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Karlsruhe Karlsruher Keramik: Finden in der Majolika künftig Empfänge und Hochzeiten statt?

Am heutigen Dienstag geht es im Karlsruher Gemeinderat um die Zukunft der Majolika: Die Kunst- und Keramikmanufaktur wurde seit der Übernahme durch die Majolika-Stiftung 2012 mit jährlichen Zuschüssen gefördert. Eine Förderung endete bereits 2015, nun steht die Frage nach der künftigen Finanzierung und Ausrichtung der Majolika im Raum.

In der Vorlage schlägt die Stadtverwaltung folgende Vorgehensweise zum Erhalt der Majolika vor: "Der Sperrvermerk über 40.000 Euro für das Haushaltsjahr 2016 wird aufgehoben und über den aktuellen Zuschuss hinaus überplanmäßig die an die KVVH zu bezahlende Miete als zusätzlicher städtischer Zuschuss, zum Ausgleich der Einnahmen aus dem ausgelaufenen Sponsoringvertrag (168.000 Euro, Anmerkung der Redaktion), genehmigt. Über die Miethöhe wird derzeit zwischen KVVH und Majolika verhandelt. Deckungsmittel sind durch Umschichtung vorhanden."

Stadt will Majolika erhalten

Weiterhin soll für kommenden zwei Jahre ein Grundzuschuss von 160.000 Euro genehmigt werden sowie eine einmaliger Ausgleich für den Wegfall einer Stadtförderung und der Aufgabe der Mieterträge aus Untermietverhältnissen.

Für 2017 veranschlagt die Stadt einen Zuschuss in Höhe von 350.000 Euro, für 2018 300.000 Euro - je inklusive der Miete. 2016 wird mit einem geringeren Betrag von 160.000 Euro und zusätzlicher Miete gerechnet. In den vergangenen Jahren (ab 2013) betrug die städtische Finanzspritze in Summe - inklusive Miete und Sponsoring - 328.000 Euro.

Unklar sind weitere Folgekosten, welche mit dem Erhalt der Majolika verbunden wären: Stimmt der Gemeinderat der Vorlage zu, so nimmt er zur Kenntnis, dass es einen "dringenden, notwendigen Sanierungs- und Handlungsbedarf" gibt. Wie dieser von wem und zu welchen Teilen finanziert werden soll, steht bislang noch nicht fest. Das Majolika-Gelände ist aktuell im Besitz der KVVH, der Karlsruher Versorgungs-, Verkehrs- und Hafen GmbH.

In den vergangenen Jahren konnte die Majolika Karlsruhe ihre Verluste von rund 546.000 Euro (2011) auf rund 10.000 Euro (2015) pro Geschäftsjahr reduzieren. Um den Kunstbetrieb in Zukunft wirtschaftlich noch besser aufzustellen, will die Stadtverwaltung "alternative Nutzungsszenarien" für das Areal erarbeiten.

Majolika als künftiger Trau-Ort?

Hierzu hat die Karlsruher FDP einen Vorschlag: In einem Zusatzantrag möchte sie die Majolika künftig als Trau- und Veranstaltungsort nutzen. "Wir haben im Zuge der Haushaltsstabilisierung von allen Seiten Einsparungen abverlangt. Es ist nicht vermittelbar, warum wir jetzt erneut den Zuschuss an die Majolika erhöhen sollen", so die Stadträte im Antrag. Die Logik: Mehr Kosten, mehr Nutzen: Daher solle die Majolika eine Zusatznutzung erfahren.

Die FDP weiter: "Wir wünschen uns, dass die Majolika in der Synergie mit der Cantina Majolika gänzlich als Trauungsort analog zum bisherigen Standesamt im Haus Solms ausgestattet wird." Zusätzlich soll die Majolika als "Repräsentationsort der Stadt Karlsruhe" genutzt werden. Die Empfänge, Bankette und so weiter, die derzeit im Haus Solms stattfinden, sollen in die Majolika verlegt werden. Das Haus Solms solle verkauft werden.

Ganz so einfach ist dieser Wunsch nicht umzusetzen: "Weitergehende Nutzungskonzepte, wie ein gewünschter Veranstaltungsort für Empfänge und Trauungen und eine damit verbundene Neuordnung erfordern ein Bebauungsplanverfahren", nimmt die Stadtverwaltung Stellung. Weiterhin sprechen Brandschutzgründe sowie mangelnder Platz gegen eine Nutzung als "Repräsentationsort".

Abstimmung im Gemeinderat

Am Dienstag, 20. September, wird das Stadtparlament über die Zukunft der Majolika entscheiden. Interessierte können die Debatte im Gemeinderat von der Empore aus verfolgen. Für Menschen mit einer Hörbehinderung steht dort eine Höranlage zur Verfügung. ka-news ist wie immer vor Ort und wird live von der Sitzung berichten.

Alle Unterlagen zu Sitzung gibt es hier (Link führt auf externe Seite)

 

Was ist die Majolika?

Die Ursprünge des "Majolika-Areals" gehen zurück auf die 60er Jahre des 19ten Jahrhunderts, als zur Versorgung des Schlosses das Großherzogliche Wasserwerk errichtet wurde. Kurze Zeit später wurden Magazingebäude für das Hoftheater ergänzt.

Das erste Majolika-Fabrikgebäude wurde in den Jahren 1908 bis 1909 errichtet. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts erlebte die Baukeramik eine Hochkonjunktur, von der auch die Majolika profitierte. Sie zog von ihrem nun zu kleinen Standort in ein zweigeschossiges, freistehendes Fabrikgebäude im Ahaweg. Dieses wurde in den Jahren 1911 und 1913 bereits im Stil der sogenannten "Reformarchitektur" aufgestockt und erweitert.

In dieser anhaltenden Phase der Prosperität entstand in der Majolika Karlsruhe unter anderem Keramik für das Kaufhaus Wertheim, den Leipziger Platz oder den Bahnhof Friedrichstraße in Berlin. 1946, nach Ende des zweiten Weltkrieges, wurde die Majolika unter der Ägide des Badischen Bezirksbauamts ein zweites und letztes Mal aufgestockt und hat seither weitgehend ihre jetzige Form.

2010 kündigte die Landesbank Baden Württemberg (LBBW) den Gewinnabführungsvertrag und beendet ihr Engagement bei der Majolika Karlsruhe als alleinige Gesellschafterin. Mitte des Jahres 2011 stand die Majolika bereits kurz vor dem endgültigen Aus.

Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 26. Juli 2011 einer Beteiligung der Stadt Karlsruhe als Gründungsstifterin mit einem Betrag von 50.000 Euro an der Majolika-Stiftung für Kunst- und Kulturförderung zugestimmt. In der gleichen Sitzung erfolgte auch der Beschluss zum Erwerb der Immobilie Majolika durch die KVVH aufgrund einer Gesellschafterweisung.

Durch weitere Zustiftungen, insbesondere einer Zustiftung des Landes Baden-Württemberg in Höhe von 50.000 Euro im vergangenen Jahr, liegt das Grundstockvermögen der Stiftung bei nunmehr 289.100 Euro. Die Beteiligungsquoten an der Stiftung betragen seitdem jeweils 17,3 Prozent seitens der Stadt Karlsruhe und des Landes Baden Württemberg.

Die Stiftung hat die vordringlichste Aufgabe, die 1901 durch den damaligen badischen Groß-Herzog Friedrich I. auf Initiative der beiden befreundeten Künstler Hans Thoma und Wilhelm Süs gegründete Majolika Manufaktur zu erhalten.

Mehr zur Majolika-Stiftung (Link führt auf externe Seite)

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  •   Rahmdieb
    (715 Beiträge)

    20.09.2016 14:49 Uhr
    Wieso Trauungen?
    Wären Polterabende nicht sinnvoller?
    Gesicherter Nachschub an Keramik wäre doch auch eine Beschäftigungsgarantie.
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