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Karlsruhe Morddrohung gegen Hunde in der Karlsruher Südstadt-Ost: Ernstzunehmende Gefahr oder Spontanaktion eines verärgerten Anwohners?

Es hat sich wohl jeder schon mal über einen "Hundehaufen" mitten auf den Karlsruher Straßen und Wegen geärgert und gerade wenn man in eine solche "tierische" Hinterlassenschaft hineintritt, ist die meist Aufregung groß. So war es wohl auch bei einem anonymen "Hundehasser", der vor einiger Zeit in der Amalie-Baader-Straße ein recht unschönes Poster mit bösen Drohungen aufhängte.

"Sehr geehrte Hundebesitzer wir haben natürlich viel Verständniss dafür das Sie eine faule Sau sind und Ihren Hund grundsätzlich hierhin scheißen lassen. Kein Verständniss haben wir aber dafür das Sie die Scheiße dann auch noch liegen lassen. Bitte ändern Sie im Interesse Ihres Hundes Ihr Verhalten sonst müssen Sie sich nicht wundern das es Menschen gibt welche zu Maßnahmen greifen welche der Gesundheit Ihres Hundes abträglich wären. Wir und Sie wollen dies natürlich nicht………Danke" - war darauf zu lesen.

Das Droh-Poster aus der Südoststadt
Das Droh-Poster aus der Südoststadt | Bild: ka-reporter Wolfgang Bucke

Eine Morddrohung, ein Straftatbestand? "Wohl eher nicht", meint Dieter Werner aus der Pressestelle der vom Auffinder des Plakats hinzugezogenen Karlsruher Polizei. "Allenfalls könnte man einen Aufruf zur Handlung entgegen des Tierschutzgesetzes darin sehen, oder den Aufruf zur Sachbeschädigung - Tiere werden rechtlich ja nun mal immer noch als solche betrachtet - aber das Aufhängen eines solchen Pamphlets ist erstmal kein Straftatbestand." 

Wut auf Hundebesitzer

"Die Beamten, die damals in die Karlsruher Südstadt-Ost gerufen wurden, haben das Plakat natürlich abgehängt, danach gab es aber auch kein neues mehr und auch Giftköder oder ähnliches konnten in dem Bereich nicht gefunden werden", so Werner im Gespräch mit ka-news weiter. Die ganze Sache sei im Karlsruher Stadtgebiet ein Einzelfall, so etwas sei der Polizei zumindest bisher nicht bekannt gewesen.

Und obwohl er die Sorge der Hundebesitzer verstehen kann, mahnt er aber auch zur Ruhe: "Man sollte da wohl eher die Kirche im Dorf lassen. Nicht jeder, der so etwas aufhängt, weil er sich über einen Hundehaufen geärgert hat oder vielleicht hineingetreten ist, will gleich Hunde umbringen, und die Menschen, die Giftköder ausbringen, kündigen das erfahrungsgemäß eher nicht auf einem Poster an", sagt der Polizeibeamte. Da wollte wohl jemand den Hundebesitzern Angst einjagen und sie vielleicht auf diesem Wege auch dazu bringen, die Hinterlassenschaften ihrer Tiere ordnungsgemäß zu entsorgen.

Hundekotbeutel
Hundebesitzer Bernd Müller aus der Südstadt-Ost zieht pflichtbewusst einen Kotbeutel für die Hinterlassenschaften seines Hundes Ella | Bild: Paul Needham

Auch ka-reporter Wolfgang Bucke, dessen Frau das Plakat entdeckt und fotografiert hat, sieht das ähnlich: "Wir wohnen ziemlich genau drei Jahre hier im Citypark, und uns ist bisher nichts Vergleichbares in der Wohnsiedlung begegnet", sagt er. Und auch er - selbst Hundebesitzer - kann den Ärger der Anwohner verstehen: "Voll und ganz. Niemand möchte in so einen Hundehaufen treten. Wir verstehen den Ärger", so Bucke.

Aber: "Die Drohung verstehen wir nicht! Eine Nachricht 'Liebe Nachbarn und Hundehalter! Ich bin an dieser Stelle mehrfach in Hundehaufen getreten, als ich in mein Auto einsteigen wollte. Bitte nehmen Sie Rücksicht und entfernen in Zukunft zuverlässig die Hinterlassenschaften Ihres Lieblings. Vielen Dank!' - wäre auch eine Möglichkeit zu reagieren", merkt er gegenüber ka-news an.

Kotbeutel stehen vierlerorts kostenlos zur Verfügung

Er selbst unterstützt auch die Aktion "Erhaltet die Hundebeutel", die dafür sorgt, dass im Karlsruher Stadtgebiet mehr Kotbeutelspender aufgestellt werden. "Ich will keine Klischees bedienen, doch ich sehe Jogger mit Hunden ohne Leine, die Hunde lösen sich und der Jogger läuft unbeirrt weiter. Ich sehe telefonierende junge Mütter mit Kinderwagen und Hund an der Leine, die sich ebenso wenig um den Haufen kümmern. Ich sehe junge Menschen in hipper Kleidung mit Modehunden im Wohngebiet, die keine Anstalten machen, mithilfe einer Hundetüte in die Scheiße zu greifen", berichtet der Hundehalter von seinen Erlebnissen.

Und weiter: "Ich wünsche mir 'Wimpel' aus kleinen Holzspießen, auf der einen Seite ein Aktionslogo und auf der anderen Seite die Abbildung eines Hundehaufens. Ich möchte die 'Dinge' sichtbar machen. Wenn wir mit unserem Rudi spazieren gehen, stecke ich in jeden Haufen, den ich finde, einen Wimpel. Mal sehen, was passiert."

Hundebesitzer in der Südoststadt
Hundebesitzer in der Südoststadt | Bild: Paul Needham

Das Gartenbauamt der Stadt Karlsruhe, das sich um die Pflege der städtischen Grünanlagen kümmert, hält den Bereich rund um den City Park für unauffällig: Es gebe keine besonderen Auffälligkeiten, die über das regulär in der Stadt bekannte Bild hinausgehen, so das Amt gegenüber ka-news. Das Thema sei aber natürlich immer wieder aktuell, Beschwerden konkret zur Amalie-Baader-Straße liegen dem Amt jedoch nicht vor.

Appell an Hundebesitzer und bis zu 5.000 Euro Strafe

Man solle doch auch als Hundebesitzer eine Anlage so verlassen, wie man sie gerne vorfinden möchte, mahnt das Amt weiter. Und auch in Sachen Prävention sei man aktiv: "Die Stadt Karlsruhe verfolgt den Ansatz, an über 60 Ausgabestellen - verteilt über das gesamte Stadtgebiet - kostenlose Hundekotbeutel an die Bevölkerung auszugeben. Jeder verantwortungsbewusste Hundebesitzer hat so die Möglichkeit, kostenlose Hundekotbeutel zu erhalten. Die Beutel können - unabhängig, ob sie durch die Stadt beschafft oder privat besorgt worden sind - in den über 3.200 öffentlichen Abfallbehältern im Stadtgebiet (davon allein 2.600 in Grünanlagen) entsorgt werden", sagt Cornelia Lutz, die Leiterin des städtischen Gartenbauamtes.

Beutelspender gibt es im ganzen Stadtgebiet
Beutelspender gibt es im ganzen Stadtgebiet, dafür sorgt unter anderem die Initiative "Erhaltet die Hundebeutel", die Sponsoren für die Beutelstationen generiert. | Bild: Paul Needham

Auch das Karlsruher Bürger- und Ordnungsamt hält die Südoststadt in Sachen Hundehaufen und Hundehasser für nicht weiter auffällig: "Die Hinweise und Beschwerden aus der Bevölkerung über Verschmutzungen durch Hundekot sind in der Südstadt-Ost nicht größer als in anderen vergleichbaren Gebieten innerhalb der Stadt", erklärt Ute Donisi, die Abteilungsleiterin für Öffentliche Sicherheit, die das besagte Droh-Poster jedoch noch nicht kannte. 


Generell sagt die Polizeiverordnung der Stadt, dass Hundekot vom Ausführenden unverzüglich zu entfernen und ordnungsgemäß zu entsorgen sei. Wer dagegen verstößt, handelt ordnungswidrig und könne mit einer Geldbuße zwischen fünf und 5.000 Euro belegt werden.

Allein die Kontrollen gestalten sich für den Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) schwierig, finde man doch meist die Hinterlassenschaften, aber selten den Hund und den Hundebesitzer dazu. Der KOD müsste eine solche Straftat schon direkt beobachten und den Hundebesitzer quasi "in flagranti" dabei ertappen, wie er den Haufen des Vierbeiners nicht entfernt.

Hundekot-Entsorgungspflicht gilt auch auf Auslaufflächen

Diese Regelung gilt übrigens auch für Hundeauslaufflächen, wie es im Citypark eine gibt. "Auf diesen Flächen dürfen Hunde ohne Leine rennen und springen. Die Verschmutzung durch Hundekot ist allerdings auch hier nicht gestattet", sagt die Stadt ganz klar.

Hundebesitzer in der Südoststadt
Hundebesitzer in der Südoststadt | Bild: Paul Needham

Alles in allem wohl eine einmalige - vielleicht sogar sehr impulsive und unüberlegte - Aktion eines Menschen, der eine unangenehme Erfahrung mit Hundehaufen gemacht hat. Verständlich, die Sorge der Hundebesitzer, liest und hört man doch aktuell fast täglich von Tieren, die Giftköder gefressen und ernsthaft erkrankt oder gar daran gestorben sind.

Am Ende gilt: Der Ärger ist verständlich, Gewalt gegenüber Mensch oder Tier nie eine Lösung. Und als Hundebesitzer sollte man Verantwortung übernehmen, seinen Teil zu einer sauberen Stadt beitragen und immer daran denken, wie unappetitlich und nervig es ist, wenn man in einen Haufen tritt und das eigene Schuhwerk tagelang nach Hundekacke riecht.

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Kommentare (38)
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  •   zabbeduschter
    (1 Beiträge)

    05.03.2019 23:17 Uhr
    DNA-Register
    https://www.welt.de/vermischtes/article171444633/Mit-DNA-Proben-gegen-Hundehaufen.html
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  •   Weichei
    (228 Beiträge)

    05.03.2019 19:21 Uhr
    Meine Hunde drei an der Zahl
    machen ihre Haufen immer in meinem Wohnzimmer. Wenn kein Platz mehr ist ziehen wir um.
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  •   Mitbuerger
    (26 Beiträge)

    05.03.2019 15:43 Uhr
    Hunde
    haben in der Stadt nichts zu suchen!
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  •   mombil
    (2 Beiträge)

    05.03.2019 07:46 Uhr
    Leute ansprechen & drakonische Strafen
    Was Menschen in Verlegenheit bringt ist das direkte Ansprechen von Fehlern. Ihr seht Jemand der das Geschäft nicht wegmacht? Sofort zur Rede stellen und fragen warum. Weitere Maßnahmen müssten drakonische Strafen sein (200 Euro aufwärts) die wirklich weh tun und durchgesetzt werden. Dafür müsste natürlich kontrolliert werden. Es sind häufig nur einige wenige Hundebesitzer welche die Geschäfte nicht aufräumen. Bei 3x Gassi pro Tag kommt nach einer Woche vieles zusammen. Ich wäre gespannt wie viele weiter nicht wegmachen wenn die erste Strafe von +200 Euro ausgesprochen ist. Bestimmt nicht mehr viele! - von einem Hundebesitzer
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  •   Blandine
    (26 Beiträge)

    04.03.2019 14:41 Uhr
    Ich wünsche mir...
    ... eine verzauberte Wiese: Aus jedem liegen gebliebenen Hundehaufen wächst ein magisches Fähnchen, auf dem so etwas zu lesen steht wie: "Das war Fido Meier, Bahnhofstraße 378 a." Wetterfest und nur mitsamt dem Haufen entfernbar.

    Die Wiese wäre innerhalb kürzester Zeit sauber...

    Niemand hat etwas gegen Hunde. Nur gegen ihre Hinterlassenschaften. Und gegen Hundebesitzer/innen, die zu bequem oder zu ignorant sind, den Dreck ihrer Lieblinge wegzumachen.
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  •   HerrNilson
    (839 Beiträge)

    04.03.2019 14:55 Uhr
    Gefällt
    mir 🤗🤗🤗
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  •   Prof.Baerlapp
    (648 Beiträge)

    04.03.2019 13:27 Uhr
    Wenn ich mir
    die Südstadt-Ost so anschaue, speziell den Park, dann sind eigentlich Hundehaufen kein größeres Problem als anderswo in der Stadt.

    Ein nach wie vor ungelöstes Problem ist aber die von den Menschen verursachte Vermüllung des Parks. Die ist größer als nötig, weil die Stadt nur Mini-Mülleimer hinstellt und die an Wochenenden bei schönem Wetter überquellen.
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  •   Mili
    (1192 Beiträge)

    04.03.2019 10:43 Uhr
    Neulich war ich zum Gassigehen draußen, Du wirst es nicht glauben..
    ... ich denke noch: Heute kein Zug an der Leine, komisch. Hab ich doch glatt den Hund vergessen, Kacktüten hatte ich dabei. Bin dann wieder nach Hause, ok, Fiffi konnte ja nichts dafür und hatte sein Häuflein in die Küche gesetzt. Hab's dann mal liegen lassen; irgenwo unterwegs habe ich die Kacktüten verloren.
    Schon verrückt, diese Welt.
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  •   FinnMcCool
    (174 Beiträge)

    04.03.2019 09:34 Uhr
    Bussen zwischen 5 und 5000 Euro?
    Warum wird dies dann nicht kontrolliert? Wenn das Ordnungsamt sagt "man findet eben nur die Hinterlassenschaften". Dann muss man eben mal richtige Kontrollen machen. Und ich bin der Ansicht, dass man ruhig mit der geringsten Busse - also 5 Euro - anfangen kann. Und wer dann innerhalb z.B. eines Jahres noch einmal erwischt wird, dem wird die Busse automatisch verdoppelt usw. Dies heisst dann, wer das 5te-Mal erwischt wird, der darf dann direkt 160 Euro bezahlen. Und die Kontrollen würden sich sicherlich ziemlich schnell von den Kosten her mehr als nur decken.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (10961 Beiträge)

    04.03.2019 14:31 Uhr
    Busse?
    Ich denke, so ein Omnibus ist weitaus teurer!
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