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Karlsruhe "Können uns keine Wohnungen aus den Rippen schneiden": Studierendenwerk kämpft gegen Wohnungsnot und unterstützt Protestcamp beim KIT

Das Wintersemester hat gerade erst begonnen und für viele neue Studenten stellt sich die Frage: Wo kann ich bezahlbar übernachten? Die Wohnheime in Karlsruhe sind ausgebucht, hunderte Studenten stehen auf der Warteliste. Gegen die Wohnungsnot demonstrieren nun die Studenten mit einer Zeltstadt mitten auf dem Campus. Sie fordern etwa 1.000 neue Wohnheimplätze - und das Studierendenwerk versucht Abhilfe zu schaffen.

Das Studierendenwerk Karlsruhe betreibt in Karlsruhe und Pforzheim 22 Wohnheime mit rund 2.800 Wohnungen, insgesamt gibt es in Karlsruhe rund 4.400 öffentlich geförderte Wohnheimplätze. Doch das reicht bei Weitem nicht aus: "Es stehen aktuell 700 Studenten auf unserer Warteliste", sagt Thomas Hünnebeck, Abteilungsleiter Wohnen des Studierendenwerks, im Gespräch mit ka-news.de. Zu viele. 

"Es fehlen rund 1.000 Wohnungen in Karlsruhe"

Das Problem ist eben auch die steigende Studierendenzahl - rund 42.000 junge Menschen besuchen in der Fächerstadt die Vorlesungen. "Mit den Wohnheimen und den Wohnungen aus der privaten Trägerschaft, das sind etwa 1.500 Zimmer, decken wir aktuell 14,7 Prozent des Wohnheimbedarfes ab - unser Ziel sind allerdings 15 Prozent", sagt Hünnebeck. Für das erklärte Ziel fehlen noch rund 1.000 Wohnungen und genau das fordert der Sozialistisch-Demokratische Studierendenverband (SDS). "Wir können und die Plätze leider nicht aus den Rippen schneiden", so Hünnebeck. 

KIT Protestcamp
Hier campen die Studenten auf dem Unigelände - geduldet vom KIT. | Bild: Ingo Rothermund

Einen kleinen Lichtblick gibt es immerhin: Ab dem Wintersemester 2021 sollen in der Rintheimer Querallee etwa 260 Studenten in einem neuen Wohnheim einen Platz finden. "Es gilt noch einige bürokratische Hürden zu bewältigen und zum Schluss warten wir noch auf die Baugenehmigung", so Hünnebeck gegenüber ka-news.de. "Wir hoffen nun, dass alles ruckzuck geht und wir mit dem Bau beginnen können!" Unter der Brücke hätte bisher noch kein Student schlafen müssen, so Hünnebeck. 

Die Aktion "Dach gesucht" hat geholfen

Vielen der Studenten in diesem Jahr hat die Aktion "Dach gesucht" geholfen. "Nach der Aktion hatten wir 500 neue Privatzimmer im Angebot - also jeder kann uns helfen", so Hünnebeck zu der erfolgreichen Aktion im vergangenen Jahr. Die liegen zwar oft etwas außerhalb der Stadt, doch mit dem Studiticket seien auch die gut zu erreichen, so Hünnebeck. Derzeit gibt es etwa 80 freie Zimmer in der Privatzimmervermittlung, jeden Tag kommen welche dazu.

Aktion "Dach gesucht"
Bild: Melissa Betsch

Für Studenten, die meist einen genauen Blick in den Geldbeutel werfen müssen, sind die kostengünstigen Zimmer in den Wohnheimen am reizvollsten: Die Mieten in Wohnheimen sind meist günstiger, als in den Wohnungen aus privater Hand. "Im Schnitt kostet ein Zimmer in unseren Wohnheimen 241 Euro", sagt Thomas Hünnebeck gegenüber ka-news.de. "Das sind Preise, die werden Sie privat nicht finden." 

Protest auf dem Campus

Etwa 50 Mitglieder des Verbandes protestieren momentan vor dem Audimax des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gegen den Wohnraummangel. Sie haben eine kleine Zeltstadt aufgebaut und ein harter Kern von etwa zehn Studenten schlägt sich auch die kalten Nächte auf dem Campusgelände um die Ohren. 

Martin P.
Martin studiert im siebten Semester Elektrotechnik. | Bild: Ingo Rothermund

Sie fordern von der Stadt Karlsruhe mehr Geld für sozialen Wohnbau bereitzustellen, so auch Martin. Der 21-Jährige hatte Glück bei der Wohnungssuche. "Ich konnte im ersten Semester bei Verwandten hier in Karlsruhe übernachten", sagt er im ka-news.de-Interview. Im Anschluss wohnte er eine Zeit lang im Hans-Dickmann-Kolleg, bevor er mit Freunden in eine WG gezogen ist. "Es hat sehr lange gedauert, bis wir die Zimmer endlich hatten", so der Student der Elektrotechnik.

 

 

Unterstützung erhalten die Studenten in ihrer Zeltstadt vom Studierendenwerk. "Wir versorgen sie mit Kaffee und Brezeln", sagt Thomas Hünnebeck im Gespräch mit ka-news.de. "Aber wir können nicht aktiv werden, denn das ist ein politischer Protest, der sich auch nicht gegen uns sondern die Stadt richtet!" So werden es die Mitglieder der Gruppe wohl noch bis Freitag aushalten um für ihre Forderungen zu kämpfen - auch wenn vorerst noch viele Studenten auf (bezahlbaren) Wohnraum warten. 

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  •   Propagandahilfskraft
    (1290 Beiträge)

    24.10.2019 12:31 Uhr
    Die Studentenzahlen steigen nicht mehr?
    Die Studentenschwemme aus den doppelten Jahrgängen, Aussetzen der Wehrpflicht und Verkürzung des Abiturs von G9 auf G8, sollte wieder am abebben sein. Sommersemester 2017 war mit 43.247 Studenten der Höchststand erreicht, 2018 waren es nur noch 42.592. Die Zahlen für das Sommersemester 2019 liegen noch nicht aus, aber die Studentenzahlen sollten wieder und weiter am sinken sein. Aktuell belasten nur noch die ungünstigen Migrationsbilanzen (aus dem Ausland, idR Osteuropa nach Aussagen der Stadt) den Wohnungsmarkt. Die ganzen Rechnungen mit den undefinierten Quoten sind auch so nicht nachvollziehbar. Sind das Birnen pro Apfelsaft? Die Quote mit der Wohnheimplatzabdeckung sollte durch den Studentenrückgang übrigens leicht auf natürlichem Weg zu erreichen sein. 900 Studenten weniger und es passt? Der Artikel ist etwas schwach recherchiert?
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  •   maehdrescher
    (1240 Beiträge)

    23.10.2019 19:14 Uhr
    Jedes Mal
    zu Semesterbeginn dieses Geplärre. Bis jetzt hat noch kein Student auf der Straße schlafen müssen. Jeder findet was, nur ist es halt nicht immer die Wunschbude zwei Minuten zur Uni und eine Minute zur nächsten Kneipe.

    Aber klar, "Protestcamp" muss sein. Ein richtiger Aktivist interessiert sich eher nicht für die Lehrveranstaltungen, sondern protestiert gegen alles und jedes.
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  •   mueck
    (11045 Beiträge)

    23.10.2019 19:34 Uhr
    Jedes Mal
    dieses Geplärre von der Couch aus über Leute, die sich engagieren ...
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  •   HerrNilson
    (1139 Beiträge)

    23.10.2019 20:03 Uhr
    So ist
    es Mueck.
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  •   Kruppstahl
    (1031 Beiträge)

    24.10.2019 00:17 Uhr
    Jedes mal das Geplärre von der Couch aus,
    über Leute die Dauernörgler nicht gut finden.
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