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Karlsruhe Kostet die Kombilösung über eine Milliarde, Herr Mentrup?

Die Kombilösung gilt als Karlsruher Jahrhundertprojekt. Auch 2013 sorgte der Tunnelbau in Karlsruhe für Schlagzeilen. Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) ist seit März im Amt und hat die Kombilösung umgehend zur Chefsache gemacht. Er will die Kombilösung transparenter machen - auch was die Kosten angeht. Diese musst er bereits in diesem Jahr auf 868 Millionen Euro nach oben korrigieren. ka-news wollte im Interview wissen: Kostet die Kombilösung am Ende über eine Milliarde, Herr Mentrup?

Herr, Mentrup, die Gesamtkosten für die Kombilösung liegen nach den aktuellen Berechnungen bei 868 Millionen Euro - ursprünglich war man von 495 Millionen ausgegangen. Wird die Kombilösung letztlich doch über eine Milliarde Euro kosten?

Das glaube ich nicht. Wir haben jetzt in unsere Prognose Preissteigerungen, eventuelle Risiken und auch alle möglichen Nebenkosten schon eingepreist. Was die Kriegsstraße letztlich kostet, das weiß ich natürlich noch nicht, weil wir ja noch keine Ausschreibung haben und vor allem nicht die entsprechenden Angebote der Firmen.

Wenn sich mein Vorgänger sehr stark darauf konzentriert, immer die Kosten zu verkünden, die nach aktuellem Stand gesichert waren, verfolge ich jetzt eine andere Strategie: Wir preisen 2,5 Prozent Preissteigerung sowie 3,5 Prozent für Unvorhergesehenes pro Jahr mit ein. Das ist übrigens der Wert, den wir aus den ersten Jahren im Nachhinein ermittelt haben. Dadurch kommen wir jetzt auf diese 868 Millionen Euro. Da wird sicher noch das ein oder andere Zusätzliche kommen, aber ich rechne nicht damit, dass wir am Ende deutlich über einer Milliarde liegen.

Nicht deutlich? Aber die Kosten könnten schon darüber liegen?

Ja, es könnte möglicherweise an die Milliarde rankommen. Aber das ist jetzt wirklich Kaffeesatzleserei. Wir haben jetzt einige Sicherheiten eingebaut, von daher fühle ich mich ganz wohl.

Die Kombilösung ist ein Projekt, das mit Sicherheit auch lange mit Ihnen in Verbindung gebracht werden wird.

Ja, das ist ja logisch. Wenn 2019 das Projekt an den Start geht - Teile der unterirdischen Führung schon 2018 - dann wird man natürlich sagen: Das ist eines der dominierenden Projekte meiner Amtszeit. Aber ich glaube, die Bürgerinnen und Bürger wissen auch, dass es von Bürgerentscheiden und politischen Entscheidungen aus den Vorjahrzehnten herrührt. Aber klar ist, dass ich sicherlich daran gemessen werde, wie ich die Umsetzung und auch die Fertigstellung dieses Projektes manage, soweit ich das managen kann - und auch kommuniziere und damit umgehe. Es hat sich als sehr gut erwiesen, dass ich mit sehr viel Aufwand in die Kommunikation eingestiegen bin, und dass wir die Sache sehr transparent angehen. Zwischen der Arge, der Arbeitsgemeinschaft der Firmen, der Kasig, als eigentliche Bauherrin, und den verschiedenen städtischen Ämtern sowie den Verkehrsgesellschaften haben wir in wöchentlichen Treffen zu einem wirklich guten Miteinander gefunden. Wir sind fast so etwas wie eine große Baufamilie geworden, die jetzt die Kombilösung voranbringt.

Gibt es auch Überlegungen das Wildparkstadion an den öffentlichen Nahverkehr anzuschließen?

Die Überlegung gibt’s ja schon immer. Aber wenn Sie mal überlegen, wie viele Personen in sehr kurzer Zeit - beispielsweise nach Ende eines Spiels - abfahren, dann ist eine Straßenbahnanbindung massiv überfordert. Wir profitieren bei der guten ÖPNV-Anbindung des Wildparks im Moment davon, dass sie sich auf mehrere Haltestellen verteilt. Hätte ich direkt davor eine Straßenbahnhaltestelle, dann müsste ich da 10, 20 Wagen hinstellen. Abgesehen davon, dass man die dort gar nicht aufstellen kann, müsste man sie ins normale Straßenbahnnetz wieder einfädeln. Das geht bei der Taktfülle, die wir im Moment haben, überhaupt nicht. Das ist das eine Argument, dass man mit Anbindung an den ÖPNV zum Teil auch Erwartungen verbindet, die organisatorisch wahrscheinlich gar nicht umsetzbar sind. Und das zweite und entscheidende ist, dass so eine Straßenbahnlinie nicht wirtschaftlich sein kann, weil es ja nur bei den Spielen zu einer so hohen Nachfrage kommt, Was wir im Moment überlegen ist, ob wir nicht die Bus-Shuttles zum Stadion hin zu einem ferneren Zeitpunkt durch Bus-Shuttles vom Stadion zurück ergänzen. Da haben wir zwar auch das Kapazitäts-Problem, aber wir können durch unterschiedliche Abfahrten die Sache flexibler handhaben.

Fragen: Moritz Damm (ka-news) und Patrick Sommer (die neue welle)

Das Stadion bleibt im Wildpark. Aber bevor die Stadträte im Spätsommer 2014 eine endgültigen Entscheidung über die konkreten Baupläne fällen, muss die Stadt mit dem Karlsruhe SC über die künftige Nutzung und Finanzierung des Stadions verhandeln. Oberbürgermeister Frank Mentrup erwartet "harte Verhandlungen". Warum, erklärt er im ersten Teil des ka-news-Interviews.
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  •   soebbs
    (396 Beiträge)

    28.12.2013 14:28 Uhr
    Sämtliche...
    Mehrkosten für das unnötige Projekt U-Strab übernimmt Ex OB Heinz Fenrich CDU und Manfred Groh CDU Bürgermeister a.D. für Finanzen und Wirtschaft der Stadt Karlsruhe.
    Karlsruhe macht dir keine Sorgen ob der Mehrkosten...
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  •   dipfele
    (5779 Beiträge)

    12.01.2014 18:03 Uhr
    gerade Herr Groh...
    ... hat in einem der Petitionsauschüsse um 2008/09 behaupte, dass es ausgeschlossen sei, dass die Kosten auf über 1,2 Mrd. steigen werden.
    Das hatten damals eine Frau Dr. Splett und der BUND nähmlich befürchtet und forderten Offenlage der Kalkulation. Jetzt wo Frau Dr. Splett an der Quelle sitzt, herrscht eisiges Schweigen. 2004 wurde die Kombi mit 495 Mio kalkuliert bei einem Nutze-Kosten- Faktor von 1,18.
    2009 waren dann die Kosten auf 588 Mio gestiegen, ohne einen einzigen Handschlag. Der Kosten- Nutzen- Faktor war damals schon bei 0,99 angekommen, bei einer Mrd liegt er dann bei 0,58. Subventionen gibt es aber nach Gesetz nur bei Faktor über EINS.
    Subventionserschleichung ? Ausserdem ist der Tunnelbau-Hauptauftrag 2010 für 300 Mio zum Festpreis vergeben worden: Wieso jährliche Preissteigerungen von 2,5 % ?? Fragen über Fragen.
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  •   Stahlwalze
    (404 Beiträge)

    28.12.2013 10:41 Uhr
    Wir haben JETZT alle
    Nebenwirkungen und Risiken eingespeist.... 300 Mio. € mehr als geplant....Hr. Mentrup. WARUM wurden diese Dinge nicht ursprünglich in die Planungen EINGESPEIST??? Und das Schlimmste ist, dass Sie nun sagen, dass sie nicht GLAUBEN, dass die Kosten in Richtung 1000 Mio € gehen werden.
    WER bezahlt den ganzen Murks nochmal? Wer? Etwa die Leute, die schon seit 20 Jahren nach einem vernünftigen Fußballstadion betteln?
    Wo bleibt denn bei Ihrem Jahrhundertprojekt VERANTWORTUNGSVOLLES Umgehen mit Steuergeldern????
    Steuerverschwender ab in den KNAST!!!!
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  •   Gast68
    (854 Beiträge)

    28.12.2013 14:14 Uhr
    LOL!
    Tja, da werden die Fußballfans wohl in die Röhre bzw. U-Strab sehen.
    Aber diejenigen die für die "Vision" einer U-Bahn gestimmt haben werden dies wohl gnädig übersehen.
    Jetzt aber bitte nicht weinen. Für ne Tafel am Wildparkstadion mit der Aufschrift "Baudenkmal zugunsten der Vision einer U-Bahn"
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    28.12.2013 13:25 Uhr
    Auch für dich:
    Mentrup ist der letzte den man für diesen Schwachsinn verantwortlich machen kann. Der hat den Scheisshaufen auf dem Schreibtisch und da kriegt er ihn auch nicht weg, egal was er macht. Er kann bestenfalls darauf achten, dass er nicht noch grösser wird.

    Und dass er die Stadionfrage (das grösste zu lösende Problem nach dem Hunger in der Welt) ignoriert oder irgendwie unsachlich zu blockieren versucht kann man ihm beim besten Willen nicht vorwerfen.
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  •   likeka
    (505 Beiträge)

    28.12.2013 12:52 Uhr
    !
    Dieses Projekt hat einen Nutzen für die Allgemeinheit!
    Eine Schienenfreie FuZo.
    Ganz im Gegensatz zu einem neuen Fußballstadion, welches nur dem KSC nützt. ICH BIN ABER AUCH FÜR EIN NEUES STADION!
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  •   Waterman
    (6444 Beiträge)

    27.12.2013 18:37 Uhr
    Im Prinzip kann das Ding jetzt kosten, was es will...
    Karlsruhe (mehrheitlich) hat sich dafür entschieden.

    Tiefbauprojekte dieser Größenordnung kann kein Mensch auf den Cent vorherberechnen.

    Es ist, wie beim eigenen Hausbau. Man hat sich entschieden und muss es durchziehen.

    Die Meisten schaffen das und Karlsruhe auch.
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  •   soebbs
    (396 Beiträge)

    28.12.2013 23:44 Uhr
    Oh...
    Gott,oh Gott was für ein Schwachsinn...
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  • unbekannt
    (61 Beiträge)

    28.12.2013 14:36 Uhr
    Da muss ich Dir
    leider Recht geben - KA wollte mehrheitlich eine Kriegsstrassen-Untertunnelung, aus der dann die mehrheit für eine Kombilösung wurde. Und die Baustelle muss nun, ob man will oder nicht, auch durchgezogen werden.
    Was aber nicht in meinen Kopf will ist dass es anscheinend jedem Klar war das es am Schluss deutlich Teurer wird aber jeder der von Anfang an auf das Kostenrisiko hingewiesen hat als Querulant, Pesimist oder ewig Gestriger beschimpft wurde und wird.
    Und wenn Herr Mentrup jetzt behauptet er glaubt das es am Schluss auf ca. 1 Mrd hinauslaufen wird dann LÜGT er wie bisher alle im Punkto Kosten gelogen haben! Er kannn nix glauben was noch Ungewiss ist - und an solchen Behauptungen ist er selbst Schuld - die hat Ihm keiner hinterlassen. Ein Schulterzucken währe ehrlicher st aber bei Politikern unbeliebt - also wird halt mal was behauptet und im zweifelsfall sind dnn die anderen Schuld oder haben's einfach nicht richtig Verstanden.
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  • unbekannt
    (3577 Beiträge)

    30.12.2013 09:53 Uhr
    die Kombi-Gegner belügen KA: Kriegsstraßenbahn weit teurer als U-Strab
    der alleinige Umbau der Kreigsstraße ist nicht föredrfähig.
    Als wäre der städtische Anteil bei 100%. Dadruch waären die Kosten für die Stadt höher, als der Bau der U-Strab
    Die Kombi bedeutet: Durch Verknüpfung mit der förderfähigen und nutzbringenen U-Strab wird der Umbau der Kriegsstraße ermöglicht.
    Ohne den Bau der U-Strab könnte sich KA den Umbau der Kriegsstraße sonstwohin stecken.
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