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Karlsruhe Mehr Verkehrslärm und weniger Autos: Pro und Contra zur Umfahrung Hagsfeld

Die Stadtteile Hagsfeld und Rintheim sollen vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Dafür ist eine Umfahrung geplant, die die Autobahnabfahrt Karlsruhe Nord mit der L560 verbindet. Wird die Straße in Zukunft tatsächlich für weniger Verkehr sorgen oder wird sie nur noch mehr Fahrzeuge nach Hagsfeld ziehen? ka-news.de hat die Vor- und Nachteile der Umfahrung gegenübergestellt.

Gescheitert, wieder aufgegriffen, erneut gescheitert - so lässt sich die Geschichte der Umfahrung Hagsfeld zusammenfassen. Begonnen hat das Projekt, das sich heute "Südumfahrung Hagsfeld" nennt, als erster Teil der einst geplanten Nordtangente. Dann warf der Gemeinderat die Pläne über Bord und hatte stattdessen einen neuen, kürzeren Abschnitt im Visier. Doch dieser, so stellte sich heraus, war nicht mit dem Bebauungsplan vereinbar

Nun startet die Stadt den dritten Anlauf und lässt die Umfahrung zum wiederholten Mal neu planen. Da die Strecke eine Gleistrasse der Deutschen Bahn kreuzt, stehen zwei Varianten zur Debatte:  Eine Brücke über die Schienen hinweg oder ein Trog, der die Autos darunter hindurch führt.

Brückenlösung Ortsumfahrung Hagsfeld
So könnte die Brückenlösung der Ortsumfahrung Hagsfeld aussehen. | Bild: Mailänder Consult GmbH

Um einen weiteren Schritt in Richtung Baubeginn zu gehen, muss sich der Gemeinderat im Herbst zuerst für eine Vorzugsvariante entscheiden. Vor der Entscheidung der Stadträte ist deshalb der richtige Zeitpunk, die Vor- und Nachteile der geplanten Umfahrung gegenüberzustellen. Welche Straßen werden entlastet, wie hoch wird die Lärmbelastung sein und ist der Bau ein zu großer Eingriff in die Natur?

Contra: Stellenweise höheres Verkehrsaufkommen

Laut der Verkehrsprognose der Stadt werden rund 23.200 Fahrzeuge am Tag den neuen Streckenabschnitt nutzen. Da die Umfahrung die Autobahnabfahrt mit der L560 verbindet wird auch auf dieser Straße, die mitten durch Hagsfeld führt, das Verkehrsaufkommen steigen.

Verkehrsprognose Südumfahrung Hagsfeld
Zu- und Abnahme der Verkehrsbelastung nach dem Bau der Südumfahrung Hagsfeld. | Bild: Stadt Karlsruhe

Aus diesem Grund stehen einige Anwohner den Plänen der Stadt skeptisch gegenüber. "Schon heute gibt es Stauungen auf der L560, mir ist nicht klar, wie die ganzen Autos in Zukunft abfließen sollen", so Anwohner Fritz Keller bei einer Infoveranstaltung Ende Juli.

Pro: Diese Straßen werden entlastet

Vor allem der Ostring würde durch die neue Umfahrung entlastet werden: Täglich rund 6.000 Fahrzeuge weniger werden dort erwartet. Doch auch einige der Hagsfelder Straßen dürfen nach dem Bau mit deutlich weniger Verkehr rechnen. Beispielsweise die Brückenstraße: Dort bahnen sich derzeit noch rund 11.500 Fahrzeuge pro Tag ihren Weg auf die L560. Nach dem Bau der Umfahrung reduziert sich diese Zahl um rund ein Drittel auf 8.200. Das sagen zumindest die Prognosen der städtischen Experten.

Contra: Lärm und Klima

Sollte die Umfahrung Hagsfeld weiter nördlich in dem Stadtteil realisiert werden, befürchtet Artur Bossert vom Nabu Karlsruhe, dass sie Teil der ehemaligen Nordtangente werden könnte. Wie bei dieser Variante eine Entlastung für die Hagsfelder Bürger und die Menschen aus Rintheim aussehen könnte, dazu fehle ihm noch die Prognose: "Dafür haben wir noch keine verlässlichen Zahlen", so Bossert im ka-news.de-Interview.

Bürgerinfo zur geplanten Ortsumfahrung Hagsfeld
Die Planungen der Umfahrung Hagsfeld wurden im | Bild: Thomas Riedel

Bei beiden Varianten, die die Stadt derzeit vorschlägt, sind Schallschutzmaßnahmen erforderlich: Sowohl bei der Trog- als auch bei der Brückenlösung. Das bestätigt die Stadt Karlsruhe auf Nachfrage von ka-news.de. Bei beiden Varianten wird der Immissionsgrenzwert von 59 Dezibel nicht eingehalten. Der Lärm wird allerdings nicht alleine durch die geplante Umfahrung, sondern im Zusammenspiel mit der Bahn und dem umliegendem Verkehr erreicht.

Artur Bossert vom Nabu Karlsruhe bringt zudem den Begriff "klimatische Auswirkungen" ins Spiel: "Wenn die Straße kommt, dann braucht es auch eine Frischluftschneise, oder man baut die Umfahrung im Stil einer Allee mit vielen Bäumen", erklärt Bossert. 

Pro: Entwicklungen der letzten Jahre machen Umfahrung notwendig

In Zukunft wird sich wohl der Durchgangsverkehr in Karlsruhe in Hagsfeld und Rintheim eher steigern, denn: Der Technologiepark soll erweitert werden und Ikea wird voraussichtlich 2020 in der Fächerstadt seine erste Filiale eröffnen. Dieser Ausblick in die Entwicklungen der nahen Zukunft zeigt, dass gehandelt werden und für das Verkehrsproblem eine Lösung gefunden werden muss. 

Abgase
(Symbolbild) | Bild: pixabay.com © Paulina101

"Tägliche Verkehrsstauungen in den Straßen von Hagsfeld sind mittlerweile Normalität geworden", sagt Thomas Schäffner, Vorsitzender der Bürgerkommission Hagsfeld. "Lärm, Abgase und Dreck beeinträchtigen das Leben in den Durchgangsstraßen, dies alles macht es zwingend notwendig eine Umfahrung von Hagsfeld zu bauen."

Contra: Zu großer Eingriff in die Natur?

Artur Bossert vom Nabu ist definitiv für eine Lösung zum Wohle der Hagsfelder Bürger. "Wir sind prinzipiell für eine Umfahrung, denn die würde eine Entlastung bringen, da der Verkehr hier katastrophal ist", sagt der zweite Vorsitzende des Nabu-Kreisverbandes aus Karlsruhe.

Troglösung Ortsumfahrung Hagsfeld
So könnte die Troglösung, die den Verkehr unter den Bahnschienen hinurchführt, im Landschaftsbild aussehen. | Bild: Mailänder Consult GmbH

Doch dann setzt er das dicke "Aber" an: "Wenn die Variante als Verlängerung von der A5 kommt, dann geht die Trasse durch ökologisch wertvolles Gebiet", sagt er. Hier leben bedrohte Tierarten wie Greifvögel, Schwalben, Zaun- und Mauereidechsen. "Hier ist zudem die Heimat vieler Fledermäuse, denn hier finden sie viele Insekten zum Fressen!"

Fledermaus im Schlosspark
«Batnight» im Schlosspark in Oldenburg 2016. | Bild: Carmen Jaspersen/Archiv

Er bemängelt daher die Untersuchungen, die im Vorfeld der Planungen gemacht wurden: "Die sind für viele Tierarten nicht detailliert genug", so Bossert weiter. "Wir wissen nicht genau, welche Arten betroffen wären und wie der Ausgleich aussehen soll!" 

Über eine Umfahrung des Stadtteils Hagsfeld wird seit Jahren diskutiert: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Südumfahrung im Überblick finden Sie in unserem plus-Artikel!  

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  •   Berty87
    (598 Beiträge)

    10.09.2019 11:40 Uhr
    Besser
    Eine Autobahnausfahrt bei Stuttensee. Weshalb fahren alle durch Hagsfeld. Weil sie nach Stuttensee müssen
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  •   lynx1984
    (3175 Beiträge)

    10.09.2019 14:17 Uhr
    Autobahnausfahrt Stutensee
    wäre in der Tat nicht abwägig dort eine Autobahnausfahrt zu bauen.
    An der L559 ließe sich das gut realisieren. Schon heute besteht dort eine Behelfsauffahrt für Einsatz- und Rettungskräfte. Eine Brücke ist sowieso auc bereits vorhanden. Es müssten lediglich Rampen dort hin. EIN WITZ, wenn man das mal umweltrechtlich betrachtet, sprich die Engergiebilanz dieser Umfahrten, hätte man schon allein aus Umweltschutzgründen eine Abfahrt dort bauen MÜSSEN!
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  •   mueck
    (10822 Beiträge)

    10.09.2019 14:35 Uhr
    !
    Ihr vergesst, dass so eine Autobahnausfahrt zwei Seiten hat.
    In Richtung Westen wäre sie wohl optimal, ja.
    In RIchtung Osten trifft sie aber auf Weingarten und die für mehr Durchgangsverkehr völlig ungeeignete Ortsdurchfahrt nach Jöhlingen rüber.
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  •   Gaensebluemchen
    (526 Beiträge)

    10.09.2019 17:18 Uhr
    Nach Jöhlingen ...
    ... fährt man ja wohl besser via Berghausen, aber halt, da leben und leiden ja auch schon Anwohner ...
    Es wird immer deutlicher: das Problem ist nicht der Verkehr, es sind die Anwohner ...
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  •   mueck
    (10822 Beiträge)

    10.09.2019 13:57 Uhr
    ?
    Von Süden her ist es über den Ostring immer noch eine Idee kürzer, von Norden her Bruchsal runter deutlich kürzer, es muss also von der Autobahn kommend niemand durch Hagsfeld, um nach Stutensee zu kommen.
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  •   lynx1984
    (3175 Beiträge)

    10.09.2019 14:09 Uhr
    Ostring Alternative? Niemals!
    Hallo mueck,
    man merkt dass Sie leidenschaftlicher Radfahrer sind und weniger Autofahrer. Es ist aber tatsächlich so, dass die schnellste Verbinung von der A5 aus Richtung Süden bzw. von der A8 her kommend in die nördlichen Teile durch Hagsfeld hindurch führt. Dazu zählt nicht nur Stutensee, sondern mittlerweile auch Linkenheim -Hochstetten und Eggenstein-Leopoldshafen. Ja auch nach Graben-Neudorf macht es Sinn so zu fahren. Auch der Ostring sowie die Ortsdurchfahrt von Hagsfeld haben aber den Nachteil, dass man direkt die Anwohner belästigen muss. So muss man das sagen. Der Ostring hat aber sehr viel mit Stau zu kämpfen und viele Ampeln. Auch die Südtangente und dann B36 scheidet aus, da es einen permanenten weitreichenden Rückstau von der Rheinbrücke gibt. Dieser Lückenschluss bei Hagsfeld würde dazu führen, dass die Anwohner endlich nicht mehr belästigt werden.
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  •   mueck
    (10822 Beiträge)

    10.09.2019 14:29 Uhr
    !
    Es ging darum, dass man durch Hagsfeld MUSS, um von der Autobahn nach Stutensee zu kommen. Das ist schlichtweg falsch. Wer eventuelle Staus auf der Ostringroute gegen das Gegurke in Hagsfeld tauscht, tut das freiwillig, nicht weil er dazu gezwungen wäre, und fährt dabei sogar noch eine etwas längere Strecke.
    In der Tat wäre, ohne weitere Maßnahmen, die Entlastung des Ostrings sogar größer als die Entlastung Hagsfelds ...
    Im Gegensatz zu Hagsfeld hocken die Anwohner am Ostring aber nicht paar cm neben dem Autoverkehr ...
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  •   schmiedel
    (23 Beiträge)

    10.09.2019 11:37 Uhr
    Wird das nicht...
    ...irgendwann dann der Weg zur zweiten Rheinbrücke? Würde ja nur noch ein Tunnel unter dem Hardtwald fehlen, dann ist die B36 ja nicht mehr weit, und auch eine zweite Rheinbrücke nicht... Es sollen ja bis 2040 keine Verbrenner mehr verkauft werden, irgendwann muss die Politik ja die Straßen schaffen, um die neue Mobilität fahren zu lassen. Radfahrer sind zwar ökologisch sinnvoller, allerdings nicht der Wirtschaftsschub, den Deutschland für die nächsten Jahrzehnte braucht...
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  •   ka25
    (366 Beiträge)

    10.09.2019 11:37 Uhr
    Troglösung find ich OK, Bauen jetzt
    Also die Troglösung für Hagsfeld finde ich ganz Ok . Auch sollte gleich die Nordtangente als Troglösung mit gebaut werden. Im Hardwald werden ja sowieso viele Bäume gefällt. Nach dem Bau der Nordtangente können ja links und rechts neue Klimafeste Bäume im Hardwald gepflanzt werden. Viel wären Glücklich.. Einige nicht.. zwinkern
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  •   samsonsulzbach
    (451 Beiträge)

    10.09.2019 10:42 Uhr
    Schon bei
    der Erwähnung des Begriffs "städtische EXPERTEN" wird mir übel.....
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