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Karlsruhe Karlsruher Rathaus: Warum wird alles rot gestrichen?

Das Rote Rathaus ist ein Wahrzeichen Berlins. Doch die Stadt Karlsruhe macht der Bundeshauptstadt vielleicht bald Konkurrenz: Denn das Karlsruher Rathaus bekommt derzeit einen rötlichen Anstrich. Vorbei die Zeit mit "Brombeer-Sahne-Joghurt"-Farben - jetzt wird's rot! Und das sei auch ganz im Sinne des Erbauers Friedrich Weinbrenners, sagen Experten.

Das Karlsruher Rathaus ist derzeit zum Großteil hinter einem Gerüst verborgen. Denn das Gebäude wird saniert, der Putz erneuert, die Fassade bekommt einen neuen Anstrich. Zum 300. Stadtgeburtstag soll das vom Karlsruher Architekten Friedrich Weinbrenner erbaute und 1825 eingeweihte Rathaus in neuem Glanz erstrahlen - und zwar in Rot.

Bürgermeister Obert: vielleicht gewöhnungsbedürftig - aber nicht falsch

An einer Ecke des Gebäudes (Karl-Friedrich-Straße/Zähringerstraße) kann man die neue Farbe bereits erkennen: nicht mehr violett und weiß, sondern einfarbig in einem erdigen beziehungsweise rostigen Rot-Ton ist die Fassade gestrichen. Die Farbe basiert auf einem Pigment aus der Gruppe der Eisenoxidrote. Der Fachmann nennt das "caput mortuum" (lateinisch für "Totenkopf").

"Es wird immer Menschen geben, denen die neue Farbe nicht gefällt", sagte Baubürgermeister Michael Obert am Montag im Karlsruhe Rathaus. Auch wenn der neue rötliche Anstrich für manche "gewöhnungsbedürftig sein mag, er ist auf jeden Fall nicht falsch." Die Stadt habe lange überlegt, in welcher Farbe die Fassade des Rathauses gestrichen werden soll. Das Ergebnis könne sich sehen lassen, so Obert.

 

Die Farbwahl ist kein Zufall: Experten haben geforscht, diskutiert und sich schließlich auf diesen Farbton geeinigt. Denn es gibt eine Schwierigkeit: in welcher Farbe Weinbrenner das Gebäude vor fast 200 Jahren streichen ließ, lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei nachvollziehen. Beschreibungen, die Weinbrenner hinterlassen hat, lassen zudem Interpretationsspielräume zu. Es gibt keine Farbreste aus dieser Zeit, keine Quellen. Auch die Darstellungen von Künstlern lassen keine eindeutigen Rückschlüsse auf die Originalfarbe zu.

Zweifarbigkeit passt nicht zu Weinbrenner

Ulrich Maximilian Schumann, Präsident der Friedrich-Weinbrenner-Gesellschaft, kommt in seiner Einschätzung aber zum Schluss, dass die Originalfarbe wahrscheinlich in einem Rotton gehalten war. Auch wenn er sich aus wissenschaftlicher Sicht auch ein "helles Grau" hätte vorstellen können. Doch viel wichtiger als die Farbe sei für Weinbrenner gewesen, dass das Gebäude als ein "einziger Baukörper in Erscheinung" trete. Sockel, Rahmen, Gesimse - alles gehörte nach Ansicht Weinbrenners zusammen und nur ein einheitlicher Anstrich könne dies angemessen zum Vorschein bringen. Daher werden diesmal die hervortretenden Teile im selben Ton, aber nur um wenige Nuancen heller, gestrichen.

Der Weinbrenner-Experte ist froh, dass die bisherige Zweifarbigkeit - er nennt sie "Brombeer-Sahne-Joghurt-Eis-Farben"  - nun verschwindet, da sie aus seiner Sicht nicht zum Verständnis von Weinbrenner gepasst habe. Der aktuelle Anstrich erinnere an Steine und Erden und wirke damit natürlicher als der bisherige Anstrich in violetten Untertönen aus den 1980er Jahren.

"Legitime Neuinterpretation in einem neuen Kontext"

Auch Anne Sick, Leiterin des Amtes Hochbau und Gebäudewirtschaft (HGW), war an der Suche nach der richtigen Farbe beteiligt: "Wir sind uns 100 Prozent sicher, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben." Der Rot-Ton harmoniere sehr gut mit den helleren Ocker-Tönen der Gebäude in der Umgebung am Marktplatz. Auch wenn es vielleicht nicht genau der Originalton sei, handele es sich um  eine "legitime Neuinterpretation in einem neuen Kontext", so Sick. Ganz im Geiste Weinbrenners.

Das Karlsruher Rathaus wurde nach Plänen von Friedrich Weinbrenner errichtet. Es wurde 1825 eingeweiht. Im Zweiten Weltkrieg wurde es schwer beschädigt. Nur der Turm und die Außenmauern blieben erhalten. VonApril bis November führt das Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft die Sanierung der Rathausdächer sowie eine Instandsetzung aller Stein- und Putzflächen der Weinbrenner-Fassadedurch. Die Dächer werden neu gedeckt und gedämmt, bei der Fassade stehen restauratorische Maßnahmen sowie Anstricharbeiten an. Das Land fördert die Sanierung mit 138.000 Euro. Insgesamt kostet die Sanierung rund zwei Millionen Euro. Die neue Farbe ist auch mit den Referat für Denkmalpflege beim Regierungspräsidium Karlsruhe abgesprochen.

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 Siehe auch:

Rathaus Karlsruhe: Land fördert Sanierung mit 138.000 Euro

Karlsruher Rathaus putzt sich raus: Fassade und Dächer werden saniert

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Kommentare (34)
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  • unbekannt
    (3304 Beiträge)

    27.08.2013 11:03 Uhr
    .
    wohl kaum.
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  • unbekannt
    (14337 Beiträge)

    27.08.2013 21:49 Uhr
    Doch,
    kommt auf die Mischung an ob mehr rot oder grün zwinkern
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  • unbekannt
    (126 Beiträge)

    27.08.2013 10:35 Uhr
    Und täglich grüßt das linksfaschistische
    Murmeltier.
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  •   yokohama
    (3390 Beiträge)

    27.08.2013 10:40 Uhr
    Medikation heute morgen vergessen?
    ?
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