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Karlsruhe Mit dem Handy durch die Zeit reisen: Neue App ermöglicht Blicke in die Karlsruher Vergangenheit

Wer schon immer einmal wissen wollte, wie Karlsruhe in den vergangenen Jahrhunderten ausgesehen hat, muss dafür keine Zeitmaschine erfinden. Für den Blick in die Vergangenheit reicht schon eine neue App - und dann kann die Reise los gehen!

Seit dem Wissenschaftsfestival Effekte im Sommer 2019 ist die Virtual Reality App "Karlsruher Zeitmaschine" verfügbar. Wer die App auf seinem Smartphone installiert, kann sich die Stadtentwicklung Karlsruhes über die Jahrhunderte hinweg anschauen.

Die Reise beginnt im Jahr 1739 und zeigt dem Nutzer in fünf verschiedenen Zeitschnitten bis in die heutige Gegenwart die interessantesten Entwicklungen der Stadt - und das in 360-Grad-Bildern und im Maßstab 1:1.

Karlsruhe in fünf verschiedenen Zeitschnitten

Um in die Vergangenheit der Stadt reisen zu können, wird lediglich ein Android-Smartphone und ein sogenanntes Virtual Reality-Cardboard, eine spezielle Halterung für das Handy, benötigt. "Das Cardboard wird hierbei gebraucht, um die dreidimensionalen Bilder zu ermöglichen", erklärt Detlef Günther-Diringer, Studiendekan und Professor für Geoinformationsmanagement an der Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft, der die App zusammen mit seinem Studiengang im Jahr 2015 entwickelte.

"Somit kann man dann die Innenstadt in fünf verschiedenen Zeitschnitten entdecken: 1739, 1834, 1915, 1945 und 2015." Die Zeitschnitte seien dabei nicht grundlos gewählt. "In jedem dieser Jahre erkennt man Veränderungen im Stadtbild. So sieht man zum Beispiel nur im Jahr 1834 alle Stadttore, wie das Ettlinger Tor oder das Mühlburger Tor. In diesem Jahr erkennt man das Stadtbild auch erstmals, wie wir es heute kennen - mit dem Rathaus und der Pyramide auf dem Marktplatz."

Marktplatz 1739
1739 stand auf dem Karlsruher Marktplatz die Konkordienkirche. Erst 1834 wurde an diese Stelle die Pyramide platziert - wo sie bis heute steht. | Bild: Detlef Günther-Diringer

Und warum beginnt die Zeitreise 1739? "Als Karlsruhe 1715 gegründet wurde, gab es neben dem Schloss nicht viel zu sehen. Erst 20 Jahre später begann der Bau zur Fächerstadt", so der Studiendekan im Gespräch mit ka-news.de.

Insgesamt zwölf virtuelle Standorte in der Innenstadt

Insgesamt gibt es zwölf verschiedene Standorte in Karlsruhe, an denen nicht nur Touristen, sondern auch interessierte Anwohner die Geschichte der Stadt kennen lernen können. "Wir haben dabei Orte ausgesucht, an denen über die Jahrhunderte hinweg interessante Veränderungen im Stadtbild stattgefunden haben. Dazu gehört auch die Synagoge in der Kronenstraße, die im Laufe der Zeit durch Brände oder Kriege immer wieder zerstört und neu gebaut wurde", erzählt Detlef Günther-Diringer, der zeitgleich das Projekt leitet.

Synagoge Karlsruhe
Die Synagoge in der Kronenstraße sieht in jedem Zeitschnitt verändert aus. | Bild: Detlef Günther-Diringer

Zu den Standorten der App gehören beispielsweise auch die Kaiserstraße, das Bundesverfassungsgericht, der Rathausturm und der Schlossturm mit Blick auf die Stadt. 

Direkter Vergleich von Realität und Geschichte

Vor Ort kann der Nutzer mit Hilfe des VR-Cardboards und der App die virtuelle Welt betrachten. Dabei hat er einen Rundumblick auf seine dreidimensionale Umwelt.

VR App "Karlsruher Zeitmaschine"
Mit der App und dem VR-Cardboard kann sich jeder die zwölf interessanten Orte in fünf verschiedenen Zeitschnitten anschauen. | Bild: Detlef Günther-Diringer

"Man muss nur zwei Klicks auf seinem Smartphone betätigen, hält sich das Handy im Cardboard vor die Augen und sieht Karlsruhe genau so, wie es in dem ausgewählten Zeitabschnitt ausgesehen hat", erklärt Günther-Diringer. "Nimmt man das Cardboard wieder weg, hat man einen direkten Vergleich von Realität und Geschichte."

Blick vom Schlossturm 1945
Der Blick vom Schlossturm nach dem zweiten Weltkrieg 1945. | Bild: Detlef Günther-Diringer

Das Ziel des Projekts: "Die historischen Sachverhalte darzustellen und ein neues Bild von der Stadt entstehen zu lassen", so der Professor von der Hochschule Karlsruhe.

Und: Der Blick in die Vergangenheit könnte auch für die Zukunft nützlich sein: "Zum anderen können diese 3D-Modelle auch für zukünftige Bauprojekte eingesetzt werden. Der Bürger bekommt somit schon vorher einen dreidimensionalen Blick auf das, was gebaut werden soll. So könnte man es beispielsweise auch bei der Entstehung des neuen Marktplatzes machen." Dieses Projekt sei aber erst noch in Planung.

Blick vom Schlossturm 2015.
Im Vergleich zum Jahr 1945: Der Blick vom Schlossturm im Jahr 2015 zeigt die Stadt so, wie die Karlsruher sie heute kennen. | Bild: Detlef Günther-Diringer
ka-news.de Hintergrund: "Karlsruher Zeitmaschine"
    Anlässlich des 300. Stadtgeburtstags 2015 wurden die 3D-Stadtmodelle erstmals vom Studiengang Geoinformationsmanagement entwickelt. Damals waren die ersten fünf virtuellen Standorte jedoch nicht für die Öffentlichkeit gedacht und waren nur im Labor der Hochschule realisierbar.

Seit Sommer 2019 ist die App "Karlsruher Zeitmaschine" nun kostenfrei verfügbar. Allerdings gibt es die Anwendung bisher nur im Google Play Store und ist somit nicht für Smartphones von Apple, sondern nur für Android Smartphones geeignet.

Das Virtual Reality Cardboard, das man zudem für die Zeitreise braucht, ist eine rechteckige Halterung aus Karton und zwei Linsen, durch die der Nutzer blickt. Wer die Reise starten will, legt sein Smartphone in die Halterung und kann mit der App die dreidimensionale Vergangenheit Karlsruhes entdecken. Das Cardboard kann man dabei unter anderem online erwerben oder mithilfe von Youtube-Anleitungen einfach selber basteln.

Entwickelt wurde die "Karlsruher Zeitmaschine" für Studien- und Abschlussarbeiten im Studiengang Geoinformationsmanagement an der Hochschule Karlsruhe. Mehr als drei Jahre wurde unter Anleitung von Studiendekan Detlef Günther-Diringer an der Entwicklung der 3D-Modelle geforscht. Ihre Daten stammen dabei von alten Stadtplänen, Grafiken und Bildern aus dem Stadtmuseum und dem Stadtarchiv in Karlsruhe. 
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  •   Weichei
    (532 Beiträge)

    07.01.2020 12:49 Uhr
    Braucht keine Zeitmaschine mehr?
    Nach dem Ansehen dieses Artikels
    Bin ich der Meinung so Eine waere bestimmt brauchbar.
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