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Karlsruhe Kennen Sie schon "Plogging"? So begeistert eine Sport-Idee aus Schweden erste Anhänger in Karlsruhe

"Plogging" - der Trendsport aus Schweden ist nun auch in Karlsruhe angekommen. Dabei sammeln umweltbewusste Jogger während ihres Lauftrainings Müll entlang der Strecke auf. In sozialen Netzwerken ist der umweltbewusste Trend seit einigen Monaten bereits Thema - in Karlsruhe schnürten am vergangenen Wochenende die ersten "Plogger" im Hardtwald ihre Laufschuhe. Unterstützung erhalten die Läufer von Revierförster Bernd Struck, der den Trendsport in Karlsruhe gerne etablieren möchte.

Es sind nicht viele Dinge, die man zum Plogging benötigt: Eine Mülltüte, Handschuhe, eine Strecke durch die Stadt oder den Wald. Und am besten Mitstreiter - denn: "Gerade in der Gruppe macht es besonders viel Spaß!" So lautete das Fazit des ersten "Plogging"-Treffs im Karlsruher Hardtwald.

Was bedeutet "Plogging"?

 "Plogging" vereint den schwedischen Begriff "plocka" (aufheben) mit "Jogging" und bedeutet zusammengefasst: Laufen gehen und dabei Müll aufsammeln. Rund 20 Menschen machten genau das am vergangenen Wochenende: Im Rahmen der Karlsruher Dreck-Weg-Wochen "ploggten" Jung und Alt gemeinsam im Hardtwald hinter dem Karlsruher Schloss und befreiten den Wald von Müll.

Plogging in Karlsruhe
Bild: Lena Kube

Bei der städtischen Aktion variierten die Laufstrecken je nach Leistungsniveau zwischen fünf und 7,5 Kilometern. Während die jüngeren Teilnehmer - Familie und Kinder - eine solide Walkingstrecke zurücklegten, waren andere "Plogger" einen Schritt schneller unterwegs und absolvierten über sieben Kilometer. Sie alle vereinte jedoch ein Ziel: Die Laufstrecke zu entmüllen und sich dabei sportlich zu betätigen.

 

 

Wie viel Abfall im Wald zurückbleibt, zeigt ein Blick in die Müllsäcke: Schon nach der Hälfte der Strecke waren die orangefarbenen Tüten mit Plastik, Papier, Glas - aber auch Gummistiefeln, Zigarettenschachteln und sogar einem Stück Wellblechdach gefüllt.

Plogging
Plogging in Karlsruhe: Das Wellblech ist zu groß für die Mülltüte. | Bild: Kube

"Es ist der Wahnsinn, wie viel Müll wir gefunden haben", sagt Teilnehmerin Beate Brehm nach der Aktion im Gespräch mit ka-news. Am Ende des "Ploggings" ist ein großer Behälter mit Plastikmüll gefüllt, darunter auch ein Fahrradreifen und die Plane eines Autohändlers, die wohl der Wind in den Wald getragen hat.

Plogging in Karlsruhe
Gesammelter Müll der Plogging-Aktion. | Bild: Lena Kube

Beim ersten Plogging-Treff ist auch Bernd Struck mit dabei: Der stellvertretende Leiter des Forstamtes und Revierförster in Karlsruhe "ploggt" am Samstag wie alle Teilnehmer zum ersten Mal - und ist begeistert. Er sammelte auf 7,5 Kilometern den Müll ein - und versuchte auch nach der Aktion vorbeikommende Jogger für den neuen Trend zu begeistern.

Plogging in Karlsruhe
Bernd Struck beim ersten "Plogging" in Karlsruhe. | Bild: Lena Kube

Der spontane Überzeugungsversuch hatte einen mäßigen Erfolg, viele Jogger lehnten die angebotene Mülltüte zunächst ab. Als Förster würde sich Struck über eine "Plogging"-Szene in Karlsruhe freuen. Denn: Besonders im Wald rund um das Wildpark-Stadion oder an öffentlich Grünflächen wie dem Fasanengarten bleibe viel Müll in der Natur zurück. "Der Müll im Wald ist eine große Herausforderung. Vor allem an Parkplätzen und Orten, an denen sich Menschen länger aufhalten", sagt Struck im Gespräch mit ka-news.

Forstamt räumt 1.600 Stunden pro Jahr den Wald auf

Das Forstamt freut sich über jede Unterstützung: Im vergangenen Jahr wendeten Mitarbeiter 1.600 Stunden für die Müllentfernung im Wald auf. Oder anders ausgedrückt: Würde das Forstamt einen einzelnen Mitarbeiter für das Müllsammeln im Karlsruher Wald einteilen, wäre dieser das ganze Jahr fast ausschließlich damit beschäftigt.

Plogging in Karlsruhe
Bild: Lena Kube

Fest steht: Plogging ist nicht nur ein neuer Trend, sondern berührt ein reales Problem. Die zunehmende Verschmutzung der Wälder und Grünflächen. In den Wintermonaten muss das Forstamt einmal in der Woche Waldparkplätze, Grillstellen und Co. aufräumen. In den Sommermonaten ist durch die verstärkte Nutzung der Flächen zweimal in der Woche "Müllrunde" fällig, so Struck, bei welchen die Hinterlassenschaften der menschlichen Besucher entfernt werden.

Forstamt möchte regelmäßige Plogging-Aktion in Karlsruhe starten

Wie es mit dem Plogging-Trend in Karlsruhe weitergeht, das bleibt abzuwarten. In den sozialen Netzwerken sucht man für die Fächerstadt noch vergebens nach Mitstreitern in Form von Plogging-Gruppen. Wer nicht alleine losploggen will, für den hat Struck eine vielversprechende Ankündigung.

"Wir möchten jedes Jahr Ende März den Tag des sauberen Waldes einführen und an diesem Tag gemeinsam mit den Lauftreffs Plogging-Aktionen veranstalten" so Bernd Struck vom Amt für Forstwirtschaft. "Wenn jeder Lauftreff einmal im Jahr mitmacht, wären alle Wälder ein bisschen sauberer."

Förster Bernd Struck | Bild: privat

Wer nicht so lange auf sportliche Mitstreiter gegen den herumligenden Müll in der Umwelt warten möchte, der kann an einer anderen Challenge der sozialen Netzwerke teilnehmen: Passend zum Trendsport aus Schweden geht derzeit auf Facebook, Twitter und Instagram der "Trash-Tag" um. 

Die Challenge funktioniert so: Eine vermüllte Stelle in der Stadt oder im Grünen wird fotografiert, dann aufgeräumt und das Ergebnis erneut in Bildern und Hashtags festgehalten. Wie Plogging, nur etwas langsamer - aber nicht minder effektiv.

Liebe Leser, Ihre Meinung ist gefragt: Joggen Sie noch oder ploggen Sie schon? Oder engagieren Sie sich anderweitig für den Umweltschutz? Was halten Sie von den neuen Umwelttrends in den sozialen Medien? Sagen Sie uns Ihre Meinung - wir freuen uns über Ihre sachlichen Kommentare zum Thema unter diesem Artikel!

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  •   Kiwi
    (282 Beiträge)

    04.04.2019 13:14 Uhr
    "Plogging" neue Sportart
    Von Schweden kann man nur Vernünftiges lernen.
    a) Schule schwänzen
    b) Müll sammeln
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  •   ChaosHamster
    (4 Beiträge)

    04.04.2019 10:56 Uhr
    Ich denke...
    ...es gibt drei Kategorien von Menschen in diesem Fall ... Dreckwutzn die Ihren Müll in die Umwelt werfen, Leute die immerhin ihren Müll wegräumen und es gibt die Leute die sich aufraffen können den Müll von anderen zu entfernen ohne, dass sie selbst welchen verursachen.

    Ich persönlich gehöre zur 2. Kategorie und finde es gut aber gut, dass es Menschen gibt, die noch die Power haben/die Zeit finden um sich so zu engagieren.

    Klar sollte man auch an die Verursacher treten... aber die zu finden ist nicht leicht. Und solange das nicht möglich ist danke ich den "Ploggern" (auch wenn ich den Ausdruck mäßig finde) für Ihre gemeinnützige Arbeit.
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  •   flo-mi
    (427 Beiträge)

    03.04.2019 22:56 Uhr
    Grundsätzlich....
    ... eine Idee, die nicht schlecht ist.
    Mich freut es, wenn ich sehe, dass nachdem die Plogger durch sind, weniger Müll in der Landschaft liegt.
    Grund: Es werden Materialien aus der Natur entfernt, die dort nicht hin gehören.
    Leider frage ich mich, ob sich dann nicht die ganzen Mitmenschen, denen es egal ist, und die ihren Müll in die Umgebung pfeffern, denken werden: Prima, ein Anderer räumts schon weg. Die denken sich dann noch: Cool, dann sorge ich mal dafür, dass die "Sportler" wieder was zu tun haben.
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  •   Lipa
    (813 Beiträge)

    03.04.2019 21:12 Uhr
    ich habs probiert
    und mußte feststellen, dass das Plogging eine Schnapsidee ist, die bei MIR nicht funktioniert. Entweder laufe ich oder sammle Müll, beides zu tun ist schlichtweg "Mist".
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  •   Peacemaker
    (423 Beiträge)

    03.04.2019 20:33 Uhr
    Ich verstehe nicht so ganz,
    wie das funktionieren soll. Beim Laufen hält man an, um Müll aufzusammeln? Das hat dann mit Soprt nichts mehr zu tun. Ob das für den Wald gut ist, wenn sich ganze Rudel durchs Unterholz schlagen, um Müll aufzusammeln, darf auch bezweifelt werden.

    Bei allen guten Absichten, ich halts für einen schlecht praktikablen und eventuell schädlichen Modetrend.
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  •   Krawallradler
    (507 Beiträge)

    03.04.2019 21:17 Uhr
    genau
    dann ist es schon besser den Müll einfach im Wald liegen lassen. Wenn das nichts mit Sport zu tun hat. Nachher hat noch einer Rückenschmerzen.

    Und vor allem die ganzen Rudel im Unterholz sind wirklich gefährlich für den Wald. Das belastet auch das Oberholz. ^^
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  •   barheine
    (126 Beiträge)

    03.04.2019 15:06 Uhr
    Ich finde...
    ...mittlerweile fast im Wochentag auf meinen Mountainbiketouren im Wald illegale Müllkippen. Meistens handelt es sich dabei um alte Elektrogeräte, Autoreifen, Bauschutt oder Farbreste, was mich mal vermuten lässt, dass irgendwelche dubiosen Handwerksbetriebe hier kostengünstig ihren Müll entsorgen.
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  •   Kiwi
    (282 Beiträge)

    03.04.2019 14:48 Uhr
    Haben sich eigentlich schon Neubürger gemeldet?
    Die könnten doch Müll sammeln für ihren Unterhalt - Krankenfürsorge - Unterkunft und das Smart-Phone.
    Ist nur so eine Idee von mir, möchte nicht in die berüchtigte Ecke gestellt werden.
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  •   HerrNilson
    (1093 Beiträge)

    03.04.2019 17:35 Uhr
    Zu spät
    Mit diesem Kommentar haben Sie sich selbst da rein gestellt.
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  •   Kiwi
    (282 Beiträge)

    03.04.2019 18:48 Uhr
    Zu spät
    Habe mich umgeschaut/ umgehört ich bin nicht allein zwinkern
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