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Karlsruhe Leitlinien ins Nichts? Warum Leitsysteme für Blinde für Sehende oft kurios erscheinen und sie nicht im Grünstreifen enden

Wer in seiner Sehkraft eingeschränkt ist und nur Konturen oder im schlimmsten Fall gar nichts mehr sieht, der braucht Unterstützung auf dem Weg durch die Stadt. Die taktilen und kontrastreichen Linien sind sogar gesetzlich geregelt und bei Neu- und Umbauten der Stadt Karlsruhe werden diese Vorgaben auch umgesetzt. Für den Sehenden enden manche Leitlinien allerdings im Nichts. Das kann doch nicht richtig sein, oder?

Ein großes Problem für blinde und sehbehinderte Menschen ist das Zurechtfinden im öffentlichen Straßenraum. Viele Bänke stehen in der Innenstadt, noch fahren die Bahnen durch die Fußgängerzone und Straßen müssen überquert werden. Dafür gibt es im Fall der seheingeschränkten Menschen Leitlinien, die helfen, den Weg durch die Stadt und über Straßen zu finden. 

Behindertengerechter Bodenbelag in der Innenstadt
Mit dem Blindenstock über die taktile Leitlinie. Die Rillen sind in den Stein gefräst, das erleichtert die Orientierung. | Bild: Anya Barros

So wie an der Ecke Gottesauer Straße und Kapellenstraße. Hier, am Zebrastreifen gegenüber des Autohauses, findet sich nach der Umgestaltung eine taktile Leitlinie auf dem Boden."Wo soll uns dieser weiße Pfad hinführen?", macht ein ka-Reporter die Redaktion auf diese Neuerung aufmerksam.

Blinde werden ins Beet geleitet

Und in der Tat, die Leitline endet: im Beet! Kann nicht sein, da muss es sich doch um ein Versehen handeln, denn wer will schon, dass blinde Menschen einfach im Grünstreifen stehen? 

Leitlinie Blinde
Der neugestaltete Fußgängerüberweg an der Gottesauer Straße. | Bild: Ingo Rothermund

Solche Leitlinien wie an diesem Fußgängerüberweg sind, laut Stadt Karlsruhe, eine sichere Querungsmöglichkeit, ebenso wie Fußgängerampeln mit Blindentastern. "In Absprache mit dem Beirat für Menschen mit Behinderung berücksichtigen wir die Vorgaben der DIN-Normen", so die Stadt Karlsruhe auf ka-news-Nachfrage und erklärt weiter: "Wer mit einem Blindenstock unterwegs ist, orientiert sich an der von der Fahrbahn abgewandten Seite des Gehweges, der sogenannten Inneren Leitlinie." 

Leitlinie Blinde Fußgängerüberweg
Der neugestaltete Fußgängerüberweg an der Gottesauer Straße. | Bild: Ingo Rothermund

So ertastet der Blinde Hauskanten oder wie im Fall an der Gottesauer Straße den Fußgängerüberweg. Heißt, dass der sehbehinderte Fußgänger irgendwann auf seinem Weg durch die Stadt an einer der (taktilen) Leitlinien kommt und dieser folgen kann.

Knick in der Leitlinie darf sein

Das klärt allerdings immer noch nicht, warum die abgeknickte Leitlinie scheinbar ohne Sinn im Nichts endet. Auch dafür weiß die Stadt, genauer das Tiefbauamt, die Gründe: "Idealerweise verlaufen die Leitsysteme im rechten Winkel, aber auch Knicke bis 45 Grad sind kein Problem!"

Leitlinie Blinde
Der neugestaltete Fußgängerüberweg an der Gottesauer Straße. | Bild: Ingo Rothermund

Laut Stadt ist es bei der barrierefreien Gestaltung eines Fußgängerüberweges jedoch wichtiger, dass die Leitlinie nicht im "Nichts" beginnt und endet, sondern an der ertastbaren Inneren Leitlinie. "Die richtige Richtung über die Fahrbahn erhalten Menschen mit Blindenstock durch die direkt hinter dem Bordstein liegenden Platten. Deren Rippenstruktur liegt genau in Querungsrichtung und kann gut ertastet werden", heißt es vonseiten der Stadt Karlsruhe gegenüber ka-news. 

Leitlinie Blinde
Der neugestaltete Fußgängerüberweg an der Gottesauer Straße. | Bild: Ingo Rothermund

Dadurch, dass sich blinde und seheingeschränkte Menschen also an den Inneren Leitlinien orientieren, sieht laut Antwort der Stadt "das Kuriosum nur für normalsichtige Menschen so aus, als würden die Linien im 'Nichts' enden!" 

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Kommentare (15)
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  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (1122 Beiträge)

    04.02.2019 18:33 Uhr
    Nochmal eine technische Nachfrage:
    sind die Rillen wirklich "eingefräst" oser sind das doch eher fertig gegossene Platten?

    Wie wäre es ka-news, da mal nachzuhaken und eventuell eine Fertigungsstätte zu besuchen?

    Ich hab da ja bereits eine starke Vermutung und würde diese gerne bestätigt oder widerlegt sehen.
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    04.02.2019 23:10 Uhr
    Da würde
    ich mit nahezu 100%iger Wahrscheinlichkeit davon ausgegehen, dass die so gegossen werden. Also rein ökonomisch war das Fräsen ein ziemlicher Unsinn.
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  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (1122 Beiträge)

    05.02.2019 06:03 Uhr
    Ich weiß,
    aber ich wollte es von ka- news lesen. Irgend wann müssen sie es ja mal lernen.
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  •   andip
    (9538 Beiträge)

    05.02.2019 08:45 Uhr
    Warum sollte ka-news das tun?
    Es geht um das Thema, wie und wo die Leitlinien verlegt werden und nicht darum, wie sie hergestellt werden.
    Auch bei anderen Medien würde zum gleichen Thema nichts dazu kommen.
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    05.02.2019 11:11 Uhr
    Sieht so
    aus als wäre einfach der Artikel angepasst worden. Von Fräsen steht da jetzt nämlich nichts mehr.
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  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (1122 Beiträge)

    04.02.2019 18:28 Uhr
    Ich finde diese taktilen Spuren faszinierend.
    Die spürt man sogar noch durch die Schuhsohlen und sehen cool aus. So ein bissel wie früher mit dem Legobaukasten.

    Dass eine so recht einfache Maßnahme den Seheingeschränkten im täglichen Leben hilft, macht es nur noch besser.
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  •   Route66
    (1715 Beiträge)

    04.02.2019 14:46 Uhr
    Was sagen
    eigentlich die Betroffenen dazu, dass die Leitlinien im Beet enden?
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    04.02.2019 13:50 Uhr
    Ich glaub
    die Meinungen darüber was hohe Schuhe sind gehen etwas auseinander. grinsen
    Also die aufm Bild eher nicht, das ist halt e bissle Absatz.
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  •   Svetogor
    (322 Beiträge)

    04.02.2019 11:41 Uhr
    ?
    Blind und mit Stöckelschuhen? Ist das ein Fake-Bild?
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  •   barrosa
    (40 Beiträge)

    04.02.2019 11:44 Uhr
    Nein, ist es nicht...
    ...die Dame auf dem Bild hatte tatsächlich hohe Schuhe an, als wir uns im Sommer in der Stadt getroffen haben. Durch ihren Blindenstock bewegt sie sich sehr sicher und warum dann als Frau nicht mal hohe Schuhe anziehen? Immerhin lernt man ja, mit dem Stock umzugehen sich mit sicheren Schritten durch das Leben und die Stadt zu bewegen.
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