Karlsruhe Karlsruher Meteorologe zu Unwettern: "Warnungen werden nicht nach Gutdünken herausgegeben"

Schwül warme Gewitterluft sorgt bereits seit einigen Wochen in Deutschland für örtlich, teils starke Niederschläge und Gewitter. Auch in einigen Regionen rund um Karlsruhe haben die Unwetter kräftig gewütet, Schäden angerichtet und die Rettungskräfte in Atem gehalten. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt regelmäßig für die Landkreise vor Unwettern und anderen markanten Wetterlagen. ka-news hat mit dem Karlsruher Meteorologen Bernhard Mühr gesprochen.

Herr Mühr, wie setzen sich Unwetterwarnungen allgemein zusammen ?

Unwetterwarnungen enthalten Hinweise zu bevorstehenden extremen Wetterereignissen und ihren möglichen Begleiterscheinungen. Die offiziellen beziehungsweise amtlichen Wetter- und Unwetterwarnungen gibt in Deutschland der Deutsche Wetterdienst heraus.

Werden bestimmte Warnschwellen überschritten, wie zum Beispiel die erwartete Regenmenge innerhalb einer Stunde, bestimmte Windgeschwindigkeiten oder Hagelkorngrößen, werden Unwetterwarnungen herausgegeben, in besonderen Situationen sogar Warnungen vor extremem Unwetter.

Blitze
Bild: Dipl.-Met. Bernhard Mühr, Karlsruhe www.wolkenatlas.de

Wie genau sind Unwetterwarnung hinsichtlich Ort  und Zeit?

Eine Unwetterwarnung umfasst Angaben zum Ort oder der Region, wo das Unwetter erwartet wird, zudem den relevanten Zeitraum. Dazu kommen Informationen über die Intensität der möglichen Begleiterscheinungen, sowie Hinweise zu möglichen Gefahren und kurze Handlungsempfehlungen.

Im Sommer beziehen sich Unwetterwarnungen häufig auf schwere Gewitter, die dann mit heftigem Starkregen, Blitzschlag, im Extremfall auch mit Hagel mit Korngrößen von mehr als 5 Zentimetern oder Orkanböen einhergehen können. Sie können Überflutungen auslösen, zu größeren Hagelansammlungen und Hagelschäden führen, heftige Böen Bäume entwurzeln.  

Wie kann es sein, dass Karlsruhe trotz Warnungen meistens von größeren Unwettern verschont blieb?

Die Genauigkeit der Vorhersage von Unwettern hinsichtlich der räumlichen Verteilung und des zeitlichen Auftretens hängt im Wesentlichen von der Art des extremen Wetterereignisses ab. Während winterliche Sturm- oder Orkantiefs mit ihren Windfeldern 100.000 km² Fläche erfassen können oder ausgedehnte Regengebiete über mehrere Tage lang ihre Wassermassen über weiten Landesteilen abladen können, handelt es sich bei einzelnen Gewittern fast immer um kurzzeitige und räumlich eng begrenzte Ereignisse, die nur manchmal länger als eine Stunde andauern und auch nur einen Durchmesser von vielleicht 20 Kilometern haben. Nur größere Gewitterkomplexe haben auch längere Lebensdauern und größere Ausdehnungen.

Gewitter über Karlsruhe
Bild: Dipl.-Met. Bernhard Mühr, Karlsruhe www.wolkenatlas.de

Die besonderen Herausforderungen im Warnmanagement liegt bei sommerlichen Gewitterlagen in der Kürze der Vorwarnzeit. Heftige Gewitter können plötzlich und innerhalb von 30 bis 60 Minuten entstehen und praktisch überall auftreten. Eine konkrete Warnung kann immer erst dann erfolgen, wenn das betreffende Gewitter sich bereits gebildet hat und auf den Niederschlagsradarbildern als ein solches in Erscheinung tritt. Welche Intensität ein konkretes Gewitter erreicht, ob es Hagel produziert oder Sturmböen hervorbringt oder ob es 30 Minuten später überhaupt noch aktiv ist, lässt sich ebenfalls nur schwer vorhersagen.

Warnt man lieber für einen größeren Bereich, oder kann man sogar nur für einen größeren Bereich und gar nicht lokal warnen ?

Auch in Karlsruhe traten in der jüngeren Vergangenheit schon kräftige Gewitter auf, die mit Hagel, Sturmböen oder Überflutungen verbunden waren. Eine besonders große Gewitterhäufigkeit kann Karlsruhe aber in der Tat nicht attestiert werden. Dennoch ist eine Warnung auch für das Stadtgebiet von Karlsruhe durchaus gerechtfertigt, wenn ein Gewitter sich beispielsweise bei Malsch oder Ettlingen entlädt.

Wie viele Unwetterwarnungen wurden in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr raus geschickt? Waren es mehr oder weniger?

Die Anzahl der Unwetterwarnungen hängt von der Andauer der gewitterträchtigen Wetterlagen ab, die in diesem Jahr bereits seit Mitte Mai andauert. An den meisten Tagen wiederholt sich der Wetterablauf mit nachmittäglichen und abendlichen Gewittern, die dann zahlreich auftreten. Entsprechend viele Wetterwarnungen und Unwetterwarnungen lassen den Eindruck einer besonders großen Häufigkeit der Warnungen entstehen.

Wolken über Karlsruhe
Bild: Dipl.-Met. Bernhard Mühr, Karlsruhe www.wolkenatlas.de

Führen viele Warnungen vielleicht sogar dazu,  dass sie nicht mehr ernst genommen werden. So nach dem Motto: Es wurde schon so oft gewarnt, da war nie was!

Unwetterwarnungen werden nicht nach Gutdünken herausgegeben und sind in aller Regel gerechtfertigt Man mag darüber diskutieren, ob jede sommerliche Gewitterlage einer intensiven Bewarnung bedarf, doch sollten selbst "normale" Sommergewitter nicht unterschätzt werden. Ihrer Entstehung und Natur handelt es sich immer um heftige Wetterereignisse mit entsprechendem Gefahrenpotential.

Gewitter haben in ihrem räumlichen und zeitlichen Auftreten eine große Zufallskomponente, die auch das Warnwesen vor große Herausforderungen stellt. Und häufig ziehen dann trotz aktiver Warnung Gewitter eben ein paar Kilometer weiter vorbei oder lösen sich überraschend schnell auf. Ernst genommen werden sollten die Warnungen in jedem Fall, beim nächsten Mal ziehen die Gewitter vielleicht nicht mehr vorbei.

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