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Karlsruhe Luca aus Karlsruhe: Model und Mutmacher auf Youtube

Der 22-jährige Karlsruher Luca Kumm ist Youtuber, aber anders als die so genannten "Influencer", denen es hauptsächlich um Mode, Trends und Likes geht, hat er eine Mission: Er möchte den Menschen mit seinen Videos Mut machen, vor allem all jenen, die wie er eine Behinderung haben.

Seit seiner Kindheit leidet Luca an der Augenkrankheit "Retinitis Pigmentosa" (auch "Tunnelblick" genannt). Die Erkrankung, die bei ihm im Alter von sechs Jahre festgestellt wurde, führt in den meisten Fällen zur völligen Erblindung, bis dahin ist der Verlauf der seltenen Krankheit jedoch von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. "In meinem Leben bin ich vor allem Abends eingeschränkt, da ich nachtblind bin. Aber auch mein Gesichtsfeld ist sehr eingeschränkt (30 Grad) was auch zur Folge hat, dass ich Dinge um mich herum kaum oder gar nicht erkenne und somit auch im Alltag Stufen oder sonstige Dinge am Boden nicht sehe. Die Krankheit begleitet mich jeden Tag, im Winter etwas mehr und im Sommer etwas weniger, aber sie ist eigentlich immer spürbar", sagt der Halbitaliener. "Sobald es dämmert, wird es für mich wie schwarz, ich bin abends immer auf Hilfe angewiesen und auch bei dunklen Orten wie beispielsweise Kino. Auch ein Disco Besuch wäre für mich alleine unvorstellbar."

Fußball bei Flutlicht geht nicht mehr

Dennoch hat Luca, der eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration macht, hat Hobbys wie jeder andere Jugendliche. Er spielt gerne Fußball, interessiert sich fürs Modeln und hat seit ungefähr einem Jahr auch einen eigenen Youtube-Kanal. "Bei meiner Leidenschaft, dem Fußball macht sich die Krankheit besonders bemerkbar, da ich im Flutlicht so gut wie nicht spielen kann, da mich das Licht sehr blendet und ich Probleme habe, alles richtig zu erkennen", erzählt Luca, der sich aber von seiner Behinderung nicht entmutigen lassen will. Und genau das möchte er auch anderen Menschen mit seinem Youtube-Kanal vermitteln.

Nicht runterziehen lassen

"Ich möchte mit meinen Videos hauptsächlich bezwecken, dass andere Menschen sehen, dass man sich trotz einer schweren Krankheit niemals runterziehen lassen sollte und trotzdem ein Teil der Gesellschaft ist. Keiner sollte sich anders fühlen, nur weil er krank oder behindert ist", erklärt er seine Motivation, mit seinem Schicksal an die Öffentichkeit zu gehen. "Jeder Mensch ist einzigartig auf seine Weise und ich möchte mit positiven, unterhaltsamen Videos dazu beitragen, dass mehr Menschen diese Sichtweise verfolgen." Sich nicht verstecken und das Leben genießen - Gleichzeitig will er  Menschen zum Lachen bringen, sie ein bisschen von ihrem stressigen Alltag ablenken. Auf die Frage nach dem "Geld verdienen" sagt er: "Zurzeit ist Youtube nur ein Hobby und ich verdiene kein Geld damit, dafür bräuchte man noch eine größere Reichweite. Mein Hobby zum Beruf zu machen wäre natürlich mein Traum, aber die Hauptsache ist, dass es mir weiterhin Spaß machen soll und ich so sein kann wie ich bin." Träumen ist erlaubt, aber Luca hat auch einen Sinn für die Realität: Im Sommer ist er mit seiner Ausbildung fertig, dann hofft er, dass er - zumindst einmal für zwei Jahre - von seinem Arbeitgeber in eine Anstellung übernommen wird.

Youtuber seit einem Jahr

Angefangen hat er mit Youtube vor ungefähr einem Jahr und seither versucht er, jede Woche zwei Videos herauszubringen.  "Ich habe zurzeit 1.100 Abonnenten, was für mich schon sehr viel ist. Es hat sich schon eine kleine aber starke Community bei mir aufgebaut und die wächst von Tag zu Tag, was mich sehr freut", berichtet der Karlsruher nicht ohne Stolz. Auf Youtube zeigt Luca aber auch seine ernste, nachdenkliche Seite, berichtet über seine Krankheit, über verschiedene Therapien, der er - mit der Unterstützung seiner Familie - immer wieder ausprobiert. Die Hoffnung nicht aufgeben, immer nach neuen Wegen suchen - auch das eine Botschaft, die Luca im Internet vermitteln möchte. Natürlich habe er damit auch schon negative Erfahrungen gemacht, erzählt er, aber das sei die Ausnahme.

Kraft und Mut geben

"Das Feedback war von Anfang an immer sehr positiv, was mich sehr gefreut hat. Ich glaube die Menschen haben einfach gesehen, dass ich schon viel mit dieser Krankheit durchgemacht habe und einfach auch ganz offen und ehrlich damit umgehe.  Im Bezug auf meine Krankheit waren die schönsten Reaktionen die, dass Menschen gesagt haben, dass ich ihnen Mut und Kraft gegeben habe." Er berichtet von seinem emotionalsten Erlebnis in den sozialen Netzwerken: "Auf Youtube gab es eine Sache, die mich heute noch beschäftigt. Eine 14-jährige Abonnentin, die jedes Video von mir geschaut hat, wurde schwer krank und ist letztendlich auch verstorben. Über eine gute Freundin von ihr erhielt ich einen Abschiedsbrief, der an mich ging. Als ich diesen Brief las, kamen mir die Tränen, da ich niemals damit gerechnet hätte, einem fremden Menschen so viel zu bedeuten, dass er seine letzten Worte an mich, einen ganz normalen Jungen aus Karlsruhe, richten würden. Das zu lesen machte mich einerseits glücklich aber andererseits auch sehr traurig. Ich denke, das war so der emotionalste und speziellste Moment seit ich Youtube mache."

Luca Kumm auf Youtube

 

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Kommentare (3)
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  •   Prof.Baerlapp
    (479 Beiträge)

    22.05.2017 14:07 Uhr
    Gute Sache
    und weit sinnvoller als das, was so mancher "Blogger" zusammenschreibt.
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  •   Ozeiger
    (1459 Beiträge)

    22.05.2017 10:24 Uhr
    Respekt,
    hört sich mutig an. Alles Gute!
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  •   Crackerjack
    (1418 Beiträge)

    21.05.2017 12:49 Uhr
    Alle Achtung
    Ja Hochachtung und Respekt. Deshalb bin ich auch sicher, dass das Fell ein Kunsthaarfell ist.
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