31  

Karlsruhe Müll, Lärm, Pöbeleien: Kommt das Alkoholverbot für den Werderplatz?

Der Werderplatz in der Karlsruher Südstadt war immer schon ein sozialer Brennpunkt. Gewerbetreibende und Anwohner klagen über eine massive Zunahme der Alkohol- und Drogenszene rund um den Indianerbrunnen. Die Stadt will jetzt handeln.

Klagen von Anwohnern und Händlern im September haben die Stadt dazu bewogen, eine Arbeitsgruppe einzurichten. "In dieser Arbeitsgruppe beschäftigen sich neben verschiedenen städtischen Ämtern auch das Polizeipräsidium Karlsruhe, die Bürgergesellschaft Südstadt und das Diakonische Werk mit der Situation am Werderplatz", so Björn Weiße, der Leiter des städtischen Ordnungs- und Bürgeramtes.

Vermüllung, Lärm und Aggressionen

Er beschreibt das aktuelle Problem als ein sehr vielschichtiges: "Es treffen sich unterschiedliche Szenen zu unterschiedlichen Zeiten am Werderplatz. Morgens sind es überwiegend Drogenkonsumenten, die ihre Substitution aus den Praxen erhalten", so Weiße. Anwohner hätten von Spritzenfunden berichtet. Es gebe Sorgen um die eigene Gesundheit und die der Kinder. 

Vereinzelt wird den Behörden auch von offenem Drogenkonsum berichtet. "Überwiegend findet dieser aber in der unterirdischen Toilettenanlage statt. Später ändert sich die Szene in eine Trinkerszene, mit den für diese Szene typischen Begleiterscheinungen. Dann wird über Vermüllung und im weiteren Verlauf des Tages über Lärmbeschwerden, und Pöbeleien, bis hin zu verbalen und körperlichen Aggressionen geklagt", so der Amtsleiter im Gespräch mit ka-news.

Dieses Schild wurde an der Johanniskirche am Karlsruher Werderplatz angebracht.
Dieses Schild wurde an der Johanniskirche am Karlsruher Werderplatz angebracht. | Bild: Ramona Holdenried

"Werderplatzszene gibt es in dieser Form nicht mehr"

In den letzten Jahren habe sich die Szene auch von der Anzahl und der Herkunft der Personen stark verändert. Heute hielten sich zudem deutlich mehr Szeneangehörige auf dem Platz auf - aus unterschiedlichen Ländern, was das Konfliktpotenzial zusätzlich erhöhe. "Die über Jahrzehnte bekannte - und von den Anwohnenden akzeptierte - Werderplatzszene gibt es in dieser Form nicht mehr. Der Platz verträgt die bis zu 80 Szeneangehörigen nicht. Es sind einfach viel zu viele Szeneangehörige auf dem Platz", sagt Weiße.

Auch die Karlsruher Polizei berichtet von zunehmendem Alkohol- und Drogenkonsum. Das Polizeipräsidium Karlsruhe begegne dieser Situation mit unregelmäßigen Schwerpunktkontrollen und insbesondere zur Bekämpfung der Betäubungsmittelkriminalität, auch mit nicht öffentlich erkennbaren Ermittlungen. Und auch wenn nach der Auskunft von Andreas Dahm, dem Leiter des Polizeireviers Karlsruhe Südweststadt, nicht von einem Anstieg der Kriminalität auszugehen ist, sei das subjektive Sicherheitsempfinden der Bürger rund um den Werderplatz natürlich dennoch beeinträchtigt.

"In unserem Lagebild (1. Januar 2016 bis 24. Januar 2017) zeigt der Werderplatz Auffälligkeiten in Bezug auf die Anzahl der Körperverletzungsdelikte (28) und der Fälle von Rauschgiftkriminalität (22)", so Dahm. In 20 Fällen seien Streitigkeiten registriert worden und in 21 Fällen mussten Personen von der Polizei in Gewahrsam genommen werden. "Von den Zahlen her liegt der Werderplatz damit noch unterhalb mancher anderen Orte der Erlebnisgastronomie", so Dahm weiter. Der zahlenmäßige Anstieg des Klientel habe nach Bewertung der Polizei aber nicht zu einem signifikanten Anstieg der Kriminalitätszahlen geführt, erklärt der Revierleiter.

Vielschichtiges Problem – schwierige Lösung?

Ein einfaches Lösungsmodell lässt sich für das vielschichtige Werderplatz-Problem nicht finden, da sind sich alle Betroffenen und Beteiligten einig. "Das Problem ist, dass gerade die Aggressionsdelikte, die fast ausnahmslos innerhalb der sich auf dem Werderplatz aufhaltenden Gruppen aber eben in der Öffentlichkeit begangen werden, die subjektive Sicherheit von Anwohnern, Gewerbetreibenden und Passanten erheblich beeinträchtigen", so Dahm.

Er fährt fort: "Der Werderplatz fühlt sich unsicherer an als er tatsächlich ist. Nicht zuletzt um auch das subjektive Sicherheitsempfinden zu stärken, werden wir zu Beginn der warmen Jahreszeit unsere Präsenzmaßnahmen auf dem Werderplatz wieder deutlich verstärken." 

Alkoholverbot soll kommen

Martina Hillesheimer, die erste Vorsitzende der Bürger-Gesellschaft Südstadt, findet, dass es im Gegensatz zum "heißen Sommer 2016" derzeit - auch witterungsbedingt - ruhiger geworden ist am Werderplatz. Sie bringt das Grundproblem jedoch auf den Punkt: "Der vor einigen Jahren erarbeitete Verhaltenskodex wird einfach nicht mehr beachtet". Die Präsenz von Polizei und kommunalem Ordnungsdienst kann letztlich immer nur temporär Abhilfe schaffen, das weiß auch Weiße. 

"Auch wenn viele Ideen zum Werderplatz entwickelt wurden und viele unterschiedliche Akteure -wie Ordnungsamt, Polizei, Drogenbeauftragte, Straßensozialarbeit, Kirche, Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft, Bauordnungsamt, Amt für Stadtentwicklung- ihren Teil dazu beitragen, die Auswirkungen auf die Anwohnenden zu reduzieren, wird aus Sicht des Ordnungsamtes erst ein zeitlich und örtlich beschränktes Alkoholverbot auf dem Werderplatz eine deutliche Entlastung für die Anwohnenden bringen", sagt der Amtsleiter. Der Landesinnenminister plane die hierfür notwendige Änderung des Polizeigesetzes im kommenden Jahr. 

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (31)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   oststaedtler
    (271 Beiträge)

    28.02.2017 13:38 Uhr
    Also ich wäre dafür.
    Ein Alkoholverbot inkl. Platzverweisen würde den Werderplatz enorm aufwerten. Durch das ganze Gesindel dort und die Vermüllung kommt man sich langsam vor wie in einem Slum. Mir tun insbesondere die Anwohner leid, die sich das jeden Tag (und vor allem jede Nacht) antun müssen. Ich selbst vermeide es möglichst, mich nach Einbruch der Dunkelheit alleine dort aufzuhalten. Und wenn jetzt wieder unsere allwissenden Gutmenschen kommen und von "Kosmetik" labern: Dann ist das eben Kosmetik. Die Typen könnten es sich doch z. B. am Geigersberg oder in der neuen Südoststadt gemütlich machen. Aber ich bin mir sicher, dass da dann sofort die Polizei einschreiten würde. Oder warum nehmt ihr diese Typen nicht bei euch zu Hause auf und kümmert euch um sie, wenn die euch so am Herzen liegen? Es gibt bestimmt auch für solche Aktionen irgendeinen öffentlichen Fördertopf, der euch die Kosten erstattet...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Crackerjack
    (1418 Beiträge)

    28.02.2017 13:04 Uhr
    Der Indianerbrunnen (Sorry Brunnen der Amerikanischen Ureinwohner)
    War der Platz wo wir unsere Mittagspause zugebracht haben.
    1960 bis 1964 Lehrlinge(Sorry Auszubildente) bei Tonfunk GMBH.
    Es war friedlich, entspannend und die hauptsaechlichen Themen:"Wie koennen wir unserem Ausbilder eine auswischen". grinsen
    Manchmal, so um den Ersten des Monats am Samstag 12 Uhr (so lange wurde in unserer Zeit noch gearbeitet) vielleicht ein Bierchen in der Wolf Braustube.

    PS.: Monatsgehalt 40 DM.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Aussie
    (545 Beiträge)

    28.02.2017 10:37 Uhr
    Langer Artikel - kurzer Sinn:
    Keiner tut wirklich was und jeder wartet auf den anderen.

    Jeder Hausmann weiß: Sauberkeit kriegt man nur durch häufiges gründliches putzen!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (10329 Beiträge)

    28.02.2017 11:14 Uhr
    Geld vom Bund?
    Soziale Stadt Es ist vorrangiges Ziel, in den betreffenden Quartieren den sozialen Zusammenhalt und die Integration aller Bevölkerungsgruppen zu verbessern.
    Programmgebiete
    Karlsruhe war schon mit Innenstadt-West, Mühlburg, Oststadt/West und Rintheimer Feld dabei.

    Die Südstadt hatte noch nie Probleme. grinsen

    Am 13. Mai 2017 finden bundesweit Veranstaltungen rund um die Städtebauförderung statt.
    08.06.2016 19:00 bis 21:30 Uhr Programm Karlsruhe
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Zutraeger
    (1074 Beiträge)

    28.02.2017 13:11 Uhr
    In Mühlburg
    hat sich das aber schwer gelohnt! Infrastruktur war ja vorher ok, Brennpunkte gabs auch nicht wirklich, aber wenn man sich die Bautätigkeit und vor allem die Fassadensanierungen anschaut scheinen da schon gewaltige finanzielle Anreize geschaffen worden zu sein. Strassen wurden gemacht, Leitungen neu, also so viel action war wohl in keinem anderen Stadtteil (Bautätigkeiten bzgl Kombi ausgenommen).
    Momentan wird jetzt dieses alte Heim (Name fällt mir grad nicht ein) in der Hardtstrasse 45 abgerissen (bzw ist schon weg), gemäss Flurfunk kommt da ein Altersheim oder betreutes Wohnen oder beides hin. Wobei man da hätte auch grössere Nägel machen und die hässlichen Garagen und die alte Tankstelle auf dem Eck gleich mit plattmachen können. Dann wär das ein sauberes Eck geworden.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Zutraeger
    (1074 Beiträge)

    28.02.2017 13:15 Uhr
    Es heisst
    Klepperheim.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (10329 Beiträge)

    28.02.2017 13:47 Uhr
    gutes Ergebnis
    siehe: Sanierungsgebiet Mühlburg
    Förderrahmen 12.902.228 Euro, davon Bund/Land 7.741.337 Euro, davon Stadt Karlsruhe 5.160.891 Euro, Einwohner im Gebiet, rund 10.700. Es wurden also ca. 1.200 Euro pro Einwohner ausgegeben.
    So gesehen sind die Kosten für die U-Strab pro Einwohner auch nicht sehr viel mehr, außer dass dabei die Stadt mehr zahlen muss.

    Zum Schaden der Bevölkerung machen das die Entscheider hier bestimmt nie. Die einzige Frage wäre, ob eine eher reiche Stadt das im Vergleich zu armen Städten in Deutschland nicht vorher hätte abwenden können. Es gab auch die Kritik, dass man erst einmal etwas verlottern lassen kann, weil es dann Geld gibt.
    Nun ja, es gibt in Deutschland aber auch Städte mit ganz besonders hohen Gewerbesteuereinnahmen durch große Firmen (Folge: Zebrastreifen aus Marmor ). Ob man damit sozialverträglicher lebt?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Zutraeger
    (1074 Beiträge)

    28.02.2017 15:43 Uhr
    Im Vergleich
    zur Ustrab bringt diese gut angelegte Geld einen echten Mehrwert an Infrastruktur und Lebensqualität für die Mühlburger. Also ich bin wirklich sehr zufrieden wenn ich durch meine Strassen laufe. ich hoffe die Eigeninitiative der Hausbesitzer wurde geweckt, bzw hält noch ein bisschen an, denn es gibt natürlich immer noch ein paar echte Schandflecken. Aber ich denke für das Mühlburger Durchschnittseinkommen können wir mit der Optik des Stadtteils durchaus zufrieden sein.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   felino
    (330 Beiträge)

    28.02.2017 09:25 Uhr
    ein Alkoholverbot
    kann - wenn es die Gesetzesänderung gibt - dann auch an jedem anderen Platz ausgesprochen werden. wo auch immer sich das Problem dann als nächstes auftun würde. Ich wohne in der Südstadt und finde, es muss was getan werden - und das kann ein erster Schritt sein.
    Aber generell geht es ja auch drum, Alkohol und Drogenkonsum in solchen Großgruppen komplett von der Straße verschwinden zu lassen, daher je mehr Alkoholvebrote, desto besser.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ralf
    (3701 Beiträge)

    28.02.2017 11:12 Uhr
    Alkoholverbot heute von 13 bis 18 Uhr in der Innenstadt?
    Ich habe so eine Ahnung, dass es heute auf der Route von Wildparkstadion über Durlacher Tor, Europaplatz, Karlstor zum Kongresszentrum zu zahlreichen Fällen des Alkoholmissbrauchs und zur Vermüllung der Straßen kommen könnte. 😁
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 (4 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.