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Karlsruhe Karlsruher Bäderkonzept 2010: "Über Schließungen muss man nachdenken"

Pünktlich zum Ende der Freibadsaison diskutierte der Karlsruher Gemeinderat in seiner gestrigen Sitzung über das Bäderkonzept 2010. In der ersten Fortschreibung des Bäderkonzepts 2000 hat sich die Stadt zum Ziel gesetzt, weiter in das Rheinstrandbad Rappenwörth und das Vierordtbad zu investieren und die gesamte Bäderlandschaft zielgruppenorientiert auszurichten. Obwohl das Konzept auf geteilte Meinungen unter den Stadträten traf, stimmten diese mehrheitlich dafür.

Einen Investitionsbedarf von 50 Millionen Euro sieht das Bäderkonzept in den kommenden zehn Jahren vor, erläuterte der zuständige Dezernent Martin Lenz vor dem versammelten Gemeinderat. Erklärtes Ziel sei es, zu verhindern, dass das Defizit der Bäder steigt und die Attraktivität der Karlsruher Bäderlandschaft zu erhöhen. Nachdem das Hauptaugenmerk des Bäderkonzept 2000 auf dem Bau des Europabads lag, "widmet sich das kommende Jahrzehnt der Situation der gesamten Bäderlandschaft", so Lenz.

Umfangreiche Investitionen für Rappenwört und Vierordtbad

Das 95 Seiten starke Konzept, das bis zum Jahr 2020 gelten soll, sieht unter anderem vor, das Rheinstrandbad Rappenwört für rund 8,5 Millionen Euro umfangreich zu sanieren. Allein vier Millionen Euro sollen in einen Ausbau des Restaurants fließen. Zusätzlich benötigt das Bad einen modernisierten Kassenbereich, neue Umkleidekabinen und ein neues Planschbecken.

Das Vierordtbad erfordert, laut Konzept, zirka 4,3 Millionen Euro, um bestehende Anlagen zu sanieren und einen Ausbau Richtung "Medical-Wellness" zu realisieren. Darüber hinaus benötigt das Sonnenbad eine Generalsanierung. Aufgrund eines Investitionsstaus hat die Stadt das Bad seit 40 Jahren nicht mehr erneuert. Die geschätzten Kosten hierfür schätzt die Verwaltung auf über acht Millionen Euro.

Als "hervorragende Bestandsaufnahme" bezeichnete CDU-Stadtrat Detlef Hofmann das Konzept. "Es hilft uns enorm dabei, zu entscheiden, wie es mit der Bäderlandschaft weitergehen soll." Ein erster Schritt soll in den ersten fünf Jahren erfolgen, fordert der Stadtrat. Grundsätzlich möchte er verhindern, dass die Bäder, die keine Schwerpunktbäder wie das Europabad und das Fächerbad seien, schleichend ausbluteten.

Alle Bäder mit Alleinstellungsmerkmalen

Für Grünen-Stadträtin Dorothea Polle-Holl ist das Konzept zwar "eine gute Bestandsaufnahme, aber noch kein fertiges Konzept". Sie forderte Verwaltung und Politik auf konkrete Vorschläge zu entwickeln, wie es mit den Bädern zukünftig weitergehen soll. SPD-Stadträtin Ute Müllerschön betonte, dass es wichtig sei, dass "die Bäder nicht miteinander konkurrieren, sondern jedes Alleinstellungsmerkmale besitzt." Dennoch dürfe sich der Gemeinderat nicht davor verschließen, über Neubau, Sanierung und auch Schließung von Bädern zu diskutieren.

FDP-Stadtrat Thomas Hock zeigte sich dagegen enttäuscht vom Bäderkozept. "Es ist eine Auflistung der zu erwartenden Investitionen, aber kein Konzept, wie die Bäderlandschaft in zehn Jahren aussehen soll." Die Investitionen in den Gastrobetrieb des Rheinstrandbads sieht Hock nicht ein: "Der Betreiber soll selbst dafür investieren." KAL-Stadtrat Eberhard Fischer stehe "grunsätzlich positiv" zum Konzept. Jedoch gelte es auch die Bäder in der Region in die Überlegungen zu Karlsruher Bäderlandschaft miteinzubeziehen. Für ein attraktives Bäderangebotmüsse sich die Stadt fragen, "was müssen wir selbst abdecken und was nimmt uns die Region ab?"

Über Schließungen müsse nachgedacht werden

"Das Angebot der Badanlagen ist der demografischen Entwicklung entsprechend anzupassen und durch Alleinstellungsmerkmale überregional auszurichten", schlägt das Konzept vor. Dazu will die Stadt in den nächsten drei Jahren 17,79 Millionen Euro in die städtischen Bäder investieren. Schließungen sieht das Konzept derzeit noch nicht vor. Alle zwei Jahre will Bürgermeister Lenz dieses im Sinne einer Ergebniskontrolle fortschreiben.

Erste Bürgermeisterin Margret Mergen, die Oberbürgermeister Heinz Fenrich als Sitzungsleiter während der ersten Hälfte der Gemeinderatssitzung vertrat, gab dabei zu bedenken, dass die Stadt nicht mit gleichen Prioritäten alle Bäder fortführen könne. Verwaltung und Gemeinderat kämen nicht umhin zu fragen, welche Bäder sie in Zukunft schließen müssten, weil diese unrentabel seien.

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Kommentare (13)
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  • unbekannt
    (91 Beiträge)

    22.09.2011 07:01 Uhr
    Erklärtes Ziel sei es ...
    ... , zu verhindern, dass das Defizit der Bäder steigt und die Attraktivität der Karlsruher Bäderlandschaft zu erhöhen.

    Dass ich nicht lache. Im Europabad war ich noch nie. In unser Höhenstadtteilbad wäre ich regelmäßig gegangen (wenn es nicht für das Europabad geschlossen worden wäre). Jetzt muss halt Ettlingen fürs baden herhalten (da ist es auch sehr schön). Und für die (Klein)-Kinder ist es allemal besser (zumindest vom hörensagen ... ich hab kein Vergleich zum E-Bad). UND (ganz wichtig): E-Bad Familienkarte: 31€ ... Ettlingen: meine Kiddys noch umsonst, wir 9€, später 11,50€ bzw. noch später 14€.
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  •   DonHasi
    (791 Beiträge)

    22.09.2011 06:53 Uhr
    Wetter II
    Und wenn man in einem ausgeprochen gut besuchten Schwimmbad die letzte Möglichkeit zu Schwimmen einer "Kinderaufbewahrungsanstalt" für die gescheiterten "selbstverwirklichungsversuche, grenzdebiler Erwachsener" und einem "pipiwarmen Becken" mit "Querbandarole" für die "Rollatorfraktion" opfert, dann ist das an Schwachsinn einfach nicht zu topen und das Defizit quasi vorprogrammiert.
    Kein Mensch käme auf die Idee für ein Theater Eintritt zu verlangen, in dem schon seit Jahren keine Vorstellung mehr gespielt wird...
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  •   DonHasi
    (791 Beiträge)

    22.09.2011 06:44 Uhr
    Wetter
    Bedenkt jemand, das zum rentablen Betrieb, speziell von Freibädern einfach auch das Wetter mitspielen muß. Und wenn man, wie in Deutschland nun mal 8 Monate Scheiss Wetter hat, bevor es dann Winter wird, ist es mit einem Freibad nun mal sehr schwierig.
    Egal was es Eintritt kostet, wo es steht und was es bietet.
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  • unbekannt
    (5089 Beiträge)

    21.09.2011 18:55 Uhr
    Die Lage der Bäder
    war schon vor dem Bau des Irrsinnsbades katastrophal. Aber der dicke F. mußte ja ein neues Millionenloch haben.
    Schilda wie es leibt und lebt.
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  • unbekannt
    (81 Beiträge)

    21.09.2011 17:34 Uhr
    Luxusbude
    Allein vier Millionen Euro sollen in einen Ausbau des Restaurants fließen!

    Das muss ja ne super Luxusbude werden - für etwa fünf Monate im Jahr!!!
    Diese Investition scheint mir reichlich hoch gegriffen, auch wenn Kühlanlagen und einzuhaltende Hygienevorschriften sicher nicht ganz billig sind.
    Würde ein Privatunternehmen auch so viel Investieren? Kann sich so etwas rechnen???
    Wenn wir ins Freibad gehen, haben wir meist unseren Proviant dabei. Mal ein Eis oder einen Kaffee, okay. Für den ein oder anderen mag auch mal ein Snack notwendig sein, aber einen Restaurantbesuch habe ich noch nie vermisst und könnte (und wollte) es mir nicht regelmäßig leisten.
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    21.09.2011 17:51 Uhr
    Vielleicht
    ist der Begriff Restaurant etwas hoch gegriffen. Etwas auf Biergartenniveau tuts ja wohl für ein Freibad. Es sei denn man macht was das auch für Nichtfreibadbesucher zugänglich ist und ganzjährig offen hat. Es ist zwar arg weit draussen, aber dort in der Gegend hats ja auch im Winter genug Spaziergänger.
    Ich denk da jetzt grad an etwas wie die Insel Rott. Mit einer gewissen Attraktivität für die es sich lohnt da rauszufahren.
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  • unbekannt
    (140 Beiträge)

    21.09.2011 16:32 Uhr
    Schließt das bescheu...
    Europabad. Das braucht keiner !
    Und kostet viel zu viel. Dafür kann man ein paar Stadtteilbäder bezahlen - zu deutlich geringeren Eintrittspreisen.
    Und das Vierordtbad ist ja auch kein Bad mehr.
    Nur noch eine Sauna mit - zugegeben schönem - Planschbecken.
    Aber Schwimmen kann man dort nicht.
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  •   lenkdreiachser
    (358 Beiträge)

    22.09.2011 08:36 Uhr
    Europabad und Stadtteilbäder
    Dass das Bad "niemand braucht", ist angesichts von 430.000 Besuchern (von insgesamt 1,5 Mio. in den Karlsruher Bädern) eine etwas seltsame Aussage. Ich ziehe jedenfalls einen zeitgemäßen Badetempel einem tristen quadratischen Stadtteilbad vor - wie wohl Viele aus den jeweiligen Stadtteilen auch, die anstatt das Bad vor ihrer Haustür aufzusuchen lieber den Weg in attraktive Umlandbäder auf nehmen. Nun gibt es immerhin etwas Adäquates [b]in[b] der Stadt, das auch als Magnet nach außen wirkt und damit mittelfristig (nach einer zugegeben dilettanischen Anfangsphase) auch das Defizit nach unten gehen lässt.
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  •   Insider
    (724 Beiträge)

    21.09.2011 15:29 Uhr
    Die Mergen wieder...
    Folglich laut Mergen müßten also alle Bäder schließen, weil sie alle unrentablel sind. Guter Witz!
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  •   jaw
    (151 Beiträge)

    21.09.2011 14:12 Uhr
    ganz einfach...
    Alle Bäder sind unrentabel... Wenn man der Logik folgen würde müssten deutlich höhere Eintrittspreise verlangt und Privatisiert werden. Jede Stadt bläst durch den Bäderbetrieb Millionen jedes Jahr durch den Kamin.
    Klar, jede Stadt benötigt diese, nur eben die Frage ob man die Bäder dann um jeden Preis halten muss.
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