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Karlsruhe Krematorium baut aus: Feuerbestattung in Karlsruhe immer beliebter

Für Angehörige ist die Art und Weise wie ein Verstorbener beigesetzt wird von hoher Bedeutung. In Karlsruhe wird die Feuerbestattung neben der traditionellen Erdbestattung mit über 5.000 pro Jahr immer beliebter. Um diese Zahl zu stemmen, wurde das Krematorium auf dem Hauptfriedhof nun um eine dritte Ofenlinie erweitert.

Das Verfahren der Einäscherung wurde in der Fächerstadt schon vor über 100 Jahren erstmals durchgeführt - das stadteigene Krematorium auf dem Karlsruher Hauptfriedhof wurde 1997 eröffnet. Das heißt, schon seit mittlerweile zwanzig Jahren stehen in diesen Räumen zwei bis heute aktive Öfen. Sie wurden damals für zirka 2.500 Personen pro Jahr ausgelegt - das ist, wie Bürgermeister Klaus Stapf am Freitag bei einem Pressetermin vor Ort mitteilt, für heutige Verhältnisse allerdings zu wenig.

Deswegen wurde jetzt - nach rund einem Jahr Bauzeit und drei Monaten erfolgreichen Probelauf - eine neue dritte Ofenlinie auf dem Krematorium in Betrieb genommen. Neben dem neuen Ofen, der nicht nur energieeffizienter, sondern auch mit einer Breite von etwas mehr als einem Meter größer ist, bietet das Krematorium den Angehörigen jetzt auch einen ganz neuen Service: Im sogenannten "Abschiedsraum" können diese sich in einer "intim abgeschlossenen Atmosphäre gut auf die Einäscherung vorbereiten", erklärt Hermann Landgräber vom Karlsruher Architektenbüro archis, das für das neue Krematorium zuständig war.

Über Brennkammer zum Aschekasten

Doch wie funktioniert so eine Einäscherung im Krematorium Karlsruhe? Die verstorbene Person wird in einem Holzsarg auf der Erdgeschossebene in den Etagenofen und damit in die Hauptbrennkammer eingefahren. Bei ungefähr 1.000 Grad erfolgt die Verbrennung. Anschließend gelangt die dabei entstandene Asche über verschiedene Etagen ins Untergeschoss des Krematoriums.

Solche verschiedenen Ebenen dienen vor allem der vollständigen Verbrennung und der anschließenden kompletten Auskühlung der Asche. Insgesamt dauert die Feuerbestattung ungefähr 70 Minuten. Das erklärt Thomas Bück, der Geschäftsführer von AWIPLAN-PPD, einem Ingenieurdienstleister aus Filderstadt, der den neuen Ofen für Karlsruhe herstellte, am Freitag. Wie Bück weiter erläutert, werden entstandene Gase mehrmals gefiltert bevor diese an die Umwelt abgegeben werden. Nachgebildete Körperteile, wie künstliche Gelenke oder Goldzähne, die nicht verbrannt werden können, werden zum Schluss ausgefiltert und für soziale Zwecke gespendet.

So gelangt ein Sarg in die Hauptbrennkammer

ka-news Hintergrund:

In Karlsruhe steigen die Einäscherungszahlen im stadteigenen Krematorium stetig an. Doch dies war nicht immer so. Im frühen Mittelalter, genauer im Jahr 785, wurden Feuerbestattungen unter Karl dem Großen verboten, kamen sie doch nur als Strafe für Verbrecher oder solche, die dafür gehalten wurden, in Betracht. Stützen konnte man sich dabei auf biblische Überlieferungen: Im Alten Testament wurde die Feuerbestattung als schwere Schande angesehen.

Bis in die Neuzeit hinein blieb diese Überzeugung bestehen. Erst Mitte des 19. Jahrhundert trat angesichts des rapiden Bevölkerungswachstums ein Sinneswandel ein: Die Seuchenausbreitung wurde begünstigt und der Platz auf Friedhöfen wurde rar. Mediziner und "Feuerbestattungsvereine" rieten deshalb zu hygienischeren Feuerbestattungen. Eine offizielle Anerkennung der Einäscherungen durch die Kirche blieb jedoch aus – bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil.

Bei der großen Bischofsversammlung trat die große Kehrtwende ein. Am 5. Juli 1963 wurde die Feuerbestattung von dem Heiligen Offizium unter Papst Paul VI. Offiziell anerkannt. In Karlsruhe gibt es diese Bestattungsart allerdings schon etwas länger. Seit 1904 wird die Kremation hier schon praktiziert.
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Kommentare (13)
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  •   Rambazamba
    (348 Beiträge)

    01.10.2017 17:53 Uhr
    Noch mehr Faktoren
    "Üblicherweise ist die Erdbestattung insgesamt teurer als die Feuerbestattung. Dabei bezieht sich der Vergleich auf eine Urnenbestattung, also die Beerdigung der Asche auf einem Friedhof. Grund für die höheren Kosten der Erdbestattung sind die Friedhofsgebühren und häufig ein teurerer Sarg. Die Grabstelle für die Beerdigung eines Sarges ist größer und kostet dementsprechend mehr. Der Sarg muss außerdem der Erdlast standhalten und ist daher stabiler gebaut als ein Verbrennungssarg, der in der Regel für die Feuerbestattung genutzt wird. "
    Geld spielt auch beim letzten Gang eine Rolle und ist somit bestimmt auch ein Faktor für mehr Feuerbestattungen.
    @yokohama: kann ich nur zustimmen.
    Aber es gibt zum Glück Alternativen zum herkömmlichen (wie ich finde "ungemütlichen") Friedhof: Friedwald
    Dort ist es wirklich schön und man kann sich jetzt schon "seinen" Baum aussuchen.
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  •   Rambazamba
    (348 Beiträge)

    01.10.2017 17:54 Uhr
    Link
    https://www.friedwald.de/standorte/rheinau/

    Link scheint nicht zu funktionieren.
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  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (1122 Beiträge)

    01.10.2017 06:39 Uhr
    Krematorium ...
    Auch so ein Wort, gegen das die aufrechten und anständigen Bürger*innen Sturm laufen sollten.
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  •   ka-lex
    (1636 Beiträge)

    30.09.2017 20:45 Uhr
    "Feuerbestattung in Karlsruhe immer beliebter"
    Ja, ich nutze das Angebot auch gerne, aber nicht so oft.
    Es wird schon verdammt heiß, wenn man da drin liegt!
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  • unbekannt
    (960 Beiträge)

    30.09.2017 21:56 Uhr
    Schon mal ausprobiert? ;-)
    .
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  •   yokohama
    (3367 Beiträge)

    30.09.2017 19:31 Uhr
    Wer möchte
    sollte die Urne seiner Angehörigen mit nach Hause nehmen dürfen, wie es auch in anderen Ländern möglich ist. Dort aufbewahrt in einer Vitrine oder auf einem kleinen Altar oder im Garten bestattet, ist der Verstorbene seinen Lieben näher als auf einem zugigen Friedhof. Viele mögen die Atmosphäre der heutigen Massenfriedhöfe nicht.
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  • unbekannt
    (960 Beiträge)

    30.09.2017 21:55 Uhr
    Stimme Ihnen voll zu.
    Es ist unzumutbar, dass selbst nach Ablauf der Frist in der Krematorienmauer, man seine Angehörigen nicht nach Hause holen darf. Stattdessen werden sie nach Ablauf der Zeit in einem Massengrab entsorgt. Ja! Entsorgt!
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  •   andip
    (9692 Beiträge)

    02.10.2017 08:48 Uhr
    Auch bei Erdbestattungen
    im Sarg werden dessen Überreste nach Ablauf der Zeit wieder "entsorgt".
    Wurde im übrigen schon immer gemacht, denn irgendwann ist jeder Friedhof voll.
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  • unbekannt
    (960 Beiträge)

    02.10.2017 08:55 Uhr
    Unterschied
    Eine Urne kann man daheim, wie bereits von yokohama beschrieben, aufbewahren. Mit ausgegrabenen Knochen hätte ich allerdings so meine Probleme.
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  • unbekannt
    (960 Beiträge)

    01.10.2017 23:04 Uhr
    Kolombarienmauer
    muss es natürlich heißen.
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