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Karlsruhe Karlsruher Drogenszene: Hier wird ganz öffentlich gedealt und konsumiert

Drogen und Spielplätze - eigentlich eine undenkbare Kombination. Dennoch werden Spielplätze immer wieder für Deals zweckentfremdet. Eine Expertin verrät, wo sich die Karlsruher Drogenszene häufig aufhält und warum Eltern betroffene Spielplätze nicht zur "No-Go-Area" erklären sollten.

Eigentlich sollten Kinderspielplätze ein Ort des Tobens voll von Spaß sein. So manchem Erwachsenen ist beim Blick auf den Spielplatz vor der eigenen Haustür aber so gar nicht zum Lachen zumute: Sie sorgen sich um den Zustand vieler Plätze und um die Sicherheit ihrer Kinder. Denn neben Zigarettenstummeln, Scherben und Hundekot finden sich auf Spielplätzen auch Hinterlassenschaften, die in Kinderhänden durchaus gefährlich sein können.

Vor allem auf dem Werderplatz in der Südstadt finden Anwohner immer wieder benutzte Spritzen, welche von Drogensüchtigen zurückgelassen wurden, berichtet ein ka-Reporter. "Das ist kein neues, sondern ein altes Problem", bestätigt Cordula Sailer, Drogenbeauftragte der Stadt Karlsruhe. Und es sind nicht nur Spielplätze, die zum Treffpunkt für Drogendealer und -konsumenten werden.

Diese öffentlichen Plätze sind häufig betroffen

Die Drogenbeauftragte kennt die Karlsruher Drogenszene schon seit Jahren. Wie viele Karlsruher tatsächlich drogenabhängig sind, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Allein im Jahr 2014 kamen zirka 1.000 Menschen zur Drogenberatungsstelle der Stadt Karlsruhe. "Die Dunkelziffer ist hier sehr hoch", meint die Expertin.

Dass Spielplätze zu jeder Tageszeit für Drogenverkauf und -konsum genutzt werden, hat einen einfachen Grund: "Es sind öffentliche Plätze", erklärt Diplompsychologin Sailer, "Dealer bevorzugen öffentliche, ungestörte Plätze." Dabei sind entgegen den subjektiven Eindrücken einiger Anwohner nicht immer die selben Orte betroffen. "Es herrscht ein ständiger Wechsel", meint Sailer- meist ausgelöst durch erhöhte Kontrollen vonseiten der Polizei.

Dennoch lässt sich in der Karlsruher City ein klarer "Problem-Stadtteil" identifizieren: "Die Südstadt ist ein Raum, in dem es sich ballt", meint die Drogenbeauftragte. Vor allem der Werderplatz gelte als beliebter Treffpunkt der Karlsruher Drogenszene. "Am Werderplatz findet sich eine bunte Mischung von Menschen: Drogenabhängige, Alkoholkranke, Wanderarbeiter oder Substituierte treffen hier zusammen." (Anm. d. Redaktion: Mit "Substituierte" sind drogenabhängige Menschen gemeint, die im Zuge ihrer Therapie Opiat- Ersatzmedikamente erhalten.)

Andere Orte, an denen man Drogenhandel und -konsum immer wieder beobachten könnte, sind nach Erfahrung der Drogenbeauftragen die Hildapromenade, der Schlossgarten, aber auch der Friedrichsplatz. Wie bei den Spielplätzen fände aber auch hier ein stetiger Wechsel statt, meint Sailer. Allerdings stellt die Drogenbeauftrage klar: "Die Belastung in Karlsruhe im Vergleich zu anderen Großstädten wie Frankfurt oder Mannheim eher als gering einzustufen. Dies ist sicher auch dem intergrierten Gesamtkonzept der Drogenhilfe Karlsruhe mit seinen verschiedenen Angeboten zuzuschreiben."

"Eltern dürfen den Platz nicht überlassen!"

Könnten verstärkte Kontrolle durch die Karlsruher Polizei helfen, das Drogenproblem in den "Brennpunkten" in den Griff zu bekommen? Sailer sieht in Kontrollen allein nicht die Lösung des Problems. "Repression ist eine Maßnahme für die Bevölkerung. Wenn es zu wenig Repression gibt, wird es für die Anwohner unerträglich", erklärt die Drogenbeauftragte.

Mit Polizeistreifen allein sei es allerdings nicht getan. "An der Zahl der Betroffenen ändert Repression allein nichts", lautet die Einschätzung der Expertin. Nur eine Mischung aus Prävention, Therapie, Schadensminimierung und Strafverfolgung hält sie für sinnvoll, um das Drogenproblem in Karlsruhe anzugehen.

Eltern, die Spritzen auf Spielplätzen finden, rät die Expertin, diese nicht komplett zu meiden. "Gerade, wenn Sie eine Häufung beobachten, sollten sie hingehen." Zwar könnte der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) bei Häufungen seine Erkenntnisse an die Karlsruher Polizeibeamten weitergeben; "aber der KOD kann nicht jede einzelne Spritze aufsammeln." Einzelne Spritzen könnten auch vom Finder selbst vorsichtig entfernt werden. Sailer stellt klar: "Öffentliche Plätze gehören zwar allen, aber ein Spielplatz ist für Kinder da. Eltern müssen hier Präsenz zeigen, und dürfen die öffentlichen Räume nicht Dealern überlassen."

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    12.10.2015 07:49 Uhr
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