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Karlsruhe Klimaschutz versus Eiszeit: "Es geht nicht darum, uns jeden Spaß zu nehmen"

Karlsruhe möchte bis 2050 komplett klimaneutral sein. Wie das klappen soll, hat die Stadt nun veröffentlicht: 75 Maßnahmen sollen ergriffen werden, um in zehn Jahren 58 Prozent weniger Kohlenstoffdioxid (CO2) zu produzieren. Doch wie ist unter anderem die Eislaufbahn oder das Feuerwerk zum Jahreswechsel mit dem Klimaschutzkonzept vereinbar?

Nicht nur die zahlreichen Schüler, die jeden Freitag für das Klima auf die Straße gehen, beschäftigt das Problem des Klimawandels. Auch die Stadt Karlsruhe möchte nun mit einem erarbeiteten Klimaschutzkonzept dafür sorgen, dass der CO2-Ausstoß deutlich reduziert wird. Mehrere Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen wurden hinzugezogen, damit Karlsruhe bis 2050 klimaneutral ist. 

"Mit gutem Beispiel voran"

Dafür sollen insgesamt 75 Maßnahmen, die in fünf Handlungsfeldern aufgeteilt sind, sorgen: Wärme und Strom, Bauen und Sanieren, Wirtschaft, Mobilität und Übergreifendes. Das neue Konzept wurde nun vorgestellt. Im Vorfeld konnten die Bürger Wünsche und Anregungen äußern,wie Klimaneutralität erreicht werden soll. Mehr Grün in der Stadt und kostenloser ÖPNV standen dabei ganz oben auf der Liste.

Teil des Maßnahmenpakets ist dafür zu sorgen, dass die Karlsruher Stadtverwaltung klimaneutral wird. "Wir können von den Bürgern nicht erwarten, dass sie etwas tun und es dann selbst nicht tun. Hier haben wir eine gewisse Vorbildfunktion", sagt Oberbürgermeister Frank Mentrup im Gespräch mit ka-news.de. Da geht der Blick vor allem auf Mobilität, Strom, Wärme- und Kältebedarf und die Kantine. 

Medientreff mit OB Mentrup
Bild: Hammer Photographie

Trotz des umfassenden Konzepts, das ausgearbeitet wurde, wird in der Stadt im Dezember und Januar viel Strom verbraucht, damit Schlittschuhfans über die Eiszeit vor dem Karlsruher Schloss flitzen können. Um zu verhindern, dass das Eis schmilzt, muss es künstlich kalt gehalten werden. Passt das zusammen?

Eiszeit läuft mit Ökostrom?

"Eiszeit und Klimaschutzkonzept ist auf den ersten Blick ein Widerspruch. Ich gehe allerdings davon aus, dass die Stadtwerke den Strom, den sie dafür brauchen, aus Ökostrom beziehen. Damit ist es zumindest mal CO2-neutral", so Oberbürgermeister Frank Mentrup im Gespräch mit ka-news.de. "Es geht ja aber auch darum, dass wir uns nicht jeden Spaß und jeden Luxus verkneifen müssen", sagt das Karlsruher Stadtoberhaupt.

Eröffnung Karlsruher Christkindlesmarkt 2019
Bild: Hammer Photographie

Ähnlich wie der Oberbürgermeister sieht es auch Olaf Heil von den Stadtwerken Karlsruhe: "Grundsätzlich kann man das so sehen. Jedoch sollte man den Bürgern die Freude und den Spaß am Eislaufen gönnen", gibt sich der technische Geschäftsführer der Stadtwerke bedeckt.

Feuerwerk ist das Problem

Also brauchen die Karlsruher keine Angst haben, dass die Karlsruher Eiszeit aufgrund des Klimaschutzkonzeptes bald Geschichte ist? "Sehr viele Schlittschuh-Fans werden das Angebot weiter nutzen. Ich glaube nicht, dass es die Eiszeit bald nicht mehr geben wird", gibt Heil einen Ausblick. 

Olaf Heil
Olaf Heil, technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Karlsruhe. | Bild: Ingo Rothermund

Vom ökologischen Gesamtthema sieht Frank Mentrup das größere Problem beim Feuerwerk zum Jahreswechsel: "Ich kämpfe schon länger für böllerfreie Zonen", sagt der 55-Jährige im Gespräch mit ka-news.de. "Unabhängig vom Klima geht es dabei um die Sicherheit", so Mentrup. Wer am Karlsruher Schloss ins neue Jahre feiern will, muss Raketen, Böller und Co. zu Hause lassen. 

Allerdings werde es wohl keine weiteren Böllerverbote geben: "Die Feinstaubproblematik ist hier nicht so ausgeprägt. Für mehr Verbote fehlt die rechtliche Handhabe", sagt Frank Mentrup.

Bürgerbeteiligung im Online-Portal

Karlsruher Bürger können ihre Wünsche noch bis Ende Januar online beim Beteiligungsportal der Stadt unter https://beteiligung.karlsruhe.de/content/bbv/details/90/ einbringen. Im Anschluss soll es noch mal überarbeitet werden und im März kommenden Jahres soll dann der Gemeinderat über das Klimaschutzkonzept entscheiden. 

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  •   Mondgesicht
    (2183 Beiträge)

    06.12.2019 12:04 Uhr
    "nicht jeden Spaß nehmen"
    Okay, aber wer definiert denn, welcher Spaß jetzt "gut" und welcher Spaß "böse" ist?

    Eislaufen ist gut, also darf man dafür auch bei +15 Grad Unmengen von Energie verbollern, um die Eisfläche zu kühlen. Feuerwerk ist dann aber schon wieder ein bisschen böse und Autofahren sowieso eine Todsünde... ich habe das Gefühl, man legt sich da einfach die Dinge so zurecht, wie es den persönlichen Vorlieben entspricht.

    Wer "Klimanotstand!" schreit, der soll bitte auch konsequent sein. Ansonsten ist das bloß ideologische Heuchelei.
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  •   Dotlhu
    (1 Beiträge)

    05.12.2019 20:13 Uhr
    Moderne Technik kann helfen
    Ich rege mich jedes Jahr über die erhöhten Mengen Wasser und Strom auf, die für die Eiszeit verwendet werden. Dabei geht es mir nicht darum dass man auf die Eiszeit verzichten muss. Moderne Technik macht's möglich. Es gibt schon seit Jahren Kunststoffplatten die sich wie Eis anfühlen sollen, aber weder Wasser noch Strom brauchen. Und wenn es sich nur zu 90% wie echtes Eislaufen anfühlt, dann sollte das denn Klientel der Eiszeit doch reichen. Ich glaube nicht dass hier Eiskunstläufer bei der Eiszeit trainieren.
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  •   Maverick
    (123 Beiträge)

    05.12.2019 17:54 Uhr
    Ein Turnverein aus der Region funkt SOS....
    immer steigende Energiekosten sind der Totengräber dieser gemeinnützigen Vereine.

    http://www.vthagsfeld.de/

    Wobei in dieser hedonistischen Gesellschaft das Gemeinwohl sowieso nicht interessiert. Aber wehe, es geht ans eigene Hälschen. grinsen
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  •   Chris23
    (400 Beiträge)

    06.12.2019 11:53 Uhr
    Wobei
    Die steigende Kosten hier eher dadurch kommen, das diese nun auf der Rechnung erscheinen die nicht erneuerbaren Energieformen werden deutlich stärker subventioniert (nur nicht auf der Stromrechnung Atomstrom hat nach einer Studie von der Kohlregierung um die Wende herum 4,50DM pro KW gekostet bezahlt hast du da vermutlich 60-70 Pfennig)
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  •   Mondgesicht
    (2183 Beiträge)

    06.12.2019 11:59 Uhr
    Fakt ist
    dass die Strompreise in Deutschland seit Jahren steigen. Für so einen Verein ist erst mal egal, warum.
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  •   Beiertheimer
    (1040 Beiträge)

    05.12.2019 15:27 Uhr
    Solange wir uns bei einem vom OB ausgerufenen Klimanotstand
    noch die Eiszeit leisten können (Öko/Bio/Vegan-Strom hin oder her) ist doch alles nicht so schlimm.
    Oder umgekehrt gefragt könnte man den Ökostrom nicht sinnvoller verwenden?
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  •   SunCityKA
    (21 Beiträge)

    05.12.2019 10:27 Uhr
    Alles super!
    Mich würde mal interessieren wie viele von den FFF Kindern, die in Mama’s SUV zur Schule gefahren werden, die immer die neuesten Sneaker und Klamotten benötigen; von denen heute, dank guter Wirtschaftslage, selbst die am wenigsten begabten einen Job bekommen – denen aber angeblich „die Zukunft geklaut wird“ - auf den Starbucks Coffee to go, oder die Eltern-gesponserten Malle-Flüge verzichten? Oder auf Eiszeit, Das Fest und Geballer an Silvester??? Wolkige „die da oben“-Kritik sind das eine aber mal selbst zu Fuß in die Stadt laufen, Tomaten ziehen oder 'ne Hühnersuppe machen statt Chicken à la Kentucky machen lassen, da wird’s dann bei den selbsternannten Umwelthelden schwierig.
    Kann ja alles stattfinden - man kann aber genau so gut auch auf Eiszeit, das alljährliche Grünanlagen- und Tierschutz-Desaster namens „Fest“ und Silvesterböller verzichten. Nichts davon trägt zur Weihnachtsstimmung, Attraktivität einer Stadt und erst recht nicht zum Umweltschutz bei.
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  •   schmidmi
    (2152 Beiträge)

    06.12.2019 13:53 Uhr
    Egal was Sie hier behaupten
    ohne irgendwelche Beläge zu nennen:
    Die Jugend hat einen wesentlich kleineren CO2-Fußabdruck, als die älteren Leute
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  •   Route66
    (1967 Beiträge)

    05.12.2019 16:27 Uhr
    Was tust Du
    eigentlich dafür, daß unsere Kinder weiterhin in einer einigermaßen intakten Umwelt leben können? Interessiert mich echt.
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  •   Winston_Smith
    (653 Beiträge)

    05.12.2019 23:40 Uhr
    Sorry, dass ich mich einmische - aber ich bin ja auch verdächtig
    Wir haben zB in den letzten 4 Jahren eine "Hightech" Ölheizung einbauen und das Dach nach aktuellsten Dämmvorschriften neu machen lassen. Die Ölheizung wurde uns (aufgrund der örtlichen Gegebenheiten gab es nicht allzuviele Alternativen) dringend empfohlen. Kosten der Maßnahmen insgesamt: 60.000 Euro.
    Tatsächlich sparen wir ca ein knappes Drittel an Energie und damit auch die entsprechende Schadstoffmenge ein. Obwohl sich das Ganze pekuniär eh nie rechnen wird, lauert die Bestrafung in Form der geplanten Preiserhöhungen trotzdem. So weit, so schlecht.
    Wir sind seit Jahren nicht mehr geflogen und verzichten sowohl auf Kreuzfahrten als auch auf Fähren wie die beliebten Schwerölkutter nach Korsika, Sardinien etc.
    Was ich mir erlaube, ist auf die allgegenwärtige Heuchelei hinzuweisen, so wie andere das auch tun.
    Künstlich erzeugtes Eis zur Belustigung? Seid Ihr von allen guten Geistern verlassen? Fest gegen Ablassscheine? Seid Ihr wahnsinnig?
    Nein, Glaubwürdigkeit sieht ganz anders aus.
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