Karlsruhe Mehr Unfälle, aber weniger Tote: "Am meisten bereiten uns Senioren auf Pedelecs Sorge, hier stieg die Zahl deutlich an"

Wenn immer mehr Autos und Laster auf den Straßen Deutschlands unterwegs sind, heißt das auch, dass mehr Unfälle passieren können. Nun hat das Polizeipräsidium Karlsruhe (PP KA) die Unfallstatistik für das Jahr 2018 vorgestellt. Mit einem erschreckendem Ergebnis - vor allem in Hinblick auf die Senioren und Radfahrer.

Die Zahlen sprechen eigentlich für sich: 38.489 Verkehrsunfälle haben sich im Zuständigskeitsbereich des Polizeipräsidiums Karlsruhe (PP KA) 2018 ereignet. Das ist ein leichtes Plus im Vergleich zum Vorjahr von 0,1 Prozent. "2017 war ein trüberes Jahr was die Statistik angeht, jetzt sind wir positiver gestimmt", sagt Ralf Gerber, Leiter des Stabsbereich Einsatz bei der Vorstellung der Unfallzahlen. 

Unfallstatistik Polizei Karlsruhe 2018
Martin Plate, Ralf Gerber und Wolfgang Ott bei der Vorstellung der Unfallstatistik 2018 (v.l.): "Jeder Unfall und jeder Tote ist einer zu viel!" | Bild: Any Barros

Vor allem der Blick auf die Zahl der getöteten Verkehrsteilnehmer fällt für das Jahr 2018 etwas positiver auf. Wurden 2017 noch 51 Menschen bei Verkehrsunfällen im Bereich des PP KA tödlich verletzt, waren es im vergangenen Jahr 49 Verkehrsteilnehmer. Das ist ein Rückgang um 3,9 Prozent.

Weniger Unfälle mit Personenschaden

Von den 49 Menschen, die bei Unfällen ihr Leben ließen, waren 18 Pkw-Insassen (-5), zehn Motorradfahrer (-1) und fünf Lkw-Nutzer (+2). Fünf der 18 Pkw-Unfallopfer waren laut Polizei nicht angeschnallt. "Jeder Verunglückte oder Tote ist immer noch einer zu viel", sagt Polizeidirektor Gerber. 

Unfallstatistik Polizei Karlsruhe 2018
Polizeidirektor Ralf Gerber bei der Vorstellung der Unfallstatisitk 2018. | Bild: Anya Barros

Ebenfalls die Zahl der Unfälle, bei denen Menschen zu Schaden kamen, ist rückläufig. Insgesamt nahmen die Beamten des PP KA 4.368 Unfälle auf, das entspricht einem Minus von 1,7 Prozent. "Die meisten Unfälle, die wir aufnehmen, sind Bagatell-Unfälle, der Rest bereitet uns Sorge", so Ralf Gerber weiter. Eine der Hauptursachen für Unfälle mit Personenschaden waren Vorfahrtsmissachtungen, gefolgt von Abbiege- oder Wendesituationen, dann erst finden sich Tempoüberschreitungen oder zu geringer Abstand als Gründe von Unfällen. 

Mehr Radfahrer verunglückt - viele ohne Helm

Die Zahl der verletzten oder getöteten Motorradfahrer stagniert. Hier gab es insgesamt 560 Unfälle (+0,5 Prozent). Dabei wurden 468 Menschen verletzt (+/- 0 Prozent). Ebenfalls wurden mit 10 Kradfahrern ein Fahrer weniger getötet als im Vorjahr (- 9,1 Prozent). "In etwa der Hälfte der Fälle haben die Motorradfahrer den Unfall selbst verursacht, teilweise durch überhöhte Geschwindigkeit, teilweise durch Selbstüberschätzung", erklärt Marin Plate, Leiter der Verkehrspolizeidirektion im Rahmen der Pressekonferenz. 

Unfallstatistik Polizei Karlsruhe 2018
Polizeidirektor Martin Plate bei der Vorstellung der Unfallstatisitk 2018. | Bild: Any Barros

Eine andere Verkehrsgruppe, die auf zwei Rädern unterwegs ist, sticht in der Verkehrsunfallstastik hervor: Radfahrer. Hier musste das PP KA einen Anstieg verzeichnen: Die Zahl stieg von 1.202 auf 1.318 im Jahr 2018. Das macht ein Plus von 9,7 Prozent. Dabei wurden 1.128 Personen verletzt, sieben starben. "Fünf der Verunfallten trugen keinen Helm, zwei der sieben Getöteten waren Pedelec-Fahrer", führt Gerber weiter aus.

Immer mehr Senioren auf Pedelecs - ein Risiko

"Das Thema Pedelec bereitet uns große Sorgen, die Unfälle mit Personenschaden sind von 81 auf 113 gestiegen!" So unterschätzen die Fahrer oft das Tempo der elektrisch unterstützten Räder oder ihre Fähigkeiten, das schwere Fahrrad unter Kontrolle zu halten. "Gerade Senioren, die immer öfter mit einem Pedelec unterwegs sind. In dieser Gruppe stieg die Zahl von 33 verunfallten Radfahrer auf 41, das sind 24 Prozent mehr als im Vorjahr", sagt Martin Plate.

Generell seien Senioren ein gefährdeter Verkehrsteilnehmer. "Aufgrund ihrer Gebrechlichkeit im Alter oder wenn etwa die Wahrnehmung gehandicapt ist", so Gerber. 14 Senioren kamen bei Unfällen im PP KA ums Leben, davon haben laut Statistik elf Menschen den Unfall selbst verursacht. Insgesamt stieg die Zahl der Unfälle mit älteren Personen ab 65 um 2,5 Prozent auf 2.983 (Vorjahr 2.909). 

Rückläufige Zahlen auf der Autobahn, aber mehr Tote

Weniger Unfälle sind 2018 auf den Autobahnen im Bereich des PP KA passiert. So wurden auf der A5 und A8 3.237 Ereignisse von den Beamten aufgenommen (-5,3 Prozent). "Trotzdem bereitet uns das Sorgen, vor allem weil mehr Menschen ums Leben gekommen sind", so Polizeidirektor Plate. Acht Menschen wurden bei Verkehrsunfällen tödlich verletzt (Vorjahr 5, +60 Prozent). "Darunter waren drei Autoinsassen, vier Lasterfahrer- oder -beifahrer sowie ein Beifahrer in einem Reisebus!" Der Hauptunfallgrund, auch wenn es nur Bagatellen waren, waren nicht angepasste Geschwindigkeit oder zu geringer Sicherheitsabstand. 

Tödlicher Unfall auf A8
Bild: Igor Myroshnichenko

Im Stadtgebiet Karlsruhe kommt es immer wieder zu teilweise schweren Unfällen mit Straßenbahnen. Hier ist der Trend rückläufig: 99 Unfälle gab es 2018, 2017 waren es noch 113. Bei den Unfällen kamen insgesamt vier Personen ums Leben (2017 keiner). 

Baustellen in der Innenstadt schuld an Unfällen? 

Einen Zusammenhang zwischen den 11.086 Unfällen, die sich 2018 im Stadtgebiet Karlsruhe ereignet haben zu den zahlreichen Baustellen können die Beamten nicht herstellen. "Wir stellen aber fest, dass sich die Fahrer durch die Baustellen neue Wege suchen. Wenn es Umleitungen gibt, dann ist der Weg nicht mehr routiniert. Dann kommt es zu Unfällen, indem die Vorfahrt nicht beachtet wird", sagt Martin Plate. 

Bild: Thomas Riedel

Auch wenn die Bilanz die Beamten positiv stimmt, "dürfen wir uns nicht darauf ausruhen", weiß Plate. "Wir investieren viel in die Prävention. Oft sanktionieren wir auch, wenn die Verkehrsteilnehmer keine Einsicht zeigen. Denn es ist nicht egal, wie man sich im Straßenverkehr verhält!"

Kontrollen und Aufklärung sind wichtig

So hat das PP KA im letzten Jahr viel kontrolliert - nicht nur auf Geschwindigkeit, sondern auch auf Sicherheitsabstand auf der Autobahn oder ob die Fahrzeuginsassen angeschnallt waren, der Fahrer ein Handy in der Hand hielt oder die Rettungsgasse nach einem Unfall freigehalten war.

"Hier hilft aber nicht nur Prävention, hier müssen wir auch durchgreifen", erklärt Martin Plate. "Nach einem Unfall machen wir immer eine Schwerpunktaktion und insgesamt haben wir 1.627 Verstöße festgestellt und zur Anzeige gebracht!" In 91 der Fälle, in denen die Rettungsgasse blockiert war, wurden Einsatzkräfte klar am Durchkommen behindert. 

Rettungsgasse
Eine Rettungsgasse müssen Autofahrer dann bilden, wenn der Verkehr nur noch mit Schrittgeschwindigkeit rollt oder still steht. | Bild: Holger Hollemann

Auch 2019 werden die Beamten des PP KA im Zuständigskeitsbereich auf Prävention aber auch Kontrolle setzen. "Wir bleiben am Ball, denn das ist wichtig", so Martin Plate und Ralf Gerber abschließend. 

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