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Karlsruhe Nach über 30 Jahren ist Schluss: Die "Maroni-Frau" vom Karlsruher Marktplatz geht zum Ende des Jahres in Rente

Es ist das Ende einer langjährigen Tradition: Die "Maroni-Frau", Petra Gültling-Schwander geht zum Ende des Jahres in Rente. Mit ihr wird auch der Maroni-Stand vom Marktplatz verschwinden, wo seit immerhin rund 60 Jahren regelmäßig im Herbst und Winter die heißen Nüsse an die Karlsruher verkauft werden. ka-news hat mit Petra Gültling-Schwander an ihrem Stand gesprochen.

Es ist ein sonniger Tag im Oktober. Die Menschen laufen zügig die Kaiserstraße entlang. In die kühle Morgenluft mischt sich am Karlsruher Marktplatz der Duft von heißen Maroni. Genau dieser Duft lässt bei vielen Karlsruhern noch heute Erinnerungen an die eigene Kindheit wach werden.

Der Duft kommt von einem kleinen, schlichten Verkaufsstand mit braunen Planen. Die Optik erinnert an längst vergangene Zeiten. Doch die Tage des Maroni-Stands sind gezählt. Am 29. Dezember 2018 wird der kleine Traditionsstand für immer schließen. Die Betreiberin des Standes Petra Gültling-Schwander wird dann in Rente gehen.

Geschichte nahm in der Nachkriegszeit ihren Anfang

Der Stand steht nicht nur zur Weihnachtszeit im Herzen der Karlsruher Fußgängerzone. Bereits mit Beginn des Herbstes und auch in der Winterzeit kann man hier heiße Maroni genießen. Der Stand kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Seit mittlerweile fast 70 Jahren steht er in Karlsruhe!

Im Nachkriegsdeutschland war es Willi Nuffer, der 1950 anfing zwischen Ruinen und Aufbruchstimmung am Marktplatz heiße Maroni zu verkaufen. Er traf damit den Nerv der Zeit, denn die Menschen hatten Sehnsucht nach innerem Frieden und Glück. Sie waren dankbar über die gesunde und fein riechende Köstlichkeit am Straßenrand einer zerstörten Stadt. Damals brachte es Nuffer auf ganze sieben Maroni-Verkaufsstände im Karlsruher Stadtgebiet.

Der letzte Stand seiner Art! | Bild: Thomas Riedel

Der Traditionsstand steht auch noch heute am Marktplatz

Heute steht nur noch einer der Wagen in Karlsruhe, und zwar auf dem Marktplatz. Petra Gültling-Schwander hat 1987 den zum Verkauf stehenden Anhänger mit ihrem Mann erworben und verfolgt Nuffers Idee seither mit viel Liebe und Leidenschaft. Kalt wird es im offenen Stand nie, denn der Ofen strahlt viel Wärme ab. Früher wurden die Maroni noch mit Holzkohle erhitzt, dementsprechend rußig war man am Abend. "Heute wird der Ofen mit Gas betrieben", erklärt Petra Gültling-Schwander gegenüber ka-news.

Vor allem die persönliche Nähe zur Kundschaft schätzt die 63-jährige Verkäuferin. Große Freude auf ein Wiedersehen verspüre so mancher Kunde bei Saisonbeginn im Oktober. In den 31 Jahren hat die Maroni-Frau - wie sie viele Kunden liebevoll nennen - zahlreiche Lebensgeschichten von ihren Kunden zu hören bekommen, auch viele Schicksale hat sie begleitet.

"Ich hatte Kinder als Kunden, die heute selbst Kinder haben", erzählt die Verkäuferin mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. Eine davon ist Martina aus Rintheim. Sie erzählt, dass sie schon als Kind mit ihrer Mutter hier einkaufen war. Auch heute hält sie kurz mit dem Fahrrad an, um frische Maroni zu kaufen.

Martina aus Rintheim kam schon als Kind oft zum Stand von Petra Gültling-Schwander. | Bild: Thomas Riedel

Das Geschäft wird zum Ende Dezember aufgegeben

Martina kann sich noch nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass es den Maroni-Stand im nächsten Jahr nach über 60 Jahren nicht mehr geben wird. Die Maroni-Frau geht in den wohlverdienten Ruhestand und heizt den Ofen am Samstag, 29. Dezember, das allerletzte mal an. Somit verschwindet das letzte kleine Traditionsgeschäft aus Willi Nuffers Flotte aus dem Karlsruher Stadtbild.

Petra Gültling-Schwander geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Im Zuge der Umgestaltung des Marktplatzes ist es jetzt auch ein guter Zeitpunkt zum Aufhören", findet die Maroni-Frau. Was mit dem Verkaufswagen wird, weiß sie noch nicht. Entweder er wird von einer Firma für Eventgeschäfte gekauft oder sie fragt im Antik-Museum in Marxzell an, ob er dort ausgestellt werden kann. Zum Verschrotten ist der Stand auf jeden Fall zu schade, findet sie und verkauft schon an den nächsten Kunden Maronen.

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  •   malerdoerfler
    (5596 Beiträge)

    04.11.2018 01:16 Uhr
    Findet sich da niemand,
    der bereit ist die Nachfolge anzutreten?
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  •   Brownie
    (922 Beiträge)

    01.11.2018 19:38 Uhr
    Schade, der Maronenstand hat mit zur Innenstadt gehört.
    Obwohl da letzte Mal, als ich mir dort heiße Maronen gekauft habe, standen zwei südländisch aussehende Männer in der Bude. Das ist schon sicher 40 Jahre her und die Bude stand glaub ich beim Hertie unter den Arkaden. Da kann ich mich aber auch irren.
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  •   freigeist
    (505 Beiträge)

    01.11.2018 16:42 Uhr
    Schade
    solche Stände sind eigentlich die I-Tupfen in einer Stadt.
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  •   Kruppstahl
    (970 Beiträge)

    01.11.2018 14:03 Uhr
    Schwache Leistung, Herr Riedel.
    "Petra Gültling-Schwander hat 1987...!
    "... erklärt Petra Gültling-Schwager gegenüber ka-news."
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  •   Hagbart
    (68 Beiträge)

    01.11.2018 10:00 Uhr
    Wenn schon..
    Wenn schon belanglose Artikel, dann hätte der Kaffeeitaliener in seinem Kabuff in der Eingangshalle des Hauptbahnhofs auch eine Würdigung auf ka news verdient. War der beste Kaffee im Hbf aus einer tiptop Siebträgermaschine. Jetzt steht da wieder so ein blöder Automat wie überall sonst auch.... Schade.
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