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Karlsruhe Nachgefragt beim Baudirektor: Herr Genthner, wie marode ist die Rheinbrücke wirklich?

Statt Verkehrslärm ist seit Anfang November 2018 von der Rheinbrücke Maxau nur noch Baustellenlärm zu hören, die Sanierung ist in vollem Gange, bis Ende Dezember soll alles fertig sein - theoretisch. Denn nun sind "unerwartete Schadstellen" an der Brücke aufgetaucht. Wie gut ist die Brücke wirklich in Schuss? ka-news.de hat Jürgen Genthner, Leitender Baudirektor und Baureferatsleiter beim Regierungspräsidium Karlsruhe (RP), gefragt.

Herr Genthner, "unerwartete Schadstellen im Bereich des Stahlüberbaus" - Was bedeutet das und wo befinden sich die Schadstellen genau?

Es wurden nach dem Entfernen des Asphaltbelags und der Schutzeinrichtungen sogenannte Einbrandkerben (Schweißfehler, Anm. d. Red.) im Stahlüberbau - also an der Brücke an sich - festgestellt. Diese befanden sich im Bereich vom Übergang der Fahrbahn für Lkws, also der ganz rechten Fahrspur, bis zum Geh- und Radweg.

Rheinbrücke Betonage-Arbeiten
Nach dem Entfernen des Asphaltbelags wurden sogenannte Einbrandkerben - hier in der roten Umrandung - sichtbar. | Bild: Hammer Photographie

Dieser wurde beim Bau der Brücke angeschweißt, darüber lag dann die Schutzeinrichtung und dort entstanden eben die Schäden - fast auf gesamter Brückenlänge von rund 300 Metern.

Der Stahlüberbau besteht aus den Hauptträgern, der Fahrbahnplatte sowie eventuellen Kragarmen und Querträgern. Er soll die Last der Brücke und den darauf fahrenden Fahrzeugen auf den Unterbau - also Pfeiler und Widerlager - verteilen.
Rheinbrücke Betonage-Arbeiten
Die betroffenen Stellen mussten abgeflext werden... | Bild: Hammer Photographie

Bedeutet das nun, dass neben der Fahrbahn der Brücke nun auch der Stahlüberbau "marode" ist und saniert werden muss?

Wir haben noch weitere Schäden im Bereich der Lkw-Hauptfahrspuren gefunden, das sind aber kleine Schäden, die problemlos ausgebessert werden können, da sind wir auch schon dabei. Es ist aber nicht so, dass die Schäden, die wir gefunden haben, dramatisch sind oder sich - wenn wir sie ausgebessert haben - auf die Standsicherheit des Bauwerks auswirken. Mit dieser einfachen Sanierung ist die Brücke für eine wirklich lange Zeit tauglich, den Verkehr aufzunehmen.

Rheinbrücke Betonage-Arbeiten
... und wurden wieder neu verschweißt. | Bild: Hammer Photographie

Sind Sie in Sorge, dass nun kurz vor dem "Endspurt" noch weitere böse Überraschungen solcher Art ans Tageslicht kommen?

Wir haben jetzt eigentlich alle Punkte abgearbeitet, wo es Probleme geben kann. Nach dem Entfernen des Asphalts sind diese Schäden jetzt aufgetreten und wir rechnen nicht damit, dass im Nachgang noch weitere Schäden dazukommen.

Wie sehr wirft Sie dieser unerwartete Fund nun im Zeitplan der Sanierung zurück? Sind Sie zuversichtlich, dass das geplante Bauende Ende Dezember eingehalten werden kann?

Durch diese neu aufgetretenen Schäden verlieren wir etwa drei bis vier Wochen Zeit, um sie richtig zu sanieren. Das bedeutet, dass der Termin der Vollsperrung, um den hochfesten Beton aufzubringen, jetzt auf den Oktober verlegt werden muss. 

Rheinbrücke Betonage-Arbeiten
Im Zelt wird derweil fleißig alles für die Aufbringung des hochfesten Betons auf die Fahrbahn vorbereitet. | Bild: Hammer Photographie

Ihre Einschätzung: Könnte man die Verzögerung auf irgendeine Art und Weise wieder aufholen?

Wir prüfen derzeit - zusammen mit den Baufirmen - ob es möglich ist, durch eine Intensivierung der Bauarbeiten diese nach dem Einbau des ultrahochfesten Betons zu beschleunigen, um die drei bis vier Wochen wieder einzuholen. Darüber können wir aber auch erst in ein, zwei Wochen eine Aussage treffen.

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  •   thaecker
    (1 Beiträge)

    08.09.2019 13:44 Uhr
    Fortgesetzte Leugnung der Realtitäten
    Die zweite Brücke (samt Nordtangente) hätte man vor zwanzig Jahren bauen müssen, dann wäre es nicht zu dermaßen unwürdigen Zuständen gekommen. Es ist irrelevant was die Provinzhauptstadt Karlsruhe und ihr aus teilweise bornierten Ideologen bestehender Gemeinderat wollen - es geht um überregionale Verkehrsflüsse.
    Der seit Jahrzehnten als "Auslaufmodell" bezeichnete Straßenverkerhr nimmt immer mehr zu, Leute ziehen aus Kostengründen in die familienfreundliche Pfalz, es wird online geshoppt und transportiert "bis amazon brennt".

    Ich wundere mich eigentlich nur, dass nicht schon mal jemand im morgendlichen Pendlerstau Amok gelaufen ist - fahren geht ja nicht. Und klar muss eine zweite Brücke für den"Notfall" (Sanierung, Verkehrunfälle, Alienlandung) da sein.

    Wo sollen denn die tollen neuen Elektro-SUV alle fahren? Wie sollen die Güter über den Rhein? Klar brauchen wir eine Verkehrswende, aber die kann man nicht mir Sturheit und Leugnung der Realität in der badischen Hauptstadt erzwingen!
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  •   Steinpeter
    (1 Beiträge)

    06.09.2019 09:34 Uhr
    Liegt der Fehler in...
    ..der "Erweiterung" der Rheinbrücke von 2 Spuren auf 3 Spuren wo aus dem ehemaligen Standstreifen in den 70gern eine vollwertige dritte LKW-Fahrspur gemacht wurde, nur damit man keine NEUE Bedarfs- und Verkehrsgerechte bauen musste !!!!

    Mit gedenkt die Rheinbrücke noch wo sie nur 2 Spuren pro Fahrtrichtung hatte.

    Ich denke es war ein grosser Fehler, der sich vermutlich aktuell / heute zeigt, die Brücke auf 3 Spuren zu erweitern statt eine neue Leistungsfähige zu bauen.

    Das ist meine Meinung zu dem Thema "Rheinrücken-Bockmist" als Verkehr geplagte Holzbiere !
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  •   Freigeist1
    (796 Beiträge)

    09.09.2019 23:13 Uhr
    ja genau, alles spricht
    für eine leistungsfähige ERsatzbrücke an gleicer Stelle. Auwald abhozen, mehr Verkehr erzeugen, das muss ned sein
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  •   nurdiewahrheit
    (234 Beiträge)

    06.09.2019 08:52 Uhr
    Wieso
    baut man nicht endlich die zweite benötigte, unumgängliche und zwingend notwendige Rheinbrücke? Sobald diese steht, dann die bestehende in Ruhe sanieren. Das wird wieder eine never ending story mit Pleiten Pech und Pannen.
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  •   Freigeist1
    (796 Beiträge)

    07.09.2019 14:37 Uhr
    Oh je, Fake News, "gefühlter Sanierungsbedarf"...
    erklär doch bitte mal genau, welche besseren Infos Du hast als der hier interviewte Experte? Wenn man hier auf diesem Niveau faktenbefreit herumorakelt -bemerke ich gerade- ist doch eigentlich jeder Austausch zwecklos... Daher: Stopp
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  •   schmidmi
    (1939 Beiträge)

    06.09.2019 13:11 Uhr
    Die baut man nicht
    weil derzeit rechtliche Gründe dagegen bestehen!
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  •   DangerMouse
    (174 Beiträge)

    06.09.2019 14:57 Uhr
    Die baut man nicht
    Hi schmidmi,

    Ich kenne mich mit dem Thema nicht so gut aus, deshalb meine Frage mit Bezug auf:

    https://presse.karlsruhe.de/db/stadtzeitung/jahr2019/woche24/rheinbrucke_alles_lauft_im_grunen_bereich.html

    "...deshalb hat das Land Baden-Württemberg das „Go“ für eine zweite Brücke an den Bund gegeben..."

    Wenn alle dafür sind, wieso wird die Brücke nicht gebaut?
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  •   schmidmi
    (1939 Beiträge)

    06.09.2019 15:08 Uhr
    Es sind nicht alle dafür
    So hat z.B. die Stadt Karlsruhe gegen den Planfeststellungsbescheid geklagt, weil sie mit der geplanten Trassenführung nicht einverstanden ist.
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  •   dipfele
    (5554 Beiträge)

    08.09.2019 18:11 Uhr
    Sobald der Mentrup...
    …. wieder gewählt worden ist, wird die 2. Strassenbrücke gebaut... Für den Machterhalt muss man taktisch denken.
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  •   Freigeist1
    (796 Beiträge)

    07.09.2019 14:43 Uhr
    Eine 2. Brücke wird nicht gebaut werden,
    weil die Bürger der betroffenen Großstadt eine solche mit großer Mehrheit ablehnen. Ganz einfach. You call it: Demokratie. Ersatzbrücke wäre die Kompromisslösung, aber da sprechen offenbar "ideologische" Gründe in einigen Köpfen dagegen.
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