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Karlsruhe Karlsruhe will nachbessern: "Fußgänger wurden jahrelang vernachlässigt"

Sie gehören inzwischen zur Alltagsroutine in der selbsternannten Baustellenhauptstadt Karlsruhe: Umleitungen und Sperrungen sorgen regelmäßig für Unmut unter den Verkehrsteilnehmern. Gerade Auto- und Radfahrer müssen sich im Zuge von Kombilösung und Straßensanierungen flexibel zeigen. Doch ein Blick in die langfristige Verkehrsplanung der Stadt zeigt: Es gibt eine Gruppe, die eigentlich mehr zu meckern hätte.

Geht es um Verkehrsfragen, gibt es eine Gruppe, die bei der Planung in den vergangenen Jahren immer wieder das Nachsehen hat: Die Fußgänger. "Fußgängerförderung wurde - abgesehen von der Schaffung von Fußgängerzonen - bundesweit über Jahrzehnte vernachlässigt", so die Stadt Karlsruhe auf Nachfrage von ka-news.

Auf Landesebene nahm man aus diesem Grund auf einer Konferenz Ende Februar den Fußverkehr in den Fokus. 200 Experten aus Kommunen, Landeseinrichtungen, Verbänden, Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten auf einer Konferenz in Stuttgart Möglichkeiten, die Situation für Fußgänger im Verkehrsgeschehen zu verbessern. Ihr Ziel: Zu Fuß gehen soll in Baden-Württemberg attraktiver und sicherer werden.

Wie steht es um den Fußverkehr in Karlsruhe?

Fußgängerverkehr verbessern - wie geht die Fächerstadt mit diesem Thema um? Nachzulesen ist dies im Verkehrsentwicklungsplans (VEP) der Stadt. Hierin heißt es: "Die Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Fußverkehr ist in erster Linie eine kleinteilige baulich-gestalterische Aufgabe." Land und Stadt sind sich einig: Gerade in Hinblick auf Barrierefreiheit, Alterung der Gesellschaft, nachhaltigen Verkehr und Reurbanisierung der Städte besteht Handlungsbedarf.

Konkrete Aussagen, wo welche Fußwegeverbindungen zu schaffen oder auszubauen sind, findet man im VEP jedoch nicht. Stattdessen, heißt es, man wolle das Fußverkehrsnetz in Karlsruhe quartiersweise verbessern - die entsprechende Vorgehensweise wurde "Der Karlsruher (Fuß-)Weg" genannt.

Problemkind: Gehweg-Parken

Ähnlich dem 20-Punkte-Programm zur Radförderung beschreibt der Karlsruher Weg das Erkennen von Defiziten sowie Maßnahmenentwicklung und -umsetzung. Dieser Analyse soll jeder Stadtteil unterzogen werden. Erste Ergebnisse: Ein großes Problem stellt das Gehwegparken in Karlsruhe dar. Um hierfür eine Lösung zu finden, gab es bereits in drei Musterstadtteilen (Knielingen, Mühlburg und Südstadt) gemeinsame Begehungen des Stadtplanungs-, Tiefbau sowie des Ordnungs- und Bürgeramts.

"Da Änderungen beim bisher geduldeten Gehwegparken mit einer hohen Betroffenheit der Bevölkerung einhergehen, findet eine intensive Einbindung der Bürgervereine statt", so die Stadt gegenüber ka-news. "Die Bürger wurden bereits bei mehreren Bürgerversammlungen zu diesem Thema informiert, der derzeitige Sachstand wird im April im Planungsausschuss diskutiert."

"Fußgänger-Check" für Karlsruhe?

Auf Landesebene gab es zwei konkrete Ergebnisse aus der Auftakt-Konferenz in Stuttgart: Fußgängerförderung ist Sache der Städten und Gemeinden. Diese will man mit dem Angebot eines "Fußverkehrs-Checks"unterstützen. "Bürger, Verwaltung und Politik bewerten dabei im Dialog die Situation des Fußverkehrs vor Ort", heißt es aus dem Verkehrsministerium, "In Workshops und Begehungen erfassen sie die Stärken und Schwächen im örtlichen Fußverkehr und erarbeiten einen Maßnahmenplan." Ab Frühjahr 2015 sollen sich die Städte bewerben können.

Eine Option für die Karlsruhe? "Es gibt noch keine konkreten Überlegungen der Stadtverwaltung, sich für den Fußgänger-Check zu bewerben", so die Stadtsprecherin. Denn: "Die Auftaktveranstaltung des Landes in Stuttgart zur systematischen Fußgängerförderung war in Bezug auf dieses Thema auch noch nicht sehr konkret. Die Bewerbungsunterlagen standen zum Zeitpunkt der Veranstaltung noch nicht zur Verfügung und sollen den Kommunen in den nächsten Wochen zugehen."

Dann will man in Karlsruhe entscheiden, inwiefern der Fußgänger-Check Sinn ergibt: "Die mit einem solchen Projekt verbundenen Erwartungen bei den Bürgern auch eine realistische Chance auf Umsetzung haben sollten. Genau zu betrachten ist etwa nach Vorliegen konkreterer Unterlagen seitens des Landes, wie sich das Land über den Fußgänger-Check an der Fußwegförderung beteiligen möchte", erläutert die Stadtsprecherin.

Erfahrungsgemäß beschränke sich die Unterstützung des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur auf die konzeptionelle Phase, die Kommune müsse das Projekt ab dem Stadium der Umsetzung auch in Bezug auf Personalaufwand und Finanzierung alleine schultern. "Diese Aspekte müssen mit Blick auf die ohnehin in Karlsruhe schon laufenden oder vorgesehenen Maßnahmen berücksichtigt werden", so die Stadt.

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  •   Dr_Saidias
    (748 Beiträge)

    17.03.2015 19:42 Uhr
    Ich hätte gern was zum Thema gesagt
    aber der dämliche Bäpper verhindert das wieder.
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  •   mcclaney
    (1463 Beiträge)

    17.03.2015 16:56 Uhr
    ...
    Einige Ampeln sind in Karlsruhe für Fußgänger so geschaltet, dass man nur binnen Zwei Phase die Kreuzung überqueren kann...andernorts werden Brücken abgerissen oder Unterführungen geschlossen, zum Nachteil aller Verkehrsteilnehmer.
    Als Radfahrer hatte ich nie Probleme damit, meinen Drahtesel an der Unterführung Hirschstraße mal ne Treppe runter und wieder rauf zu bugsieren. Und wenn die Unterführung der Kriegsstraße Höhe Kreutzstraße dichtgemacht wird, darf man als Fußgänger wie auch als Radler mehrere hundert Meter Umweg in Kauf nehmen. Na danke sehr!
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  •   mueck
    (10822 Beiträge)

    17.03.2015 22:40 Uhr
    !
    Die Unterführung Hirschstr. habe ich praktisch nie genutzt, mit dem Rad schon gar nicht, wie auch die der Kreuzstr., die ebenerdige Querung Hirschstr. nutze ich dagegen öfters, insbes. zu Fuß.
    Kreuz- und Adlerstr. sollen ebenerdige Querungen bekommen, also keine Umwege!
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  •   quattrostagnazione
    (874 Beiträge)

    18.03.2015 01:38 Uhr
    Die Unterführung
    Hirschstrasse war toll, aus der Hl. Sophie raus, Strasse vor, durch die Unterführung, hoch auf die Brücke und dann einfach runterrollen lassen bis heim. Kein einziges Auto nachts um eins. Wäre man vor auf die Karlstrasse wäre auf jeden Fall Verkehr gewesen und unter Umständen wäre auch ein ein (damals noch) grün-weisses Auto dabeigewesen und die Insassen desselben hätten Streit gesucht. Schon allein wegen des fehlenden Lichts. Und dann hätten sie dich angehalten, Alkoholtest, ojeoje...ne, die Unterführung war schon ok. grinsen
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  •   Menschenverstand
    (590 Beiträge)

    17.03.2015 09:28 Uhr
    Fußgängererziehung sollte auf dem Stundenplan stehen
    Solange ein Großteil der Fußgänger willenlos während des Laufens auf ihr Smartphone schauen, ist egal wie Fußwege beschaffen sind, da eh auf allem rumgetorkelt wird was unter die Füße kommt. Statt Apps mit Kollisionswarnung sollte die Benutzung unter Strafe gestellt und vor allem verfolgt und geahndet werden. Da könnte die Stadt deutlich mehr Geld abkassieren, als von wenigen "Kampfradlern".
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  •   ALFPFIN
    (6770 Beiträge)

    17.03.2015 11:37 Uhr
    Es gibt aber schon
    noch Fußgänger, die nicht mit Smartphone vor der Nase herumlaufen, aber das mittlere Alter und die alten Menschen zählen wohl bei Ihnen nicht? oder grinsen
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  •   Menschenverstand
    (590 Beiträge)

    17.03.2015 12:36 Uhr
    Gerade das mittlere Alter
    hat mindestens genauso oft wie Kids das Handy vor der Nase... Gerade erst am WE erlebt...
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  •   ALFPFIN
    (6770 Beiträge)

    17.03.2015 08:27 Uhr
    Ist ja wieder typisch,
    zwei Kommentare, einmal Fahrradförderung und Sorge um den Autoverkehr. grinsen

    Kein Wort über Fußgänger, so wird das nichts mit dem
    Recht der Fußgänger im Verkehr, die bleiben halt wieder eingeklemmt zwischen Autoverkehr und Verkehr der Radfahrer auf den Gehwegen.

    Und sofern "Fußverkehr" im öffentlichen Raum stattfindet müsste man
    hierüber ja auch mal "platzmäßig" nachdenken. grinsen
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  •   mkossmann
    (132 Beiträge)

    17.03.2015 12:43 Uhr
    .
    Lies mal richtig. Es ist ein Unding, das "Fahrradförderung" darin besteht, das Gehwege zu Radwegen gemacht werden.
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  •   mkossmann
    (132 Beiträge)

    17.03.2015 04:46 Uhr
    Und Fahrradförderung
    bestand in der Vergangenheit oft darin, in die Mitte eines vorhandenen Gehweges einen weissen Streifen zu malen und dazu ein blaues Schild aufzustellen. Oder auch nur darin, ein blaues Schild aufzustellen.
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