzesänderung geht am kommenden Mittwoch, 5. November, in die zweite Lesung. Stimmt der baden-württembergische Landtag zu, kommen auf die Wohnungsbauer im Land einige neue Bestimmungen zu. Ist beispielsweise kein Garten vorhanden, soll eine Dachbegrünung angelegt werden.

Dachgrün: In Karlsruhe schon Standard

Bei der Stadt Karlsruhe hat man bei diesem Punkt keine Bedenken: "Seit vielen Jahren werden öffentliche Flachdächer begrünt", so Klaus Weindel. Er ist stellvertretender Leiter des städtischen Gartenbauamts. So ziert beispielsweise die Heinrich Hübsch Schule ein Dachgarten, eben so wie Gebäude in der Markgrafenstraße.

Hauptsächlich greift die Stadt bei der Begrünung jedoch auf die extensive Methode zurück: "Diese müssen im Gegensatz zu Dachgärten nicht regelmäßig bewässert oder gejätet werden", so Weindel, "zwei Kontrollgänge im Jahr sind ausreichend." Ein Beispiel ist das Dach des ECE-Centers. Intensive Begrünung mache nur dann Sinn, wenn das Dach auch wirklich als Garten genutzt werde.

Was spricht gegen Dachbegrünung?

Gibt es Probleme, die gegen eine grüne Oase auf dem Dach sprechen? "Da wüsste ich jetzt nichts", sagt Weindel. Außer die Beschaffenheit des Daches: Auf einem Steildach lässt sich nur schwer etwas anpflanzen. Ansonsten habe Dachgrün immer einen positiven Effekt - nicht nur klimatisch, sondern auch als Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen. Grün kann es übrigens nicht nur auf dem Dach werden: Wenn die Fassade intakt ist, spricht auch nichts gegen Kletterpflanzen wie Efeu oder wilder Wein.

Weiterhin stellt eine Begrünung in der Regel keine wesentliche Verteuerung dar, erklärt Weindel. Die Begrünung von Höfen, Dächern und Fassaden wird sogar von der Stadt Karlsruhe mit bis zu 4.000 Euro gefördert. Einzige Bedingungen: Die Maßnahmen müssen die Wohnqualität verbessern und dürfen nicht Anlass für Mieterhöhungen sein. Gefördert wird in der Innenstadt, Mühlburg, Oststadt, Südstadt, Südweststadt und im Ortskern von Durlach. Das berühmteste Beispiel ist der zweijährliche Hinterhofwettbewerb. "Das Ziel ist, bei einer verdichteten Bebauung auch ein stärkeres Maß an Begrünung zu erreichen", sagt Weindel.

Schwierig wird es manchmal bei konkurrierenden Zielen: Die Anbringung einer Solaranlage hat eine Dachbegrünung oftmals ausgeschlossen, aber auch hier gibt es inzwischen Systeme, die beides kombinieren, so Weindel.

Welche Auswirkung hat die Änderung der Landesbauordnung also auf Karlsruhe? "Wenig", sagt Weindel, "in den Bebauungsplänen ist in der Regel bereits festgelegt, dass die Dachfläche zu begrünen ist." Aktuelles Beispiel seien die Neubauten in der Südstadt-Ost. Weiterhin gibt es eine vorgeschriebene Mindestbegrünung bei Höfen - in Karlsruhe ist man in Sachen grüne Innenstadt also "relativ weit" - und über den Standard hinaus.

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Förderprogramm der Stadt (Link führt auf externe Seite)

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  •   Smartraver
    (7575 Beiträge)

    29.10.2014 19:28 Uhr
    Oben ein Biotop...
    und unten in der Bude dann Ameisen-, Fliegen, Schnaken-, Silberfisch- und Wespenfallen etc. um das Viechzeugs wegzubekommen. Sehr gut.
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  • unbekannt
    (1536 Beiträge)

    29.10.2014 20:30 Uhr
    Malschaun,
    wo solche Paradebeispiele rumstehen.
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  •   Smartraver
    (7575 Beiträge)

    29.10.2014 19:23 Uhr
    Rad-, Kinderwagen- und Rollatorabstellplätze?
    Jetzt drehen sie durch grinsen

    Mit oder ohne Brötchentaste?

    Grünes Dach? Dann darf eine Bruchbude nicht mehr abgerissen werden weil sich der seltene rotgrünschimmernde Zauselkäfer darauf angesiedelt hat?
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  • unbekannt
    (2169 Beiträge)

    29.10.2014 17:52 Uhr
    Gute Idee,
    nach dem Ableben des Besitzers kann man die Kiste einfach zumauern und man hat einen schönen Grabhügel.
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  •   LJ_Skinny
    (205 Beiträge)

    29.10.2014 16:59 Uhr
    Efau und Dachbegrünung?
    Bei Efeu kommt es darauf an ob die Fassade schon ein paar Beschädigungen hat. Denn die Wurzeln wachsen in jede noch so kleine Ritze und können dann mehr Schaden als Nutzen verursachen. Ebenso aufpassen, wenn der Bereich zum Dach erreicht wird und dass der Efeu nicht unter die Ziegel / Schindeln wächst. Sonst könnte es bald feucht werden...
    Beim Dachgrün ebenso das gleiche Problem. Man weiß nie ob der Wind nicht mal die Samen eines Tiefwurzlers vorbeibringt und dann Baum auf dem Dach wächst.... zwinkern

    Grün ja, aber nicht hirnlos...
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  •   exsued
    (430 Beiträge)

    29.10.2014 13:35 Uhr
    Die Summe all dieser nachvollziehbaren Wünsche
    führt zu allem möglichen, nur nicht zur Schaffung von preiswertem Wohnraum:

    Dachbegrünung, Fassadenbegrünung, Baumschutz Stellplatzverpflichtung, Legionellen-, Abwasserleitungsprüfung, Artenschutz, barrierefrei, ENEV, erneuerbare Energiengesetz, Schallschutz, Brandschutz, Rauchmelder, Eichgesetze und so weiter.
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  •   mueck
    (11078 Beiträge)

    29.10.2014 13:15 Uhr
    !
    Bei Privathäusern ist es noch kein Standard.
    Bei der Renovierung des zuvor wohl chronisch undichten Supermarktdaches unten im Haus hat man wieder nur Kies draufgemacht und gegen jeden Hauch von Grün wird gespritzt ...
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