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Karlsruhe Krank und arm: Medizinische Hilfe für Obdachlose in Karlsruhe

Die "Tür", eine Tagesstätte für wohnungslose Menschen in Karlsruhe, eröffnet noch in diesem Winter ein neues Behandlungszimmer für Obdachlose. Ab dann können sie sich dort von Ärzten einmal in der Woche kostenlos untersuchen lassen. In zwei weiteren Karlsruher Tagesstätten sind auch Untersuchungszimmer geplant. Ermöglicht werden sie von den Karlsruher Rotary-Clubs. Denn auch Menschen am Rande der Gesellschaft, haben ein Recht auf ausreichende medizinische Versorgung.

"Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass sich die medizinische Versorgung von wohnungslosen Menschen als sehr schwierig gestaltet", sagt Uwe Enderle, Leiter des Tagestreffs "Tür" in der Kriegsstraße, im ka-news-Gespräch. Wohnungslose Menschen würden vom regulären Versorgungs- und Gesundheitssystem häufig nicht erreicht. Hierfür seien zwei Gründe ausschlaggebend: Zum einen seien die finanzielle Hürden für eine Behandlung hoch, zum anderen verhindere häufig Scham den Gang zum Arzt.

Aus Scham nicht zum Arzt

So seien viele Wohnungslose, da sie Arbeitslosengeld II beziehen, krankenversichert, allerdings könnten sie sich anfallende Zuzahlungen für Medikamente und die Praxisgebühr oft nicht leisten. Wenn die Obdachlosen Arbeitslosengeld II beziehen, könnten sie sich die Praxisgebühr erstatten lassen. "Belege sammeln geht aber schlicht an der Lebensrealität dieser Menschen vorbei", so Endler. Zudem komme es immer wieder vor, dass Obdachlose mit abfälligen Bemerkungen von Mitpatienten im Wartezimmer oder dem Praxispersonal aufgrund ihres Aussehens und ihrer Verhaltensweisen diskriminiert würden. Wegen solcher negativen Erfahrungen würden sich viele nicht zum Arzt trauen.

Um diesen Menschen dennoch eine medizinische Versorgung zu gewährleisten, bietet der Tagestreff "Tür" wohnungslosen Menschen zwei mal im Monat eine ärztliche Sprechstunde an. Zwei Ärzte kümmern sich dort alle 14 Tage ehrenamtlich um die Obdachlosen. Derzeit findet die Sprechstunde noch in einem Büro eines Sozialarbeiters statt, das provisorisch mit einer Liege und einem Arztschrank umfunktioniert wurde. Das soll sich jetzt ändern, denn noch im Winter soll dort ein neues und gut ausgestattetes Behandlungszimmer bereit stehen.

20.000 Euro Spenden

Die medizinische Ausstattung des Behandlungszimmers wird durch Spenden der Karlsruher Rotary-Clubs finanziert. Diese haben sich zum Ziel gesetzt, den "Grundstein für eine umfassende medizinische Versorgung Wohnungsloser in Karlsruhe zu legen". Bei einem Benefizkonzert der fünf Karlsruher Rotary-Clubs und des Rotaract-Clubs kamen kürzlich rund 20.000 Euro zusammen. Da der Erlös unerwartet hoch ausfiel, werden statt einem geplanten Behandlungszimmer sogar drei ausgestattet. Neben dem  Behandlungszimmer in der "Tür" wird auch je ein Behandlungszimmer im "Anker" in der Lameystraße und im "TafF", dem Tagestreff für Frauen in der Belfortstraße, eingerichtet. Das Arztzimmer in der Tür soll noch in diesem Winter eröffnen, die anderen im März 2012.

"Unser Ziel war es, ein regionales Projekt gemeinsam mit allen Karlsruher Rotary-Clubs im Raum Karlsruhe durchzuführen", erklärt Professor Norbert Holstein, Past-Präsident des Rotary-Club Karlsruhe-Fächerstadt und selbst Hals-Nasen-Ohren-Arzt in Durlach, gegenüber ka-news. Vor einem Jahr begannen die Planungen für das Projekt. Mittlerweile sei nicht nur genug Geld für drei Behandlungszimmer zusammen, sondern auch mit der Kassenärztlichen Vereinigung und den Krankenkassen konnten Kooperationen abgeschlossen werden. So seien Krankenkassen dazu bereit künftig auf die Praxisgebühr bei Obdachlosen zu verzichten, so Holstein.

Medizinisches Netzwerk soll entstehen

Auch wolle man mehr Fachärzte dafür gewinnen, dass sie außerhalb ihrer Sprechzeiten wohnungslose Menschen untersuchen. Denn  in den Behandlungszimmern sei oft nur eine Erstdiagnose möglich, zur genaueren Abklärung ein Facharzt nötig. Das Ziel sei es, ein Netzwerk zu schaffen, damit Obdachlosen eine Versorgung in allen medizinischen Fachbereichen angeboten werden könne - unter anderem durch Internisten, Urologen und Kardiologen.

Bereits heute kommen drei bis zehn Patienten in eine Sprechstunde in die "Tür", sagt Tagestreff-Leiter Endler. Künftig soll die Sprechstunde einmal in der Woche immer zur gleichen Zeit stattfinden. Durch diese Kontinuität würde es auch den Obdachlosen einfacher gemacht die Angebote zu nutzen. Außerdem befänden sich die Behandlunsgzimmer in einem vertrauten Umfeld, den Obdachlosen würde so die Scheu genommen einen Arzt aufzusuchen.

100 Menschen auf der Straße

"Die Einrichtung der Behandlungszimmer ist eine sehr wertvolle Ergänzung zum bestehenden Betreuungsangebot", sagt  Sonja Rexhäuser, Leiterin der Fachstelle Wohnungslosigkeit in der Sozial- und Jugendbehörde Karlsruhe, auf ka-news-Anfrage. Grundsätzlich sei das Betreuungsangebot für Wohnungslose in Karlsruhe gut. "In Karlsruhe muss keiner auf der Straße leben, der das nicht will", so Rexhäuser. Durch die medizinische Betreuung würde eine Betreuungslücke geschlossen.

In Karlsruhe sind nach Angaben Rexhäusers derzeit 300 Menschen in Unterkünften obdachlosenrechtlich untergebracht. Rund 100 Menschen leben hier nach Schätzungen der Sozialbehörde auf der Straße. Die Zahl der Wohnungslosen in Karlsruhe sei seit Jahren konstant. Die am stärksten wachsende Gruppe sei die der 18- bis 24-Jährigen. Woran das liegt, soll eine Umfrage unter den betroffenen Jugendlichen im nächsten Jahr herausfinden.

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  •   silberahorn
    (10258 Beiträge)

    18.10.2011 04:43 Uhr
    Veteran hat meine Zustimmung, wenn es darum geht genau hinzuschauen WARUM jemand obdachlos ist. Ich verstehe in einigen Fällen nicht, wie es dazu kommen konnte.

    Und joka hat gar nicht so Unrecht mit seinem "scherzhaften" Einwand. Es wird auch darum gehen, dass andere Menschen den Gestank nicht ertragen können und nicht in einem Wartezimmer sitzen wollen (oder können).
    Mit Waschen ist es aber da nicht so einfach getan. Der starke Eigengeruch hält nämlich auch die Abwehr gegenüber Menschen aufrecht, die stark verletzend werden können (verbal oder mit Mimik ...).
    Echte Gauner stinken nicht, sondern duften meistens angenehm.

    Diejenigen Ärzte, die Obdachlosen richtig helfen, haben meine vollste Bewunderung.
    In den Dreck werfen oder zu bewirken, dass jemand Dreck nicht mehr wahrnimmt - das geht eben schneller, als jemanden wieder rausholen.
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  • unbekannt
    (1924 Beiträge)

    17.10.2011 14:35 Uhr
    Jede Münze hat zwei seiten.....
    Wir müssen bei den Obdachlosen wieder unterscheiden : Warum obdachlos ?? Wenn ich manche Obdachlose sehe, gerade am kronenplatz, jung, faul,gegen alles....... ich weiß nicht....wenn ich auf der anderen seite dann wieder die älteren obdachlose Menschen sehe,frierend,bettelnd,hungrich....ja was ist richtig was ist falsch ?Rentner,die ein Leben lang eingezahlt haben und jetzt sich schwer tun mit den 10 Euro Praxigebühren und Zuzahlungen......Ich weiß nicht,wo man hier Gerechtigkeit anwenden kann.Wobei ich ehrlich sagen muss, manch Obdachloser würde von mir keine Leistungen umsonst erhalten.
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  • unbekannt
    (10716 Beiträge)

    17.10.2011 22:23 Uhr
    -->
    Wir "müssen" hier mal gar nichts.
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  • unbekannt
    (11392 Beiträge)

    17.10.2011 16:24 Uhr
    Kronenplatzjugend
    Die meisten von denen gehen auch irgendwo arbeiten, ab und zu. Quelle: Persönliche Kontakte
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  • unbekannt
    (142 Beiträge)

    17.10.2011 05:05 Uhr
    Krank und arm: Medizinische Hilfe für Obdachlose in Karlsruhe
    Eine sehr gute und lobenswerte Sahe, wenn es nicht nur bei Absichtserklärungen bleibt. Ich frage mich nur, wie das gehen soll, wenn man als ordnungsgemäß Versicherter bis zu 2 Monate und länger auf einen Facharzttermin warten muss. Und wenn man dann einen Termin hat am besten noch einen Tag Urlaub nimmt, weil am trotz Termin noch Stunden in der Praxis warten muss, da zu diesem Zeitpunkt noch 10 andere Patienten einen Termin haben.
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  •   Amiria
    (176 Beiträge)

    17.10.2011 10:33 Uhr
    wie das gehen soll?
    Hartmut Du schreibst:
    "Ich frage mich nur, wie das gehen soll, wenn man als ordnungsgemäß Versicherter bis zu 2 Monate und länger auf einen Facharzttermin warten muss."
    Aber das steht doch im Artikel: 2 ehrenamtliche Ärzte kümmern sich in eigens eingerichteten Räumen um die ausreichende medizinische Versorgung. Hier ist die Grundversorgung vorrangig.
    Die geplante Vernetzung zielt ja darauf hinaus, dass Fachärzte außerhalb ihrer normalen Sprechzeiten für die Obdachlosen da sein sollen.
    Also musst Du nicht noch länger als sonst warten.
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  •   joka
    (9833 Beiträge)

    17.10.2011 12:33 Uhr
    Das wärs ja auch noch...
    zusammen mit Obdachlosen in einem Zimmer warten.
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  • unbekannt
    (806 Beiträge)

    17.10.2011 10:02 Uhr
    Dass es mit der
    Wartezeit so ist, liegt auch daran, dass es privat-versicherte Patienten gibt, für die es manchmal sogar ein Extra-Terminbuch mit besseren Terminen gibt. Also können es nicht die Obdachlosen sein, die diese Wartezeiten verursachen bzw. darauf anspielen, dass diese eher in den genuss einer fachärztlichen Behandlung kommen deswegen.
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