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Karlsruhe Karlsruher Bundestagsabgeordnete über die Bonpflicht: Wie sinnvoll ist Papierflut wirklich?

Seit Beginn des Jahres gilt in Deutschland die Belegpflicht. Meterweise Kassenzettel wandern seitdem über die Ladentheken. Bei den Verkäufern und Kunden stößt das vor allem auf eines: Unverständnis. Denn der Sinn, der hinter der Papierflut steckt, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. ka-news.de hat beim Landesfinanzministerium nachgehakt.

Egal ob Kaffee, Brezel oder Friseurbesuch: Seit dem Jahreswechsel sind viele Betriebe verpflichtet, ihren Kunden einen Beleg anzubieten. Die "Bonpflicht" ist Teil eines neuen Gesetzes, das Steuerbetrug verhindern soll - vor allem bei Betrieben, in denen viel Bargeld über die Theke gereicht wird. 

Die meisten Kunden heben die Belege, die Ihnen nun - per Gesetz - bei (fast) jedem Kauf angeboten werden, allerdings nicht auf. "Vielleicht einer von hundert nimmt den Bon mit", sagt Verkäuferin Rosemarie Eberle von der Bäckerei Hatz in der Karlsruher Südstadt. Welchen Effekt sollen die Kassenzettel dann überhaupt mit sich bringen, wenn doch die meisten direkt nach dem Kauf im Mülleimer landen?

Rosemarie Eberle
Rosemarie Eberle ist Verkäuferin bei der Bäckerei Hatz in der Südstadt. | Bild: Ingo Rothermund

Wichtig für die Antwort ist: Die Belegausgabepflicht steht nicht für sich alleine, sondern ist Teil einer umfassenden Neuregelung. Dabei liegt das Augenmerk auf den elektronischen Kassen, in die die Käufe eingetippt werden - sogenannten "Registrierkassen". Sie sollen künftig manipulationssicher sein. 

"Werden Kaufvorgänge nicht eingetippt, hilft das beste Sicherheitssystem nichts" 

Die elektronischen Kassen erfassen automatisch viele Daten des Kaufs. Das Problem: "Heutzutage ist es möglich, dass digitale Grundaufzeichungen unerkannt gelöscht oder geändert werden können", schreibt die Bundesregierung in ihrem Gesetzesentwurf. Die Folge: Steuerausfälle. Das Finanzministerium des Landes Nordrhein-Westfalen schätzt, dass aufgrund von Kassenmanipulation bundesweit jährlich fünf bis zehn Milliarden Euro an Steuern ausbleiben.

Brötchen mit Kassenbon
Beim Brötchenkauf gibt es jetzt den Kassenzettel dazu - die Bonpflicht stößt vor allem bei Bäckereien auf Kritik. | Bild: Jan Woitas/zb/dpa

Jeder Verkäufer, der eine solche Kasse besitzt, muss sie bis Ende September umrüsten: Sicherheitssysteme sollen eingebaut werden, um eine Löschung der erfassten Vorgänge zu verhindern. An dieser Stelle kommen die Belege ins Spiel. "Sie sollen sicherstellen, dass ein Kaufvorgang auch wirklich in die Kasse eingegeben wird", teilt das Landesfinanzministerium auf Nachfrage von ka-news.de mit. "Werden Kaufvorgänge nicht eingetippt, hilft das beste Sicherheitssystem nichts." 

Darüber hinaus erfüllen die Bons einen weiteren Zweck: Denn jederzeit können unangekündigte Prüfer die Betriebe besuchen und um einen Kassensturz bitten. Sie stellen dann fest, ob das vorhandene Bargeld und die Kassenvorgänge zueinander passen. "Die Belege sind dabei wichtige Erkenntnisquellen mit denen sich eventuelle Manipulationen leichter feststellen lassen", erklärt das Landesfinanzministerium.  

Die Quittung kann auch digital übergeben werden

Damit die Belege ihren Nutzen erfüllen, müssen sie allerdings nicht auf Papier gedruckt werden. Wichtig ist nur die Tatsache, dass dem Kunden ein Beleg angeboten und überreicht wird. Neben dem üblichen Kassenzettel kann der Verkäufer Bon auch per SMS, Email oder QR-Code ausstellen.

Digitaler Beleg
Einfach über das Handy abrufbar: Der digitale Beleg. | Bild: screenshot @my.izettle.com

Auch in Karlsruhe entscheiden sich Betriebe gegen den "Zettelwahnsinn" und bieten die Belege digital an, beispielsweise der Handyreparaturladen "meisterhandy" in der Oststadt. Per SMS wird dem Kunden ein Link zugestellt, beim Klick darauf öffnet sich der Kassenbeleg. Die allermeisten der Kunden stünden dem Angebot offen gegenüber.

Papierflut in der Kritik: "Es belastet die Umwelt"

In vielen Geschäften ist das allerdings nicht der Fall und eine Flut an Belegen wird gedruckt. "Die Regelung schadet der Umwelt durch den stark erhöhten Bedarf an schwer recyclebarem Thermopapier", sagt Ingo Wellenreuther, Karlsruher Bundestagsabgeordeter der CDU, auf Nachfrage von ka-news,de.

Ausgliederung_Mitgliderversammlung am 29.06.2019 in Karlsruhe (Wildparkstadion), Germany
Ingo Wellenreuther, Karlsruher Bundestagsabgeordeter der CDU und KSC-Präsident. | Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

Gleicher Meinung ist sein Kollege Michel Brandt von den Linken.Beide stehen der Bonpflicht kritisch gegenüber. "Der Kampf gegen Steuerbetrug wird an der falschen Front geführt", so Michel Brandt.

Michel Brandt (Die Linke)
Michel Brandt, Karlsruher Bundestagsabgeordneter der Partei die Linke. | Bild: ps

Denn die Regelung treffe vor allem die kleinen Unternehmer. "Sie sind durch beachtliche Zusatzkosten und einen Mehraufwand die Leidtragenden", bestätigt Ingo Wellenreuther. Sein Vorschlag: "Einkäufe über eine kleine Summe und kleinere Betriebe sollten von der Belegausgabepflicht ausgenommen werden."

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Kommentare (22)
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  •   Oculus67
    (47 Beiträge)

    15.01.2020 22:06 Uhr
    Der Bäcker
    nicht, den interessiert ja auch Dein allgemeines Konsumverhalten nicht; aber irgendwann wird es ja von Deinem Konto/Kreditkarte/Guthaben abgebucht - mit einer Abrechnung.. Vom Bewegungsprofil, wenn man ständig smarte mobile Endgeräte mit sich führt, ganz zu schweigen - Geschmackssache.
    Meine Bemerkung war natürlich überspitzt (wobei es in China ja schon ähnlich läuft mit der totalen Überwachung), was ich meinte ist: Bargeld ist Datenschutz.
    Nicht jeder will bargeldlosen Geldverkehr, und über die Belege beim Einsatz von cash muss man zumindest diskutieren dürfen.
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  •   Maverick
    (125 Beiträge)

    15.01.2020 14:13 Uhr
    Bei Roxana gabs.....
    auch nie einen Bon. grinsen
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  •   BMWFahrer
    (238 Beiträge)

    15.01.2020 16:29 Uhr
    Doch
    Wenn man zum Bezahlen die Karte durch den Schlitz gezogen hat
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  •   myopinions
    (1016 Beiträge)

    15.01.2020 12:37 Uhr
    ..............es sprengt meine
    Vorstellungskraft, dass einer, der eine Brezel kauft sich den Bon per SMS, Email oder was auch immer ausstellen lässt.
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  •   zahlenbeutler
    (1407 Beiträge)

    15.01.2020 14:18 Uhr
    ich nehme da
    immer meinen Aktenordner mit Artikelnummernverzeichnis, Kontenplan und natürlich Locher, Hefter mit, gebe dem Bon eine Kassenbelegnummer, kontiere den Beleg, lochen, einordnen, auf dem Laptop buchen, dann kann ich der Verkäuferin und den hinter mir wartenden Kunden immer mitteilen, wieviel Brezeln, Schneckennundeln usw. ich gekauft habe, sogar tags/wochen/monatsweise, alle sind begeistert, ob so vieler wichtiger Informationen für sie
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  •   RoentgenKaffee
    (4 Beiträge)

    15.01.2020 16:45 Uhr
    Korrekte Einordnung
    Ich hoffe ja mal, dass zusätzlich mindestens ein Bild des Produktes pro Bon dabei ist. Ordnung muss schließlich sein!
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  •   zahlenbeutler
    (1407 Beiträge)

    15.01.2020 18:19 Uhr
    aber selbstverständlich
    da ich aber des Fotografierens ziemlich unfähig bin, habe ich dafür einen pensionierten ehemaligen Berufsfotographen engagiert, er macht gleichzeitig von allen im Raum befindlichen Menschen ein Porträtfoto, so entsteht eine Win-Win-Win-Situation und jeder kann dann fröhlich dem Tag entgegensehen.
    Ich hätte gern ein Bon für mein Bonbon, ist gebongt, sagte die Bonboniere und bonte, bon jour, bon ami
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  •   stefko
    (2151 Beiträge)

    15.01.2020 12:42 Uhr
    QR Code auf Kassendisplay
    Wenn ihn jemand wirklich braucht, "fotografiert" dieser ihn ab, oder halt eben nicht zwinkern
    Alle sind zufrieden und der "Bonpflicht" ist Genüge getan.
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  •   stefko
    (2151 Beiträge)

    15.01.2020 12:45 Uhr
    oder Plan B
    endlich überall Kartenzahlung ermöglichen. Dann hält man seine Karte, sein Handy oder die Uhr ans Terminal und gut ist. Dann braucht's auch keinen Bon, da ohne registrierten Kaufvorgang auch das Terminal nicht aktiviert werden kann.
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  •   Oculus67
    (47 Beiträge)

    15.01.2020 18:15 Uhr
    Und
    in 10 Jahren zahlt die Krankenkasse die Blutdruck-Tabletten nicht mehr, weil sie durch ein lückenloses Wochenprofil wissen, dass Du Dir jeden zweiten Tag eine Butterbrezel gekauft hast 🤣
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