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Karlsruhe Nach Abschluss der Kombilösung: Fahren die Bahnen weiter durch die Kaiserstraße?

Wo derzeit noch Bahnen durch die Karlsruher Kaiserstraße rattern, sollen mit der Inbetriebnahme der Kombilösung künftig nur noch Fußgänger und Radfahrer unterwegs sein - die oberirdischen Gleise zwischen Kronenplatz und Europaplatz sollen verschwinden. Eigentlich. Denn dagegen sprechen sich nun mit der AfD, der Linken und der Grünen drei Gemeinderatsfraktionen aus. Sie fordern: Die Gleise müssen liegen bleiben.

Mindestens drei Jahre - so lange wollen die AfD-Stadträte die Bahnen nach Fertigstellung der Kombilösung noch oberirdisch zwischen Kronen- und Europaplatz pendeln lassen. Der Grund: Der parallel darunter verlaufende Bahntunnel allein werde den Bahnbetrieb nicht stemmen können.

"In dem veröffentlichten Liniennetz der Kombilösung verkehren zwischen Europaplatz und Marktplatz tagsüber fünf Linien im 10-Minuten-Takt, mithin also 30 Bahnen je Stunde und Richtung. Deren Fahrweg kreuzen mindestens neun Fahrten je Stunde aus Richtung Kronenplatz an der Haltestelle Marktplatz als Linksabbieger in Richtung Ettlinger Straße, so dass in Summe im Kreuzungsabschnitt mindestens 39 Zugfahrten je Stunde in den genannten Richtungen stattfinden", führt die Fraktion in ihrem Antrag an die Stadtverwaltung an.

Stand von 2004 - das geplante Liniennetz nach Fertiggstellung der Kombilösung. | Bild: Kasig

Signalsteuerung macht Bahnen langsamer

Insbesondere im Kreuzungsbereich der Haltestelle Marktplatz werde die Streckenkapazität daher "nahezu vollständig beansprucht, sodass bei Verzögerungen im Betriebsablauf keinerlei Robustheit gegeben ist".

Hinzu komme die Verlangsamung des Bahnbetriebs aufgrund der signalgesteuerten Taktung innerhalb des Tunnels. Gegenüber des aktuellen Betriebs mit "Fahren auf Sicht" rechnen die Stadträte dadurch mit einer "Kapazitätsreduktion um rund ein Drittel auf eine - bei optimistischer Betrachtung - theoretisch mögliche minimale Zugfolgezeit von 90 Sekunden, entsprechend 40 Zugfahrten pro Stunde und Richtung".

Die Bahnen werden im Tunnel künftig mit Signalen getaktet. Das macht sie langsamer als die Fahrt auf Sicht. | Bild: Hammer Photographie

Und noch ein Vorteil bietet die Beibehaltung der oberirdischen Gleise aus Sicht der AfD-Fraktion: Sollte ein Zwischenfall im Bahntunnel auftreten, könnten die Linien auf die Kaiserstraße ausweichen - ohne die sonst nötige Umleitung über die künftige Kriegsstraßentrasse.

Kaiserstraßen-Strecke als "Backup" erhalten

Diese Bedenken plagen auch die Stadträte der Linken und der Grünen: Sie fordern die Gleise erst abzubauen, wenn der Betrieb im Tunnel reibungslos läuft. In einem interfraktionellen Antrag wollen sie daher - ähnlich der AfD - erreichen, dass die oberirdischen Gleise für mindestens ein Jahr nach Inbetriebnahme der U-Strab unangetastet bleiben. 

Kombirundgang Autotunnel
Wo aktuell noch Baustelle herrscht, sollen oberirdisch künftig Bahnen in der Kriegsstraße fahren. | Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Die Stadtverwaltung sieht hier allerdings kein Problem: "Als Umleitungsstrecke steht mit der neu gebauten Strecke durch die Kriegsstraße eine leistungsfähige Trasse zur Verfügung", schreibt sie in in ihrer Stellungnahme. Auch die Gleisanlagen in der Baumeisterstraße/Hermann-Billing-Straße/Mathystraße sollen zu diesem Zweck erhalten bleiben.

"Sollte der Rückbau in Frage gestellt werden, würde dies dem Konzept der Kombilösung das Fundament entziehen"

Bleibt die Kaiserstraße also keine Bahnstrecke? Nein - zumindest nicht, wenn es nach der Stadt Karlsruhe geht. Sie beruft sich dabei auf den Bürgerentscheid von 2002. Darin festgehalten: Neben dem Bau des Bahn- und Autotunnels selbst gehört zum Projekt der Kombilösung auch der Ausbau der Gleise in der Kaiserstraße zwischen Kronen- und Europaplatz nach Abschluss des Baus des Bahntunnels und der Kriegsstraßentrasse.

Symbolbilder Kaiserstraße 2018
Die Gleise in der Kaiserstraße müssen ausgebaut werden - so wurde es 2002 beschlossen. (Symbolbild) | Bild: Paul Needham

"Sollte der Rückbau in Frage gestellt werden, würde dies dem Konzept der Kombilösung das Fundament entziehen und dann besonders das Teilprojekt Kriegsstraße als unnötig erscheinen lassen", erklärt die Verwaltung weiter. Die Anträge der Stadträte, die Gleise zur Sicherheit teils mehrere Jahre in der Kaiserstraße zu belassen, lehnt man von Seiten des Rathauses daher ab.

Mehrmonatige Testphase geplant

Aber: Ganz ohne Absicherung vor Zwischenfällen soll der Bahnbetrieb im Tunnel nicht anlaufen. Vor dem Start - voraussichtlich im Juni 2021 - soll "eine intensive mehrmonatige technische und betriebliche Test- und Schulungsphase" erfolgen, in der sowohl Anlage als auch Zugsicherungsanlage getestet werden. Das Risiko einer "unzureichenden Qualität" des folgenden regulären Bahnbetriebs erachtet die Stadt daher als gering.

Symbolbilder Kaiserstraße 2018
Statt Bahnen werden in der Kaiserstraße künftig nur Fußgänger und Radfahrer unterwegs sein. | Bild: Thomas Riedel

Für mindestens ein halbes Jahr nach Inbetriebnahme des Tunnels werden die Bahnen aber dennoch noch durch die Fußgängerzone rattern - erst dann, im Dezember 2021, soll die Kriegsstraßentrasse ans Netz gehen und die Kaiserstraße als Bahnstrecke endgültig überflüssig machen. 

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  •   malerdoerfler
    (5989 Beiträge)

    21.01.2020 16:17 Uhr
    Ich hab es schon immer geahnt
    Linke und Grüne und AfD sind sich näher als ihnen lieb ist. grinsen
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  •   schmidmi
    (2218 Beiträge)

    19.01.2020 10:43 Uhr
    Recht lustig
    die ganzen unterschiedlichen Kommentare hier.
    Und irgendwann wird man feststellen, das Karlsruhe und Stuttgart etwas gemeinsames haben, nämlich einen nicht funktionierenden Tunnel. Nur Karlsruhe wird im Vorteil sein, weil wir die Schienen drinlassen und so ein Desaster verhindern können.....
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  •   Beobachter
    (146 Beiträge)

    19.01.2020 13:37 Uhr
    Wunschdenken
    Das sieht nach der Umfrage aber gar nicht danach aus. Aber Grüne; Linke und sicher auch schmidmi konnten mit diesem Ergebnis ja nicht rechnen. In schöner (Basis)demokratischer Manier wird das Ergebnis aber doch sicher akzeptiert. Vielleicht muss man das aber auch nicht,
    wenn nämlich die 60% Ablehner alle von den "Blauen" sind.
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  •   schmidmi
    (2218 Beiträge)

    19.01.2020 15:13 Uhr
    Nun ja
    Entscheidungen, die 20 Jahre her sind, haben keine definitive Bindungswirkung. Ewigkeitsgarantien haben wir nur im GG
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  •   BMWFahrer
    (250 Beiträge)

    18.01.2020 13:03 Uhr
    Bürgerentscheid vor 20 Jahren
    ca. 25 % der damaligen Wähler leben nicht mehr
    ca. 25 % der heutigen Stadtbewohner waren noch gar nicht geboren
    ca. 25 % der heutigen Wahlberechtigten durften damals noch nicht wählen

    An dem damaligen Bescheid festzuhalten, ist grotesk. Ein neuer Entscheid muss her!
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  •   Beobachter
    (146 Beiträge)

    19.01.2020 10:43 Uhr
    Neuer Bescheid
    nur eine ganz kurze Frage: Wie lange soll, oder darf, der dann gelten?
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  •   mueck
    (11303 Beiträge)

    19.01.2020 13:16 Uhr
    Von Gesetzes wegen
    ... drei Jahre wie die von 1996 und 2002 ...
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  •   malerdoerfler
    (5989 Beiträge)

    21.01.2020 16:19 Uhr
    Neuer Entscheid?
    Steht da auch die Alternative "Sollen wir das Loch wieder zuschütten?" mit drauf?
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  •   andur
    (1 Beiträge)

    18.01.2020 09:30 Uhr
    Das Nadelöhr im Tunnel...
    ... entsteht durch vom Südabzweig kommende Bahnen, die nach links Richtung Europaplatz abbiegen und hinter Bahnen, die in der Lammstrasse stehen, warten müssen. Während dieser Wartezeit sind alle anderen Zugbewegungen im -leider planaren- Gleisdreieck blockiert.

    Es gibt zwei Massnahmen, die die Kapazität des Dreiecks deutlich erhöhen:
    1: Signale im halben Bremswegabstand, aus geplanten 6 Blocksignalen im Tunnel werden 11 .
    2: Bahnen, die am Marktplatz bereits gehalten haben, werden über ein (nicht vorhandenes, am Nordende der Haltesteppe Marktplatz einzubauendes) Weichenpaar auf das linke Gleis umgeleitet, fahren an der Haltestelle Lammstrasse samt wartenden Bahnen vorbei und kommen über ein weiteres (ebenfalls nicht vorhandenes, am Westende der Haltestelle Lammstrasse einzubauendes) Weichenpaar wieder zurück auf das rechte Gleis.
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  •   yokohama
    (3403 Beiträge)

    18.01.2020 00:30 Uhr
    Braun, Rot, Grün
    Es wird immer abenteuerlicher. Wie nennt man so eine Koalition eigentlich?
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