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Karlsruhe Karlsruher Zoo: Ist die Elefanten-Haltung noch artgerecht?

Nachdem sich der Karlsruher Gemeinderat in seiner letzten Sitzung vom Ziel, den Masterplan für den Zoologischen Stadtgarten bis 2015 plankonform in die Tat umzusetzen, verabschiedet hat, stößt Baubürgermeister Michael Obert nun ein neues Motiv an. Laut ihm sei es an der Zeit, ein Leitbild mit Modernisierungsmaßnahmen zu entwickeln. Hauptaugenmerk liege dabei langfristig auf dem Elefantengehege. Ist die Haltung der Karlsruher Dickhäuter etwa nicht mehr artgerecht? ka-news hat einen Blick ins neue Säugetiergutachten geworfen, nach welchem sich die Verantwortlichen künftig richten müssen.

Eine Modernisierung des Karlsruher Zoos muss her, viele Anlagen entsprechen nicht mehr den Anforderungen für einen zeitgemäßen Zoos - das stellt Baubürgermeister Michael Obert im Gespräch mit ka-news fest. Ein neues Konzept also, das den alten Masterplan ersetzen soll? "Das Konzept 2007 hat sich nur mit der baulichen Entwicklung im Karlsruher Zoo beschäftigt", erklärt der Zoodezernent.

Rund 25 Millionen Euro für Modernisierungen geplant

Der Kostenpunkt für alle fälligen Modernisierungen, die er sich vorstelle, liege nach ersten Schätzungen von Obert bei etwa 25 Millionen Euro. Der Umbau des Tullabades ins neue Exotenhaus kostet dabei allein 18,5 Millionen Euro und kommt hinzu.

Aber welche Tiergehege genau müssen langfristig umgemodelt werden, damit sie den modernen Richtlinien an eine artgerechten Haltung entsprechen? Im Vordergrund der Planungen stehen laut Obert die Elefanten: Zwar habe man nach dem großen Brand schon das bestehende Elefantenhaus erweitern können, sodass "im Augenblick hier der größte Druck herausgenommen ist" - jedoch müsse man mit der künftigen Zooleitung bei Zeiten die künftige Art der Haltung der Rüsseltiere diskutieren.

Neues Säugetiergutachten: Karlsruher Zoo muss aufholen

Das ist vor allem nötig, da das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit dem Jahr 2014 ein neues Säugetiergutachten herausgebracht hat, worauf auch die Grünen im Karlsruher Gemeinderat zuletzt mit Sorge verwiesen. Dieses beschreibt auf 300 Seiten die Mindestanforderungen an die Haltung von Zoo- und Haustieren.

Das Säugetiergutachten stellt klar: "Die Haltung von Elefanten stellt höchste Anforderungen an das Management - wie Fütterung, Hygiene, Lebensraumbereicherung, Populationsdynamik, soziales Umfeld - und erfordert besondere Kenntnisse über das Leben und Verhalten von Elefanten auch im natürlichen Lebensraum." Generell, so heißt es weiter, liege die mittlere Lebenserwartung von Zoo-Elefanten bei etwa 42 Jahren. Jeder Tiergruppe sollte sowohl ein langgestrecktes Innen-, als auch ein großes Außengehege zur Verfügung stehen.

"Elefanten brauchen mindestens 2.300 Quadratmeter Freilauf"

Die Mindestgröße des Außenstalls sollte 2.000 Quadratmeter betragen und sich in der Höhe auf 2,50 Meter belaufen. Im Innengehege ist von einer Mindestgröße von 330 Quadratmeter für bis zu vier Elefantenkühe die Rede - pro Bulle kommen 100 Quadratmeter hinzu. "Zusätzlich zur Gehegefläche muss mindestens ein Badebecken in der Größe von 60 Quadratmeter im Außen- oder Innengehege vorhanden sein."

Und wie sieht es mit den Dickhäutern im Karlsruher Zoo aus? Ist die Haltung der Tiere derzeit noch artgerecht? "Vor der überbrückenden Erweiterung des Elefantenhauses maß die Innenfläche 100 Quadratmeter - nun konnten wir sie auf insgesamt 300 Quadratmeter erweitern", erklärt Obert den ersten Schritt in Richtung Haltungsoptimierung - "das ist schon eine eklatante Verbesserung."

Haben die Karlsruher Elefanten zu wenig Platz?

In Sachen "Endgehege", welches derzeit noch in Planung ist, könne man aktuell noch keine Größenangaben machen. Hier komme es letztlich auf die Haltungsform der Elefanten an - "man unterscheidet zwischen der Zucht, der Bullen-Haltung, der so genannten "off hand"-Haltung und dem Pflegerkontakt." Letzteres beschreibt die Methode im Karlsruher Zoo.

Fest steht: Der Karlsruher Zoo und die Stadtverwaltung wollen und müssen langfristig ein neues Konzept unter anderem für die Elefantenhaltung entwickeln. Dies wird laut Obert ein Baustein des neuen modernen Leitbilds darstellen, das der Zoo nun erarbeiten wird.

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  •   Wuehlmaus
    (3488 Beiträge)

    16.07.2014 18:39 Uhr
    Hier
    Starport
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  • unbekannt
    (2169 Beiträge)

    16.07.2014 18:59 Uhr
    Ah stimmt
    da war ja was,ja wenn ich mehr HD-Material von KA hätte würde ich da auch ab und an was machen,ist eigentlich garnicht so schwer habe ich bemerkt.
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  •   Wuehlmaus
    (3488 Beiträge)

    16.07.2014 19:14 Uhr
    Du machst es mit Blender?
    Oder ist es zu aufwendig?
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  • unbekannt
    (2169 Beiträge)

    16.07.2014 19:22 Uhr
    Ich habe eine alte
    Cinema4D Lizenz (R11) und eine Adobe After Effects Lizenz CS5 beides halt nicht auf dem neusten Stand aber für mich als Hobbyist mehr als ausreichend,naja im Forum ist halt das Problem der beschränkten Auflösung was Bilder/animierte Gifs angeht,für Geburtstage lasse ich das alles in FullHD berechnen,da läuft die Kist schonmal eine Nacht durch.(bzw. schaltet sich dann ab wenn fertig dank Batchrendering)
    Mich würde ja die VRay Renderengine reizen,aber 999 US-Dollar sind mir dann doch zu teuer.(Obwohl für die Qualtität angemessen)
    Für 2D Sachen nutze ich Gimp.
    Blender wollte ich mal lernen,aber die Bedienung sagt mir einfach nicht zu.
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  • unbekannt
    (2354 Beiträge)

    16.07.2014 16:09 Uhr
    Genau
    Da sieht man Tiere, die abgemagert in engen Kastenboxen vor sich hinvegetieren. Andere liegen apathisch am Boden, wieder andere haben offene Wunden. Und immer wieder ist zu sehen, wie Ferkelauf den Boden oder gegen Mauerkanten geschlagen werden, bis sie tot sind. Die Macher der Reportage und Tierschützer sehen solche Zustände als Folge des Billigfleisches in Deutschlands Supermärkten.

    http://www.rp-online.de/leben/ratgeber/verbraucher/ard-reportage-deutschlands-schweinestaelle-so-reagiert-das-netz-aid-1.4388393
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  •   bergdoerfler
    (1656 Beiträge)

    16.07.2014 12:31 Uhr
    werden in Indien die Menschen argerecht in den Fabriken
    gehalten? Wie steht es mit den Arbeitselefanten im Fernen Osten? Wer kümmert sich darum?
    Elefanten auf dem Flugplatz anstelle der Esel? Da wäre Platz genug, dann noch die Zebras und die anderen Steppenbewohner dazu. Da freuen sich die Karnickel!
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  •   andip
    (10291 Beiträge)

    16.07.2014 11:58 Uhr
    Ein
    Zoo bietet in den seltensten Fällen die Möglichkeit einer artgerechten Unterbringung.
    Allerdings darf man nicht vergessen,dass man Zootiere nicht mit denen,die in der Wildnis leben,vergleichen kann.
    Das Wildtiere z.B. grössere Strecken zurücklegen, liegt daran,dass sie ihr Futter suchen müssen.Haben Zootiere nicht nötig,die bekommen es ins Maul gestopft.
    Das ein Zootier niemals in der Wildnis überleben könnte,sollte eigentlich klar sein.
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    16.07.2014 13:46 Uhr
    Sehe ich auch so,
    natürlich sind die Gehege immer zu klein. Aber die im Zoo geborenen zB Elefanten wissen ja gar nicht, dass sie normalerweise ein paar Kilometer am Tag durch die Steppe laufen. Und Löwen, zumindest die Männchen, bewegen sich in freier Natur auch nicht mehr als sie unbedingt müssen.
    In einem modernen und gut geführten Zoo wo die Tiere ihr Unterhaltungsprogramm haben ist es immer noch nicht artgerecht, es ist aber auch keine Tierquälerei. Unter diesem Begriff stelle ich mir etwas anderes vor.
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  •   JuliusM
    (2004 Beiträge)

    16.07.2014 17:00 Uhr
    :-)
    Und Löwen, zumindest die Männchen, bewegen sich in freier Natur auch nicht mehr als sie unbedingt müssen.

    Das trifft wohl auf viele Männer zu. grinsen
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  •   Kroeterich
    (61 Beiträge)

    16.07.2014 11:16 Uhr
    Falsche Zahlen und "artgerecht"
    "Die Mindestgröße des Außenstalls sollte 2.000 Quadratmeter betragen und sich in der Höhe auf 2,50 Meter belaufen." So ein Quatsch. Ein Gehege außen ist kein Stall (sonst wäre es ja nicht außen), und die Angabe 2,5 m bezieht sich auf die Höhe der Umzäunung! Die Richtlinien sind frei verfügbar online, aber offenbar hat sich niemand die Mühe gemacht, mal selbst zu recherchieren. Auch die Überschrift ist Blödsinn: "Artgerecht" bezieht sich auf die Ansprüche des Tieres, nicht auf deren Interpretation durch Richtlinien. Entweder die Haltung war bisher auch artgerecht oder sie war es noch nie. Der Begriff ist irreführend: die einen halten die gesetzlichen Vorgaben, die anderen die Verhältnisse in der Natur für den Maßstab. Beides ist nicht zutreffend; es geht um eine tiergerechte Tierhaltung, und die ist sehr wohl möglich. Man hält ja Tiere, nicht Arten, oder?
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