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Karlsruhe Lesen statt Telefonieren: Knielingen verwandelt Telefonzelle in Bücherschrank

Telefonzellen werden im Zeitalter der Mobiltelefone immer seltener gebraucht. Was also tun mit den riesigen Zellen? Der Karlsruher Stadtteil Knielingen hatte eine ganz eigene Idee, wie Telefonzellen zukünftig verwendet werden können: Telefoniert werden kann am Elsäßer Platz in der Zelle nicht mehr. Hier sind seit Freitag Bücher eingeräumt, die jeder kostenlos mitnehmen, lesen und zurückbringen kann.

Er passt unauffällig in das Gesamtbild des Elsässer Platzes. Hoffentlich nicht zu unauffällig, denn der Bücherschrank lebt von den Menschen, die sich Bücher herausnehmen, Bücher einstellen, Bücher teilen. "Wir haben aufmerksam die Entwicklung der Bücherschränke in den anderen Stadtteilen verfolgt", erklärte Matthias Fischer vom Bürgerverein Knielingen bei der Eröffnung. An Lidell- und Werderplatz, in Rintheim und Rüppurr sowie im Zoo gibt es bereits ein ähnliches Exemplar.

Farblich gut an die Haltestelle angepasst

Von Ralph Kunz stammt das fertige Objekt, das nun auf dem Elsässer Platz an der Haltestelle Herweghstraße in Karlsruhe Knielingen steht. "Farblich passt es sehr gut zur Haltestelle", lobte Fischer die Gestaltung in grau und rot. Der Umbau der ehemaligen Telefonzelle in einen Bücherschrank erwies sich als aufwändig. Rund 8.000 bis 10.000 Euro nahm das Projekt in Anspruch, was vermutlich auch an der Elektronik für den Informationsbildschirm liegt. "Das gibt es bisher noch an keinem anderen Bücherschrank."

Kulturamtsleiterin Susanne Asche zeigte sich begeistert von dem Projekt. "Es zeigt wieder einmal deutlich, wie bürgerliches Engagement funktionieren kann", sagte sie anerkennend. Es bedeute viel Arbeit so etwas zu planen, bauen und auch betreiben. Doch es habe sich gelohnt und der Platz sei sehr gut gewählt. "Hier steht man sowieso", stellte sie in Bezug auf die Haltestelle fest. Auch Fischer sieht die Option, dass sich jemand morgens beim Warten auf die Bahn die Zeit mit einem Buch vertreibt.

Auch CDs sollen im Bücherschrank abgelegt werden können. Das einzige, was hier keinen Platz hat, sind Bücher mit nationalsozialistischen oder pornographischen Inhalten. Alle Instruktionen laufen aktuell noch auf dem Bildschirm ein, bis dieser für die Ankündigung von Veranstaltungen in Knielingen genutzt werden kann. Direkt nach der Eröffnung spendeten die rund 30 Anwesenden Bürger des Stadtteils die ersten Bücher. Von schwerer Kost bis hin zu Lexika entstand bereits die erste bunte Mischung.

"Das alles entstand auch vor dem Hintergrund des Karlsruher Kulturkonzepts", erinnerte Kulturamtsleiterin Asche. "Für Kultur in den Stadtteilen sind die Bürgervereine verantwortlich." Sie hoffe, dass die Idee des Knielinger Bürgervereins für viel Zulauf sorgen werde. "Der Schrank soll überquellen vor Büchern", hoffte sie abschließend.

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Kommentare (20)
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  •   andip
    (9872 Beiträge)

    09.12.2013 15:33 Uhr
    Diese
    Idee finde ich gut und auch ich habe beim Lidellplatz noch nie was von Vandalismus an dem dortigen Bücherkasten mitbekommen.
    Aber wozu soll dieser teure Infobildschirm gut sein,der da eingebaut wurde? Um die Ausleiher mit irgendwas oder gar Werbung zu berieseln?
    Im Übrigen,ich bin noch nie krank geworden oder gar tot umgefallen,nur weil ich ein Buch gelesen habe,dass schon wer anders in den Händen hatte. zwinkern
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  •   80er
    (5692 Beiträge)

    09.12.2013 10:27 Uhr
    Wenn das alles gut....
    ....läuft und in jedem Stadtteil ein oder mehrere solcher Bücherschränke eingerichtet worden sind, dann kann man die städt. Büchereien schließen.
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    08.12.2013 21:10 Uhr
    Wenn es gut ankommt,
    dann gibt es doch rein gar nichts dran rumzumeckern. Sicher Vandalismus könnte ein Problem sein, aber bei den zweien die ich kenne (Werderplatz/Lidellplatz) ist so weit ich weiß bisher nichts gravierendes passiert.
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  •   spital8katz
    (1178 Beiträge)

    07.12.2013 19:13 Uhr
    Sehr hygienisch!
    ---
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  •   felino
    (330 Beiträge)

    07.12.2013 18:27 Uhr
    riesig???
    ok.. wenn man sie mit nem handy vergleicht vielleicht. Aber ist riesig echt ein Wort um Telefonzellen zu beschreiben, ich habe die eher recht beengt in Erinnerung zwinkern
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  • unbekannt
    (14337 Beiträge)

    07.12.2013 19:14 Uhr
    nicht nur recht beengt
    sondern auch zerstört und pissig stinkend.
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  •   haku
    (4101 Beiträge)

    07.12.2013 17:27 Uhr
    Das wird jetzt zwar völlig gegen die Vorurteile vieler hier gehen...
    ...aber am Bücherschrank Werderplatz, der schon ziemlich genau drei Jahre dort steht, konnte ich bisher noch nie etwas beobachten, was man als Vandalismus bezeichnen könnte. Natürlich muss sich jemand um den Bestand kümmern, wenn wirklich mal jemand meint, seinen Müll dort ablagern zu müssen. Aber ansonsten läuft das Ding sehr gut. Daher sind die bisherigen Kommentare erstmal wieder der typische Karlsruher Defätismus. Bloß kein gutes Haar an irgendwas lassen, gleich mal prophylaktisch kaputtreden.
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  •   Saturnknight
    (140 Beiträge)

    08.12.2013 17:56 Uhr
    nicht nur am Werderplatz
    Zitat von haku am Bücherschrank Werderplatz, der schon ziemlich genau drei Jahre dort steht, konnte ich bisher noch nie etwas beobachten, was man als Vandalismus bezeichnen könnte.


    Dem kann ich fast nur zustimmen. Ich besuche regelmäßig Bücherschränke, im Karlsruher Umland (und auch auf Urlaubstouren, in ganz Deutschland) und Vandalismus ist eher selten.

    Nur in Bruchsal fehlt manchmal eine der Klappen vorne dran, oder es liegt ein kaputtes Buch auf dem Boden. Oder der eine Satz, der mal mit Edding auf die Seite geschmiert wurden: "Wir sind nicht dumm, wir lesen keine Bücher ..." (und da waren einige Rechtschreibfehler in diesem Geschmiere drin).

    Aber zum Glück ist das eher ne Ausnahme, und man kann wirklich so manchen (besonders antiquarischen) Bücherschatz finden.

    Ich hoffe ich komme bald dazu, mir diese "Telefonzelle" mal näher anzugucken
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  • unbekannt
    (2134 Beiträge)

    07.12.2013 17:55 Uhr
    Die Idee
    an sich finde ich nicht schlecht,für mich wäre es nur nichts da ich gebrauchte Bücher (historisch alte ausgenommen) verabscheue,ist für mich als müsste ich Seconhandunterhosen anziehen,aber nur mein Tick.
    Hoffe nur das die Generation-Smartphone auch noch Paperbooks liest.
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  •   Saturnknight
    (140 Beiträge)

    08.12.2013 17:41 Uhr
    Bücher und Unterhosen?
    Also Bücher mit Unterhosen zu vergleichen finde ich schon etwas seltsam. Gehe ich dann richtig in der Annahme, daß sie auch nie in die Leihbücherei gehen?

    Und von wegen "historisch alte ausgenommen" - neulich habe ich 2 Bücher gefunden, von 1839. Leider nicht im Bücherregal, sondern auf nem Flohmarkt (zusammen für 7€) aber ich hab in nem Bücherschrank auch schon eins von 1898 gefunden. Die gingen dann ja durch noch viel mehr Hände, als ein nicht ganz so altes.
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