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Karlsruhe "Majolika erlebt nun einen Aufbruch": Bürgermeisterin Luczak-Schwarz freut sich über möglichen Investor für angeschlagene Keramik-Manufaktur

Es könnte ein Neustart für die Staatliche Majolika Keramik Manufaktur werden, zumindest wenn es nach der Stadt Karlsruhe und der Majolika Stiftung geht. Denn nach Jahren der städtischen Finanzspritzen hat sich nun ein möglicher Investor gefunden: Die Zeller Keramik Manufaktur aus Zell am Harmersbach, unweit von Offenburg entfernt.

Seit 2011 die Majolika Karlsruhe kurz vor dem Aus stand und eine Stiftung für den Erhalt gegründet wurde, kam die Keramikmanufaktur nicht aus den Schlagzeilen raus. Immer ging es um das Thema der Finanzierung und der Zuschüsse seitens der Stadt Karlsruhe. "Die Majolika ist ein Teil der Stadtgeschichte, das merkt man bei den emotionalen Debatten im Gemeinderat", eröffnet Wirtschaftsbürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz die Pressekonferenz.

Majolika Karlsruhe Pressekonferenz
Bild: Anya Barros

"Bisher war es uns nie ganz gelungen, ein nachhaltiges und zukunftsorientiertes Konzept zu erarbeiten", so die Bürgermeisterin weiter. Das scheint sich nun geändert zu haben und die Zukunft der Majolika wieder gesichert zu sein.

Mehr Mitarbeiter in Karlsruhe könnten eingestellt werden

Der Investor, der sich nun für die Staatliche Majolika samt Gelände am Ahaweg interessiert, hat reichlich Erfahrung in Sachen Keramik: die Zeller Keramik Manufaktur aus dem Schwarzwald. "Es ergaben sich Gespräche mit Ralf Müller, dem Geschäftsführer und da entwickelte sich die Idee, ob nicht eine Neuausrichtung der Majolika mit ihm denkbar wäre", so Luczak-Schwarz weiter.

Bürgermeistern Luczak-Schwarz Majolika
Erste Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz bei der Pressekonferenz im Rathaus zur Zukunft der majolika. | Bild: Anya Barros

Für die Zeller Keramik Manufaktur wäre die Majolika eine Chance, sich zu vergrößern, denn die Nachfrage nach Gebrauchskeramik aus Zell am Harmersbach ist nach wie vor hoch. "In Karlsruhe gibt es teilweise ungenutzte Kapazitäten, warum also nicht zusammenarbeiten", sagt Ulf Tietge, Pressesprecher der Zeller Keramik Manufaktur, bei dem Pressetermin am Mittwoch. Rund 60 Mitarbeiter gibt es am Standort Zell, die Zahl der Mitarbeiter könnte auch in Karlsruhe erhöht werden.

Produktion Keramik Hahn und Henne
Seit über 100 Jahren wird in Zell am Harmersbach die Serie "Hahn und Henne" produziert. Bald könnte auch in der Karlsruher Majolika diese Gebrauchskeramik hergestellt werden. | Bild: Zeller Keramik

Siebenstelliger Betrag allein für Sanierung fällig

Die Traditionsmanufaktur die schon seit 1794 besteht und für ihr Design "Hahn & Henne" bekannt ist, hat nicht nur Interesse, bei der Majolika GmbH einzusteigen, sie vielleicht auch zu kaufen, sondern auch am Grundstück und dem Gebäude im Karlsruher Hardtwald. "Wir müssen das Gebäude allerdings ertüchtigen, es gibt einen Sanierungsbedarf, der ist siebenstellig, davon gehen wir aus", so der Unternehmenssprecher weiter. Über die genauen Kosten und den Kaufpreis kann zur Zeit allerdings nur spekuliert werden. 

Majolika Karlsruhe Pressekonferenz
Ulf Tietge, Unternehmenssprecher der Zeller Keramik Manufaktur, bei der Pressekonferenz. | Bild: Anya Barros

Auch ob die Majolika GmbH überhaupt verkauft wird, oder die Schwarzwälder Keramikmanufaktur nur Teile als Gesellschafter übernimmt, steht noch in den Sternen. "Erst am 20. und 21. November, wenn das Thema im Gemeinderat diskutiert wird, dann können wir in die weiteren Gespräche gehen und Details ausarbeiten", so Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz gegenüber ka-news. Einen genauen Fahrplan, wann und wie Ralf Müller als Investor einsteigen wird, gibt es also noch nicht. "Doch damit erlebt die Majolika nun einen Aufbruch", so Luczak-Schwarz weiter.

Majolika 2016
Der Innenhof der Majolika Karlsruhe. (Archivbild) | Bild: Paul Needham

Marke Majolika soll erhalten bleiben

Sicher ist aber schon jetzt, das betonen Unternehmenssprecher Ulf Tietge und Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz, dass die Namensrechte und die Marke Majolika als solche erhalten bleiben soll. "Nur weil wir in Karlsruhe investieren, machen wir nicht unter jede Tasse das Logo aus Zell!" Auch soll der Name nicht über Lizenzen weiter verwertet werden. 

Majolika 2016
Was in der Staatlichen Majolika produziert wird, kann auch gekauft werden. (Archivbild) | Bild: Paul Needham

Viele Ideen um die Majolika anzukurbeln

Im Hardtwald soll mit dem Einstieg des privaten Investors Ralf Müller ein Keramikzentrum entstehen, das einmalig in Süddeutschland ist. Dafür gibt es auch schon erste Ideen: Eine gläserne Produktion, "um das Unternehmen nahbar zu machen und die Wertschätzung hinter der Handarbeit zu erhöhen", so Unternehmenssprecher Tietge weiter. So soll die Übernahme der Majolika GmbH ein Plus für die touristischen Erlebnisse in der Fächerstadt sein. 

3D-Druck in der Majolika Karlsruhe
Mit Vasen aus dem 3D-Drucker geht die Majolika in die Zukunft. (Symbolbild) | Bild: Reiff

Noch ist die GmbH in Hand der Majolika Stiftung, die auch nach einem Invest oder einer Übernahme bestehen bleibt. Sie soll sich, so die Idee der Stadt, weiterhin um den künstlerischen Teil der Majolika kümmern. Dazu bekommt die Stiftung weiterhin Geld von der Stadt - 300.000 Euro jährlich sind dafür im kommenden Doppelhaushalt vorgesehen. Dieser Betrag könnte dann jedoch schrittweise reduziert werden. 

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Kommentare (11)
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  •   Svetogor
    (240 Beiträge)

    09.11.2018 15:22 Uhr
    .
    Komisch, dass sich immer wieder jemand findet, der bereit ist Geld zu verbrennen. In ein paar Jahren wird man hier ganz sicher wieder von einer Insolvenz sprechen, da geh ich jede Wette ein.
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  •   teflon
    (2562 Beiträge)

    10.11.2018 08:12 Uhr
    Der mögliche Investor
    ist IMO nur an an den Formen interessiert -warum sollte der die baufällige Baracke der Majolika , die ein Fass ohne Boden sein wird, überhaupt wollen? Ich tippe darauf, wenn es überhaupt eine ernsthafte Übernahme geben sollte (was ich bei der "Grösse" des Investors bezweifle) , dann zahlt die Stadt so ziemlich alles und der Investor sichert nur den Weiterbetrieb durch neue Aufträge. Bedeutet: der hochdefizitäre Laden wird ein weiteres Mal aufs Steuerzahlers Kosten "saniert"-bis es dann halt 5 Jahre später wieder knallt, weil man den zu teuer produzierten Kram am Markt vorbei "designt" hat. Was mich nicht staunt, weil eine Luczak-Schwarz genau wie ein Käuflein und andere aus der BM-Riege für sowas komplette Fehlbesetzungen sind.
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  •   DonHasi
    (912 Beiträge)

    09.11.2018 07:51 Uhr
    So viele Ideen
    Ich glaube, für Majolika hätte ich soviel Ideen, ich würde "platzen". Zahlen müsste natürlich nach wie vor die Stadt. Mit 300.0000 Euro ist glaub ich grad das "tägliche Frühstück" für die Mitarbeiter gesichert. Dies bedeutet jeder Karlsruer zahlt momentan für den Erhalt der Majolika nicht mal 1 Euro. Da ist kein "Blumentopf" zu gewinnen. Entweder man entschliesst sich was richtiges zu machen, oder sperrt den "Schuppen" zu.
    Bedeutet dann es wird eine hochwertige Immobilienfläche für die "Besseren" und gut ist.
    Es gibt z.B. die Möglichkeit bei Hochzeiten oder Taufen in und um KA das ganze zum laufen zu bringen.
    Bei Firmenjubilaen, Mitarbeiterjubilaen, Preisausschreiben.
    Ausstellung auf Verbrauchermessen z.B Offerta
    Parkflächengestaltung (z.B Parkhäuser und Parkstreifen verzieren etc.)
    Aber wer zu eitel ist zum Geld verdienen, sollte es vielleicht auch lieber bleiben lassen.
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  •   todi01
    (1076 Beiträge)

    08.11.2018 16:37 Uhr
    Wie es auch ausgeht,
    ich wette, dass die Stadt sich übers Ohr hauen lässt und am Ende auf die eine oder andere Weise schön weiter zahlt. Wenn man schon mit einem Investor verhandelt, dann ist doch die Lösung der Wahl, das ganze Elend für einen symbolischen Euro zu verkaufen und gemütlich abzuwarten, bis der Investor leider, leider, waswillmanmachen den Laden schließt und die Leute rauswirft. Was die Stadt besser schon vor 10 Jahren getan hätte.
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  •   IchKA
    (593 Beiträge)

    08.11.2018 15:11 Uhr
    Wenn Herr Hahn und Henne diese großartigen Gebäudekaufen
    kaufen möchte ist es natürlich ganz wichtig, dass der Sanierungsbedarf sooo groß ist. Bei einer Mietkonstellation auch, denn entweder unsaniert mit günstige Miete, oder die Stadt saniert mit Millionenaufwand. So oder so hat die Firma aus Zell gute Karten mit dem maroden Ding. Ist Tradition nicht auch Kunsthandwerk auf hohem Niveau bis hin zur einer zeitgemäßen Vermarktung, die schon viele Jahre mit den zusammgestrichenen Budgets nicht funktionieren konnte. Da reißt auch ein Herr Goll nichts, der verzweifelt die Lüpertzkunst in die U-Bahn drücken möchte. Bleibt den Karlsruhern zu wünschen, dass dieser(Maler)-Geniestreich an ihnen vorbeigeht.
    Stückzahlen von Hahn und Huhn, also Gebrauchskeramik plus die alte Nijinski und Bambitraditon gepaart mit neuen Wegen einer künstlerischen Moderne könnte funktionieren, wenn man Geld in die Hand nimmt und endlich mal ein kompetentes Management etabliert, das mit Geld ausgestattet wird.
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  •   betablocker
    (3527 Beiträge)

    08.11.2018 18:42 Uhr
    Von dem
    Lüpertzkram hört man gar nichts mehr. Vielleicht ist es ja versandet, um in der Keramiksprache zu bleiben. grinsen
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  •   myopinions
    (903 Beiträge)

    08.11.2018 14:32 Uhr
    ................es gibt wie so oft
    nix Konkretes, aber die Frau Schultes erkennt bereits jetzt einen Aufbruch. Na dann!
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  •   Beiertheimer
    (953 Beiträge)

    08.11.2018 12:58 Uhr
    Nichts genaues weiß man nicht.
    Im Prinzip hätte man sich den Termin sparen könne. Und solange das mit dem 7-stelligen Betrag zur Sanierung nicht geklärt ist sehe da keine Chance.
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  •   chris
    (534 Beiträge)

    08.11.2018 11:57 Uhr
    Majolika
    Blickt man in die Geschichte der Keramikherstellung erkennt man, dass die Majolika früher viel filigranere Keramik hergestellt hat. ab Mitte der 70er kamen dann die "hochgelobten" Künstler. Die Keramikkunst wurde immer grobschlächtiger. Vielleicht sollte man auch mal über die hausgemachten Probleme dieser Majolika sprechen? Schönheit liegt freilich immer im Auge des Betrachters. Ich denke Zell am Hamersbach würde der Majolika gut tun. Bleibt nur zu hoffen, dass die dann auch mal das Majolika Design der letzten Jahrzehnte kritisch begutachten. Rückkehr zum Ursprung könnte ein Anfang sein.
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  •   andip
    (9150 Beiträge)

    08.11.2018 12:12 Uhr
    Schönheit liegt freilich immer im Auge des Betrachters
    Stimmt.
    Aber ob man mit Retrodesign von damals heute wieder ankäme, dürfte ebenso fraglich sein.
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