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Karlsruhe Kita-Situation in Karlsruhe: Welche Angebote gibt es für berufstätige Eltern?

Momentan tut sich in Karlsruhe und Umgebung einiges in Sachen Kinderbetreuung: Die Stadt diskutiert über längere Kita-Zeiten und Aufstockung der Plätze. Dennoch kein Kita-Platz in Aussicht? Welche Möglichkeit es noch gibt, Familie und Beruf zu vereinbaren, zeigt ein neues, landesweit einmaliges Projekt in Ettlingen.

Die Entscheidung zwischen Familie und Beruf war vielleicht vor 50 Jahren noch üblich, doch 2015 will die Mehrheit - ob Frau oder Mann - diese Wahl nicht mehr treffen müssen. Dafür ist sie auf Betreuungsangebote angewiesen. Seit dem 1. August 2013 haben Eltern für ihre Kinder ab Vollendung des ersten Lebensjahres bis zum dritten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung oder in der Kindertagespflege.

"Da der Rechtsanspruch sowohl durch einen Kitaplatz als auch durch eine Tagesmutter erfüllt werden darf, gab es keine Engpässe. Allerdings mussten wir mit einigen Eltern, die keine Tagesmutter wollten, aber keinen Kitaplatz in ihrer Nähe gefunden haben, Kompromisse finden, beispielsweise eine weiter entfernte Kita", verrät Claudia Schäfer vom Karlsruher Bündnis für Familie der Stadt.

Das diskutiert der Gemeinderat am Dienstag

Solche Kompromisse werden vielleicht bald nicht mehr nötig sein. Am Dienstag wird im Gemeinderat über den weiteren Ausbau von Kita- und Hortplätzen abgestimmt. Wie im Jugendhilfeausschuss vorberaten, sollen bis September 2017 90 Plätze für Kinder unter drei Jahren, 100 Plätze für Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt sowie 40 Hortplätze geschaffen werden.

Zusammen mit bereits laufenden Kita-Ausbau-Projekten soll so die Versorgungsquote - das Verhältnis von in Karlsruhe wohnhaften Kinder zu vorhandenen Betreuungsplätzen - für Kinder zwischen null und drei Jahren von 33,3 Prozent im Juni 2015 bis 2018 auf 47,8 Prozent ansteigen. Für Kinder zwischen drei Jahre bis zum Schuleintritt soll die Versorgungsquote 2018 92,8 Prozent statt 89,2 Prozent im Juni 2015 betragen. Die neuen Planungen umfassen laut dem Antrag an den Gemeinderat Ausbauprojekte in Knielingen sowie in der Ost- und Nordweststadt. 

24 Stunden-Kita in der Fächerstadt?

Nicht nur Kitaplätze an sich beschäftigen die Stadt, sondern auch die jeweiligen Öffnungszeiten. Aktuell werde laut Claudia Schäfer diskutiert, ob Bedarf besteht, dass bestimmte städtische Kitas länger geöffnet sind. Die momentan längsten Öffnungszeiten habe die Betriebs-Kita "Klinikzwerge" des Städtischen Klinikums: von 5.45 bis 21.15 Uhr. Das Caritas Kinder- und Familienzentrum Sonnensang in der Moltkestraße habe für Kinder ab drei Jahren ebenfalls verhältnismäßig lange geöffnet - von 6.30 bis 18.30 Uhr.

Eine 24 Stunden-Kita gibt es demnach nicht in Karlsruhe. "Innerhalb der Stadt gibt es die Diskussion, ob das überhaupt eine geeignete Betreuungsform ist. Dieses Angebot wird in Deutschland gar nicht so stark genutzt", meint die Mitarbeiterin der Sozial- und Jugendbehörde. Schäfers Gesamteindruck zur Kitasituation in Karlsruhe lautet: "Es gibt ein breites Angebot vieler verschiedener Träger, eine große Bandbreite an Konzepten und Zeiten."

Doch nicht nur die unter sechs-Jährigen wollen betreut werden, auch Grundschulkinder brauchen Beaufsichtigung, falls ihre Eltern nachmittags noch arbeiten. Wie auch Kitaplätze werden Ganztagsschulen am Dienstag Thema im Gemeinderat sein. Wie im Schulbeirat vorberaten, sollen die Oberwaldschule Aue - bisher halbtags geöffnet - und die Marylandschule - bislang ausschließlich eine Ganztagsschule -  beide Optionen anbieten.

Außerdem soll nachmittags je eine zusätzliche Betreuungskraft pro Schule zur Verfügung stehen. So würde der Personalschlüssel an Ganztagsschulen dem eines Horts angeglichen: Für maximal 28 Kinder stehen dann zwei Fachkräfte, für 29 bis 53 drei und ab 54 Kinder vier Fachkräfte zur Verfügung. Laut dem Antrag sind seit dem Schuljahr 2015/16 17 der 44 Karlsruher Grundschulen Ganztagsschulen.

Landesweit einmaliges Angebot

Egal. wie alt das Kind ist und welche Angebote die Stadt bereitstellt - in Ettlingen gibt es seit Oktober für alle Eltern eine Möglichkeit, Familie und Beruf unter einen Hut - beziehungsweise in diesem Fall unter ein Dach - zu bekommen. Der Ettlinger Frauen- und Familientreff e.V. (effeff) hat in seinen Räumen in der Middelkerkerstraße 2 ein Eltern-Kind-Büro eröffnet. Das Prinzip ist einfach: "Mütter und Väter mieten sich in das Büro ein, bringen sowohl ihr Notebook als auch ihr Kind mit und erledigen an einem der zur Verfügung stehenden Arbeitsplätze ihren Job. Im Spielzimmer werden die Kinder abwechselnd von den Eltern selbst betreut", erklärt Rebecca Michel-Schmelzeisen vom effeff. 

Das Büro des effeff sei der erste Co-Working Space mit Kinderbetreuung in Baden-Württemberg, der für jeden zugänglich ist - unabhängig vom Arbeitgeber. So können Arbeitnehmer mit Home-Office-Option, Selbstständige, Studenten und Lehrer, die Unterricht vor- oder nachbereiten, das Angebot nutzen. Unternehmen haben die Möglichkeit, ihren Mitarbeitern diese Betreuungsmöglichkeit anzubieten. Eine Firma aus Ettlingen hat laut Michel-Schmelzeisen bereits angebissen.

Acht Plätze zu ergattern

Bislang nutzen drei Mütter das Angebot, vier weitere haben Interesse angemeldet. Zu Beginn sei auch ein Mann dabei gewesen, gemeinsam mit seiner Frau - doch dem Paar war letztendlich der Anfahrtsweg zu weit. Acht Arbeitsplätze stehen maximal zur Verfügung. Die Betriebskosten werden unter allen Teilnehmern aufgeteilt. Das Eltern-Kind-Büro ist montags, mittwochs und freitags von 9 bis 13 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Interessierte können sich per Mail an eltern-kind-buero@effeff-ettlingen.de oder telefonisch unter 07243/12369 anmelden.

Doch was, wenn Eltern spät abends oder am Wochenende einen Betreuer für ihr Kind benötigen? Eine Möglichkeit für Karlsruher Mütter und Väter ist, über die Babysitter-Börse der Stadt jemanden zu finden, der regelmäßig in solchen Situationen einspringen kann. "Es ist kein Standard, dass eine Stadt das bietet", so Claudia Schäfer. Auch der Onlineratgeber "Studieren mit Kind" sei ein besonderes Angebot. Für Notfallsituationen - wenn beispielsweise das Kind plötzlich krank wird und nicht in die Kita kann - sei Karlsruhe allerdings verhältnismäßig schlecht gewappnet. 

Wirtschaftsfaktor Familienfreundlichkeit

Wenn es um Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht, sind neben der Stadt und Vereinen auch Unternehmen gefragt. Aktuell haben Schäfer zufolge 21 Karlsruher Unternehmen eine Betriebskita oder für die Kinder ihrer Angestellten Plätze in einer externen Kita reserviert. Weitere Angebote wie etwa finanzielle Zuschüsse für die Betreuung oder ein Eltern-Kind-Arbeitszimmer stellen ebenfalls einige Unternehmen in der Fächerstadt zur Verfügung. Das sollten sie auch, wie Schäfer betont: "Gerade größere Unternehmen und Branchen mit hochqualifizierten Arbeitnehmern können sich nicht leisten, das nicht zu tun, wenn sie gute Leute bekommen wollen."

 

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  • unbekannt
    (798 Beiträge)

    24.11.2015 19:36 Uhr
    Junge,äh Alde,
    wenn die Menschheit mehrheitlich deutsch gewesen wäre wäre sie schon lange ausgestorben.
    Will eure Kanzelerin deswegen...nein ich fröne mal nicht meiner misanthropischen Ader.
    Arme Eltern *schnief*
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  •   Bernd
    (334 Beiträge)

    24.11.2015 12:15 Uhr
    Der wahre Grund für Naidoos Aus
    sind sie auch dafür, das X. Naidoo zum Grand Prix de Eurovision für Deutschland fährt?
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  •   silberahorn
    (9644 Beiträge)

    24.11.2015 08:31 Uhr
    "falls ihre Eltern nachmittags noch arbeiten"
    Was soll das denn?
    Kinderlose jammern gerne, dass sie arbeiten müssen, während halbtags arbeitende Eltern "nachmittags in der Sonne sitzen".
    Das mit dem "nachmittags in der Sonne sitzen" habe ich selbst viel zu oft gehört.

    "Nehmen Sie das Kind weg, hier wird gearbeitet", kam aus dem Mund einer Kinderlosen, als ich das Kind mitbrachte, damit ich Berufstätigkeit von zu hause überhaupt fortsetzen konnte.
    Natürlich ist es Stress, weil man zusätzlich aufpassen muss, dass solche Leute Kindern nichts tun, damit die anfangen zu schreien. Und danach kommt noch scheinheilig: "Da sieht man doch, dass es nicht geht."

    Ich bewundere alle Eltern, die nervenstark zufrieden sind, sich für Kinder entschieden zu haben. Bei der Alleinverdienerfamilie mit Mutter am Herd, da kam eben manch ein Ehemann heim und meinte, dass die Frau den ganzen Tag in der Sonne sitzen konnte.

    Schon meine Großeltern haben sich Arbeit/Familie geteilt. In Karlsruhe ist man eben etwas langsamer und geordneter.
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  •   Mobfel
    (186 Beiträge)

    24.11.2015 10:20 Uhr
    Als ehemaliger, alleinerziehender Vater in Teilzeitbeschäftigung...
    .... kann ich sehr wohl bestätigen, dass ich nachmittags viel öfter nachmittags in der Sonne gesessen bin, als jetzt in Vollzeitbschäftigung. Ich bin mit meinen 2 kindern nämlich raus gegangen und natürlich hat man, auch trotz der Verantwortung, viel mehr Freizeit als Vollzeitbeschäftigte (jedenfalls an einem Arbeitstag zwinkern ). Auch war mein Alltag sicher entspannter, da ich einen halben Tag Zeit habe Dinge zu erledigen, für welche ich nun entweder frei nehmen muss, oder es Abends noch schnell erledigen muss. Ich empfand es durchaus als Segen, nur den halben Tag arbeiten zu müssen. Ich sehe es nämlich auch nicht als "Arbeit" an, mich um meinen Nachwuchs kümmern zu können. Es gibt sicher kein "besser" oder "schlechter", allerdings kann ich die Selbstbeweihräucherung mancher alleinerziehender nicht mehr hören. Die Entscheidung zu einem oder mehrerer Kinder sollte man überdenken und bewusst fällen. Arbeit, Stress, ect. sprechen eher gegen eine bewusste Entscheidung.
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    (998 Beiträge)

    24.11.2015 19:24 Uhr
    Danke
    Dass es mal jemand zugibt. Dafür einen Megapunkt.
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  •   silberahorn
    (9644 Beiträge)

    24.11.2015 10:45 Uhr
    Auch Kinderlose
    dürfen gerne nur halbtags arbeiten und nachmittags in der Sonne sitzen. grinsen
    Nur wenn das Rentenalter kommt sollten sie nicht meckern, falls diese zu gering ausfällt. Das haben sie dann mit anderen Halbtagsbeschäftigten gemeinsam.
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