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Karlsruhe Nach Diadem-Diebstahl: Wie sicher sind die Karlsruher Museen?

Innerhalb von sechs Monaten sind aus dem Badischen Landesmuseum zwei Exponate, mit einem gemeinsamen Wert von 1,7 Millionen Euro, entwendet worden und seitdem verschwunden. In der kommenden Gemeinderatssitzung am 26. September steht das Thema nun zur Diskussion. Die CDU-Fraktion will wissen, ob die Sicherheitskonzepte der Karlsruher Museen ausreichend sind.

Ende April haben Diebe aus dem Badischen Landesmuseum in Karlsruhe ein Diadem im Wert von 1,2 Millionen Euro gestohlen. Es handelt sich um ein Schmuckstück der Großherzogin Hilda von Baden (1864-1952). Das Anfang des 20. Jahrhunderts gefertigte Diadem befand in einer verschlossenen Vitrine im Thronsaal, einem öffentlich zugänglichen Ausstellungsraum im Obergeschoss des Museums im Karlsruher Schloss. Sechs Monate zuvor wurde bereits eine 500.000 Euro-Barockschnitzerei aus Elfenbein des Künstlers Leonhard Kern entwendet. Beide Exponate sind bis heute verschwunden.

Schlechte Sicherheitsvorkehrungen? 

Kurz nachdem die Öffentlichkeit von den Diebstählen erfuhr, wurden auch Bedenken zu den Sicherheitsvorkehrungen der Karlsruher Museen laut. Daraufhin hat das Kunstministerium sowie das Finanzministerium eine Arbeitsgruppe gebildet,  in der unter anderem Vertreter des Ministeriums und des Landeskriminalamts (LKA) sind, die die Sicherheitskonzepte in den staatlichen Museen prüft.

Voraussichtlich bis Ende des Jahres soll nun der Entwurf eines Sicherheitsleitfadens vorliegen. Dies teilte das Wissenschaftsministerium in einer veröffentlichen Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Stefan Fulst-Blei Anfang September mit. Der Leitfaden wird derzeit von einer Arbeitsgruppe erstellt. Doch bereits in der nächsten Gemeinderatsitzung, soll das Thema "Sicherheit in Karlsruher Museen", aufgrund einer Anfrage der CDU-Stadträte Tilman Pfannkuch, Jan Döring, Klaus Heilgeist, Albert Käuflein und Sven Maier zur Diskussion gestellt werden.

"Uns ist es sehr wichtig, dass die Sicherheitskonzepte der Museen in Karlsruhe ausgiebig geprüft, wenn nötig überarbeitet werden und in einem entsprechenden Ausschuss behandelt werden", so die CDU-Fraktion in ihrer Anfrage. Konkret will die Union wissen, welche Sicherheitsvorkehrungen in den Museen der Stadt Karlsruhe getroffen werden, um die Exponate zu schützen. Die Stadt ging in ihrer Stellungnahme vorab auf fünf Sicherheitskomponenten ein, die sowohl in der Städtischen Galerie als auch im Stadtmuseum und Pfinzgaumuseum vorhanden sind.

Außendepot ist nicht optimal gesichert

So werden demnach alle Ausstellungsräume der drei Museen während der Öffnungszeiten durch Aufsichtskräfte überwacht. Auch eine Videoüberwachung sei installiert, der Einsatz von Fremdfirmen gegeben und Alarmanlagen sollen zur die Sicherung der Gebäude beitragen. Beim Außendepot der Städtischen Galerie räumt die Stadt ein, dass sich dieses derzeit in einem Bunker in Karlsruhe befände und, in Hinblick auf die Sicherheit, diese Lagerung nicht optimal sei.

Auf die Frage, auf welchem Stand die technischen Sicherheitsvorkehrungen der entsprechenden Museen seien, antwortete die Stadt, dass diese Vorkehrungen, sowohl im Stadtmuseum, im Pfinzgaumuseum und in der Städtischen Galerie dem internationalen Standard entsprechen. Auch haben in den letzten Monaten keine Einsparungen im Bereich des Sicherheitsdienstes stattgefunden, erklärt die Stadt auf Anfrage der CDU.

Bestmögliche Überwachung

"Sind die Exponate der Stadt im Allgemeinen versichert oder gibt es Gegenstände in den Museen, die besonders versichert sind?", fragt die CDU-Fraktion in ihrer Anfrage. "Galerie-Leihgaben für die Sonderausstellungen werden über den Zentraler Juristischer Dienst (ZJD) für den Zeitraum der Ausleihe versichert. Ebenfalls ist die Sammlung Garnatz (Dauerleihgabe für die Städtische Galerie) versichert," erklärt die Stadt. Die stadteigenen Museumsbestände seien allerdings nicht versichert. Die Stadt beurteilt die Gesamtsituation als "bestmöglich". Eine hundertprozentige Sicherheit vor Diebstahl könne es dennoch nicht geben, so die Stadtverwaltung.

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  •   Ludwigsstammtischbruddler
    (765 Beiträge)

    24.09.2017 16:09 Uhr
    Was für Eggxbärdden,
    Hahaha, da müssen Köpfe rollen, in der freien Wirtschaft würden die Nulpen keine zwei Wochen überstehen. grinsen
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  •   ALFPFIN
    (6816 Beiträge)

    24.09.2017 11:18 Uhr
    Sicherheit in den Museen
    Die Leihgaben sind versichert, immerhin.
    Das Außendepot ist nicht optimal versichert. Die stadteigenen Museumsbestände seien allerdings nicht versichert. Die Stadt beurteilt die Gesamtsituation als "bestmöglich". Eine hundertprozentige Sicherheit vor Diebstahl könne es dennoch nicht geben, so die Stadtverwaltung.

    Deshalb konnte das Diadem auch mit 100% Sicherheit geklaut werden. grinsen
    Na, also die Gesamtsituation ist gut, sagt die Verwaltung, wer will daran zweifeln und überhaupt das kostbare Diadem war ja ein Erbstück der Markgrafen, das lag jetzt schon so lange herum und hat die Stadt, also uns nichts gekostet, jetzt ist es halt weg.
    Der Markgraf hat es ja nicht mehr mitbekommen unter seiner Pyramide. grinsen
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  •   silberahorn
    (9954 Beiträge)

    24.09.2017 11:38 Uhr
    Landesbesitz
    und städtische Besitztümer (z.B. Kunst der Städtischen Galerie und städtischer Museen) sind aber zwei verschiedene Stiefel. Das Diadem war in Landesbesitz, weil es im Landesmuseum war. Das nehme ich jedenfalls stark an.
    Die Anfrage galt den Sicherungsmaßnahmen bei der Stadt für deren Besitztümer und kam aus dem Stadtrat. Versicherungen sind teuer.
    Das mit dem Außendepot im Bunker war mir auch bekannt, jedenfalls was das Land anging. Das stammt noch aus Zeiten im 2. Weltkrieg, wo man hier z.B. schon im Krieg Kunstschätze in Sicherheit brachte, bevor sie von Hitlers Schergen in deren Wohnzimmern landen konnten oder vernichtet wurden.
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  •   Irgendwas_mit_Medien
    (688 Beiträge)

    24.09.2017 10:32 Uhr
    Immer wieder köstlich - diese Worthülsen
    Zitat von Wissenschaftsministerium zitiert nach Artikel Voraussichtlich bis Ende des Jahres soll nun der Entwurf eines Sicherheitsleitfadens vorliegen.


    Die Kunst der Nichtfestlegung in höchster Vollendung, bei gleichzeitiger Vermittlung des Eindrucks, energisch u handeln - eine bewundernswerte Fähigkeit.

    grinsen
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  •   Fizzy_Bubblech
    (386 Beiträge)

    24.09.2017 12:18 Uhr
    Also vong Auszagekrahft her...
    nüscht
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  •   silberahorn
    (9954 Beiträge)

    24.09.2017 08:47 Uhr
    Heutzutage
    gibt es immer bessere Methoden die Echtheit von Werken herauszufinden. Plötzlich rutscht deren Wert dann enorm.
    Ich würde zu gerne wissen, wer die katalanische Madonna aus dem Besitz von Max Grundig ersteigerte. Die ist erst 2016 mit Hilfe von kunsthistorischen/kunsttechnologischen Untersuchungen als katalanische Romanik-Fälschung des 20. Jahrhunderts entlarvt worden.

    Was ich damit sagen will? Na, nichts ist mehr sicher. Das meine ich, ohne das Landesmuseum in irgendeiner Weise verdächtigen zu wollen. Können sich Diebe sicher sein,dass sie tatsächlich später Originale verhökern?
    Eher den Materialwert. Aber dann muss der Schuh wirklich stark drücken oder es ist gezielte unnötige Beschäftigung von Kripo und Versicherungen.
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