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Karlsruhe/Bruchsal Lkw-Großkontrolle in Bruchsal: "Über die Hälfte der Fahrzeuge weisen Mängel auf!"

Ein großes Polizeiaufgebot war am Dienstag am Rasthof Bruchsal im Einsatz. Rund 60 Beamte nahmen sich am Vormittag gezielt Gefahrgut- und Abfalltransporter zur Brust und kontrollierten die Fahrzeuge, die Fahrer sowie die Ladung auf ihre Verkehrstauglichkeit. Und wieder mal zeigte sich für die Beamten früh, wie notwendig die Kontrollen sind, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Denn die war bei so manchem Fahrzeug nicht gewährleistet. ka-news hat die Beamten am Vormittag begleitet.

"Über die Hälfte der Fahrzeuge, die wir bisher kontrolliert haben, weisen Mängel auf", erklärt Einsatzleiter Marco Pfirrmann von der Polizei Karlsruhe am Vormittag. Am Ende der Kontrolle wird sich dann gezeigt haben, dass diese erste Einschätzung noch weit übertroffen wird. Auch die heutige Kontrolle bestätigt die Beamten in der Wichtigkeit und Notwendigkeit dieser Kontrollen. Von den 34 kontrollierten Lastwagen waren gerade einmal drei Fahrzeuge ohne Mangel oder Beanstandungen.

Ob mangelhafte Bremsfunktion, verschlissene Reifen, falsche oder gar keine Kennzeichnung der Transportwaren und fehlende Lizenzen. Die eingesetzten Verkehrspolizisten sehen mit ihrem geschulten Auge schnell, wenn etwas nicht passt. Bereits kurz nach Beginn der Kontrolle erwischten die Beamten so einen Transporter, dem bei der anschließenden Kontrolle auf dem Rasthof jegliche Verkehrstauglichkeit abgesprochen werden musste. Defekte Bremsen und eine gesprungene Windschutzscheibe zwangen den Fahrer zum Stehenbleiben.

Erfahrene Verkehrspolizisten im Einsatz 

Generell sei die Beanstandungsquote bei Transportern aus dem europäischen Ausland höher als bei Großspeditionen aus Deutschland, so die Polizei. Dieser Eindruck vermittelt sich den Beamten auch heute. Ein Truck aus Osteuropa wollte von Bayern aus einen Abfalltransport in die Niederlande fahren, doch die Fahrt endet für ihn am Rasthof Bruchsal. Die Polizei stellte bei der Kontrolle fest, dass der Wagen Abfallprodukte vermischt hat, die er nicht hätte transportieren dürfen. Zudem war der Transport falsch gekennzeichnet.

Lkw-Kontrolle am Rasthof Bruchsal
Bild: Lukas Hiegle

Der Großteil der eingesetzten Beamten weist eine große Erfahrung im Bereich der Verkehrs- und Gefahrengutkontrollen auf, erklärt ein Polizeisprecher gegenüber ka-news. Bei den Kontrollen an diesem heißen Vormittag sind rund 60 Beamte von Revieren aus Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz sind beteiligt. Erfahrene Kollegen mit dem nötigen Know-How sind mit dem Motorrad auf der Autobahn unterwegs und sichten entsprechend Fahrzeuge die Gefahrgut oder Abfall transportieren, berichtet ein Sprecher. "Bis ein Lkw gründlich kontrolliert ist, vergeht je nach Größe und Ladung locker eine halbe Stunde", berichtet ein Beamter der Mannheimer Autobahnpolizei. 

Neues Kompetenzteam soll Kontrolldruck erhöhen

Nach einer Sichtung werden die Lkw zur weiteren Kontrolle von den Motorrädern zum Rasthof gelotst und dort in Teams, bestehend aus drei bis fünf Beamten, überprüft. Ein Kollege kümmert sich um die Papiere des Fahrers und des Fahrzeugs, der andere überprüft das Ladegut und die Transportpapiere, wieder ein anderer Beamter begutachtet den technischen Zustand des Fahrzeugs.

Lkw-Kontrolle am Rasthof Bruchsal
Bild: Lukas Hiegle

Ein im Frühjahr vom Innenministerium gegründetes Kompetenzteam im Bereich Gefahrengut- und Abfalltransportkontrolle unter Federführung des Polizeipräsidiums Karlsruhe, sollen Beamte gezielt zu Gefahrgutkontrolleuren ausgebildet werden, um wieder genügend geschulte Polizisten zu haben und so den notwendigen Kontrolldruck in diesem Bereich aufbauen zu können. Insgesamt sind daran Beamte von zwölf Polizeipräsidien in Baden-Württemberg beteiligt. "Die hohe Quote an Beanstandungen, die wir bei Kontrollen verzeichnen, zeigt die Notwendigkeit solcher Kontrollen", erklärt Andreas Bjedov der als Verkehrsreferent im Innenministerium Baden-Württemberg arbeitet.

Sieben Lastwagen mussten auf dem Rastplatz bleiben

Das Fazit am Ende der Kontrolle: Bei sieben Fahrzeugen stellten die Beamten erhebliche Mängel im technischen Bereich und bei der Ladungssicherung, sowie fehlende Erlaubnisse zur Beförderung von Abfällen fest. Die Weiterfahrt wurde untersagt. So waren an einem Lkw mit Anhänger beide Container, die mit Abfall beladen waren durchrostet. Zwei Sattelzüge fielen durch Mängel an der Bremsanlage auf. An einem weiteren Lkw wurden zwei abgefahrene Reifen festgestellt. Nach einem Räderwechsel konnte der Fahrer seine Fahrt fortsetzen. Bei den Beanstandungen handelte es sich hauptsächlich um Verstöße gegen die Lenk- und Ruhezeiten, mangelnde Ladungssicherheit und Verstöße gegen die Gefahrgutverordnung und das Kreislaufwirtschaftsgesetz.

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Kommentare (4)
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  •   Gaensebluemchen
    (523 Beiträge)

    18.07.2018 20:15 Uhr
    Die Mängel der Fahrer ...
    ... werden leider nicht genannt:
    Während der Fahrt mit dem Handy spielen, Film auf dem Laptop gucken, Kaffee kochen oder Fussnägel schneiden, alles alltäglicher Horror ...
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  •   ramius
    (183 Beiträge)

    18.07.2018 12:21 Uhr
    mehr Kontrollen
    Mehr Kontrollen sind dringend notwendig. Sowie höhere Strafen für Firmen und Fahrer.
    Wir müssen dahin kommen, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Kontrolle bei einer LKW-Fahrt bei > 0,5 liegt.
    Erst dann wird da eine Besserung eintreten.
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  •   Mili
    (1273 Beiträge)

    18.07.2018 10:04 Uhr
    Fahrende Zeitbomben
    ...bis es leider wieder Menschenleben kostet.
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  •   myopinions
    (954 Beiträge)

    18.07.2018 09:12 Uhr
    ..............mehr als die Hälfte mit
    Mängeln. Das überrascht mich keineswegs. Permanenter Druck lässt kaum Zeit für regelmäßige Kontroll- und Wartungsarbeiten. Eine Vielzahl von Trucks aus Osteuropa ist ohnehin in schlechtem Zustand. Hinzu kommen häufig übermüdete und daher unkonzentrierte Fahrer.
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