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Karlsruhe Kommunalpolitik als Lebensaufgabe: Baubürgermeister Michael Obert in den Ruhestand verabschiedet

Nach fast zwanzig Jahren Stadtpolitik, davon zehn Jahre im Bürgermeisteramt, tritt Michael Obert zum Ende des Monats in den Ruhestand. Als Baubürgermeister prägte er den Neubau so mancher Areale, die im vergangenen Jahrzehnt in der Fächerstadt entstanden sind, mit. Am Mittwochabend wurde der 65-Jährige von Oberbürgermeister Frank Mentrup und seinen Amtskollegen verabschiedet.

Seit dem 1. Oktober 2008 war Michael Obert als Bürgermeister im damals neu geschaffenen Dezernat 6 für die Bereiche Bauen, Wohnen, Flächen- und Immobilienmanagement sowie den Zoo verantwortlich. Als Baubürgermeister war Obert auch Aufsichts­rats­vor­sit­zen­der der städti­schen Volks­woh­nung und der Fächer GmbH. Im Restaurant 'Exo', im Exotenhaus des Zoos, kamen am Abend Oberbürgermeister Mentrup, seine Bürgermeisterkollegen und andere bekannte Köpfe aus der Karlsruher Kultur, Politik und Wirtschaft zusammen, um Michael Obert in den Ruhestand zu verabschieden.

Seine politische Karriere begann vor über 40 Jahren, als er 1976 in die FDP eintrat. Im Laufe der Jahre begleitete der studierte Jurist dort verschiedene Ämter, war unter anderem Kreisvorsitzender seiner Partei (1994 bis 2001). Bis zu seiner Wahl zum Bürgermeister war Obert ab 1999 Fraktionsvorsitzender seiner Partei im Karlsruher Gemeinderat. Im Hauptberuf war das "Kind der Oststadt" Jurist und arbeitete vor seiner Karriere im Rathaus knapp 30 Jahre bei der Deutschen Rentenversicherung in Karlsruhe.

Anlässlich der Oberbürgermeister-Wahlen 2012 wurde er von seiner Partei auch mal als Rathaus-Chef ins Gespräch gebracht. Ob als Stadtrat oder später auf der Bürgermeisterbank: Obert nahm kein Blatt vor den Mund und scheute nicht die Konfrontation. Das bekamen auch die ka-news-Redaktion zu spüren, als es um das Badeverbot im See des Cityparks ging.

OB Mentrup nennt seinen Bürgermeisterkollegen, mit dem er fünf Jahre zusammenarbeitete, einen "Mann, der die Entwicklung Karlsruhes mit Sachverstand und Kreativität voran gebracht hat." Man werde eine fachlich kompetente und engagierte Persönlichkeit verlieren, so der Oberbürgermeister weiter. "Die Kommunalpolitik war in gewisser Weise eine Lebensaufgabe", so Mentrup.

Verabschiedung Michael Obert
Bild: Tim Carmele

Das Lob gab der scheidende Bürgermeister später zurück und lobte die weitestgehend konstruktive und freundschaftliche Zusammenarbeit mit den Bürgermeisterkollegen, der in seiner Rede die Arbeit mit der städtischen Volkswohnung, der Fächer GmbH und des Zoos hervorhebt.

Verabschiedung Michael Obert
Bild: Tim Carmele

In Zeiten des Wohnraummangels waren effiziente Flächennutzung und Quartierentwicklung zentrale Themen, mit denen sich der FDP-Mann in seiner Amtszeit immer wieder auseinander setzen musste. Es entstanden aber auch tausende neue Wohnungen, etwa im Citypark Südost. Andere Bauprojekte, wie der Neubau des Wildparkstadions oder die geplante Moschee der Ditib-Gemeinschaft sind Projekte, die unter Oberts Leitung in Planung gegangen sind. Besonders am Herzen lag Obert nach eigener Aussage immer die Entwicklung des Zoos. ka-news hat einige Meilensteine aus seiner zehnjährigen Amtszeit zusammengefasst:

  • Wohngebiet Citypark Südost
    Bis 2015 entstanden auf dem ehemaligen Gelände des Güterbahnhofs Wohn- und Büroeinheiten sowie ein begrünter Stadtpark mit einem Ziersee.
  • Integrierte Leitstelle
    Für insgesamt 26,6 Millionen Euro entstand zwischen November 2013 und August 2016 die neue integrierte Leitstelle am südöstlichen Stadteingang. 
  • Entwicklungskonzept Zoologischer Stadtgarten
    Die Umstrukturierung des Zoologischen Stadtgartens sollte auf einer breiten Basis erarbeiteten Konzeption als Leitlinie und verbindliche Grundlage erfolgen. Dieses Entwicklungskonzept wurde im März 2016 durch den Gemeinderat mit großer Mehrheit verabschiedet.
  • Exotenhaus im Zoologischen Garten
    Zwischen 2012 und 2015 wurde das Tullabad in ein multifunktionales Gebäude des Zoos umgebaut. Im Exotenhaus sind nun die drei Funktio­nen Tierprä­sen­ta­tion, die Abteilung für Zoopäd­ago­gik mit Schulungs­räu­men und Erleb­nis­ga­stro­no­mie vereint.
  • Installation von Matthias Reinschmidt als Zoochef
    2015 konnte Matthias Reinschmidt als Zoodirektor für den Zoologischen Garten gewonnen werden, der den Zoo daraufhin konsequent umkrempelte und modernisierte.
  • Grundschule am Wasserturm
    Für 11,5 Millionen Euro entstand im neuen Stadtgebiet Citypark Südost in zwei Bauabschnitten eine Grundschule, die zwischen Februar 2012 und August 2014 sowie Oktober 2015 und Februar 2017 errichtet.
  • Ausbau des Karlsruher Radverkehrs
    Als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft 'Fahrradfreundlicher Kommunen' seit deren Gründung 2009 ist Karlsruhe mit der Entwicklung des Radverkehrs in Deutschland verbunden und aufgewachsen. Zwar konnte hier einiges entstehen in den letzten Jahren, aber man sei noch nicht dort angekommen, wo man hin wolle, betonte Obert am Rande seiner Verabschiedung. 

"Ich fühle mich wohl, bin relativ entspannt. Aber natürlich ist immer auch ein bisschen Wehmut dabei", sagte der scheidende Bürgermeister am Rande seiner Verabschiedung. Dass nun ein neuer Lebensabschnitt beginne werde sich wohl erst in ein paar Tagen und Wochen zeigen, wenn sich alles etwas entspannt hat.  

Neuer Lebensabschnitt, alte Leidenschaften

"Ich mache alles wie bisher, nur intensiver!", sagt der künftige Pensionär mit Blick auf seine hinzugewonnene Freizeit. Dazu gehört das Theater spielen, seinen Vorsitz im Karlsruher Fußballverein und andere Ehrenämter. "Auch den Freundeskreis habe ich während meiner Zeit im Rathaus nie aufgegeben, dem werde ich nun intensiver nachgehen!" 

Verabschiedung Michael Obert
Bild: Tim Carmele

Zum 1. Oktober übernimmt dann Daniel Fluhrer das Ruder von Obert im Baudezernat. Wohnraummangel, geplante Nachverdichtung und viele Großbauprojekte, die im Bau oder in Planung sind - darunter das neue Wildparkstadion, das Ikea-Zentrum am Weinweg, die Dm-Zentrale oder die Ditib-Moschee: Auf den Obert-Nachfolger warten eine Menge herausfordernder Aufgaben.

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Kommentare (33)
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  •   IchKA
    (619 Beiträge)

    28.09.2018 15:46 Uhr
    Ja die Moschee
    Obert: "Baurechtlich ist da nichts zu machen."
    Aber vielleicht mal über den Tellerrand schauen die Herren Fuchtelfrank Mentrup und Co.
    Es gibt den säkularen und politischen Islam. Durch die Dtip Strukturen des Erdogan Regimes ist der nicht politisch gesteuerte Islam der Muslime völlig verdrängt. Hier geht es nicht nur um Baurecht, sondern um Grundgesetz und Verfassung. Wie kann es sein, dass man mitten in unserer Stadt Imame zulässt, die zentral gesteuerte fragwürdige Botschaften an Gemeindemitglieder, Kinder und Jugendliche zelebrieren, die gegen unsere freiheitliche demokratische Grundordnung verstoßen.
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  •   karlsruher1955
    (1102 Beiträge)

    29.09.2018 13:30 Uhr
    Richtig
    Wer Wind sät wird Sturm ernten.
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  •   karlsruher1955
    (1102 Beiträge)

    28.09.2018 14:58 Uhr
    Zum Abschied
    wenigstens eine Krawatte hätte man ihm schenken können.
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  •   Rambazamba
    (278 Beiträge)

    28.09.2018 13:31 Uhr
    Bestimmt nicht immer einfach
    Ich kann mir vorstellen, dass so ein Job nicht immer einfach ist, sieht man nur die vielen unterschiedlichen Meinungen hier im Forum. Jeder hat eigene Interessen und Bedürfnisse. Die einen wollen mehr Parkfläche, die anderen lieber überhaupt keine Autos in der Stadt. Die einen wollen mehr bezahlbaren Wohnraum, die anderen keine Mietkasernen... Es allen recht machen: Keine Chance!
    Ich denke, dass gerade im Zoo sich einiges getan hat, auch wenn ich persönlich das gesamte Konzept des KA Zoos überholt finde und eine Spezialisierung bzw. eine Bestandsanpassung notwendig wäre. Weniger Tierarten, dafür größere/authentische Herdenverbünde und größere Gehege - ich meine nicht nur doppelt so groß wie bei den Elefanten gedacht, sondern vielfach so groß, mit den Möglichkeiten, sich richtig zu bewegen und sich ggfs. auch mal aus dem Weg zu gehen.

    Egal:
    Wünsche einen guten Ruhestand und dem Nachfolger viel Glück und Ausdauer (besonders der Moscheebau dürfte "interessant" werden)!
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  •   Irgendwas_mit_Medien
    (630 Beiträge)

    27.09.2018 22:31 Uhr
    Ist das Zitat wirklich authentisch?
    ""Die Kommunalpolitik war in gewisser Weise eine Lebensaufgabe", so Mentrup."

    Ein "Er war stets bemüht" erscheint mir auch nicht schlimmer. traurig
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  •   teflon
    (2569 Beiträge)

    27.09.2018 19:02 Uhr
    Er ist dann mal weg
    - und das ist gut so. Danke für Nichts - es kann nur besser werden
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  •   myopinions
    (911 Beiträge)

    27.09.2018 16:29 Uhr
    ............ich werde ihn
    nicht vermissen!
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  •   Hartz4Bomber
    (361 Beiträge)

    27.09.2018 15:32 Uhr
    Obert war/ist auch
    Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswohnung. Jahrelang hat man dort nur hochwertige Eigentumswohnungen gebaut und vermarktet, die katastrophale Lage auf dem Wohnungsmarkt ist auch ein Stück weit sein Werk.
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  •   IchKA
    (619 Beiträge)

    28.09.2018 14:27 Uhr
    Ganz genau H4 Bomber
    Da ist schon lange nicht mehr Volkswohnung drin, denn diese ist zur Geldmaschine für das verschuldete Rathaus mit seinen GmbH´s mutiert.
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  •   MichaelObert
    (158 Beiträge)

    27.09.2018 16:31 Uhr
    Man sollte
    in eigenen Angelegenheiten zurückhaltend sein, in diesem einen Fall will ich - weil es mir wichtig ist - eine Ausnahme machen. Viele Jahre vor meiner Amtszeit wurde keine einzige Mietwohnung gebaut, in meiner Amtszeit rund 1500 und bis 2025 werden es 3500 sein, davon 60% Sozialwohnungen. Kritik sollte immer auch Fakten gestützt sein. Und nicht jedes Klischee stimmt.
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