182  

Karlsruhe Krippenwagen vom KVV ausgeschlossen: Wie ein Kinderwagen Karlsruhe bewegt

Sie sind rund 1,8 Meter lang, 75 Zentimeter breit und etwa einen Meter hoch: Krippenwagen, auch Kinderbusse genannnt, die meist von Kindergärten zur Beförderung von Kleinkindern benutzt werden. Doch seit Mitte März war an der Bahn- und Bustür mit der Beförderung Schluss: Der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) sperrte die Gefährte aus. Zu groß und nicht kippsicher seien die Krippenwagen. Nachdem nun Eltern und die Karlsruher Parteien Sturm liefen, überdenkt der KVV seine Entscheidung nochmal.

Stein des Anstoßes war eine "Information" des KVV, welche Mitte März in den Kindergärten der Fächerstadt verteilt wurde. Was dann geschah, damit habe der Geschäftsführer des KVV, Alexander Pischon, nicht gerechnet: "Die Kritik auf breiter Ebene hat uns überrascht", sagt er nun Mitte April in einer Pressemeldung. Im Mittelpunkt des Konflikts stehen Krippenwagen, also ein Gefährt, mit dem bis zu sechs Kleinkinder transportiert werden können - oder eben auch nicht.

Denn das ist es, was viele Eltern und Kindergärten mit Unverständnis zurücklies: In der Information in den Kitas verkündete der KVV, dass künftig keine Krippenwagen mehr mit dem Karlsruher Nahverkehr befördert werden. Es gebe keine geeigneten Stellflächen dafür - weder in den Bussen und noch in den Bahnen. Zudem sei die Kippsicherheit nicht gewährleistet. Vielmehr sollen die Kindergärten auf normale Kinderwagen ausweichen, "deren Mitnahme selbstverständlich erlaubt ist".

"KVV diskriminiert kleinste Bürger"

In einer Nachricht an die ka-news-Redaktion lässt die Mutter Katja Thiele ihrem Ärger freien Lauf: "Gerade die kleinsten Bürger der Stadt Karlsruhe sehe ich an dieser Stelle diskriminiert. Die Kinder sind auf das Transportmittel Krippenwagen angewiesen und werden nun vom ÖPNV ausgeschlossen. Das können wir als Eltern nicht hinnehmen."

Wenig später fand das Thema dann auch in der Politik Fürsprecher: "Der KVV verbannt Krippenwagen aus seinen Bahnen. Das Unverständnis für dieses überraschende Verbot ist groß. Gerade mit Blick auf die bevorstehende Freiluftsaison, in der viele Kitas Ausflugsziele in der Stadt und Umgebung ansteuern möchten", so die KULT-Fraktion in einer Pressemeldung. Später meldet sich die SPD in Karlsruhe mit einem Brief an die KVV-Geschäftsführung zu Wort, gefolgt von einer Pressemeldung der Grünen. Der Tenor: Das Verbot müsse dringend überdacht werden.

Petition und öffentliche Kritik trägt Früchte

Einen Kompromiss forderten auch viele Karlsruher in einer Onlinepetition: Immerhin rund 2.100 (Stand Freitagabend) unterschrieben digital die Forderung, die Krippenwagen künftig wieder im Karlsruher  Nahverkehr zu dulden. Die Proteste scheinen nun von Erfolg gekrönt zu sein, wie eine weitere Pressemeldung zu dem Thema am Freitagabend zeigt.

Dieses Mal ist es der KVV selbst, der sich zu Wort meldet: "Nachdem in den vergangenen Wochen von Seiten der Öffentlichkeit vermehrt Kritik an dieser Entscheidung laut geworden war, trafen sich am Donnerstag Alexander Pischon, Geschäftsführer des KVV, Jonas Nees, Leiter des Kinderbüros der Stadt Karlsruhe, und Eray Dag vom Gesamtelternbeirat der AWO-Kindertagestätten und Gesamtelternbeirat Karlsruher Kindertageseinrichtungen, zum gemeinsamen Austausch über das Thema."

Alternativkonzept ist noch offen

Das Ergebnis des Gesprächs dürfte viele Eltern und Kindergärtner etwas beruhigen: "Im Verlauf der kommenden Wochen soll nun in engem Austausch zwischen dem Verkehrsverbund, den Verkehrsbetrieben Karlsruhe sowie dem Kinderbüro der Stadt Karlsruhe und dem Gesamtelternbeirat geprüft werden, durch welches Alternativkonzept der Transport von Krippenwagen künftig ermöglicht werden kann", heißt es in der KVV-Meldung weiter. Wie diese Alternative aussehen wird, lässt der KVV noch offen. Man werde aber die Öffentlichkeit informieren, sobald das Konzept steht.

Bis dahin wollen die Eltern aber weiter auf den Missstand aufmerksam machen: Sie kündigen für den 2. Mai ab 15 Uhr einen Demonstrationszug vom Gottesauer Platz zum Schlachthof an.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (182)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Soso
    (45 Beiträge)

    02.05.2018 13:25 Uhr
    @Gast68
    Bravo, da haben Sie sich ja richtig Zeit genommen. Können Sie Ihre Kreativität mit ein zwei Beispielen untermauern? Also wo werden in der Diskussion hier Ältere beleidigt bzw. deren Rechte verletzt?
    Da wäre ich dankbar. Wenn ich hier jemand persönlich angegriffen bzw. beleidigt habe, werde ich mich dafür entschuldigen. Wenn Sie mir die Stellen zeigen, mache ich mir auch die Mühe und liste Ihnen Beleidigungen gegenüber Kindern auf.
    Das dauert allerdings nicht so lang.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   maehdrescher
    (1198 Beiträge)

    01.05.2018 21:18 Uhr
    Sie sprechen
    andauernd von Kompromiss.

    Wenn man aber Ihre Kommentare liest, dann sind das Maximalforderungen. Bis hin zur Forderung, doch Sitzreihen aus den Bahnen auszubauen, damit Ihre riesigen Wagen reinpassen. Wer also ist hier der/die Egoist*÷_In?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Soso
    (45 Beiträge)

    01.05.2018 21:28 Uhr
    Machen Sie
    doch einmal einen konstruktiven Vorschlag.
    Der Vorschlag mit den Sitzreihen kommt von mir. Und wenn Sie alles gelesen hätte, schreibe ich auch, dass die Ausflüge der Kitas mit den Bahnen reduziert und abgestimmt werden könnten. Maximal ist also schon was anderes. Ich sage auch, dass man nicht alle Wägen zulassen muss. Die 8 Sitzer sind sicher zu groß. Aber das komplette Verbot ohne Alternative und Zeitplan für eine andere Lösung. Das kann es nicht sein. Also was ist ihr Vorschlag?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   maehdrescher
    (1198 Beiträge)

    01.05.2018 21:41 Uhr
    Wieso sollte
    ich einen Vorschlsg machen? Es ist doch Ihre Petition, schon vergessen?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   LJ_Skinny
    (205 Beiträge)

    29.05.2018 14:09 Uhr
    Typisch Großmaul eben....
    Wenn man was kritisiert, sollte man mehr liefern als nur dagegen zustimmen. Denn das ist einfach und kann jeder.
    Wenn man dann sogar noch Alternativen nennnen kann, dann macht eine Diskussion sogar durchaus Sinn.

    Aber nach dem Grundsatz "du bist doof" wird man sich nicht weiter entwickeln können.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Sunnies
    (26 Beiträge)

    01.05.2018 21:45 Uhr
    Konkret!
    Jetzt wo es konkret wird, geht Sie das alles nichts mehr an.

    Und um die Diskussion auf eine sachliche Ebene zu bringen: Die Petition ist vom Elternbeirat der Kita Siekids Villa Pusteblume.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Sunnies
    (26 Beiträge)

    01.05.2018 21:27 Uhr
    Ja!
    Ja, auch für diesen unsachlichen Kommentar schäme ich mich. Miteinander, nicht Gegeneinander.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   stoersender
    (1314 Beiträge)

    01.05.2018 18:02 Uhr
    Schaut euch mal an
    wie unfreundluch und vorwitzig die Bollerwageneltern hier in der Diskussion auftreten. Da kann man sich gut vorstellen, wie der KVV angemotzt wird.

    Falls jemand vom KVV mitliest: Sie sehen ja, dass nur eine Minderheitsmeinung ist. Lassen Sie sich von denen nichts vorschreiben!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (960 Beiträge)

    01.05.2018 16:23 Uhr
    Anderswo, z.B. beim Ver­kehrs­ver­bund Groß­raum Nürn­berg
    ist ganz klar geregelt:
    In der Regel sind nur Sachen mit einem Platzbedarf bis zu 0,4 qm zugelassen. In Bussen und Stra­ßen­bahnen sind aus Si­cher­heits­grün­den insbesondere größere und die Fahr­gäste gefährdende Ge­gen­stän­de grund­sätz­lich von der Be­för­de­rung aus­ge­schlos­sen (z. B. Kinderkrippenwagen).
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Sunnies
    (26 Beiträge)

    01.05.2018 16:47 Uhr
    Schlechte Entscheidung
    Nur weil das von den Nürnbergern eine schlechte Entscheidung ist, muss diese doch nicht übernommen werden. Und ja, diese Kinder werden benachteiligt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 7 .... 18 19 (19 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.