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Karlsruhe Nach Terror-Festnahme: Karlsruher schwanken zwischen Angst und Trotz

Mit der Festnahme von Dasbar W. ist die Bedrohung durch islamistischen Terror in Karlsruhe am Mittwoch plötzlich konkret geworden. Wie gehen die Karlsruher mit der Nachricht eines geplanten Terror-Anschlags um? ka-news hat mit Passanten und Beschickern an der Stadtwerke Eiszeit und auf dem Christkindlesmarkt über den Vorfall, die Terrorgefahr und ihr Sicherheitsgefühl gesprochen. Eine Reportage von Lukas Hiegle.

Wie knapp entging Karlsruhe einem islamistischen Terroranschlag? Diese Frage stellen sich wohl viele, als am Mittwochabend die Festnahme eines mutmaßlichen Anhängers des Islamischen Staates (IS) in Karlsruhe bekannt wurde. Offenbar ging von dem Mann eine akute Bedrohung aus, die die Behörden zum Handeln zwang. Er soll geplant haben, mit einem Auto in den Bereich der Stadtwerke Eiszeit vor dem Karlsruher Schloss rasen, um möglichst viele Menschen zu töten. Er sitzt seit Donnerstag in U-Haft.

Wie sind die Reaktionen auf eine solche Nachricht? Ich habe mich am Donnerstagmorgen in der Innenstadt umgeschaut und mit Karlsruhern über den Vorfall gesprochen. Bereits am Vormittag werde ich an der Stadtwerke Eiszeit von zwei freundlichen Polizisten kontrolliert, als ich mich umschaue und einige Fotos mache. Nach einem kurzen Gespräch und Klärung meiner Pressezugehörigkeit wünscht man sich einen schönen Tag.

Wie ist die Stimmungslage auf den Karlsruher Straßen?

Die Eiszeit ist am Donnerstag geöffnet: Trotz Nieselwetters und kaltem Wind ist die Eiszeit schon am Vormittag gut besucht. Viele Schülergruppen nutzen den Tag zum Eislaufen; zum gemeinsamen Vergnügen. Doch ein Blick neben die Fläche zeigt: Ein Tag wie jeder andere ist dieser Donnerstag nicht. Neben den Schlittschuh-Fans steht die Eiszeit an diesem Vormittag auch bei Medienvertretern hoch im Kurs. Außer mir sind weitere Vertreter von Fernsehen, Zeitung und Radio vor Ort.

Stadtwerke Eiszeit Karlsruhe
Die Stadtwerke Eiszeit in den frühen Vormittagsstunden am Donnerstag. | Bild: Lukas Hiegle

Als ich mit den Standbetreibern rede, sind einige Beschicker durch die Vielzahl der Fragen der Medienvertreter bereits etwas genervt. Schließlich wartet auf die Verkäufer schon einiges an Kundschaft - das Geschäft geht weiter. Ich blicke zum Rande der Eiszeit, wo zwei Beamte des Kommunalen Ordnungsdienstes das Gebiet rund um die Eiskunstfläche ablaufen.

"Nicht einschüchtern lassen!"

Wie ist die Stimmung etwas weiter? Ich laufe zum Christkindlesmarkt auf den Marktplatz. Kurz nach Eröffnung der Buden um elf Uhr, qualmen bereits die Grills und Fritteusen der Buden. Auch heute verbringen hier viele die Mittagspause und nutzen einen der letzten Tage, an denen der Weihnachtsmarkt geöffnet hat, aus.

Christkindlesmarkt
Marktplatz Karlsruhe: Die Buden haben gerade geöffnet. | Bild: Lukas Hiegle

Dazu gehört auch Marc Zelke: Zusammen mit seinem Kollegen steht er an den Tischen zwischen Buden und Lichtpyramide. Als ich hinzukomme, hat er gerade seiner Begleitung von der Verhaftung des Terrorverdächtigen erzählt. Für beide war es ein Schock, dass die Terror-Gefahr nun so nah sei, sagt er mir im Gespräch. Einerseits ist Marc Zelke erleichtert über die Festnahme des Verdächtigen, eine Verunsicherung bleibt trotzdem. "Man weiß ja noch nicht, ob es sich um einen Einzeltäter handelt oder nicht."

Die heutige Zeit schärft aus Sicht des Mannes - ich schätze ihn auf Ende Zwanzig - auf jeden Fall die Sinne der Menschen. Er selbst sei heute mit anderen, wachsamen Augen zum Weihnachtsmarkt gekommen. Aber er will auch ein Zeichen setzen: "Man darf sich die Feste durch diese Menschen nicht kaputt machen lassen." Dennoch: Zurück bleibe ein mulmiges Gefühl, gesteht Zelke ein.

Herrenlose Tasche sorgte für mulmiges Gefühl

Überwiegt die "Jetzt erst Recht"-Mentalität anstelle von Angst auf Karlsruhes Straßen? Ich will mit mehr Menschen reden und treffe auf das Ehepaar Dahlmann aus Weingarten. "Davon darf man sich nicht beeindrucken lassen", ist ihre Meinung zum islamistischen Terroranschlägen. Die beiden finden es gut, dass die Sicherheitsbehörden erfolgreich ermitteln und den Verdächtigen nach langer Beobachtung erfolgreich festsetzen konnten.

Am Käsestand komme ich mit einer Verkäuferin ins Gespräch: Sie spricht mit mir offen über ihre Angst vor Terroranschlägen. Ihren Namen möchte sie lieber nicht nennen. Sie vertraue zwar in die Arbeit der Polizei, dennoch sei man vor einem Anschlag nie ganz sicher. "Die Angst ist immer präsent", sagt sie.

Vor einigen Tagen wurde sie mit dieser Terrorangst bei ihrer Arbeit auch konfrontiert. In unmittelbarer Nähe ihres Standes stand über längere Zeit eine herrenlose Tasche. Dies veranlasste die Verkäuferin, die Polizei über die Beobachtung zu informieren. Der Inhalt erwies sich später als harmlos. Dennoch zeigt es, wie sensibel die Menschen in Zeiten akuter Gefahrensituationen ihre Umgebung wahrnehmen.     

"Jetzt erst Recht"

Auch ich bin inzwischen sensibilisiert: Ich achte vermehrt auf Lkws, die mir auf meinem Weg zwischen Marktplatz und Friedrichsplatz immer wieder begegnen. Sie beliefern die Einzelhändler oder sammeln Müll ein. Ganz alltägliche Dinge also, dennoch ziehen sie verstärkt die Aufmerksamkeit von einigen Ladenbesitzern, Passanten und mir auf sich.

Schließlich missbrauchten in den letzten Jahren islamistische Terroristen immer wieder Busse und Autos für Terroranschläge. So wie vor einem Jahr in Berlin oder im Sommer in London. Kurz wird mir mulmig, doch nicht lange. Dann denke ich wieder an die erfolgreiche Festnahme in Karlsruhe und den vereitelten Terror-Anschlag sowie die Sicherheitsbeamten, welche mir auf meinem Weg begegneten. "Jetzt erst Recht", denke ich mir - und vereinbare ein Treffen mit Freunden auf dem Weihnachtsmarkt.

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Kommentare (38)
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  •   Rambazamba
    (348 Beiträge)

    23.12.2017 13:11 Uhr
    Weihnachten
    Zum Glück gab es keinen Anschlag. Zum Glück wurde diese Person beobachtet und rechtzeitig daran gehindert, diese abscheuliche Tat zu begehen. Seit Paris - oder eigentlich seit 9/11 - wissen wir, dass wir verwundbar sind, dass es jederzeit passieren kann. Je suis Charlie, je suis Paris, je suis Bruxelles, ich bin Berlin. Und mit jedem Anschlag, der gelingt, werden die Gräben tiefer, wird der Ton rauer - vor allem untereinander. Ja, ich habe auch schon vor Zorn über Emilys oder Rupps Geschreibsel in meine Tastatur gebissen, aber ok, das sind deren Meinungen und Meinungen verletzen niemanden, töten niemanden.
    Schuldzuweisungen bringen auch niemanden weiter oder ändern etwas an der Situation. Natürlich wurden Fehler gemacht, kleine, große, eklatante. Aber:

    Wir sollten froh sein, dass in KA tatsächlich nichts passiert ist, dass es nicht gelungen ist und keiner von uns seine Lieben verlieren musste.

    Von daher:

    SCHÖNE WEIHNACHTEN EUCH ALLEN!
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  •   Winston_Smith
    (594 Beiträge)

    23.12.2017 10:14 Uhr
    Freude pünktlich zu Weihnachten - jenseits von Angst oder Trotz
    Wunderschöne Geschichte aus Köln.
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  •   Nachteule
    (661 Beiträge)

    23.12.2017 09:11 Uhr
    Wann werden die Islamversteher endlich wach ?
    Muss es wirklich noch mal knallen? Aber unter denen gibt es ja sogar welche, die behaupten, Islamismus hätte nichts mit dem Islam zu tun. Da kann man wirklich nur noch sagen: Allah wirf Hirn vom Himmel, damit diese Unwissenden endlich ihre Erleuchtung erhalten...
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  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (1122 Beiträge)

    23.12.2017 17:35 Uhr
    Die Grundintension der üblichen Islamversteher
    ist die Destabilisierung und grundlegenden Veränderung unserer Gesellschaft. Ein weiteres Mittel ist die stetige Provokation, auf dass man genüsslich gegen die "bösen Nazis" und den "rechts unterwanderten Polizeistaat" propagieren kann.

    Insgeheim wird jede Aktion, die eben diesem Ziel folgt, gut geheißen. Von diesen Leuten kann man weder echte Empathie noch Solidarität erwarten.

    Man kann versuchen, den gutmütigen und leicht trottelig erscheinenden Mitläufer die Augen zu öffnen, aber das war es dann schon.
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  •   silberahorn
    (9848 Beiträge)

    23.12.2017 05:15 Uhr
    Angst und Trotz
    mögen zwar anfänglich hilfreich sein, weil man irgendwie reagieren will. Insgesamt sollte aber mehr dafür getan werden, dass nicht noch mehr verirrte Seelen sich einbilden Gutes zu tun, wenn sie sich und andere Menschen töten. Das Gegenteil von deren Ansichten lässt sich leider schlecht beweisen. Man kann nur sagen, dass man selbst aber lieber am Leben bleiben will.

    Jetzt folgen zum Jahreende tolle Reden vom OB, etc. Da wird es um Heimat gehen und Toleranz. Natürlich wird nicht fehlen, dass Karlsruhe die beste aller Städte ist, wenn es um Lebensqualitäten geht. Danach kommt vll nur noch das Paradies. zwinkern
    Weil ich weiß, wer Peter Eisenmann ist (im Gegensatz zu den meisten Karlsruhern) fand ich heute einen Leserbrief in den BNN bemerkenswert. Und wer hat ihn geschrieben? Es wunderte mich eigentlich nur, dass er jetzt auch Leserbriefe schreibt.
    Irren kann man sich immer. Aber zuhören, worin ein Irrtum besteht oder bestehen kann- das könnte noch geübt werden. Nicht nur bei Terroristen.
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  •   kritiker_2014
    (339 Beiträge)

    22.12.2017 20:09 Uhr
    Das ist die Politik
    von Merkel und ihren Getreuen.Sie waren es doch die deutsches und europäisches Recht gebrochen haben.
    Das Ergebnis sehen wir seit zwei Jahren in Europa und in Deutschland.Anschläge und versuchte Anschläge die
    es so noch nie gab.
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  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (1122 Beiträge)

    22.12.2017 19:49 Uhr
    Ich frage mich,
    wann es auch die letzten der Guten verstehen, dass eine Appeasement Politik gegenüber dem Islam und den damit verbundenen Parallelgesellschaften zu nichts Gutem führen.
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  •   dipfele
    (5448 Beiträge)

    22.12.2017 19:34 Uhr
    Erst neulich.....
    .... ist mir ein Neger mit einer Kettensäge in der Straba begegnet. Warum greifen da die Sicherheitsbehörden nicht ein ? ?
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  •   yokohama
    (3371 Beiträge)

    23.12.2017 00:55 Uhr
    Bei solchen Begegnungen
    ist eher das Klinikum zuständig.
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  •   Pilsi57
    (296 Beiträge)

    22.12.2017 12:23 Uhr
    Gerade der Berlin Attentäter zeigt,
    wie unfähig unsere Justiz eigentlich ist. In Grunde genommen ist diese mitschuldig an den Attentattoten in Berlin. Hätte diese korrekt gearbeitet, wären diese noch am Leben. Die AaAnghörigen warten immer noch z.T auf Entschädigung. Man schafft einen Posten für einen abgehalfteren Politiker wie Kurt Beck um dies nach einem Jahr zu koordinieren. Und Frau Merkel legt offentlichkeitswirksam Blumen nieder. Es ist einfach nur noch zum.......Nun hat es auch Karlsruhe erreicht. Auch wenn viele sagen, " Jetzt erst recht". Ein mulmiges Gefuhl bleibt. Und durch die aberwitzige Jerusalementscheidung von Trump wird sich u. U noch weiter hochschaukeln. Die Zeiten unbeschwerten Feiern sind vorbei.
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