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Karlsruhe/Eggenstein-Leopoldshafen Lager im Hardtwald: Atommüll bleibt bis in die 2060er-Jahre in Karlsruhe

Noch bis in die 2060er-Jahre werden bei Karlsruhe radioaktive Abfälle gelagert. Eigentlich sollen sie rund einen Kilometer unter die Erde, tief hinab ins Bergwerk "Konrad" in Niedersachsen. Doch das ist noch nicht fertig - bis aller radioaktiver Müll aus Karlsruhe abtransportiert sein wird, werden noch Jahrzehnte vergehen.

Abgekapselt von der Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen bei Karlsruhe liegt der Campus Nord des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Rings herum ist Wald, betreten darf das Gelände nur, wer eine Genehmigung hat. Und das hat einen Grund: Denn dort wird nicht nur geforscht, sondern mitten auf dem Campus werden auch radioaktive Abfälle gelagert. 

Lagerung des radioaktiven Abfalls in Containern.
Lagerung des radioaktiven Abfalls in Fässern. | Bild: Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe GmbH

Früher befand sich hier ein Zentrum für Kernforschung (gegründet 1956) mit eigener Wiederaufarbeitungsanlage (WAK): Die Versuchsanlage sollte die wissenschaftlichen Grundlagen für den Betrieb einer damals geplanten kommerziellen Wiederaufarbeitungsanlage im bayerischen Wackersdorf liefern.

Seit über 25 Jahren werden Reaktoren zurückgebaut

1989 wurde das Projekt gestoppt, 1991 der Rückbau beschlossen. Für unter anderem einen Forschungsreaktor, einen Mehrzwecksforschungsreaktor und flüssigem radioaktiven Abfall (HAWC) aus der Wiederaufarbeitungsanlage musste eine Lösung gefunden werden. Die "Atomsuppe", wie der flüssige Abfall genannt wird, wurde eingeschmolzen in das Zwischenlager in Lubmin nahe Greifswald transportiert. 

Der Stand des Rückbaus ist von Anlage zu Anlage unterschiedlich. "Der WAK-Rückbau soll bis Mitte der 2030er-Jahre, der des Mehrzweckforschungsreaktors bis Mitte 2020er-Jahre, der des Forschungsreaktors 2 erst Anfang der 2040er-Jahre abgeschlossen sein," so die für den Rückbau verantwortliche Firma. Die gewünschte "grünen Wiese"  ist derzeit noch weit entfernt. 

Wieso dauert das so lange? Die ausgedienten Anlagen im Norden der Stadt seien einzigartig, so die KTE. Daher sei der auch der Verlauf des Rückbaus schwer vorherzusehen. "Aus Erfahrungen anderer Projekte kann kaum zurückgegriffen werden", sagt Peter Schira von der Kerntechnischen Entsorgung Karlsruhe (KTE).

Lagerung der radioaktiven Abfälle in Containern.
Lagerung der radioaktiven Abfälle in Containern. | Bild: KTE

Während der hochradioaktive Müll vom Rückbau bereits abtransportiert wurde, lagert der schwach- und mittelradioaktive Müll weiterhin auf in den Hallen auf dem Campus Nord der Universität. Es soll ein Zwischenlager sein, bis das Endlager - Schacht "Konrad" in Niedersachsen - fertig ist. Das sollte schon eigentlich 2013 der Falls sein - jetzt wird es 2027. Bis dahin bleibt der Müll in Karlsruhe und das führt zu Platzproblemen: Wohin mit dem ganzen Müll? 

Wohin mit dem ganzen Atommüll?

Bereits 2015 beschloss daher die Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe GmbH (KTE), die den Rückbau leitet, zwei neue Lagerhallen zu bauenDie neuen Hallen werden bis 2021 errichtet - mit ihnen soll die Lagerkapazität auf rund 100.000 Kubikmeter steigen.

Eine der beiden neuen Lagerhallen am Campus Nord.
Eine der beiden neuen Lagerhallen am Campus Nord. | Bild: Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe GmbH

Im Moment lagert rund 70.000 Kubikmeter strahlendes Material im Zwischenlager in Karlsruhe. Der Großteil davon stammt aus dem Rückbau der dortigen Anlagen. Doch auch radioaktiver Abfall aus Medizin und Industrie wird dort hingebracht, denn das Zwischenlager ist die Landessammelstelle Baden-Württembergs. 

Hochradioaktives Material lagert im Norden der Stadt allerdings nicht und das wird auch im Zuge der Erweiterung des Zwischenlagers so bleiben. Eine der neuen Hallen ist für schwachradioaktiven, die andere für mittelradioaktiven  Abfall ausgelegt. 

Wie sicher lagert der radioaktive Müll?

Die beiden neuen Hallen werden die alten nicht ersetzen, sondern parallel betrieben. "Die Sicherheitsbestimmungen sind dieselben, dennoch gibt es bauliche Unterschiede, da die behördlichen Anforderungen sich inzwischen geändert haben", so Peter Schira.

Lagerung der radioaktiven Abfälle in Containern.
Lagerung der radioaktiven Abfälle in Containern. | Bild: KTE

Grundlegend lagert der Müll in den neuen Hallen sicherer: Die Lagerhallen sind laut KTE  gegen Katastrophen geschützt. Ob Brand, Blitzschlag oder Erdbeben, all das kann laut dem Sicherheitsbericht den neuen Lagerhallen nichts anhaben. Das Gebäude, in dem künftig die mittelradioaktiven Abfälle gelagert sind, soll sogar einem Flugzeugabsturz standhalten.

Sollte der unwahrscheinliche Fall einer unvorhergesehene Katastrophe eintreten, wird im Radius von vier Kilometern um die Anlage evakuiert.  Die Anwohner werden per Lautsprecher informiert und müssen sich bevorzugt im eigenen Auto in Sicherheit bringen. 

Endlager ist gefunden - doch der Atommüll bleibt

Mit diesen Szenarien muss sich die KTE noch einige Jahre beschäftigen:  Solange bis das der Schacht "Konrad" 2027 fertig ist. Der Eröffnungstermin von Schacht Konrad in Salzgitter sollte ursprünglich schon 2013 sein, wurde aber mehrfach verschoben. Schuld waren unter anderem langwierige Prüfverfahren. 

Ist das Endlager in Salzgitter fertig, kann der Abtransport beginnen. Er wird erneut viel Zeit in Anspruch nehmen. "Die zuständigen Behörden rechnen mit einer Abgabedauer von 30 bis 40 Jahren", sagt Peter Schira von der Kerntechnischen Entsorgung Karlsruhe (KTE), die das Zwischenlager betreibt. "Am Standort Karlsruhe werden demnach mindestens bis in die 2060er Jahre radioaktive Abfälle gelagert."

Hintergrund:

Bei den Entsorgungsbetrieben der KTE lagern im Wesentlichen Abfälle, die beim Betrieb und Rückbau der Forschungsreaktoren und der Wiederaufarbeitungsanlage auf dem Gelände des heutigen Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) Campus Nord angefallen sind. Dort wurde vor allem von den 1960er bis zu den 1980er Jahren für die gesamte Bundesrepublik Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Kerntechnik betrieben.

2018 waren bereits mehr als 90 Prozent des zur Verfügung stehenden Zwischenlagervolumens für schwachradioaktive Abfälle ausgenutzt. Das Volumen für mittelradioaktive Abfälle ist nahezu vollständig belegt. Damit der Abbau der Anlagen nicht ins Stocken gerät, werden bis zum Jahr 2020 zwei neue Lagergebäude gebaut, die die Lagerkapazität für die beim Rückbau anfallenden radioaktiven Abfälle am Standort auf fast 100.000 Kubikmeter erhöhen.

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  •   bergdoerfler
    (1665 Beiträge)

    18.11.2019 12:49 Uhr
    Bei den Windkraftgegenern im Keller lagern
    und mit der Restwärme deren Strom erzeugen.
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  •   Iglaubsnet
    (792 Beiträge)

    18.11.2019 17:55 Uhr
    Warum nicht,
    hält Grüne Klimalügner fern!
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  •   schmidmi
    (2722 Beiträge)

    19.11.2019 08:35 Uhr
    Dann hoffe ich mal
    dass Sie einen großen Keller haben, den Sie ja gerne zur Lagerung zur Verfügung stellen wollen!
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  •   melotronix
    (3272 Beiträge)

    19.11.2019 07:49 Uhr
    welch
    sinnfreier Kommentar!
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  •   schmidmi
    (2722 Beiträge)

    18.11.2019 13:34 Uhr
    Jo
    !
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  •   bingobongo
    (427 Beiträge)

    18.11.2019 09:28 Uhr
    Atomkraft ist ja soooo billig
    Viele Grüße an die Atomlobby.

    Atomkraft ist billig, wenn man den Dreck grad irgendwo verbuddeln kann (wie es Rußland und die USA machen).
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  •   Berty87
    (871 Beiträge)

    18.11.2019 07:11 Uhr
    Wusste
    Gar nicht das Karlsruhe ein Atommülllager hat
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  •   NeoTiger
    (725 Beiträge)

    18.11.2019 21:00 Uhr
    Das "Forschungszentrum Karlsruhe" hießt nicht umsonst mal "Kernforschungszentrum Karlsruhe". Bis 1991 standen da Forschungs- und Prototypenkernreaktoren. Und die produzieren das Zeug halt.
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  •   zahlenbeutler
    (1577 Beiträge)

    18.11.2019 11:39 Uhr
    ich dachte
    auch, dass das in der Sondermülldeponie Rheinhafen verbrannt wird, das bißchen Atommüll und wenn es schon gespalten ist, ist doch kein Problem, die Müllarbeiter haben doch Arbeitskleidung an
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  •   Kojak
    (505 Beiträge)

    18.11.2019 12:23 Uhr
    Ach so,
    ist das kein Hausmüll?
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