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Karlsruhe Karlsruher Brunnen: Stadt kämpft gegen Scherben und Müll

Der Sommer ist in die Fächerstadt gekehrt. Bei sommerlichen Temperaturen bis zu 30 Grad wird es in den kommenden Tagen viele Karlsruher ins Freie ziehen. Abkühlung versprechen da die zahlreichen Brunnen und Wasseranlagen im Stadtgebiet. Das ist aber mitunter nicht ganz ungefährlich.

Es ist Ende Mai in der Fächerstadt: Karlsruhe feiert mit zwei großen Riesenrädern und Sommerwetter unter dem Motto "Ganz schön Drais" den 200. Geburtstag des Fahrrads. So mancher Besucher, vor allem die kleinsten, suchen Abkühlung in den zahlreichen Brunnen. Für ein Mädchen hat das aber schmerzhafte Folgen, wie ein ka-Reporter in einer Nachricht an die Redaktion berichtet. 

"Wir wollten uns die Beine im linken Springbrunnenbecken abkühlen, da lag ein Mädchen am Rand - mit stark blutenden Fußsohlen", so der ka-Reporter. Offenbar war das Mädchen in Scherben getreten, die sich im Becken befanden und hatte sich die Fußsohlen zerschnitten. Der ka-Reporter zeigt sich über diese Szene besorgt. "Unser Kleiner war auch schon dabei reinzugehen."

Eisbecher, Papiertüten und zerbrochene Flaschen 

Dass Scherben und anderer Müll in den Becken landen, das ist für Thomas Huber nichts Neues. Er ist Gartenmeister im Dienst für das zuständige Amt für Vermögen und Bau in Karlsruhe und kümmert sich um die zehn Wasserlinien, den Brunnen am Karl-Friedrich-Denkmal, den Seepferdchen-Brunnen und die Wassersäulen rund um das Karlsruher Schloss. Zum Planschen sind die Anlagen in erster Linie zwar nicht gedacht, ein explizites Verbot gibt es vonseiten der Landesbehörde allerdings nicht. 

Viermal in der Woche werden die Anlagen vor und hinter dem Schloss von einer Reinigungsfirma gesäubert, bei Bedarf kümmern sich auch die Schlossgärtner um den zurückgelassenen Unrat. Huber hat nach eigener Aussage schon so einiges in den Wasseranlagen gefunden: Eisbecher, Papiertüten, Plastikteilchen, aber auch zerbrochene Flaschen. Das kann nicht nur für Menschen, die eine Abkühlung suchen, gefährlich sein. Zurückgelassener Müll kann die Anlagen auch beschädigen. "Vergangene Woche musste eine Firma ein Abflussrohr durchfräsen, da der Brunnen überlief", schildert er im Gespräch mit ka-news. 

"Weniger Verantwortung für den öffentlichen Raum" 

Auch die Stadt Karlsruhe muss immer wieder genau hinsehen. Ganze 131 Brunnen befinden sich in der Zuständigkeit des Gartenbauamts. Weitere Wasseranlagen werden von den Stadtwerken Karlsruhe, dem Amt für Hochbau- und Gebäudewirtschaft und privaten Anbietern betrieben. Die Brunnen im Zuständigkeitsbereich der Stadt werden nach Aussage der Verwaltung täglich bis wöchentlich kontrolliert und gereinigt. Auch nach Scherben muss dabei immer wieder gesucht werden. 

Brunnen in Karlsruhe
Eine vergrößerte Übersicht der Brunnen in der Fächerstadt und weitere Details finden Sie auf der Seite der Europäischen Brunnengesellschaft Sektion Karlsruhe (Link führt auf externe Seite) | Bild: Screenshot Brunnengesellschaft Sektion Karlsruhe

Aber wie kommt es, dass Menschen ihren Müll ins Wasser werfen? Für Martin Kaffenberger, den kommissarischen Leiter des Amts für Vermögen und Bau, hängt das mit einer Entwicklung zusammen, die sich inzwischen überall in der Stadt beobachten lasse. "Die Leute übernehmen immer weniger Verantwortung für den öffentlichen Raum", kritisiert er im Gespräch mit ka-news. Das bestätigt auch Schlossgartenmeister Huber: Es komme leider immer öfter vor, dass Menschen ihren Müll einfach an Ort und Stelle entsorgten. Kontrollen rund um die Uhr halten beide für nicht machbar. Dafür fehle das Personal. 

Diese Entwicklung hat man aber nicht nur beim Amt für Vermögen und Bau beobachtet, sondern auch bei der Stadt Karlsruhe. Nachdem der See im neu eröffneten Citypark Ende Mai nach gerade einmal vier Tagen wieder abgesperrt werden musste, monierte Bürgermeister Michael Obert, dass "ein bestimmtes Fehlverhalten der Menschen" zum Regelfall geworden sei.

Immer wieder würden in der Fächerstadt Wasseranlagen auch zerstört, "indem Steinchen von den Wegen eingebracht werden, welche die Düsen beschädigen, teure Instandsetzungen sind die Folge", ärgerte sich Obert. Erlaubt ist das Planschen in den städtischen Brunnen daher nicht. Laut Polizeiverordnung der Stadt Karlsruhe (externer Link) ist es grundsätzlich untersagt, Wasseranlagen oder Brunnen zu verunreinigen oder zweckfremd zu benutzen, insbesondere in diesen zu baden. Wer es dennoch tut, sollte in den kommenden Tagen besser ganz genau hinschauen. 

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Kommentare (72)
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  •   haku
    (3813 Beiträge)

    17.06.2017 20:13 Uhr
    Wollte da heute am Friedrichsplatz...
    ...jemand etwas Farbe in die Diskussion bringen?
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  •   silberahorn
    (9374 Beiträge)

    14.06.2017 06:43 Uhr
    So ist das eben
    Die einzigen Intoleranzen, die man sich erlauben darf, sind die Laktoseintaleranz oder eine andere Lebensmittelintoleranz. Und damit ja nichts dazu kommt, wogegen man intolerant ist, wird alles doppelt und dreifach verpackt und das wird gerne toleriert.
    Wir haben ein Problem, dass wir ZUVIEL haben. Andere wären froh, wenn sie genug Trinkwasser hätten und hier kriegen manche nicht genug Party und die Party lieber ohne Wasser.

    Luxusprobleme nicht lösen zu können ist der dümmste Luxus überhaupt.
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  •   silberahorn
    (9374 Beiträge)

    14.06.2017 07:06 Uhr
    Partys und Feste
    sind übrigens keine Erfindung des jetzigen OB.
    Im Mai 1969 wurde in Karlsruhe die Imbissbude Ballermann1 gegründet. Inspiration für den Name: eine Flasche „Ballantines“-Whisky und mit zwei Pistolen bewaffnete Cowboys.
    Die Entwicklung dieser Geschäftsidee, die in Karlsruhe ihren Ursprung hatte, dürfte allgemein bekannt sein. Bis spät in die Nacht Getränke und Party und diejenigen verachten, die (wie z.B. ich) zuhause saßen und etwas gelernt haben.
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  •   peddersenn
    (962 Beiträge)

    14.06.2017 09:43 Uhr
    Nun ja.....
    ...meiner Erfahrung mit dem Ballermann1 nach war das nicht störend - zumindest nicht in DER Gegend zwischen Strassenstrich und FINA-Parkhaus. Und Party gabs da auch nicht. Da wurde gesoffen, gezockt, gedealt und gehandelt.

    Da hat der malle-Ballermann wohl nur den Namen von.
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  •   ka-lex
    (1520 Beiträge)

    14.06.2017 11:00 Uhr
    Wie das mit dem Ballermann war
    kann man hier nachlesen grinsen
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  •   Ozeiger
    (1459 Beiträge)

    14.06.2017 13:26 Uhr
    Interessante Geschichte,
    danke!

    Ich dachte bisher tatsächlich, dass es eine Verballhornung von 'balneario' ist. Ist aber eigentlich unlogisch, denn als der Ballermann 1969 gegründet wurde gab es ja dieses Partymalle noch gar nicht in der jetzigen Form. Da konnten sich die Leute noch benehmen.
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  •   silberahorn
    (9374 Beiträge)

    14.06.2017 10:27 Uhr
    Mit nur dem Namen
    scheint ein Irrtum vorzuliegen, wenn man den Verlauf im Stadtwiki glauben kann.
    Ballermann 6 in Mallorca awr auch zuerst von ihm. Natürlich hat er keinen Einfluss darauf, wie es sich nach ihm entwickelte.
    Nur gesoffen, gezockt, gedealt und gehandelt. , du bist lustig.

    Natürlich ist Party machen etwas anderes, wenn junge Leute sich irgendwo treffen wollen. Dagegen hat auch keiner viel einzuwenden, wenn man die Flaschen richtig entsorgt, weil man sich nicht traut das vorher unterwegs gekaufte Bier im Rucksack mit nach hause zu nehmen.
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  •   peddersenn
    (962 Beiträge)

    14.06.2017 10:42 Uhr
    Nur gesoffen, gezockt, gedealt und gehandelt. , du bist lustig.
    Nun ja, zumindest war das keine Partybeeinträchtigung der Umgebung. Die das DORT allerdings auch nicht gestört hätte.

    http://www.landesmuseum.de/website/Deutsch/Sonderausstellungen/Rueckblick/2007_-_Ausstellungen/_Viva_Espana_-_Von_der_Alhambra_bis_zum_Ballermann/Der_Ur-Ballermann.htm
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  •   silberahorn
    (9374 Beiträge)

    14.06.2017 10:11 Uhr
    1969
    war ich noch nicht in Karlsruhe. Ich kenne Ballermann nur in Nähe des jetzigen KIT und das als Fast-Food.
    Das hat sich lange gehalten.
    Und ich kann mich auch noch an die Bemerkungen zu einem Fest in der Fakultät erinnern, als man Prostituierte eingeladen hatte und das chic fand. Dazu kam noch, dass wohl Frauenrechtlerinnen Stinkbomben im Gebäude setzten. Ich habe davon nichts gemerkt, weil ich nicht auf diesem Fest war.
    Mich hat nur ein Assistent genervt, als ich "in der Regel" in eine Arbeit schrieb und er meinte einen blöden Spruch über Frauen machen zu müssen. Musste man als Frau eben aushalten können. Und er hat geschwärmt, was da los war, bei den früheren Festen.
    Tolle Witze insgesamt üblich, z.B. auch über eine Frau, die man "Trockenfuge" nannte.

    Wenn man mal kontern wollte, könnte man sagen, dass manche Männer den ganzen Monat über ein Problem haben und nicht nur tageweise. Aber man lässt es lieber, weil diese Sprücheklopfer keins haben.
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  •   Universum
    (1 Beiträge)

    13.06.2017 20:23 Uhr
    Verschmutzung in Park und Brunnen
    Sicher, dass das Verunreinigen. Arbeitsplätze schafft. Jeder Müllfahrer ist stolz darauf einen Arbeitsplatz zu haben. Nun könnte man auf diese herunter schauen. Wenn man bedenkt
    Dass diese Arbeitsplätze von uns allen bezahlt wird sind die läppischen Knöllchen die als Strafe Anfallen gering. Wenn sich jeder an die Nase fasst und sich nicht fein genug ist einmal ein papierchern vom Boden oder aus dem Brunnen fischt wie schnell könnte unsere Stadt Karlsruhe die sauberste Stadt werden.
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